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Karlsruhe Gefahr Bahnübergang: Polizei Karlsruhe kämpft gegen Autofahrer-Leichtsinn

Immer wieder kommt es in Karlsruhe zu Unfällen zwischen Autos und Straßenbahnen. Vor allem die beiden Stadtteile Dammerstock und Rüppurr sind nun in den Fokus gerückt. Der Grund: An mehreren Bahnübergängen häufen sich die Unfälle. Polizei und Bahnbetreiber wollen das jetzt ändern.

Mehrere Bahnübergänge in den Stadtteilen Dammerstock und Rüppurr bereiten Joachim Zwirner Sorgen. Er ist der Leiter des Referats Verkehr beim Polizeipräsidium Karlsruhe und kennt die Unfallschwerpunkte in der Fächerstadt. Seit Jahresbeginn 2016 wurden in diesen beiden Karlsruher Stadtteilen insgesamt elf Verkehrsunfälle gezählt - und das allein an den dortigen fünf Bahnübergängen. Dabei wurden vier Menschen schwer und zwei leicht verletzt, erklärt Zwirner am Montag bei einem Pressegespräch. 

Hauptunfallursache: "grober Leichtsinn"

Damit haben sich die Unfälle an den fünf Bahnübergängen zwischen Dammerstock und der Battstraße nach Einschätzung der Polizei und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) deutlich erhöht. "Wir stellen leider immer wieder fest, dass vielen Verkehrsteilnehmern weder die Bedeutung von Andreaskreuzen oder Sicherungsanlagen richtig bekannt ist, noch das tödliche Risiko, wenn sie verbotswidrig die Gleise überqueren, um vielleicht die  Fahrstrecke abzukürzen", erklärt AVG-Eisenbahnbetriebsleiter Müller die Problematik an unbeschrankten Bahnübergängen. 

Die meisten Unfälle an den betroffenen Haltestellen entstehen laut Zwirner aber vor allem durch den "groben Leichtsinn" der zumeist ortsansässigen Autofahrer. Diese würden immer wieder Verkehrsregelungen missachten und teilweise sogar verbotswidrig abbiegen.

Kein Kavaliersdelikt wie Zwirner am Montag deutlich macht - bei diesen Verkehrshandlungen gehe es um nichts weniger als um Leben oder Tod. Wie vielen Autofahrern dies nicht bewusst ist, zeigte sich am Montag vor Ort am Übergang der Bahnhaltestelle Ostendorfplatz. Innerhalb von 20 Minuten bogen allein  zwei Autofahrer trotz Verbot von der Stadt kommend nach rechts ab. Polizei und AVG wollen jetzt handeln.

Neue Schilder und vermehrte Kontrollen 

Um die Unfallzahl an diesen Kreuzungen zu minimieren, wurden nach einer "Bahnübergangsschau" im März dieses Jahres einige Maßnahmen umgesetzt: "In Absprache mit der Stadt Karlsruhe wurden Beschilderung und Fahrbahnmarkierung an den Bahnübergängen angepasst," erklärt Zwirner am Montag. Die Verkehrszeichen, vor allem das Andreaskreuz, sollen an diesen Stellen besser zur Geltung kommen. Einige wurden versetzt, andere erneuert.

Bahnübergang Ostendorfplatz
Joachim Zwirner, der Leiter des Referats Verkehr beim Polizeipräsidium Karlsruhe, und Wilfried Müller, Eisenbahnbetriebsleiter der AVG, informieren über die Unfallproblematik. | Bild: Melissa Betsch

Hinzu kommen verstärkte Polizeikontrollen an den Bahnübergängen: "Die Kontrollen zeigen Wirkung. Vor allem an der Nürnberger Straße gibt es eine deutliche Verbesserung der Situation," so Zwirner. Wird ein Autofahrer beim verkehrswidrigen Abbiegen erwischt, können die Konsequenzen bis zur Haftstrafe reichen: Bei einem Unfall mit "Folgeschäden an Verkehrsmitteln oder Personen", droht dem Schuldigen eine mehrmonatige Haftstrafe.

Einem ortskundigen Falschabbieger kann Vorsatz unterstellt werden - nach Paragraph 315 des Strafgesetzbuches wird dann von einem "gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr" ausgegangen. Damit sei die Gefängnisstrafe nicht unter einem halben Jahr anzusetzen. Bei folgenlosen Verstößen kommt es aus einem Milderungsgrund zu einer Geldstrafe von bis zu 60 Euro. 

Mehr zum Thema
Straßenbahnunfälle in Karlsruhe: Unfälle, Umleitungen, Verspätungen - aktuelle Nachrichten zur Verkehrslage im AVG-, VBK- und KVV-Netz in Karlsruhe.
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Kommentare (17)
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  •   Rino
    (215 Beiträge)

    Gewohnheitsrecht
    Wohnte 2 Jahrzehnte in unmittelbarer Nähe vom Übergang Rastatter Strasse - Tulpenstrasse und Löwenstrasse. Wenn ich für jeden der dort vom Koffler kommend nach links abgebogen ist nur 10 €uronen bekommen hätte,wären das garantiert zwischen 2000.- und 3000.- € im MONAT gewesen.
    Hatte deshalb auch mal beim Revier Rüppurr vorgesprochen und als Antwort " das ist nicht unser Problem" bekommen.
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  •   Freigeist1
    (434 Beiträge)

    Das gleiche Fehlverhalten zahlreicher Autolenker
    gibt es u.a. am Konzerthaus wo man durch die Strabahaltestelle abkürzt (Nähe Polizeipräsidium), am Hauptbahnhof/Zooeingang und der Luisenstrasse Ost (Höhe Awo) gegen die Einbahnstrasse, etc. Wo bleiben wirksame Kontrollen? Gibt es eigentlich spezielle "Biltzer" für solche verbotenen Abbiege- und Durchfahrtsrelationen? Das Problem ist, dass solche Superschlau- und Superschnell-Autolenker dies wohl generell durchziehen, nur dass ihr gewohnheitsmäßiges Fehlverhalten gegenüber Radfahrern, Fußgängern und schüchternen Autokollegen nicht dokumentiert, thematisiert oder sanktioniert wird. Wenn ich beim Reissverschluß hintern Hbf locker-harmlos auf 1 rechts 1 links bestehe, drehen manche schon fast durch... Auto-Wahnsinn halt!
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  •   Route66
    (841 Beiträge)

    Das ist ja nicht nur grober Leichtsinn
    was diese Autofahrer da treibe. Das sind newusste Entscheidungen sich über Verkehrsregeln hinwegzusetzen bis hin zur dadurch bewussten Inkaufnahme andere zu schädigen. Rüppurr ist ein gutes Beispiel. Dort ist es nicht nur üblich über die Bahnübergänge zu fahren, sondern man fährt auch bewusst von der Herrenalber aus Richtung Stadt kommend als Rüppurrer in den Ostendorfplatz ein, was verboten ist. Die sind mittlerweile sogar schon so dreist, dass sie am Cafe Riberg reinfahren, also sogar dort noch entgegen der Fahrtrichtung. Hauptsache schlauer als die anderen Deppen. Schön auch wenn im fließenden Verkehr so ein Hirni stehen bleibt um Abzubiegen. Jede Menge Gegenverkehr und der ganze Trupp hintendran muss bremsen. Ich hab dann immer Spaß, wenn ich hinter dem stehe, einen auf Dauerhupe zu machen, damit er sich so richtig wohl fühlt da vorne,
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  •   flo-mi
    (415 Beiträge)

    Über eine Beschrankung sollte man nachdenken
    In Manchen Fällen wäre auf der Strecke der S1 auch eine Beschrankung der Bahnübergänge sinnvoll, so wie das in Ettlingen geschieht. Das Verkehrsaufkommen zwischen Albtalbahnhof und Ettlingen Stadt ist ja wohl ziemlich identisch.
    Auch am Zündhütle, wo nur eine TRAM verkehrt gibt es schon von Beginn an eine Beschrankung.
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  •   master-of-comment
    (3639 Beiträge)

    Gegen beschränkte Autofahrer ...
    hilft halt nur eine Beschrankung.

    Aber mehr noch beschäftigt mich, wie man vom Ostendorfplatz "in Fahrtrichtung Rüppurr" abbiegen kann. Das ist ungefähr so, wie wenn man vom Marktplatz in Fahrtrichtung Karlsruhe abbiegt ...
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  •   redaktion
    (896 Beiträge)

    Hallo master-of-comment,
    das war wohl leider missverständlich formuliert. Wir haben die Stelle präzisiert.

    Viele Grüße aus der Redaktion! grinsen
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  •   NeoTiger
    (418 Beiträge)

    Bedeutung des Andreaskreuz
    Da es der Artikel zwar angesprochen aber vergessen zu erläutern hat:

    Das Andreaskreuz, bzw. Zeichen 201, ist kein Gefahrenzeichen sondern ein Vorschriftszeichen. In Abwesenheit einer zusätzlichen Schranke oder eines Lichtzeichens hat es für den Autofahrer die gleiche Bedeutung wie Zeichen 205 ("Vorfahrt Gewähren"), nur hier gegenüber dem kreuzenden Bahnverkehr.

    Und einer Bahn die Vorfahrt zu nehmen kann üble Folgen für die Gesundheit haben - darum sollte man dieses Zeichen tunlichst nicht ignorieren.
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  •   M.S.
    (199 Beiträge)

    ist doch
    auf der Karlstrasse und Kaiserallee nichts anders.
    Die Polizei sollte da regelmässig kontrollieren und fette Anzeigen raushauen.
    Wenn das oft genug geschieht und gut durch die Presse getreten wird, gibts auch Aussicht auf Besserung.
    Mit Schildchen aufstellen wo kein Aas drauf achtet, oder es keinen interessiert, ist niemandem geholfen.
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  •   andip
    (8133 Beiträge)

    Nun ja
    Die Ortskundigen, die da abbiegen, sollten aber eigentlich am besten wissen, dass da Bahnen fahren und daher auch entsprechend aufpassen ob eine kommt.
    Wer trotzdem blindlings darüber brettert, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.
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  •   Aussie
    (541 Beiträge)

    Wenn das Falschverhalten Absicht ist
    kann man noch so viele Schilder aufstellen. Das nützt nichts!
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