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Karlsruhe Kritik an möglicher KIT-Militärforschung: "Keiner weiß, woran geforscht wird"

Die Zeiten für das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) waren schon mal rosiger: Während am Freitag dem Zusammenschluss aus Universität und Forschungszentrum der Elite-Status entzogen wurde, reißt die Kritik an der möglichen Militärforschung des KIT nicht ab. Mitglieder des Unabhängigen Studierendenausschusses (UStA) und Gegner der Militäforschung kritisierten die Landesregierung bei einem zweitägigen Kongress am KIT und wittern Wahlbetrug von Grün-Rot.

"Wir erwarten nichts mehr von der Regierung", ärgerte sich Nadja Brachmann vom UStA bei einem Pressegespräch zur Tagung "Verantwortung der Wissenschaften für Frieden und Zukunftsfähigkeit".

Tagung am KIT: "Wahlbetrug von Grün-Rot!"

Theresia Bauer, heute Bildungsministerin, und der Karlsruher Landtagsabgeordnete Johannes Stober hätten 2009 zwar noch einen Antrag auf Aufnahme einer Zivilklausel gestellt, so Brachmann, seit der Übernahme von Grün-Rot sei allerdings nichts gemacht worden. Die Zivilklausel soll eine militärische Forschung unterbinden.

"Im Gegenteil, Frau Bauer kann sich nicht einmal mehr an ihre Unterschrift und ihre Forderungen in der Opposition erinnern und schmettert alles als 'Jugendsünde' ab", sagte Brachmann in den Räumlichkeiten des KIT weiter. Die Studentin und andere Teilnehmer und Referenten der Tagung wittern Wahlbetrug der Regierung um Ministerpräsident Winfried Kretschmann. "Die Studenten, die sich für eine friedliche Forschung einsetzen, wurden von der Landesregierung im Stich gelassen!" Noch im Wahlprogramm hätten sich die Parteien für eine Zivilklausel eingesetzt, so Brachmann, inzwischen würden sie sich daran einfach nicht mehr erinnern.

Mögliche Militärforschung: KIT verweist auf ethische Richtlinien

Für Brachmann ist Transparenz eine unabdingbare Wichtigkeit für die Studenten. Viele wüssten nicht, wofür sie genau forschten, da der Forschungsauftrag oftmals geheim sei und die Studenten nur einen kleinen Teil davon mitbekämen. "Heute wird alles tot geschwiegen, keiner weiß woran geforscht wird", kritisierte sie. Hochschulen und das Land müssten sich für eine friedliche Forschung aussprechen. "Aber Hauptsache Hochschulen wie das KIT bekommen genug Drittmittel, um als mögliche Elite-Unis eingestuft zu werden!" Dass diese Drittmittel oftmals aus der Militärforschung in die Hochschulkassen kämen, ergänzte Dietrich Schulze, Organisator der Tagung.

Das Präsidium des KIT verweist in einer Stellungnahme für ka-news indes auf die ethischen Leitlinien, die am 21. Mai diesen Jahres vom KIT-Senat verabschiedet wurden, bekräftigt jedoch auch die vom Grundgesetz geschützte Freiheit von Kunst, Wissenschaft, Forschung und Lehre. "Mit diesen 'Leitlinien für ethische Grundsätze des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)' appelliert das KIT an die Verantwortung aller Mitglieder und weiteren Angehörigen am KIT für ihr Handeln. Ein wichtiger Grundgedanke der Leitlinien ist, dass Forschung, Lehre und Innovation am KIT dem Erkenntnisgewinn, dem nachhaltigen Nutzen für die Menschheit und dem Schutz der Umwelt dienen sowie friedliche Zwecke verfolgen sollen. Die Ethischen Grundsätze thematisieren auch, dass im Sinne eines 'Dual Use' Forschungsergebnisse vielfältig genutzt werden können", so die Stellungnahme des KIT-Präsidiums.

Schulze: "KIT betreibt Militärforschung"

Es sei in der Forschung oft gar nicht möglich, vorherzusehen, ob die Ergebnisse einem militärischen Zweck dienen könnten oder nicht, etwa ob moderne Leichtbaumaterialien für Verkehrsflugzeuge oder für Kampfjets verwendet würden, geht aus der Stellungnahme des KIT weiter hervor. Die Ethischen Leitlinien sollen aber erreichen, dass über diese Risiken im KIT gesprochen und sich jeder der Verantwortung bewusst werde. "Eine gemeinsame Satzung und die ethischen Leitlinien sind nicht an die Exzellenzinitiative geknüpft", bekräftigt das Präsidium weiter.

Für Organisator Dietrich Schulze ist eine Zivilklausel dennoch unverzichtbar. "Am Forschungszentrum wurde bis 2009, bis zur Fusion mit der Uni, eine Zivilklausel gelebt", die aber nicht in die Satzung des KIT übernommen wurde. Auch die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IOSB in Karlsruhe sei ein möglicher Hinweis, dass das KIT Militärforschung betreibe, so Schulze. Die Teilnehmer der Tagung fordern vehement, die Zivilklausel in das Hochschulgesetz des Landes sowie am KIT zu verwurzeln. Ziel sei es, eine Welt ohne Krieg zu haben, deshalb stellten sich die Teilnehmer und Referenten auch weiterhin gegen die Rüstungsforschung an deutschen Hochschulen.

Weniger Elite, weniger Geld: "KIT soll innovative Dinge erforschen"

Als Schulze während der Presserunde das Ergebnis der Exzelleninitiative mitteilte, herrschte unter den Anwesenden und den Referenten eine Art Siegesstimmung. "Das KIT muss umdenken", ließ sich aus den Reihen der Fürsprecher einer Zivilklausel vernehmen. Schulze hatte für die Verantwortlichen des KIT zudem einen Tipp, wie sie die fehlenden monetären Mittel schnell auffangen könnten: "Trotz Energiewende forscht das KIT weiter an Atomenergie. Diese Forschung ist teuer. Das KIT sollte lieber umstrukturieren, diese Forschung einstellen und vernünftige und innovative Dinge erforschen."

Übrigens: Fast die Hälfte der Teilnehmer einer nicht repräsentativen ka-news-Umfrage hat sich gegen eine militärische Forschung am KIT ausgeprochen. Das genaue Ergebnis können Sie hier nachlesen.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde am Donnerstag im Nachhinein geändert. Gemeint war nicht das Fraunhofer ICT im Pfinztal, sondern das Fraunhofer IOSB in Karlsruhe. Die entsprechende Stelle wurde im Text geändert.

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Kommentare (20)
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  •   80er
    (5506 Beiträge)

    20.06.2012 22:36
    Liebe Studenten.....
    ...schaut euch mal ein Firmenverzeichnis aller Unternehmen an, die in Baden-W. ihren Sitz haben.Da sind auch einige dabei, wo ihr bestimmt mal gerne arbeiten würdet, wenn euer Studium beendet ist (sofern ihr es überhaupt beendet bei all der Zeit die ihr für den Usta-Quatsch benötigt). Auf jeden Fall: diese Unternehmen arbeiten direkt oder indirekt für die Rüstungsindustrie oder gehören ihr sogar selbst an. Kurz und gut:ihr forscht am KIT heute schon für eure zukünftigen Arbeitgeber. Und grün-rot wird militärische Forschung an Unis in Baden-W.nicht abschaffen, weil sie ansonsten Ärger mit den Unternehmen bekommt und ihr leider keinen Arbeitsplatz, weil die Unternehmen dann weggehen. Aber tröstet euch: heute seit ihr für Frieden,morgen entwickelt ihr Waffen.Ihr seit in guter Gesellschaft: die Grünen waren schon immer gegen Militär, gegen die Nato, gegen die Wehrpflicht, gegen den Natodoppeltbeschluss und haben dagegen demonstriert und sich mit Polizei gekloppt.......
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  •   80er
    (5506 Beiträge)

    20.06.2012 22:42
    Teil II
    ....aber kaum waren die Grünen an der Bundesregierung beteiligt, haben sie deutsche Soldaten in Kampfeinsätze in den Hindukusch geschickt und haben deutsche Soldaten sterben lassen. Noch nicht mal der "kalte Krieger" Helmut Kohl brachte so was fertig. Wie auch immer: heute wollt ihr keine militärische Grundlagenforschung betreiben und in fünf oder zehn Jahren lebt ihr ganz gut von der Militärrüstung. Also jammert nicht rum und entwickelt endlich Waffensysteme die wirklich nur den Feind töten.
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  •   80er
    (5506 Beiträge)

    20.06.2012 22:58
    Teil III
    Um es mal etwas weniger polemisch auszudrücken: wer nicht mit dem Militär oder mit deren Zulieferer in Verbindung gebracht werden will, darf nichts naturwissenschaftliches oder technisches studieren. Weil alles was dort erforscht, erfunden, entwickelt, entdeckt wird kann und wird auch für militärische Zwecke genutzt. Auch technische Errungenschaften, dir ihr zivil nutzt, sei es in der Freizeit oder sonst wie haben irgendwie einen militärischen Ansatz.Das Internet zum Beispiel. Bestand zur Entwicklung dieses www nicht auch eine militärische Notwendigkeit? Oder GPS für eure Outdoor-Aktivitäten. Ursprünglich nur für das amerikanische Miliär gedacht.Und heute eigentlich nicht mehr wegzudenken. Dank amerikanischer Soldaten und der Militärforschung und -grundlagenentwicklung.
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  •   tessarakt
    (2346 Beiträge)

    20.06.2012 23:07
    Militärisch genutzte Eisenbahnfahrpläne?
    Ich weiß ja nicht so recht ...
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  •   80er
    (5506 Beiträge)

    20.06.2012 23:13
    Hast du eine....
    ....Ahnung....die Verkehrslogistik und Transportlogistikforschung kann man durchaus auch militärisch nutzen....
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  • 0
    unbekannt
    (505 Beiträge)

    20.06.2012 23:22
    Sag das mal der Bundeswehr
    Die haben anscheinend keine Ahnung wie sie ihr Gerät wieder aus Afghanistan herausbringen :D
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  •   80er
    (5506 Beiträge)

    20.06.2012 23:33
    Sag das mal dem....
    ....Friedensgrünen Joschka..erst schickt er sie hin und macht sich vom Acker und Angela muss sie wieder rausholen und weiß nicht wie...so sieht es aus....derselbe Joscka der gegen die Nato war im übrigen..also der Bruder im Geiste der usta-truppen.....
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  • 0
    unbekannt
    (11392 Beiträge)

    21.06.2012 18:22
    Angie
    Als es damals um den Irakkrieg ging, hätten die Schwarzen unsere Truppen auch dorthin geschickt. Damals war aber Gas-Gerd dran und hat uns den Ruf (zusammen mit Frankreich) des alten Europa eingebracht. Schon vergessen? Und die Truppen abziehen zu wollen hat eigentlich so ziemlich nichts mit Pazifismus zu tun, sondern es rentiert sich wirtschaftlich wohl nicht mehr.

    Bellizisten sind in allen Parteien, aber bei den Grünen haben sie eigentlich nichts verloren zwinkern
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  •   tessarakt
    (2346 Beiträge)

    20.06.2012 23:16
    KÖNNTE
    Unsere Bundeswehr ist in der Hinsicht eher Jahrzehnte zurück.
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  • 0
    unbekannt
    (505 Beiträge)

    20.06.2012 23:23
    Nein !!
    hat mir da jemand den Gag geklaut grinsen
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