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Karlsruhe 189 Schiffsunfälle bei Karlsruhe: Gefahr für die Rheinbrücke?

Immer mehr Schiffe sind auf dem Rhein unterwegs, die Gefahr von Kollisionen - auch mit Brücken - steigt. Doch wie hoch ist das Risiko für einen Brückencrash wirklich? Und wie wichtig wäre eine zweite Rheinbrücke im Katastrophenfall? Diese Fragen stellte sich die länderübergreifende Arbeitsgruppe "Leistungsfähige Rheinquerung". Die Experten der beiden Länder kommen durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Im Zeitraum von 2001 bis 2011 sind laut pfälzischem Verkehrsministerium auf dem Rhein zwischen Rappenwörth und Germersheim 189 Schiffsunfälle passiert. Darunter drei Kollisionen mit Brückenbauwerken. Das geht aus dem Beitrag des Ministeriums zum Thema "Situation im Katastrophenfall" im Rahmen der Arbeitsgruppe hervor.

Die Wahrscheinlichkeit eines Schiffsanpralls oder Verkehrsunfalls auf der bestehenden Rheinbrücke, die zu einer Teil- beziehungsweise Vollsperrung führen könnte, sei aufgrund der Verkehrszunahmen im Schiffs- und Straßenverkehr in den letzten zehn Jahren gestiegen, heißt es weiter. "Im Fall einer Sperrung der Rheinbrücke gibt es keine adäquate Umleitungsmöglichkeit oder kurzfristige Ersatzlösung für den täglichen rheinquerenden Straßenverkehr in dieser Region."

Zweite Brücke wichtig im Katastrophenfall?

Auch ergebe sich aufgrund der Lage der Rheinbrücke in einem dicht besiedelten Gebiet eine besondere Bedeutung dieser Brücke im Zusammenhang mit möglicherweise erforderlichen Evakuierungen in einem Katastrophenfall. Daher erscheint für das Ministerium in Rheinland-Pfalz "der Bau einer zweiten Rheinbrücke erforderlich".

Auf der badischen Seite sieht man das durchaus anders: "Nach derzeitigem Planungsstand wäre eine leistungsfähige und permanent verfügbare Rheinüberquerung bei Karlsruhe aus Sicht des Katastrophenschutzes Baden-Württemberg wünschenswert, jedoch nicht unbedingt erforderlich." Hier ist man der Frage nachgegangen: "Ist der Katastrophenschutz für Evakuierungsmaßnahmen auf eine leistungsfähige und permanent verfügbare Rheinbrücke bei Karlsruhe angewiesen?"

Evakuierung der Bevölkerung über die Brücke

Die Brücke habe demnach laut Katastrophen-Einsatzplan in einem Evakuierungsfall für die Einwohner keine allzu große Bedeutung. Dies könne sich allerdings ändern, wenn die Rahmenempfehlungen des Bundes für Katastrophenschutz infolge der Ereignisse in Fukushima in der Umgebung kerntechnischer Anlagen überarbeitet werden. Sollte eine Erweiterung des Evakuierungsradius die Folge sein, würde sich die Anzahl der zu Evakuierenden in der Region drastisch erhöhen, so dass eine Vielzahl von Verkehrswegen gleichzeitig genutzt werden müssten, erklärt das baden-württembergische Ministerium.

Es wäre dann nicht auszuschließen, dass ein Großteil der Bewohner aus Evakuierungsgebieten über weitere zusätzliche Strecken geführt werden müssten, die linksrheinische Gebiete und Rheinbrücken umfassen können. Sollten die künftigen Rahmenempfehlungen eine Evakuierung von Karlsruhe erforderlich machen, käme einer leistungsfähigen Straßenanbindung in die Pfalz eine besondere Bedeutung zu, heißt es weiter.

Ergebnisse der Arbeitsgruppe online

Insgesamt hat die Arbeitsgruppe zwölf Themenblöcke bearbeitet. Ergebnisse der Arbeitsgruppe wurden bereits im September auch auf den Internetseiten der Infrastrukturministerien in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg veröffentlicht und ergänzen damit die Informationen aus dem imvergangenen Jahr durchgeführten Faktencheck.Nun sind die Ergebnisse vollständig. Die für Infrastruktur zuständigen Staatssekretäre der Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, Gisela Splett und Jürgen Häfner, haben bei einem Treffen am Freitag in Karlsruhe dieErgebnisse bewertet und die nächsten Schritte bei den laufenden Planfeststellungsverfahren zum Neubau einer zweiten Rheinbrücke festgelegt. Demnach könnten die Erörterungstermine in der ersten Jahreshälfte 2013 stattfinden.

Ursprünglich sollte der Abschlussbericht der länderübergreifenden Arbeitsgruppe zu einer "leistungsfähigen Rheinquerung im Raum Karlsruhe/Wörth" im Juni 2012 vorliegen. Dass dieser Zeitplan jedoch nicht eingehalten werden kann, wurde bereits im Mai bekannt. Ende Juli wurden schließlich erste Ergebnisse der Arbeitsgruppe im Internet veröffentlicht.Die Opposition im baden-württembergischen Landtag warf dem Ministerium für Verkehr und Infrastruktur und der Arbeitsgruppe immer wieder "Verzögerungstaktik und Trickserei" vor.

Die ausführlichen Ergebnisse der Arbeitsgruppe finden Sie auf der Internetseite des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur unter: http://www.mvi.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/108761/

Mehr zum Thema "Zweite Rheinbrücke" bei ka-news

Siehe auch:

Erneuter Schiffsunfall auf dem Rhein verläuft glimpflich

Leck geflickt: "Bellriva" wird zu Reparaturwerft geschleppt

100.000 Euro Schaden: Zweiter Schiffsunfall auf dem Rhein

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Karlsruhes zweite Rheinbrücke: Eine zweite Rheinbrücke für Karlsruhe ob mit oder ohne Nordtangente wird schon lange diskutiert. Die Argumente der Rheinbrücken-Befürworter und der Rheinbrücken-Gegner in Karlsruhe, der Pfalz sowie den aktuellen Stand der Planung haben wir für Sie zusammengefasst.
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Kommentare (45)
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  •   mueck
    (8971 Beiträge)

    !
    Das mit Abstand dünnste Ergebnis der AG ...
    Der ba-wü Bearbeiter scheint die Frage nicht verstanden zu haben ...
    Der r-p Bearbeiter hat nur heiße Luft ohne Grundlagen produziert ...

    Bei der Fragestellung "Katastrophenszenarien" hätte ich erwartet:
    - Wie hoch sind die Gefahren von Schiffs- und Auto-Unfällen?
    - Wie kann man diese Gefahren reduzieren?
    Bspw. gegen Pfeiler rammen Anprallschutz ins Wasser setzen.
    Gegen Rammen durch zu hohes Schiff (gab's vor paar Jahren, wobei es für die Statik der eigentl. Brücke nur unwesentliche Teile der Prüfgondel traf) 'n Rammbalken kurz vorher, der die Teile abrasiert ... (stromab macht das ja die Bahnbrücke *seufz* und stromauf sind die Schiffe eh langsamer)
    Und generell wäre das Konzept Ersatzbrücke mit zwei Kästen und einer vernünftigen Breite besser. Wenn man genug Platz zwischen den Kästen lässt, fällt auch der explodierende Tanklaster mitten durch statt beide Kästen zu schmelzen ...

    R-P: Wir wollen Konzepte statt heißer Luft!
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  •   joka
    (9833 Beiträge)

    Schnell fließende...
    Gewässer können eine tödliche Gefahr für Leib und Leben darstellen und sollten verboten werden.
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  •   alpinium
    (5473 Beiträge)

    Da wir die AKW ohnehin abschalten
    braucht's keine Brücke zur Evakuierung vor durchbrennenden AKWs. Und wenn dann können nur die Teile in Frankreich durchbrennen und um deren Dreck zu entgehen müssten wir wegen des Westwindes ihnen entgegenfahren um auf die andere Seite zu kommen. Leider ist es so, dass wenn es BUMM macht rennt alles weg von der Stelle wo's geknallt hat. Also auch keine Rechtfertigung für die scheiss Brücke.
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  •   lynx1984
    (2687 Beiträge)

    Philippsburg ist die kleinste Gefahr...
    Du vergisst das Atomforschungszentrum im Hardtwald. Heute heißt das ganze KIT-Nord. Klingt weniger nach Atomversuchen... Obwohl nun sogar noch im Zentrum für Transurane angebaut wird um die Forschung auszuweiten.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    Die jetzige
    Atomtechnologie zum Zweck der Stromerzeugung ist wegen des ungelösten und im Moment auch unlösbaren Entsorgungsproblems für die Zukunft nicht tragbar.

    Trotzdem darf ja nicht die Forschung eingestellt werden, das Müllproblem will nach wie vor gelöst werden. Und an der Fusion muss auch weiter geforscht werden.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    Wollt
    ich auch grad sagen, bei unseren (teilweise) Planungsmodalitäten und Bauabläufen hat sogar der Atommüll aufgehört zu strahlen bis die Brücke endlich steht. grinsen
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  •   andip
    (8129 Beiträge)

    Was
    lassen sich die Brückenbefürworter denn noch alles an merkwürdigen bis abstrusen Szenarien einfallen,um eine zweite Brücke durchsetzen zu wollen?
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    interessant
    ist auf jeden Fall, dass nun da die Ergebnisse der weiterführenden Untersuchungen auf dem Tisch liegen wieder die Karte "Schiffskollision" gespielt wird und das in Kombination mit "Störfall in einem AKW".

    Für alle Mitbürger, für die der Wustder Dokumente unüberschaubar ist, hier die entscheidenden Aussagen: Weder die Öffnung des Pförnters noch der Bau der zweiten Brücke wie derzeit geplant können die Verkehrsprobleme beheben. Einzig eine Anbindung der zweiten Brücke an die B36 kann das MÖGLICHERWEISE erreichen. Untersucht wurde dies jedoch noch nicht. Seiten 44 und 45

    Wie ich oben schon verlinkt habe verschärft der Nicht-Bau der Bienwaldautobahn das Problem zudem ein wenig, die Schichtwechselzeiten der Unternehmen in der Pfalz u.U. immens (S. 47 Dokument oben).
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    Fortsetzung
    Statt diese Untersuchungsergebnisse zur Kenntnis zu nehmen, wird nun auf die Karte Angst gesetzt, um eine nun wirklich offensichtlich unsinnige Planung doch noch umsetzen zu können.

    Da stellt sich die Frage: warum? Warum weigern sich Menschen, die sicher nicht dumm sind die Realitäten zur Kenntnis zu nehmen.

    Diese Realitäten entstammen detailierter Ingenieurplanung, deren Ergebnis zudem mit dem gesunden Menschenverstand übereinstimmt.

    Warum wird nun also über Schiffskollisionen und Super-GAUs diskutiert statt darüber welche anderen Möglichkeiten es gibt die Verkehrsprobleme zu lösen? Das ist die Frage, die nach Lektüre dieses Artikels und der Untersuchungsergebnisse jeden Steuerzahler umtreiben muss.
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  •   lynx1984
    (2687 Beiträge)

    Wählerstimmen
    Weil 90% der Bevölkerung glaubt eine weitere Rheinbrücke würde die Kapazität erhöhen und die Staus reduzieren; was ja im ersten Moment auch logisch klingen mag... Gegner haben das Problem, dass die "Dagegen" Meinung (wobei es noch mehr alternative Vorschläge gibt) nicht in nur einem Satz erklärt werden kann und damit nun mal keine Wählerstimmen gewonnen werden können... Jeder Politiker braucht halt sein Denkmal...
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