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Karlsruhe Einfach, anonym, unromantisch: Facebook-Trend "Spotted: KIT" verkuppelt Studenten

23.905 Studierende am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beschäftigen sich mit Informatik, Elektrotechnik oder anderen Studienrichtungen. Doch nicht für alle sind der Campus oder die KIT-Bibliothek ein Ort des Lernens: Über 3.000 Studenten flirten und baggern über Facebook was das Zeug hält. "Spotted: KIT" macht es möglich, mit dem süßen Wuschelkopf im zweiten oder dem Adonis im ersten Stockwerk der Bibliothek in Kontakt zu treten. Ganz einfach und anonym, dabei aber nicht sonderlich romantisch: über das soziale Netzwerk Facebook.

"Die Cafete morgens, da sind wir gern. Wir saßen bei euch, gar nicht fern. Da kam ein Kerl, er war charmant und gab euch etwas aus der Hand. Ein Kreisel war's, für euch zum Spielen, doch ihr begannt zu uns zu schielen. Nun frag ich euch, seid ihr dort? Nächste Woche am gleichen Ort!"

"Spotted: KIT": anonymes Baggern über Facebook

So lautet eine der kreativeren Suchanfragen eines Karlsruher Studenten über Facebook. Über 3.000 Studierende haben bei "Spotted: KIT" schon "Gefällt mir" gedrückt und nehmen nun Teil an der Singlebörse der anderen Art - Tendenz: steigend!

Seit Mitte Dezember wird dort gebaggert, gesucht und vielleicht sogar gefunden. Die süße Blondine mit den Mathebüchern, der Maschinenbauer mit dem Karohemd oder der trendige und obercoole Hipster mit dem Apple-Notebook - allesamt sind sie einem anderen Studenten in der Bibliothek oder auf dem Campus aufgefallen und sollen sich nun schleunigst melden. Alles läuft dabei natürlich anonym über die Kuppler der Facebookseite, die Administratoren. Diese stellen die Suchanfragen online und teilen mögliche Antworten den Suchenden zu.

Denn wer sein Herz oder andere, auch sexuell geartete, Gefühle bei "Spotted: KIT" preisgibt, kann schnell selbst zum Spott der anderen Bibliotheksbesucher und Studenten werden. Denn bei der Singlebörse zwischen Büchern, Taschenrechner und Laptop geht es nicht nur so romantisch zu, wie bei dem Cafeten-Gedicht. Da fragt der Biologe - natürlich kein Theoretiker - schon gerne mal zwei Blondinen, ob sie mit ihm die Praxis der Körperkunde testen wollen.

Zeiten ändern sich: Schottischer Trend erreicht Karlsruhe

Wie schön waren da doch die "präfacebook"-Studentenzeiten, ganz ohne soziale Netzwerke, ohne Wireless Lan in der Unibibliothek und ohne tausende witzelnde Studenten, die alles kommentierten. Das denken sich da wohl einige Akademiker der vergangenen Generationen. Romantisch waren sie, die Lerntage im vollen Lesesaal, wenn man Ausschau nach der süßen Sportstudentin oder dem verpeilten Architektur-Nerd hielt - ganz still in Gedanken und ohne es für alle sichtbar im Internet zu teilen. "Sitzt sie wieder am selben Platz?" -  "Wird er mich heute bemerken?" -  "Wie schaffe ich es, dass wir zusammen am Kaffeeautomaten stehen?"

Doch wie heißt es so schön: Zeiten ändern sich. Und so ändert sich offensichtlich auch das Flirtverhalten der Karlsruher Studenten. Inflationär und oftmals ganz und gar unromantisch sowie unkreativ wird neuerdings im Stunden- und Minutentakt über Facebook nach der Studentin nebenan oder der im zweiten Stockwerk gesucht. Das Besondere des privaten Kennenlernens übernimmt Facebook - und die ganze Welt schaut zu. Dabei ist dieser Trend keine Karlsruher Erfindung. In Studentenkreisen heißt es, dass "Spotted" aus dem schottischen Glasgow nach Deutschland überschwappte und hier zunächst an der Universität Mannheim seinen fruchtbaren Nährboden fand.

Kreativität ist gefragt, liebe Studenten

Mittlerweile scheint fast jede Universität ihre eigene "Spotted"-Seite in Facebook zu haben, tagtäglich "liken" Facebookfreunde die "Spotted"-Seite ihrer Unistadt. Allerdings sticht Karlsruhe durch seine große Mitgliederzahl aus den vielen Hochschulen des Landes hervor. Während an der Universität Freiburg nur rund 500 Studenten suchen, an der Stuttgarter Uni knapp 2.000, scheint das männerlastige KIT eine der Spitzenpositionen im Ländle einzunehmen. Ob es daran liegt, dass nur 27 Prozent der fast 24.000 Studenten weiblich sind und Karlsruhe in Studentenkreisen nicht gerade als Frauenhochburg gilt?

Wie dem auch sei, dem schüchternen Informatiker, der sich nicht traut, oder dem nervösen Geisteswissenschaftler, der sich zu viele Gedanken macht, sei diese Flirthilfe via Facebook ja durchaus gegönnt. Aber dann sollten sie zumindest in schriftlicher Form überzeugen und nicht eine Anfrage wie diese hier abschicken: "Ich steh unten beim Kaffee-Automat um 20 Uhr. Dann werden wir ja sehen was wir All Night Long anstellen, wäre wirklich ganz großes Tennis." Also dann: Viel Erfolg beim "spotten" und verlieben.

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