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Karlsruhe Zweite Rheinbrücke: Ersatzbrücke spart rund 50 Millionen Euro

Die Pläne für eine Ersatzbrücke statt der derzeit geplanten zusätzlichen zweiten Rheinbrücke von Karlsruhe nach Wörth werden konkreter. Nachdem das baden-württembergische Verkehrsministerium kürzlich erklärte, dass es erwäge die Ersatzbrücken-Variante in den neuen Bundesverkehrswegeplan einbringen zu wollen, nennt das Ministerium nun erstmals konkrete Zahlen. Demnach soll die Brücke drei Spuren in jede Richtung bekommen, rund 60 Millionen Euro kosten und die Planung etwa dreieinhalb Jahre dauern.

"Das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg erwägt die Anmeldung einer Ersatzbrücke als zusätzliche Variante für den neuen Bundesverkehrswegeplan", teilte das baden-württembergsiche Verkehrsministerium (MVI) kürzlich auf ka-news-Anfrage mit. Der Bau einer Ersatzbrücke sei aus ingenieurtechnischer Sicht möglich.

Jetzt konkretisiert das Ministerium in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Manfred Groh die Ersatzbrücken-Pläne. In der Stellungnahme des MVI, die ka-news vorliegt, heißt es: "Eine Ersatzbrücke mit je drei Fahrstreifen und einem Standstreifen je Richtung kann aus zwei getrennten Überbauten hergestellt werden." Demnach könnte die bestehende Brücke abgerissen und an deren Stelle eine Ersatzbrücke errichtet werden. Während der Bauphase stünden für den Verkehr in jede Fahrtrichtung zwei Fahrbahnen zur Verfügung, so das MVI.

Ministerium: Ersatzbrücke kostet rund 41 Millionen Euro

"Sowohl beim Bau einer 'Ersatzbrücke', einer zweiten Rheinbrücke als auch bei einer Sanierung der Brücke Maxau handelt es sich um Bauvorhaben in der Baulast des Bundes", so das MVI weiter. Das Ministerium beziffert in einer "groben Kostenschätzung" die Baukosten für eine Ersatzbrücke mit rund 41 Millionen Euro. Darin enthalten seien auch die "Abbruchkosten für das Bestandsbauwerk". Für weitere notwendige Baumaßnahmen im Zusammenhang mit der Ersatzbrücke rechnet das Ministerium mit mindestes 20 Millionen Euro. Die Kosten für die sich derzeit im Planfeststellungsverfahren befindliche Rheinquerung (ohne Anschluss an die B36) werden laut MVI bislang auf etwa 107 Millionen Euro geschätzt.

"Eine Auseinandersetzung mit einer Ersatzbrückenlösung sowie eine 'Bewertung' oder Ablehnung derselben durch den Bund ist dem Land nicht bekannt. Auch im Raumordnungsverfahren auf rheinland-pfälzischer Seite fand eine Auseinandersetzung mit dem Thema Ersatzbrücke nicht statt, sondern es wurde lediglich die Möglichkeit einer Parallelbrücke betrachtet", so das MVI auf die Frage Grohs, wie denn die Ersatzbrücke vom Bund und Rheinland-Pfalz bewertet werde. Das Ministerium geht aktuell für die Ersatzbrücke von einem Planungszeitraum von insgesamt rund dreieinhalb Jahren aus. 

CDU-Politiker Groh: "Land und Stadt nutzen jede Gelegenheit, um die zweite Rheinbrücke zu verzögern"

CDU-Politiker Groh kritisiert in einer Pressemitteilung das Verkehrsministerium: "Das Vorgehen der Landesregierung um eine 'Ersatzbrücke' zeigt darüber hinaus zweierlei: Zum einen wird nun versucht auf die Schnelle noch das Projekt als Ersatz für die zweite Rheinbrücke im Bundesverkehrswegeplan unterzubringen. Damit ist in diesem Jahrzehnt mit keiner Verbesserung der Verkehrssituation über den Rhein mehr zu rechnen. Zum anderen wird deutlich, dass der Vorstoß weder mit dem Bund noch mit dem Land Rheinland-Pfalz in irgendeiner Art und Weise abgestimmt worden ist. Dies ist ein trauriges Beispiel dafür, wie orientierungs- und konzeptlos die grüne Führungsspitze des MVI arbeitet."

Aus der Antwort des MVI gehe laut Groh ebenfalls hervor, dass mit "massiven Beeinträchtigungen der Autofahrer während der mehrjährigen Bauarbeiten" zu rechnen sei. "Für den Bau einer 'Ersatzbrücke' würden je Fahrtrichtung nur zwei Fahrbahnen über mehrere Jahre hinweg zur Verfügung stehen. Wenn ich an die massiven Verkehrsprobleme während der viermonatigen Sanierungsarbeit an der Brücke Maxau im vergangenen Jahr zurückdenke, dürfte für jeden klar sein, was die Landesregierung mit der Unterstützung des Karlsruher OB Mentrup, den betroffenen Menschen zumuten will", so Groh weiter. Groh sieht sich eigenen Angaben zufolge darin bestätigt, dass "Land und Stadt im Gleichschritt jede Gelegenheit nutzen, um die zweite Rheinbrücke zu verzögern".

Aktuell läuft das Planfeststellungsverfahren für eine zweite Rheinbrücke von Karlsruhe nach Wörth. Beim Eröterungstermin im Juli wurden viele Zweifel an der aktuellen Planung laut. Oberbürgermeister Frank Mentrup stellte sich vehement gegen das geplante Bauprojekt und forderte stattdessen eine Ersatzbrücke anstelle der bestehenden Brücke ernsthaft als Variante zu verfolgen.Mentrup kündigte damals an: Die Stadt werde "alles Erdenkliche tun, um diese Pläne zu verhindern".

Zweite Rheinbrücke: Verkehrsministerium forciert Ersatzbrücken-Variante

Weitere Informationen zum Thema "Zweite Rheinbrücke" bei ka-news

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  •   lebenswertes_KA
    (122 Beiträge)

    Die Ersatzbrücke
    ist ein tragfähiger Kompromiss, um die tot gesagte derzeitige Brücke zu ersetzen. Die Regionen in KA und in der Vorderpfalz wollen aber mehr. Sie wollen die durch den Ausbau der Gewerbegebiete in Wörth und Jockgrim entstandenen und entstehenden sowie die Verflechtungen der Lkw-Verkehre zwischen dem südlichen Landkreis von KA und der Vorderpfalz und auch den europäischen Durchgangsverkehr von der A 65 zur A5/A8 dauerhaft in das Stadtgebiet von KA abschieben, so wie sie es durch die Verweigerung einer 'echten' Autobahnweiterführung von der A 65 zur A5/A8 und einem Ausbau der B 9 Richtung Frankreich bisher schon, leider ziemlich erfolgreich, getan haben.
    Der Karlsruher Gemeinderat ist aufgerufen, diesem Treiben ein Ende zu setzen. Wofür wurden diese Leute eigentlich gewählt?
    Insbesondere Herr Ehlgötz sollte sich in die Region verabschieden.
    Er vertritt aus meiner Sicht in dieser Sache keine KA-Interessen. LuSchwa, IW und Groh genau so wenig. Die KA-CDU sollte sich schämen.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    Offensichtlich
    ist die Ersatzbrücke der mehrheitsfähige Kompromiss. Wer sich wie Wellenreuther, Groh, Schnaudigl und Fischer dagegen stellt, verzögert die möglichen und sinnvollen Verbesserungen der Rheinquerung für PKW und LKW.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    Groh war
    ... ein Jahr lang Mitglied im Gemeinderat als seine Partei den OB stellte
    ... sechs Jahre lang Bürgermeister als seine Partei den OB stellte
    ... sechs Jahre lang Mitglied der Regierungsfraktion im Landtag von Baden-Württemberg.

    Vor dieser Zeit stellte die CDU in Karlsruhe 29 Jahre lang ununterbrochen den OB und 46 Jahre lang im Land den Ministerpräsidenten.

    An der Nordtangente wird etwa seit 40 Jahren geplant. Das Raumordnungsverfahren für die Brücke war 2006 abgeschlossen.

    Wie kommt Groh auf die Idee, dass es an einer anderen Partei liegt als der CDU, dass die Nord-Brücke noch nicht im Bau ist? Und glaubt Groh ernstlich, dass die Nord-Brücke nun, mit einem SPD-Bürgermeister, einem Grünen Ministerpräsidenten und vor allem mehreren neuen Gutachten, die den Unsinn des Unternehmens klar dokumentieren, irgendeine Chance hat verwirklicht zu werden, wenn es 2006-2011 nicht möglich war?
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  •   alpinium
    (5473 Beiträge)

    Dem Groh schieben
    sie die 50 Mio in den Arsch, die den Aufpreis zur Zweitbrücke ausmachen! Das ist sein Preis, deshalb setzt er sich doch dafür ein. zwinkern
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  •   teflon
    (2316 Beiträge)

    Was kostet der
    Ersatz fuer Opa Groh? Ist der mal wieder aus dem Hinterbaenklerschlaf erwacht und zu heftig mit der letzten Hirnzelle auf die Tischkante geknallt?
    Wenn ich den seh oder was von ihm lese, dann fordere ich ab sofort einen verbindlichen IQ-Test fuer Abgeordnete (ein Ergebnis groesser > 50 reicht schon voellig aus) - dann wird man locker 50% von den Politik-Kostgaengern aller Parteifarben los, die eh kein Mensch braucht.
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  •   det-c
    (14 Beiträge)

    Ursachen beseitigen
    Es ware doch viel sinnvoller, die Ursache für den Verkehr zu beseitigen, DM-Zentrale nach Mannheim, EnBW-Zentrale nach Stuttgart, Siemens-Fetrigung nach Hagenau, Siemens-Entwicklung nach Bruchsal etc
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  •   lebenswertes_KA
    (122 Beiträge)

    Diese Vorschläge sind natürlich blanker Unsinn, denn
    die Ursache der Verkehrsprobleme besteht darin, dass die A 65 nicht als 'echte' Autobahn zur A 5/A8 weiterführt wird, sondern eine innerstädtische Verteil- und Entlastungsstraße in KA, die Südtangente, als Autobahnquerspange missbraucht wird.
    Die politischen Kräfte in der Voderpfalz und im Landkreis KA ignorieren dies, haben sich zum Ziel gesetzt, die eigene Bevölkerung maximal von allen Verkehrsbelastungen zu verschonen und fordern frech und vehemment, diese Verkehrsbelastungen zusätzlich noch zu den bereits bestehenden unerträglichen und unzumutbaren Verkehrsbelastungen im Westen von KA der Bevölkerung von KA aufzubürden. Gleichzeitig weist Wörth und Jockgrim zusätzliche Gewerbegebiete aus, befördert damit zusätzliche Verkehre und möchte diese gnadenlos und mit Anspruch auf das Stadtgebiet von KA abschieben. Man hat ja die Pendler, die man vorschieben kann. Diese sind aber nicht das Problem, sie leiden nur unter der Verkehrspolitik von RhPf und dem Landkreis KA. Nicht der Stadt KA.
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  •   alpinium
    (5473 Beiträge)

    Bravo!
    Alles sauber auf den Punkt gebracht!
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    Groh hat mal wieder fast Recht
    Zitat von Aus dem Artikel Groh sieht sich eigenen Angaben zufolge darin bestätigt, dass "Land und Stadt im Gleichschritt jede Gelegenheit nutzen, um die zweite Rheinbrücke zu verzögern".


    Fast richtig. Richtiger wäre "zu verhindern" statt zu verzögern. Und das wird auch keiner der genannten bestreiten. Und warum? Weil die Verhinderung sinnvoll ist und das nach den ganzen Gutachten und Faktenchecks der vergangenen zwei Jahre offensichtlich ist.

    Zitat von Groh Damit ist in diesem Jahrzehnt mit keiner Verbesserung der Verkehrssituation über den Rhein mehr zu rechnen.


    Meint der Groh, die Landesregierung sagt genau das Gegenteil. Und selbst wenn stellt sich die Frage, ob ausgerechnet die CDU nach gefühlten zweihundertdreiundachtzig Jahren Durchregierens in Land und Stadt all zu sehr betonen sollte, dass die Verbesserungen erst im nächsten Jahrzehnt eintreten. Die CDU hatte mehrere Jahrzehnte Zeit Verbesserungen zu erzielen und hat sie verstreichen lassen.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    Ein
    Planungszeitraum von 3,5 Jahren für so einen Muckenschiss.
    Und die Stadträte echauffieren sich über eine überholte Technologie wie WLAN das keine Sau braucht.

    Man ist von Irren umgeben, kann aber nichts dagegen tun.
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