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Karlsruhe Streit um Rheinbrücke: "Karlsruhe verliert seinen guten Ruf"

Es war ein Treffen der Befürworter der zweiten Rheinbrücke, das am Freitagmittag in einem Pressetermin vor Ort gipfelte. Befürworter der badischen sowie der pfälzischen Seite trafen sich zum Gespräch über die vermeintliche Verzögerungstaktik beider Landesregierungen. Fest steht für sie: Die jetzigen Landesregierungen verzögern das Baurecht, weil sie die Brücke nicht wollen - dabei fand man doch bereits vor Jahren einen für beide Seiten akzeptablen Konsens.

"Wir haben uns heute Morgen intensiv über den Sachstand unterhalten und länderübergreifend klar gemacht, dass es sehr gute Gründe für die zweite Rheinbrücke gibt", eröffnete Martin Brandl, Landtagsabgeordneter für die Südpfalz, den Vor-Ort-Termin. Der Konsens sei, dass man das Projekt voranbringen müsse, denn man rechne damit, dass das Baurecht auf absehbare Zeit nicht erteilt werde. Beide Landesregierungen, sowohl auf pfälzischer als auch auf badischer Seite, übten sich derzeit in einer Art Blockadehaltung.

"Karlsruhe ist nicht erreichbar"

"Dringend angewiesen" sei man laut Manfred Groh, Landtagsabgeordneter für Karlsruhe, auf die zweite Rheinbrücke - auch und vor allem aus wirtschaftlicher Sicht. "Karlsruhe ist die einzige Stadt entlang des Rheins, die nur eine Brücke hat", erinnerte er. Nicht vergessen dürfe man, dass die Rheinbrücke auch ein Gemeinschaftsprojekt sei. "Aber vieles wird gar nicht mit der Pfalz abgesprochen", bedauerte er. Vor vielen Jahren sei man zu der Lösung "zweite Rheinbrücke" gekommen, warum das nun gekippt werde, sei für ihn unverständlich.

Brandl unterstützt Grohs Wirtschaftsargument: "Karlsruhe entwickelt den Ruf, nicht erreichbar zu sein. Sei es nun mit der Straßenbahn, die ausfällt oder verspätet ist, oder mit dem Auto - in der Bevölkerung leidet das Image von Karlsruhe als Einkaufsstadt." Viele Bürger orientierten sich derzeit um, das sei langfristig eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Welche Bedeutung eine zweite Rheinbrücke für Wörth hätte, erklärte der dortige Bürgermeister Harald Seiter: "Es sollte doch möglich sein, dass man ungehindert zwischen den Städten hin und her kommt." Zu Hauptverkehrszeiten sei die Brücke zu stark belastet, bei Verkehrsstörungen führe das zu chaotischen Verhältnissen. Pendler beider Seiten seien davon betroffen. Die Idee der Ersatzbrücke kann Seiter überhaupt nicht nachvollziehen. "Für uns hier in Wörth wäre das ein unzumutbarer Zustand", sagte er. Für die Ersatzbrücke müssten Wohnhäuser entlang der Brücke weichen, der Verkehr würde im weiteren Verlauf durch ein Nadelöhr gelenkt.

"Nächstes Jahr hätte Baubeginn sein können"

In diesem - oder spätestens dem nächsten Jahr - hätte das Baurecht erteilt werden sollen. Doch laut Brandl und Groh seien die Landesregierungen in Stuttgart und Mainz seit dem Regierungswechsel vom ursprünglich erstellten Zeitplan abgewichen. "Sie wollen die zweite Brücke nicht", so Brandl. Darum gebe es neue Untersuchungen und Prüfanträge - reine Verzögerungstaktik, vermutete er. "Naturschutzbedenken kamen vor drei Jahren nicht - warum heute?"

Mit Appellen und Anträgen wollen die Abgeordneten nun dafür sorgen, dass die Planfeststellungsverfahren zum Abschluss gebracht werden. Denn nur so könne man langfristig eine funktionierende Infrastruktur aufbauen und beispielsweise die Abwanderung von Firmen vermeiden. Herr des Verfahrens bleibt der Bund. Die Ersatzbrücke wurde nicht in den Verkehrswegeplan aufgenommen. Doch der Weg für die zweite Rheinbrücke scheint damit noch lange nicht geebnet zu sein.

Siehe auch:

Rheinbrücke sorgt für Stunk: Karlsruher CDU und SPD im Kleinkrieg

Streit um zweite Rheinbrücke: Bund lehnt Ersatzbrücke ab

Land meldet Ersatzbrücke beim Bund an

Zweite Rheinbrücke: Ersatzbrücke spart rund 50 Millionen Euro

Zweite Rheinbrücke: Verkehrsministerium forciert Ersatzbrücken-Variante

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  •   chris
    (331 Beiträge)

    Brücke ist ein Jahrhundertbauwerk!
    Nur mal so am Rande! Eine Brücke wird auf 60- 80 Jahre gebaut werden. FAKT ist, da werden dann nur noch Elektroautos fahren. FAKT ist dann aber auch, dass Straßennetze zu Lebensadern der Ruhe und Emissionsarmut werden...die GRÜNEN haben dann nach dem (Merkel!)Atomausstieg wohl keine Themen mehr. Wie ärmlich diese Partei doch ist! Kein Weitblick, keine Visionen...und der Stapf bekommt nicht mal ne Mülltonne hin. Geil ist es dann noch, wenn sich die GRÜNEN auf die Fahnen schreiben, dass nur SIE wüßten "was ein lebenswertes Karlsruhe ist". Die geniale U-Strab samt Kombilösung haben wir bitte schön dem Ex-OB zu verdanken, der mit viel Verhandlungsgeschick, die unendliche Doofheit dieser GRÜNEN Partei umschiffen konnte. Auch das ist FAKT!
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  •   chris
    (331 Beiträge)

    guter Ruf = OB & GRÜNE+SPD
    OB Frank Mentrup trägt nicht wirklich selbst diese Mindermeinung des KA-Stadtrats...er hat politische Schulden bei den GRÜNEN und der SPS...es geht doch schon lange nicht mehr um die Sache...JEDES KIND weiß, eine Parallelbrücke bingt 0,0...rein gar nix! Einfach mal FACHLEUTEN zu hören, wäre angbracht!! Keine Ahnung, aber zu allem ne Meinung. MAN sollte schon genau hinschauen, wer seinen guten RUF verlieren soll...ich sage nur KOMMUNALWAHLEN im MAI!!! Landkreise KA, die gesamte Pfalz und der BUND können nicht irren...nur diese paar - sorry - SPINNER...im Stadtrat. Die Wahrheit ist, dass die Nordbrücke die Nordtangente zwangsweise bringen wird, das weiß jedes KIND. Auch letztere ist ein MUSS für eine gesunde Stadtentwicklung. ENTZERRUNG, keine Nadelöhrpolitik!! Stadtplanung, statt Stillstand. ABER diese ausgewählten Stadträte wissen alles besser...selbst Gewerbegebiete braucht KA nicht mehr. Man müßte diese Stadträte pesönlich HAFTEN lassen!! Unglaublich solche Sinnfreiheit!
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  •   lebenswertes_KA
    (122 Beiträge)

    Ja wo lebst Du denn?
    Das Stadtgebiet von KA ist durch die B3, B10, B36 und die Südtangente in überreichem Maße mit Verkehr 'gesegnet' Viel europäischer Durchgangsverkehr und rein überörtlicher Verkehr ist darunter. Diese Verkehre haben in einem Stadtgebiet nichts zu suchen. Eine Nordtangente kann erst gebaut werden, wenn der Verkehrswegeplan der bis 2003 galt umgesetzt ist. In diesem Plan ist eine Weiterführung der A65 zur A5/A8 südlich von KA vorgesehen. Nur unter dieser verkehrsplanerischen Grundlage konnte die Südtangente geplant und gebaut werden. Die Regionen in RhPf und um KA haben sich jedoch von dieser Grundlage verabschiedet, genießen es, dass der Fernverkehr zwangsweise durch die innerstädtische Verteil- und Entlastungsstraße 'Südtangente' geleitet wird und fordern ziemlich frech zusätzlich eine Nordtangente, ohne auch nur entfernt daran zu denken, selbst Lasten zu tragen. Es ist richtig, dass KA eine weitere Rheinbrücke auf KA-Gemarkung ablehnt. Alles andere ist kommunalpolitisch Wahnsinn.
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  •   80er
    (5519 Beiträge)

    Blödes Geschwätz.....
    ....außerhalb von Karlsruhe interessiert es keinen Menschen ob da eine neue Rheinbrücke steht oder nicht. Die Politiker sollen endlich gescheite Fakten auf den Tisch legen, die als Beleg für eine neue Rheinbrücke taugen, aber nicht so einen populistischen Scheißdreck.
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  •   Gast68
    (842 Beiträge)

    Ob eine zweite Rheinbrücke der Weisheit letzter Schluss ist
    möcht ich mal dahingestellt lassen.
    Allerdings frage ich mich ob die ganzen LKW´s welche morgens und abends die Rheinbrücke verstopfen unbedingt durch das Stadtgebiet von Karlsruhe fahren müssen.
    Wenn eine zweite Rheinbrücke, dann sollte diese direkt mit der Autobahn verbunden sein.
    Also warum nicht die Rheinbrücke bei Rastatt ausbauen und mit der Autobahn verbinden?
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  •   lebenswertes_KA
    (122 Beiträge)

    Genau dies,
    ist der Punkt.
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  • unbekannt
    (14 Beiträge)

    Planung
    Kennt jemand den Plan ?
    Schaut euch das mal an: http://www.rp.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/show/1326346/rpk24_plf_b10_2.rheinbruecke_03_uebersichtslpl.pdf
    Stau vorprogrammiert.
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  • unbekannt
    (6808 Beiträge)

    und in 10 Jahren
    stehen sie dann vor der Presse und sagen, wir brauchen eine dritte Brücke.
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  •   lebenswertes_KA
    (122 Beiträge)

    Liebe Brückengegner / Freunde einer Brücke außerhalb von KA
    Ich habe den Eindruck, dass derzeit in den BNN eine, möglicherweise von interessierter Seite geförderte/ausgelöste, Leserbriefkampagne zu Gunsten einer von den Landkreisen KA und GER (und leider auch aus Kreisen der CDU KA) massiv geforderten weiteren Rheinbrücke auf KA Gebiet läuft.
    Aus Sicht der Regionen verstehe ich dies. Man will die eigene Bevölkerung vor weiteren Verkehrsbelastungen (z.B. Hagenbachvariante) mit allen Mitteln schützen. Aus Sicht der agierenden Vertreter aus KA, kann ich diese Kampagne nicht nachvollziehen.
    Niemals und in keiner Weise.
    KA ist mit Verkehrsbelastungen in über reichem Maße gesegnet.
    Kommentare in KA-News ablassen ist zu wenig.
    Leute (!), schreibt Leserbriefe an die BNN.
    Man muss diesem Treiben mit gleichen Mitteln entgegen wirken.
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  •   landei
    (6123 Beiträge)

    Guter Ruf ?
    hatte es mal einen ?
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