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Streit um zweite Rheinbrücke: Bund würde notfalls Stadt Karlsruhe enteignen [50]

Karlsruhe (mda) - Während der Bund als Bauträger gerne eine zweite Rheinbrücke von Karlsruhe nach Wörth bauen würde, hat der Karlsruher Gemeinderat sich längst gegen das Projekt entschieden. Die für den Brückenbau benötigten Flächen sind teilweise in städtischem Besitz. Doch auch wenn die Stadt die Grundstücke nicht hergibt, kann sie das Projekt nicht verhindern. Denn der Bund könnte die Stadt enteignen und würde das auch tun.

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Rheinbrücke
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Der Bund als Bauträger hält an dem Bauvorhaben "Zweite Rheinbrücke" fest.
Foto: trs
Die Mehrheit des Karlsruher Gemeinderats ist gegen den Bau einer zweiten Rheinbrücke mit Anschluss an die B36 wie sie derzeit geplant ist. Da die für den Brückenbau benötigten Flächen teilweise in städtischem Besitz sind, müsste die Stadt Karlsruhe für den Bau enteignet werden. Die Karlsruher Grünen appellierten bereits im Januar 2011 an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer "auf ein Enteignungsverfahren gegen die Stadt Karlsruhe zu verzichten und stattdessen nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen."

Gegen den Willen der Stadt?

Der Bund hält trotz aller Widerstände am Bau einer zweiten Rheinbrücke fest. Auch vor einer Enteignung der Stadt würde der Bund daher nicht zurückschrecken. "Auch die privatrechtlichen Interessen von Kommunen werden bei Bundesfernstraßenplanungen berücksichtigt, ohne dass ihnen ein übergeordnetes Vetorecht zukommt. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens werden alle Eingaben gewertet und abgewogen. Auf der Grundlage des Planfeststellungsbeschlusses wäre notfalls ein Enteignungsverfahren - genau wie auch bei jedem anderen privaten Grundstückseigentümer - durchzuführen", erklärte das Bundesverkehrsministerium (BMVBS) auf ka-news-Anfrage.

Das BMVBS stehe entsprechend den gesetzlichen Festlegungen im Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen nach wie vor sowohl zu einer zweiten Rheinbrücke als auch zur Nordtangente Karlsruhe, heißt es weiter. "Die Weiterführung der B10 von der zweiten Rheinbrücke Wörth - Karlsruhe bis zur B 36 ist im Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen als Bestandteil einer Nordtangente Karlsruhe im Vordringlichen Bedarf eingestuft", so das Bundesverkehrsministerium gegenüber ka-news.

Kein Automatismus

Mit dieser Einstufung sei daher grundsätzlich ein Planungsauftrag an die Straßenbauverwaltung des Landes Baden-Württemberg verbunden. Von dieser sei eine Untersuchung vorgelegt worden, die eine eigene Fernverkehrsrelevanz des Abschnittes von der zweiten Rheinbrücke bis zur B36 nachweise. Daher sei der Straßenbauverwaltung zugesagt worden, dass eine zweite Rheinbrücke auch mit Anschluss an die B36 - also ohne durchgängige Nordtangente von der Südtangente bis zur A5 - vom Bund unterstützt werde.

Gisela Splett (Grüne), Staatssekretärin im baden-württembergischen Verkehrsministerium, glaubt indes nicht daran, dass ohne Zustimmung der Stadt Karlsruhe eine zweite Rheinbrücke möglich werde. "Die Stadt Karlsruhe ist Eigentümerin von etwa 90 Prozent der für eine zweite Rheinbrücke benötigten Flächen. Sie lehnt die Planungen in ihrer derzeitigen Form bisher ab. Einen Automatismus, dass die zweite Rheinbrücke so wie bisher geplant kommt, gibt es also nicht", so Splett.

Rechtsexperte: "Bund kann Kommune enteignen"

Doch die Stadt kann bei dem Bau tatsächlich übergangen werden. Das bestätigte auch der Münchner Fachanwalt für Verwaltungsrecht und Experte im Enteignungsrecht, Josef Albin Schneider, gegenüber ka-news: "Es ist für den Bund durchaus möglich eine grundabtretungsbetroffene Kommune zu enteignen." Sollte ein vollziehbarer Planfeststellungsbeschluss vorliegen, könne sich der Bund über die Kommune per Besitzeinweisung oder per Enteignung durchsetzen.

Das komme allerdings eher selten vor, so Schneider. In dreißig Jahren Verwaltungsrechtspraxis habe er selbst nur wenige solcher Fälle erlebt. Im Verhältnis Land zur Kommune habe es einen solchen Fall beim Bau der Münchner Staatskanzlei gegenüber der Landeshauptstadt München gegeben.

Bund kann Druck ausüben

Dass es selten dazu komme, liege aber auch daran, dass häufig andere Wege beschritten würden, weiß Schneider. So könnten der Bund und die Länder über die Bauleitplanung "bauliche Maßnahmen des Bundes oder der Länder" oder eine "Planung von überörtlicher Bedeutung" sichern. In Einzelfällen würde manchmal zudem Druck auf die kommunalen Entscheidungsträger ausgeübt. Bürgermeister und Stadträte, die sich gegen ein Projekt stellen, könnten von Behörden oder der Kommunalaufsicht zu hören bekommen: "Wenn ihr den Weg nicht mitgeht, dann beachten wir euch bei der nächsten Zugschussabgabe - beispielsweise bei der Förderung von örtlichen Schulen - nicht mehr."

Auch gebe es Fälle bei denen Kommunen bewusst den Weg der Enteignung wählten. Das sei vor allem dann der Fall, wenn die Mehrheit der Bevölkerung sich gegen ein unpopuläres Bauprojekt ausspreche und die Kommune den Spagat zwischen "rechtlichem Bundes- oder Landeszwang" und Rücksicht auf die Bürger andererseits nicht anders glaubt lösen zu können. "Dann kann es sein, dass sich die Kommune im Planungsrecht nur 'verhalten wehrt' und sich zum Planungsvollzug enteignen lässt statt freiwillig nachzugeben. So kann ihr nicht vorgeworfen werden, sie falle den Bürgern in den Rücken", so Schneider.

Mehr zum Thema "Zweite Rheinbrücke" bei ka-news

Mehr zu: Rheinbrücke Faktencheck Enteignung

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Kommentare [50]
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  • (218 Beiträge) | 23.02.2012 06:05
    Baut endlich !!!!!
    Bitte baut endlich die 2.Brücke egal wo aber nicht,nicht, nicht auf die Südtangende. Tut mir leid für Rheinstetten oder Neureut,denn es gibt nur eine Lösung .Umfahrung von Karlsruhe im Norden auf A5 oder im Süden auf die A5 /A8 notfalls mit Tunnel ( Naturschutz usw.)bevor das Geld woanders verbraucht wird. Mein Vorschlag währe über Rheinstetten,auf die Autobahn A5/A8 damit der gesamtes Verkehr dem Saarland und Frankreich auf die Autobahn muß, alte Brücke sanieren und die Südtangende sperren für den LKW Verkehr wie in Stuttgart. Wohnqualität und der Luftverschmutzung.
  • (1422 Beiträge) | 23.02.2012 08:01
    so wird es aber kommen
    2 Brücken nebeneinander führen ost- wie auch westseits auf eine stets wegen Baustellen nur einspurig befahrbare B10.

    Dat Geld muss raus hör mal
  • (8 Beiträge) | 23.02.2012 08:25
    Rheinbrück
  • (8 Beiträge) | 23.02.2012 08:30
    Rheinbrücke
  • (316 Beiträge) | 23.02.2012 10:07
    Es ist doch gar kein Geld da!
    Bis 2017 hat der Bund kein Geld für diese angeblich so wichtige Maßnahme vorgesehen.
    Also beruhigt euch, die Brücke kann nicht vor 2020 fertig sein, egal ob die Stadt enteignet wird oder der Gemeinderat irgendwann doch dafür wäre.
    Wenn die Brücke aus Sicht des Bundessozialgericht wichtig wäre hätte er schon vor 10 Jahren ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet.
    Dann wäre sie schon da, alle Mehrheiten waren in Bund, Land und Stadt perfekt.
    Jetzt sind die Grünen schuld, aber Geld hat schwarz-gelb trotzdem dafür nicht vorgesehen.
    Alles nur Show, so wird die Brücke auch mit einer schwarzen Landesregierung nie gebaut!
  • (40 Beiträge) | 23.02.2012 16:32
    Klingelbeutel
    Na ob dies Richtung Rheinstetten noch so ohne Probleme möglich ist bezweifle ich etwas. Die Polderfläche Bellenkopf-Rappenwörth macht das sicher extrem schwierig, da die komplette Straße erhöht gebaut werden müsste. Ein großer Kostenfaktor zusätzlich.
    Die Befürworter können ja mal ein paar Euros sammeln gehen - vielleicht geht's dann flotter.
    Ach ja, ich bin kein Gegner einer zweiten Rheinbrücke, jedoch wie viele hier halte ich eine Parallellösung auf die Südtangente für den größten Unfug überhaupt.
  • (1422 Beiträge) | 23.02.2012 22:29
    so wird es aber kommen
    2 Brücken nebeneinander führen ost- wie auch westseits auf eine stets wegen Baustellen nur einspurig befahrbare B10.

    Dat Geld muss raus hör mal
  • (247 Beiträge) | 23.02.2012 07:25
    Jawoll, die 2. Brücke muss gebaut werden - nur das mach Sinn für die Zukunft..
    Die Idee von der Pfalz zur A5 / A8 über Karlsruhe am Rand von Daxlanden / Rheinstrandsiedlung weiter an der DM Arena / Edeka Fleischwerk vorbei durch den Wald nach Ettlingen und dann auf die Autobahn wäre nicht schlecht. Falls ein paar alte Bäume weichen müssen, einfach ein paar neue Pflanzen, direkt an der neuen Strasse als Lärmschutz.... Tolle Idee....
  • (230 Beiträge) | 23.02.2012 08:25
    diese Alternativen stehen derzeit ja nicht zur Diskussion
    das Bundesverkehrsministerium will unbedingt die Variante mit der Parallelbrücke durchboxen. Koste es was es wolle. Da DARF nicht hinterfragt werden, ob dies sinnvoll ist oder nicht, denn dann würde unser CDU Verkehrsminister ja unserem CDU Bürgermeister in den Rücken fallen. Also lieber sinnlos Geld raus gehaun! Ist ja genug davon da...

    Jetzt mal im Ernst: Solange nicht alle erdenklichen Maßnahmen getroffen werden, die eine 2. Rheinbrücke überflüssig machen könnten darf doch erst gar nicht an den Bau einer solchen gedacht werden! Was wurde davon bisher realisiert? NIX!
    Dabei gäbe es so viele mögliche Maßnahmen:
    - 3-spuriger B10 Ausbau bis Honselbrücke
    - P+R bei Maximiliansau und vergünstigte Pendler Tickets nach KA
    - Hagsfeld Umgehung (A5 Nord=>L560)
    - dyn. Verkehrsführung
    - LKW Maut sofort auf der Südtangente
    - usw.

    Beste Grüße
  • (35 Beiträge) | 23.02.2012 14:31
    CDU Verkehrsminister
    Zur Info,Bundesverkehrsminister Ramsauer ist von der CSU ,aber auch dessen Freund bin ich nicht.
  • (926 Beiträge) | 23.02.2012 10:10
    Warum muss die Brücke gebaut werden?
    Eine zweite Brücke wird den Stau nicht verhindern. Die Brücke (3 Fahrspuren) ist nicht das Nadelöhr, sondern die 2 Fahrspuren bei Maxau.

    Bitte, wer kann mir schlüssig erklären, wieso eine zweite Brücke die Probleme löst? Argumente, wie "es ist sonnenklar, dass wir eine zweite Brücke brauchen", kapiere ich leider nicht.
  • (2025 Beiträge) | 23.02.2012 08:59
    Im Endeffekt
    kann man deutlich erkennen, dass es den Spackos im Verkehrsministerium net nur um die Brücke geht, sondern eindeutig um die Nordtangente, den Lückenschluss der Autobahnen mitten durch Karlsruhe durch,etwas was seit Jahrzehnten eigentlich vom Tisch war. Die ham se doch echt net mehr alle, die Schreibtischtäter. Und hier mit Enteignung drohen ist ja mal der Oberhammer, in der Größenordnung und dem Umfang gabs das noch nie. Es ist wie immer in der Politik, es wird geplant und keiner der Betroffenen wird gefragt. NT21 wird verhindert, egal wie.
  • (3994 Beiträge) | 23.02.2012 10:30
    !
    Exakt um die komplette Nordtangente ohne Hängebauch geht es in letzter Konsequenz!
  • (614 Beiträge) | 23.02.2012 10:42
    Das sind ja " ganz neue Fakten"
    Siehe Kommentare vom

    Laetschebachschorsch
    (463 Beiträge) | 26.01.2012 11:15
    Laetschebachschorsch
    (463 Beiträge) | 14.12.2011 15:10 und 16:19
    Laetschebachschorsch

    Aber eine andere Meinung zählt ja nicht.
    Mich würde aber mal interressieren wem das Gelände für die 2. Rheinbrücke an der bisher geplanten Stelle auf der pfälzer Seite gehört. Dort ist doch das Lkw-Werk und der Wörther Hafen zusammen gewachsen. Wer will dort Grundstücke verkaufen "müssen" und dabei gut verdienen?
  • (1598 Beiträge) | 23.02.2012 10:47
    Liebe CDU geführte Regierung
    mit solchen Äußerungen wackelt aber das Direktmandat. Und wie war das mit der Bürgerbeteiligung? Diese Töne hören sich mehr nach Diktatur an als nach Konsenslösung.
  • (468 Beiträge) | 23.02.2012 11:16
    Das Direktmandat kann schon am 2. Dezember weg sein,
    wenn die nicht mitdenkenden CDU-Lemminge, den Ingo, den selbsternannten Brückenwächeter, am 15. März als OB-Kandidat nomminieren und er wirklich im Dezember von den Bürgern gewählt werden sollte!
  • (2849 Beiträge) | 23.02.2012 11:32
    Das Bundestagsmandat ist....
    ...in der Tat weg, wenn IW OB werden würde.....ein Nachfolger wird es nie und immer bei der nächsten Bundestagswahl erreichen....
  • (2849 Beiträge) | 23.02.2012 11:31
    Eine Enteignung....
    ....ist zwar möglich, aber der Verfahrensweg ist ewig lange und gegen alles kann sich die Stadt gerichtlich zur Wehr setzen. Und solange wird also erst mal nicht gebaut. Insofern: abwarten und Tee trinken. Im übrigen glaube ich nicht, dass der Bund es wirklich auf eine Enteignung ankomme liese.....mir fällt momentan kein Fall ein wo die Bundesrepublik ein Enteignugsverfahren gegen eine kreisfreie Stadt durchgeführt hat......und bei der vorhandenen Faktenlage- jeder sagt etwas anderes....mal wird ne Brücke benötigt, mal wieder nicht...auf die Richter bin ich gespannt, die dem Bund recht geben.
  • (231 Beiträge) | 23.02.2012 12:16
    klopperei
    ..auf der ganzen Linie. Ich brauch kein Faktencheck, ich kann jeden morgen reinzus und abends rauszus sehen :Stau wegen Nadelöhr Brücke. Die zweite Brücke und die Nordtangente macht Sinn aber auch den Hardtwald kaputt..dann machmer doch einen Tunnel unterm Hardtwald durch, kost zwar ein bischen mehr, aber ich seh nicht ein dass wir den Griechen die Milliarden hinterherwerfen und hier auf infrastruktur verzichten.....
  • (3994 Beiträge) | 23.02.2012 12:55
    !

    Zitat:



    Stau wegen Nadelöhr Brücke



    Falsch!
    Stau wegen Nadelöhr Spurreduzierung.
    Daran ändern auch 47,11 neue Brücken nix ...
    Der Effekt jeder neuen Brücke verduftet dort, wo's 2 Spuren werden ...

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

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