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Rastatt Tunnel-Panne in Rastatt: "Wird in Lehrbücher der Bauingenieure eingehen"

Nach einer Gleisabsenkung bleibt die Rheintalbahn noch bis zum 7. Oktober gesperrt. Die Bahn arbeitet nach eigener Aussage an einer schnellen Lösung des Problems. Doch noch immer sind nicht alle Fragen beantwortet. Verkehrsminister Winfried Hermann informierte am Mittwochabend über den aktuellen Stand der Dinge - und fand kritische Worte.

Seit dem 12. August ist die Rheintalstrecke gesperrt. Der Grund: Der Oberbau hatte sich abgesenkt, woraufhin sich die Gleise der darüber liegenenden Rheintalbahn verformten. Ursache hierfür war ein Einbruch von Wasser und Erdmassen, nachdem sich Tunnelelemente durch die Vortriebsarbeiten für den Bau des neuen "Tunnel Rastatt", einem Teilprojekt des Aus- und Neubaus der Strecke Karlsruhe–Basel, verschoben hatten.

Minister stellt sich hinter Baumaßnahmen

Noch immer ist die Frage offen, wie es zu dieser Verschiebung kommen konnte. Wie die Beteiligten bei einer Pressekonferenz am Mittwoch erklärten, gilt das angewandte Verfahren im "Rastatter Tunnel" eigentlich als erprobt und ungefährlich.

Auch der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann, der sich am Mittwochabend vor Ort selbst einen Überblick über die Tunnel-Panne verschafft hatte, konnte noch keine Antwort auf den Grund der Tunnel-Havarie geben: "Bisher ist noch immer nicht aufgeklärt, was jetzt wirklich die Gründe waren und warum es in diesem Fall nicht geklappt hat. Das wird anschließend aufzuklären sein." Laut Hermann wurden keine zu hohen Risiken eingegangen.

Tunnelröhre in Rastatt bereits wieder stabilisiert

Wie die Deutsche Bahn informiert, ist die beschädigte Tunnelröhre inzwischen stabilisiert. Man habe hinter dem Tunnelbohrer einen Pfropfen aus Beton in die Röhre eingebracht, um den rund 4.000 Meter langen intakten Tunnel von der Schadensstelle zu trennen. "Der Teil bis zum Schneidrad der Bohrmaschine wird mit Beton verfüllt", erklärte DB-Vorstandsmitglied Dirk Rompf im Rahmen des Pressegesprächs.

Bis Mittwochnachmittag wurden nach Aussage der Deutschen Bahn die alten Oberleitungen auf knapp 150 Metern Länge entfernt. Rund 8.000 Kubikmeter der insgesamt 10.500 Kubikmeter Beton wurden laut Rompf bereits in das beschädigten Tunnelteil gepumpt. Die veranschlagte Betonmenge entspricht etwa 1.300 Lkw-Ladungen. Die Deutsche Bahn erwartet, dass bis Freitag die Verfüllung mit Beton abgeschlossen werden kann.

"Entscheidungen und Maßnahmen sind plausibel"

Als nächster Schritt sollen Gleise, Schotter sowie der Gleisunterbau im Bereich der Schadensstelle abgebaut werden. Anschließend soll in dem Bereich eine lastverteilende Betonplatte in den Boden eingebracht werden, die das beschädigte Tunnelteil und den Baugrund stabilisiert. Auf die Platte sollen nach deren Fertigstellung und der vollständigen Aushärtung des Betons die Gleise wieder aufgebaut werden.

"Diese Tunnel-Havarie und die Maßnahmen, wie man sie löst, werden mit Sicherheit in die Lehrbücher der Bauingenieure eingehen", so Hermann. Allerdings könne er die Entscheidungen und Maßnahmen als plausibel nachvollziehen. "Die komplette Maschine zuzubetonieren hat sich zwar als die aufwendigste aber auch sicherste Methode herausgestellt. Unter den gegebenen Bedingungen scheint das jetzt so das Richtige zu sein", sprach der Verkehrsminister.

Fahrgäste erhalten 50 Prozent Entschädigung

Um die Auswirkungen für die Kunden zu mildern, hat sich die Bahn zusammen mit dem Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) zu Kulanzmaßnahmen entschieden. Seit Mittwoch erhalten die Abonnenten von Zeitkarten im Nah- und Fernverkehr für die Dauer der Sperrung eine 50-prozentige Entschädigung. Nach Beendigung der Sperrung sollen diese Kunden ihre Erstattung erhalten.

Die DB möchte dazu aktiv auf alle betroffenen DB-Abo-Kunden (Fern- und Nahverkehr) zugehen. Weitere Fragen der Abo-Kunden nimmt das Abocenter oder für Bahncard100-Kunden der Comfort-Service entgegen. Pendler, die ihr Abo beim KVV abgeschlossen haben, können sich, so DB, direkt an den KVV wenden. "Um unseren Kunden wieder Planungssicherheit zu geben, wird der Fahrplan seit dem 22. August schrittweise aktualisiert", informierte Rompf.

"Hätten niemals parallell auf A5 und B3 beginnen dürfen"

Aus Sicht der Deutschen Bahn hat sich das laut dem 13. August geltende Fahrplankonzept mit Ersatzbussen zwischen Rastatt und Baden-Baden für den Personenverkehr bewäht. An diesem Konzept will die Bahn auch im Grundsatz nach dem Ferienende in Baden-Württeberg am 11. September festhalten. Zudem habe man für den Güterverkehr diverse Entlastungsmaßnahmen eingeleitet.

Verkehrsminister Hermann sieht die Ausweichverkehrstrategie allerdings nach wie vor kritisch. Bereits im Vorfeld hatte er unter anderem die Deutsche Bahn für ihre Kommunikationsstrategie heftig kritisiert. Zudem sprach der Minister von Engpässen und jahrelangen Versäumnissen, gerade seitens des Bundesverkehrsministeriums.

"Es rächt sich einfach, wie man bei solchen Fällen sieht, dass man über Jahrzehnte das Schienennetz ausgedünnt hat und kaum Ersatzverkehr aufbauen konnte. Sogenannte Nebenstrecken sind nicht elektrifiziert, nicht zweigleisig und haben deshalb Engpässe und stellen keinen funktionierenden Ausgleich dar. Die nächste Regierung muss ein umfangreiches Ausbau- und Sanierungskonzept im Schienenverkehr vornehmen, insbesondere im  Schienen-Güterverkehr - das nicht jedes Mal halb Europa tangiert wird", so Hermann.

Auch mahnt der Verkehrsminister an, dass ein vergleichsweise kleiner Einbruch im Tunnel zu einer großen Havarie im Tunnel geführt habe - und zu einer noch größeren im Verkehrsystem: "Alles hat fatale Auswirkungen flächendeckend in Süd-West-Deutschland, bis zu den Häfen und bis an das Mittelmeer - bei solchen Baustellen muss man einfach mit hohen Risiken rechnen. Als Land hätten wir niemals parallel auf der Autobahn A5 und auf der B3 Baustellen beginnen dürfen", so Hermann abschließend.

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Baustelle Rastatter Tunnel: Die Deutsche Bahn will die Strecke Karlsruhe-Basel ausbauen. Eine wichtige Maßnahme: der Bau eines neues Eisenbahntunnels in Rastatt. Alle Informationen zum Bauvorhaben, dem Fortschritt und den Auswirkungen für den Bahnverkehr finden Sie in unserem Dossier.
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Kommentare (22)
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  •   dipfele
    (4079 Beiträge)

    Sollen jetzt vielleicht.....
    ... Kaufmannsgehilfen oder Juristen die Baustelle leiten? Gewiss sind Denkfehler gemacht worden, die vielleicht so simpel sind, dass sich die Verantwortlichen nicht trauen, diese jetzt schon bekannt zu geben.
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  •   10tacle
    (224 Beiträge)

    Ganz einfach
    Ich frage mich aber auch, welche Lösung hat man jetzt in der Schublade. Kann der Tunnel mit dieser Technik fertiggestellt werden. Die Verfüllung mit Beton ist ja nur eine Zwischenlösung oder ist das Projekt Tunnel in dieser Bauweise gestorben. Es muss ja auch eine schnelle Lösung gefunden werden, bei dieser Verkehrsdichte der Rheintalstrecke.

    50t ANFO direkt hinter dem Beton-"Pfropfen" sollten das Problem lösen. zwinkern
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