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Karlsruhe Tödlicher Stadtbahnunfall: Elternbeiräte fordern schon lange mehr Sicherheit

Der tödliche Unfall in der Thomas-Mann-Straße schockiert die Karlsruher. Vor einer Wochen starb dort ein 14-Jähriger, nachdem er von einer Stadtbahn erfasst wurde. Bereits vor über zwei Jahren wandten sich die Elternbeiräte der naheliegenden Schule und Kita an die VBK und die Stadt. Sie forderten mit Maßnahmen den Haltestellenbereich sicherer zu machen - bevor ein schlimmer Unfall passiere. Ihre Forderungen wurden abgelehnt.

Ein 14-jähriger Junge wurde am 8. Mai um kurz nach 8 Uhr im Bereich Rheinstrandsiedlung zwischen Thomas-Mann-Straße und Rheinhafenstraße von einer Stadtbahn der Linie S2 erfasst und tödlich verletzt. Der Schüler hatte die Bahn wohl übersehen. Die Haltestelle Thomas-Mann-Straße liegt unmittelbar zwischen der Adam-Remmele-Schule und einer Kindertagesstätte. Täglich kreuzen zahlreiche Kinder und Schüler die Gleise - viele mit Fahrrädern.

"Der tragische Unfall schockiert uns und macht uns sehr traurig", so Nicole Rott, Elternbeiratsvorsitzende der Adam-Remmele-Schule, im Gespräch mit ka-news. "Es wundert uns, dass hier nicht früher schon etwas Schlimmes passiert ist," so Rott, die von 2010 bis 2012 stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende der Kita war. Denn die Situation dort sei gefährlich. Sie wisse von etlichen "Beinah-Unfälle".

Die Eltern schlagen daher schon lange Alarm. Denn sie sehen den dortigen Fußgängerüberweg als problematisch. "Seit Jahren bemühen wir uns die Haltestelle zum Wohle aller, aber natürlich vorrangig für unsere Kinder, die tagtäglich diese Gleise queren, sicherer zu machen", so Rott. Doch bisher vergeblich.

Elternvertreter schrieben bereits 2010 an die VBK

Bereits im Oktober 2010 wandten sich die besorgten Eltern mit einem Schreiben an die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK). "Wir, Elternbeirat sowie Eltern des Kindergarten/Hort bitten, dass im Bereich der Haltestelle Thomas-Mann-Straße die Straßenbahnführer angehalten werden vorsichtiger zu fahren und die Geschwindigkeiten deutlich herabzusenken, insbesondere bei den Eilzügen. Der Zeitverlust der Eilzüge würde sich sicherlich im Rahmen halten gegenüber dem Risiko einer Tragödie, dass ein Kind unter die Bahn kommt", heißt es in dem Brief. Zwar sei bereits vor längerer Zeit ein Zaun um den Haltestellenbereich gebaut worden. Doch diese Sicherheitsmaßnahme reiche nach Ansicht der Eltern nicht aus. Auch eine Fußgängerampel im Bereich dieser Haltestelle wäre wünschenswert.

In einem Antwortschreiben von VBK-Geschäftsführer Walter Casazza vom 17. November 2010, das ka-news vorliegt, heißt es: "Die Sicherheit von Kindern und Schülern ist uns ganz besonders wichtig. Deshalb wurde auch die Haltestelle Thomas-Mann-Straße auf allen Seiten mit einem Zaun umschlossen und alle Zuwege mit versetzten Zäunen ausgestattet, sodass niemand aus Unachtsamkeit die Gleise betreten kann. Damit hat diese Haltestelle einen Ausstattungsstand, der weit über die meisten anderen Haltestellen hinausgeht."

Weiter schreibt Casazza: "Die von Ihnen geforderte Geschwindigkeitsreduzierung an dieser Haltestelle ist unseres Erachtens für diesen Personenkreis nicht förderlich. Gerade niedrige Geschwindigkeiten können fehl interpretiert werden und verleiten Fußgänger dazu noch vor der herannahenden Bahn die Gleise zu queren. Wir bitten um Verständnis, dass wir aus den zuvor genannten Gründen eine Geschwindigkeitsreduzierung der Züge nicht vornehmen zu können." Eine absolute Sicherheit im Schienen- und Straßenverkehr werde es nie geben. Dennoch seien die VBK der Ansicht, dass "wenn beide Seiten ein hohes Maß an Verantwortung hierzu beitragen, mögliche Risiken minimiert werden können".

VBK und Stadt: Keine weiteren Maßnahmen an der Haltestelle notwendig

Die enttäuschten Eltern wandten sich daraufhin mit ihrer Forderung an den damaligen Oberbürgermeister Heinz Fenrich. Der OB schreibt am 21. Februar 2011 zurück: "Die Auswertung der Unfallstatistik (ab 2002) hat ergeben, das sich dort kein einziger Unfall an der Gleisquerung zugetragen hat. Auch aus der praktischen Betriebserfarhung heraus bezeichnen die VBK den Fußgängerüberweg als unkritisch." Grundsätzlich sei festzustellen, dass Straßenbahnunfälle mit Kindergarten- und Schulkindern im VBK-Netz nur selten vorkämen. Zudem gebe es in der Nähe von Schulen und Kindergärten keine Auffälligkeiten in der Statistik.

"An solchen Stellen mit völlig unauffälligem Zusammenspiel der verschiedenen Verkehrsteilnehmer halte ich im Einvernehmen mit den VBK eine Geschwindigkeitsreduzierung für Straßenbahnen nicht erforderlich", so Fenrich weiter. "Zur Erhöhung der Sicherheit an der Thomas-Mann-Straße tragen letztlich auch die Schutzzäune sowie die Umlaufgitter bei." Diese Ausstattung gehe über den "üblichen von der Technischen Aufsichtsbehörde für Straßenbahnen geforderten Standard für Fußwegsicherungen im Bereich von Gleisen hinaus".

Die Eltern wollten nicht aufgeben und wandten sich auch an alle Fraktionen des Karlsruher Gemeinderats - ohne Ergebnis. "Leider wurde unseren Bedenken überhaupt nicht die geringste Beachtung geschenkt. Wir waren enttäuscht und frustriert", so Rott heute. Nach dem schlimmen Unfall vor einer Wochen hoffe man jetzt endlich auf ein Umdenken bei den Verantwortlichen, sagt sie. Die Eltern haben sich daher erneut an die VBK und den neuen Oberbürgermeister Frank Mentrup gewandt.

Eltern: Prävention reicht nicht aus

Die VBK haben bereits am Freitag angekündigt, dass sie eine Expertenrunde zum Thema Präventionsarbeit einberufen wollen. Dabei sollen den Fragen "Wie können wir bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen das Gefahrenbewusstsein schärfen?" und "Wie können wir ihnen klarmachen, dass es unausweichlich ist, mit offenen Augen und Ohren entlang von Schienen unterwegs zu sein oder sie zu queren?" nachgegangen werden.

Das tragische Schicksal des 14-jährigen Jugendlichen, der am vergangenen Mittwoch im Gleisbereich der Thomas-Mann-Straße tödlich verunglückt ist, zeige, dass noch mehr Präventionsarbeit vonnöten sei, um solche Unfälle zu verhindern, heißt es dort. VBK-Chef Casazza möchte daher in einer Expertenrunde Wissen bündeln und Ideen zusammentragen, wie Aufklärung aussehen könnte und an welchen Stellen sie geleistet werden soll. "Ich hoffe auf Vorschläge vom Stadtjugendausschuss, von der Polizei, von Elternvertretern und von den Jugendlichen selbst. Gemeinsam können wir daran arbeiten aussagekräftige Konzepte zu entwickeln und breite Präsenz zeigen", wird Casazza zitiert.

Doch Prävention reicht nach Ansicht der Elternvertreter nicht aus. "Wir erklären unseren Kindern, wie sie sich an Haltestellen verhalten sollen", so Elternbeiratsvorsitzende Rott. An den Haltestellen müssten aber weitere Maßnahmen getroffen werden, um für die Sicherheit der Kinder zu sorgen. Auch wenn dadurch der tödliche Unfall vielleicht nicht hätte verhindert werden können, so müsse doch alles getan werden, um die Gefahr für die Kinder an dieser Stelle zu minimieren, findet sie. "Wir hoffen, dass sich dort jetzt endlich etwas ändert." Zudem appelliert Rott: "Gerade Erwachsene müssen Vorbild sein und zeigen wie man sich richtig an einer Straßenbahnhaltestelle verhält."

Siehe auch:

Straßenbahnunfälle in Karlsruhe: Was dagegen tun?

Ideensammlung "Wie kann man Zusammenstöße von Fußgängern und Straßenbahnen verhindern?"

Straßenbahnunfälle verhindern: Karlsruher startet Online-Ideensammlung

Straßenbahnunfälle in Karlsruhe: Stadträte warten weiter auf 10-Jahres-Statistik

Karlsruher Unfall-Statistik 2012: Mehr Verkehrstote und Straßenbahnunfälle

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  •   ObenLang
    (2745 Beiträge)

    100% Zustimmung
    - Geschwindigkeitsbegrenzungen sind FÜR die Fahrer gedacht
    so darf kein WC von ihnen fordern da schneller durchzukommen
    - Das System muss fehlertoleranter werden, denn da geht es um Menschen! Kranke Verkehrsführungen müssen verbessert werden nicht von Fahrern sondern von "weiter oben"!
    Ich frag mich z.B. auch fast täglich wann es am Todeskreisel Oststadt jemanden erwischt. Andere Gegend ähnliches Problem. Sponsord by Karrosariebau kopflos??
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  • unbekannt
    (475 Beiträge)

    Unlogisch
    Zitat:
    "Gerade niedrige Geschwindigkeiten können fehl interpretiert werden.."
    Bei niedrigeren Geschwindigkeiten bleibt für beide Verkehrsteilnehmer mehr Zeit zum reagieren.
    Mal ganz abgesehen von dem verkürzten Bremsweg der daraus resultiert.
    Oder sehe ich das falsch ?
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  •   mueck
    (8975 Beiträge)

    !
    Für den Radverkehr hilft auch Schleichverkehr nix, weil vor der Umlaufsperre keine Sicht auf die Bahnen aus der Stadt gegeben ist, in der Umlaufsperre die Aufmerksamkeit auf die Sperre und vielleicht die Bahn aus Richtung Rheinstetten gelenkt ist und man erst bei der Ausfahrt aus der Sperre die Bahn aus der Stadt sieht, aber schon vor dieser im Gleis steht ... Da wäre auch mit 30 der Bremsweg zu lang. Deswegen muss die Sperre konform zur neuen ERA 2010 zurück verlegt werden und das sichtbehindernde Grün ausgelichtet werden. Dann wiederum sind die normalen Geschwindigkeiten 60/40 kein Problem mehr.
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  •   ObenLang
    (2745 Beiträge)

    Man darf keine Menchenopfer für einen ehrgeizigen Fahrplan riskieren
    Expertenrunden und Zäune sind vielleicht an Fernstrecken ganz nett, aber das ständige Barrieren schaffen in Wohngegenden ist doch eine sehr einseitige Übervorteilung der VBK-Interessen.
    Überall heißt es immer "hohe Geschwindigkeit ist die Gefährdungsursache schlechthin", dass das bei Eigen- / Fahrplanintresse bei Zig-Tonnern die nicht mal ausweichen können nicht gelten soll will ich einfach nicht so akzeptieren!
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  •   Inquestor
    (354 Beiträge)

    Ein Tunnel würde die Situation sehr entschärfen
    Zwischen Schülerhort und Schule sollte eine kleine Unterführung gebaut werden. Das würde die Situation erheblich entschärfen und auch nicht viel Geld kosten.

    Alle,die die Verantwortung auf die Erziehung verschieben wollen, haben keine Kinder.

    Natürlich muss man die Kinder zur Eigenverantwortung erziehen. Mach das mal bei einem 6 oder 8 Jährigen Kind! Da muss nur die Freundin auf der anderen Seite winken und dann ist es passiert.

    Dass nicht mehr passiert ist, liegt daran, dass ständig Erzieherinnen vom Hort einen Lotsendienst durchführen, der eigentlich nicht notwendig wäre, wenn es bestimmte bauliche Maßnahmen gegeben hätte.

    Ein fehler von einem Kind an dieser Stelle kann immer sein letzter Fehler sein, der das Kind dann mit dem Leben bezahlt.
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  •   dipfele
    (4079 Beiträge)

    ein Tunnel...
    ... wird doch schon gebaut in der City für 800 Mio ! Man kann doch nicht alles haben!
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  •   mueck
    (8975 Beiträge)

    !
    Einen Tunnel gibt's dort schon vom Verein, der ist aber für den Radverkehr völlig ungeeignet, der täte nur reihenweise Unfälle zwischen Radfahrern und mit Fußgängern verursachen ...
    Das das Nordende der Haltestelle im Zuge einer Radverbindung liegt, kann man die oberirdische Querung auch nicht einfach zu machen.
    Eine neue Unterführung wird da keiner bauen wollen, Unterführungen haben heutzutage keine Akzeptanz mehr und führen nur zu Gleiskletterern, was noch gefährlicher wäre als heute.
    Für den Radverkehr kann die Querung sicherer gemacht werden, s.a. Beitrag. Dann ist auch für Fußgänger die Sicht besser.
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