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Karlsruhe Erdrutsch in Rastatt-Tunnel: Hätte das auch in Karlsruhe passieren können?

Knapp eine Woche nach dem Erdrutsch im Rastatter Tunnel bleiben noch immer einige Fragen unbeantwortet. Auch in Karlsruhe wird seit Jahren im Untergrund gebuddelt - und auch hier lief nicht immer alles nach Plan. Wäre ein Szenario wie in Rastatt auch beim Jahrhundertprojekt Kombilösung möglich gewesen?

Eines ist beiden Bauvorhaben gemein: Beim Tunnelbau im Karlsruher Untergrund wurde wie auch in Rastatt mit einem maschinellen Tunnelvortrieb gearbeitet. Dennoch mahnt die Bauherrin der Kombilösung, die Karlsruher Schieneninfrastruktur Gesellschaft (Kasig). im Gespräch mit ka-news, dass die beiden Bauvorhaben nicht zu vergleichen wären. Der Grund: Bei jedem Tunnelbau seien sehr viele verschiedene Parameter für die Art und Weise des Baus ausschlaggebend. 

Die Begleitmaßnahmen beim maschinellen Tunnelbau unterscheiden sich nach Aussage der Kasig je nach Lage ganz individuell. Einfluss auf die Arbeiten haben unter anderem die Beschaffenheit des Bodens, die dortigen Einlagerungen oder größere Steine oder Lehm im Boden. Einer der wichtigsten Faktoren sei zudem der Grundwasserspiegel. Dieser spiele bei den Maßnahmen um den Tunnelvortrieb eine entscheidende Rolle, erklärt die Kasig. 

"Haben Probleme frühzeitig erkannt" 

Während die Arbeiten am Rastatter Tunnel derzeit auf Eis liegen, sind die Tunnelarbeiten bei der Kombilösung weitgehend abgeschlossen, der Innenausbau der Haltestellen hat bereits begonnen. Bis zum Spätherbst soll der Tunnel vollständig betoniert und damit stabilisiert sein. Die Kasig räumt aber auch ein: Es lief in der Vergangenheit nicht immer nach Plan beim Karlsruher Bauprojekt.

So gab es zwei Störfälle, durch die Arbeiten ins Stocken gerieten: Vor rund zwei Jahren mussten die Arbeiten unter der Kaiserstraße unterbrochen werden, da sich Tunnelbohrer "Guilia" im Erdreich festgefahren hatte. Es bildete sich ein tricherförmiges Loch unter der Kaiserstraße, der Bahnverkehr musste umgeleitet werden. Zu einem weiteren Zwischenfall kam es im vergangenen Jahr: Nach einem Wassereinbruch im Tunnel musste der Kronenplatz zeitweise gesperrt werden. In beiden Fällen wurden die Probleme nach Angaben von Kasig-Pressesprecher Achim Winkel allerdings frühzeitig erkannt, sodass es keine größeren Folgen hatte. 

Kritik wächst - Ende der Sperrung weiter nicht in Sicht 

Derweil wächst der Ärger über die aktuelle Sperrung zwischen Rastatt und Baden-Baden. Mit einem Ersatzkonzept möchte die Deutsche Bahn den Personen- und Güterverkehr auf den Ausweichstrecken bewältigen, wie die Stadt in einer Pressemitteilung berichtet. Der Konzernbevollmächtigte der Bahn, Sven Hantel, bekräftigte gegenüber der Stadt, dass die Region Karlsruhe von der Ausdünnung des ÖPNV zugunsten des Güterverkehrs nicht betroffen sein werde.

Während der Personenverkehr mit einem Schienenersatzverkehr geregelt wurde, gestaltet sich die Umleitung des Güterverkehrs deutlich schwieriger. Eine der Umleitungsstrecken verläuft südlich von Stuttgart über die Neckar-Alb-Bahn von Plochingen nach Horb.

Um Kapazitäten für den Güterverkehr zu schaffen, hat das Land der DB Netz AG eine zeitlich begrenzte Ausdünnung des Regionalverkehrs auf diesen Strecken angeboten, das hat das Verkehrsministerium in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Die dadurch entstehenden Kapazitäten sollen genutzt werden, um einen Teil der Güterzüge umzuleiten.

Wann Pendler auf der Strecke zwischen Rastatt und Baden-Baden wieder aufatmen können, ist derzeit allerdings noch immer unklar. Medienberichten zufolge könnte die betroffene Strecke sogar bis Mitte September gesperrt bleiben. Die Deutsche Bahn bestätigt diese Meldung bislang nicht, nennt aber auch kein konkretes Datum. 

Mehr zum Thema
Baustelle Rastatter Tunnel: Die Deutsche Bahn will die Strecke Karlsruhe-Basel ausbauen. Eine wichtige Maßnahme: der Bau eines neues Eisenbahntunnels in Rastatt. Alle Informationen zum Bauvorhaben, dem Fortschritt und den Auswirkungen für den Bahnverkehr finden Sie in unserem Dossier.
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Kommentare (16)
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  •   EmilyHobhouse
    (883 Beiträge)

    Chef
    Weil der Verkehrsminister der oberste Chef der Bahn ist und die Manager von der Regierung eingesetzt werden, die setzen dann wieder ihre Leute im mittleren Management ein usw. Beispiel, Vorstand für Infrastuktur (also zuständig für Gleisbau) ist der ehemalige Kanzleramtsminister Pofalla (CDU). Letztlich ist immer der Chef in einem Unternehmen verantwortlich. Hier ist der oberste Chef eben Dobrindt. Es geht ja nicht nur darum, dass hier ein kleines Hoppala passierte, sondern auch wie die Folgen gemanagt werden.
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  •   Ozeiger
    (1328 Beiträge)

    Das höchste Maß
    von Verantwortung im obersten Management ist ein freiwilliger Rücktritt oder ein Zurückgetretenwerden, im allgemeinen verbunden mit einer millionenschweren Abfindung. Und ein zurückgetretener Minister bekommt dann eben ein anderes Amt von dem er genausowenig Ahnung hat. Daraus folgt gleichzeitig: Es kommt nichts Besseres nach.
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  •   EmilyHobhouse
    (883 Beiträge)

    Schwere
    Je nach Schwere des Versagens kommt das Bauernopfer aus einer höheren oder niederen Hierarchieebene. Der Tunnel in Rastatt und die Rheintaltrasse scheinen aber von nicht all zu großer Bedeutung zu sein. Zumindest regen sich hier nur lokale politische Größen auf. Die paar zig Millionen die da gerade begraben werden kümmern nicht einmal Schäuble, auch wenn wir es bezahlen müssen. Schließlich kommt der Versager ja aus den eigenen Reihen. Vielleicht hält sich der Koalitionspartner und die Opposition auch so auffällig zurück, weil für das viel größere missglückte Verkehrsprojekt hauptsächlich sie politisch verantwortlich sind.
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  •   maehdrescher
    (563 Beiträge)

    Weil Ignaz
    gerade Wahlkampf macht. Schon seit Tagen die immer gleichen Aussagen...
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  •   dipfele
    (4079 Beiträge)

    weil die Bahnmanager.......
    ...... nichts verstehen von der Bahn, die kommen alle aus der Automobil- und Ölindustrie. Der jetzige Konzernbeauftragte für Baden- Württemberg hatte zuvor Bahngrundstücke verhöckert.
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  •   Mili
    (370 Beiträge)

    Glaube ich nicht, da
    man in Karlsruhe nicht mit neuen Methoden beim Tunnelbau 'herumexperimentiert' hat.
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