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Stuttgart/Karlsruhe Zweite Rheinbrücke: Ergebnisse der Arbeitsgruppe - Brücke soll saniert werden

Die länderübergreifende Arbeitsgruppe zu einer "leistungsfähigen Rheinquerung zwischen Karlsruhe und Wörth" hat erste Ergebnisse im Internet veröffentlicht. Demnach soll die bestehende Rheinbrücke innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre mit einem neuen Bauverfahren saniert werden. Auch zahlreiche naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen sollen durchgeführt werden. Das teilt das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg (MVI) in einer Pressemitteilung mit.

Die jetzt auf den Internet-Seiten der beiden Ministerien veröffentlichten Ergebnisse sollen nach der Sommerpause bei einem öffentlichen Pressetermin im Einzelnen vorgestellt werden. Darunter gibt es Überlegungen, wie der morgendliche Stau Richtung Karlsruhe entschärft werden kann. Auch eine Verkehrssimulation, Verkehrsprognosen und eine verbesserte Verkehrsführung auf der bestehenden Brücke sollen aufgezeigt werden. Darauf weisen die beiden Staatssekretäre Gisela Splett aus dem baden-württembergischen Ministerium für Verkehr und Infrastruktur und Jürgen Häfner aus dem rheinland-pfälzischen Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur hin.

Neues Verfahren wird in Tübingen getestet

Bei vier von zwölf Arbeitsbereichen liegen die Ergebnisse schon jetzt vor. So erwägt die Arbeitsgruppe unter anderem, die bestehende Brücke mit ultrahochfestem Beton (UHFB-Verfahren) zu sanieren. Denn Untersuchungen hätten gezeigt, dass die stählerne Fahrbahnplatte der Rheinbrücke Ermüdungsprobleme aufweise. Diese Probleme führten in der Vergangenheit bereits mehrfach zu Rissen an einzelnen Bauteilen beziehungsweise an bauteilverbindenden Schweißnähten.

Wie eine in diesem Zusammenhang in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie ergeben habe, könnten durch eine Verstärkung der Fahrbahnplatte mit dem sogenannten UHFB-Verfahren die "bestehenden Defizite wirkungsvoll und dauerhaft beseitigt werden". Demnach soll die Fahrbahnplatte großflächig durch Aufbringen einer dünnen Schicht aus ultrahochfestem Faserbeton versteift werden.

Sanierung in vier bis fünf Jahren

In Deutschland liegen laut Arbeitsgruppe allerdings bisher keine Erfahrungen zu dem vorgesehenen, im europäischen Ausland bereits vereinzelt erprobten Bauverfahren vor. Das Land hat daher dem Bund als Baulastträger der Rheinbrücke Maxau vorgeschlagen, das Verfahren zunächst an einem kleineren Bauwerk zu erproben. Bei Tübingen wurde ein Bauwerk gefunden, dass mit der Rheinbrücke Maxau vergleichbar ist. Da dort ebenfalls eine entsprechende Instandsetzung ansteht, wurde es als Pilotbauwerk ausgewählt.

"Bei positivem Verlauf des Pilotprojektes scheint die Verstärkung der stählernen Fahrbahnplatte der Rheinbrücke innerhalb eines Zeitraums der nächsten vier bis fünf Jahre realisierbar zu sein", so das Fazit der Arbeitsgruppe. Auch kommt die Arbeitsgruppe zu dem Schluss, dass schon Jahre vor Beginn des Baus einer zweiten Rheinbrücke zahlreiche naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt werden müssen.

Opposition übt Kritik an Arbeitsgruppe

Derzeit wird das Planfeststellungsverfahren für eine zweite Rheinbrücke auf baden-württembergischer Seite durchgeführt. Die Straßenbauverwaltung bearbeitet aktuell die eingegangenen Einwendungen. Zudem laufen derzeit mit der Planfeststellungsbehörde die Abstimmungsgespräche hinsichtlich der noch benötigten Unterlagen. Nach Vorliegen aller Unterlagen benötigt die Planfeststellungsbehörde rund drei Monate Vorlaufzeit bis zu einem möglichen Erörterungstermin, heißt es weiter.

Auf einer gemeinsamen Kabinettsitzung am 29. November 2011 haben die Landesregierungen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beschlossen, eine Arbeitsgruppe einzurichten, um die nach dem Faktencheck im November 2011 noch offen gebliebenen Fragen zu klären. Der Gruppe gehören Mitglieder verschiedener Ministerien aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, der Landesbetriebe Mobilität Rheinland-Pfalz sowie des Regierungspräsidiums und der Stadt Karlsruhe an.

Die Arbeitsgruppe hat seit dem 26. Januar 2012 viermal getagt. Ihre Ergebnisse sollen in das weitere Planfeststellungsverfahren einfließen. Auf dieser Basis ist dann über das weitere Vorgehen für das länderübergreifende Straßenbauprojekt mit dem Bund und den betroffenen Gebietskörperschaften zu entscheiden. Die Opposition warf dem Ministerium für Verkehr und Infrastruktur und der Arbeitsgruppe immer wieder "Verzögerungstaktik und Trickserei" vor.

Die ersten Ergebnisse der Arbeitsgruppe finden Sie auf der Internetseite des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur unter: http://www.mvi.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/108761/

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Kommentare (16)
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  •   baeuerchen
    (650 Beiträge)

    Weil Teile der Alb durch die Planung betroffen sind!
    Das Naturschutzgesetz sieht vor, dass Eingriffe in Biotope ausgeglichen werden müssen.
    Da auch die Alb in einem Bereich mit Sandbänken und Unterwasservegetation verändert werden soll, muss dies ausgeglichen werden! Das kann zumTeil auch nach der Ferrtigstellung erfolgen.
    Beim Artenschutz sieht das anders aus, da müssen die Lebensräume vor dem Bau der Brücke schon zur Verfügung stehen und auch von den Arten bewohnt werden.
    Auf Pfälzer Seite sind aber so empfindliche Arten betroffen, dass dort ein Zeitraum für den Artenschutzausgleich nicht genannt werden kann, weil es vielleicht zehn oder mehr Jahre dauert, bis der erste Spatenstich für die Brücke erfolgen kann.
    Daran sieht man die naturschutzrechtlichen Probleme, die von der Pfalz nicht zu klären sind.
    Der einzige Weg einen schnellen Bau der Brücke zu bekommen ist eine andere Trasse ohne Beeinträchtigung der seltenen Arten!!!!
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  • unbekannt
    (110 Beiträge)

    ???
    Ein Blick auf die Karten des PFV zeigt dass die Alb nicht betroffen ist.
    Außerdem ist die Alb ab dem Ölkreuz bis zur Mündung in den Rhein ein Kanal aber bestimmt kein Biotop oder FFH-Gebiet oder sonst etwas in dieser Richtung.
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  •   baeuerchen
    (650 Beiträge)

    Natürlich ist die Alb betroffen
    Da wir eine Brücke mit erheblichen Dimensionen drüber gebaut mit massiven Fundamenten!
    Zum Glück gibt es für die Bewertung was wertvoll ist oder nicht Fachgutachter.
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  • unbekannt
    (110 Beiträge)

    Tja,
    dann müssen wir wohl auch den Rhein renaturieren, der bekommt noch viel größere Fundamente.
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  •   baeuerchen
    (650 Beiträge)

    Genau so ist es!
    Auch für den Rhein müssen Aufwertungsmassnahmen durchgeführt werden. Nur hier ist der Bund als Bauherr und Grundstücksbesitzer selber betroffen
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  • unbekannt
    (110 Beiträge)

    Pfinz
    Und von der armen Pfinz redet keiner. Der hat man doch vor ein paar Jahren eine 4 spurige Straße mit Zu-und Abfahrt (Nordtangente-Ost) drüber gebaut.
    Warum misst man in Karlsruhe immer mit zweierlei Maß.
    Im Osten alles kein Problem, aber wehe wenn' s nach Westen geht.
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  •   baeuerchen
    (650 Beiträge)

    Tut mir leid, dir schon wieder widersprechen zu müssen.
    Auch damals wurden Ausgleichsmassnahmen für die Pfinz durchgeführt.
    Renaturierungsbereiche findest du zwischen Grötzingen und Autobahn!
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  •   baeuerchen
    (650 Beiträge)

    @ Gufo aber leider woanders erschienen
    Sollte oben stehen
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  •   Bundesadler
    (280 Beiträge)

    Na toll
    Da setzen sich die hohen Herren zusammen um dann festzustellen, dass die jetzige Rheinbrücke saniert werden soll.

    Leute, genau deswegen habt ihr euch doch zusammen gesetzt. Das braucht ihr nicht extra jetzt festzustellen. Die Frage war nicht Sanierung erste Brücke sonder ob und wann eine zweite Brücke kommt!

    Die weiteren Ergebnisse sind interessanter. Erst wird behauptet in BaWü gäbe es überhaupt nur eine Möglichkeit der Trassenführung, dann wird behauptet die Trassenführung auf BaWü-Seite wäre von der Trassenführung auf Pfälzer-Seite abhängig. Hä? Nun doch eine weitere Trasse möglich????

    Die wichtigsten Punkte werden erst in einigen Wochen bekannt gegeben. Da könnte sich also herausstellen dass die jetzige Diskussion völlig unnütz war. Warum also wird jetzt etwas -möglicherweise- völlig belangloses offen gelegt???
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  •   baeuerchen
    (650 Beiträge)

    Das Problem erkannt
    Genau das ist eines der Hauptargumente gegen die Planung.
    In BW gibt es keine Alternativenprüfung weil man egal wo die Brücke von der Pfalz ankommt eine Straße weiterbauen will. So geht das rechtlich aber nicht!
    Natürlich gibt es andere Trassenvarianten, die aber nicht abgearbeitet wurden. In einem alten Raumordnungsverfahren hat man das gemacht aber nur in der Pfalz nicht in BW.
    Ich finde auch, dass die Aussagen in den Unterlagen sehr unspezifisch sind.
    Für eine Arbeitsgruppe der Ministerien erbärmlich!
    Keine rechtlich saubere Erarbeitung, keine Fakten, keine klaren Aussagen, eher nur drumrumgelaber.
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