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Karlsruhe Film gegen Straßenbahnunfälle: VBK setzt auf Aufklärung

Ein junger Mann setzt sich Kopfhörer auf - große, die die Ohren von der Außenwelt abschirmen - steigt auf sein Fahrrad und fährt los. Eine knappe Minute später liegen seine Kopfhörer auf Straßenbahnschienen, sein Fahrrad umgekippt daneben. "Stell dich nicht taub" ist der Titel eines Präventionsfilms der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), der künftig Karlsruher Jugendliche zu Achtsamkeit aufrufen soll.

Als Reaktion auf den tödlichen Unfall eines 14-jährigen Jungen an der Haltestelle Thomas-Mann-Straße Anfang Mai hat die VBK eine Expertenrunde einberufen.Vertreter der Abteilung Verkehrserziehung der Polizei, des Gesamtelternbeirats der Stadt Karlsruhe, des Ordnungs- und Schulamts, des Kinderbüros, des Stadtjugendausschusses, des Studentenwerks, der Unfallkasse Baden-Württemberg sowie der VBK und des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) haben über Präventionsmaßnahmen speziell für Jugendliche diskutiert. Das erste Resultat: Der Präventionsfilm "Stell dich nicht taub".

"Immer mehr Jugendliche mit Kopfhörern unterwegs"

"Der Titel steht stellvertretend dafür, dass immer mehr Jugendliche mit Kopfhörern unterwegs sind und sich damit eines wesentlichen Sinnes berauben", meint VBK-Geschäftsführer Walter Casazza bei der Vorstellung des Films am Dienstag. Der Film ist auf Youtube (siehe unten), auf der Facebook- und Twitterseite des KVV sowie auf der KVV-Homepage zu sehen.

Außerdem soll er bei Präventionsarbeit in Schulen eingesetzt werden, die der KVV seit mehreren Jahren zusammen mit der Polizei durchführt. Die Kooperationspartner - das Karlsruher Jugendbüro, der Gesamtelternbeirat der Stadt, der Stadtjugendausschuss, das Staatliches Schulamt, das Studentenwerk und die Unfallkasse Baden-Württemberg -  wollen die Verkehrsbetriebe bei der Verbreitung des Films unter Schülern und Studenten sowie in Jugendzentren unterstützen.

Zielgruppe: Jugendliche und junge Erwachsene

Hauptdarsteller des Films ist Sebastian Kreutz, der lange Zeit am Karlsruher Staatstheater engagiert war. Gerade habe Kreutz eine "Karriere als Krankenhausclown" gestartet, wie Oliver Langewitz, der Vorsitzende des Karlsruher Vereins Filmboard und Regisseur des Films, sagt. "Kreutz ist jemand, mit dem sich die Zielgruppe identifizieren kann. Er stellt einen Studenten dar", so Langewitz. Er hält die Zielgruppe, Jugendliche und junge Erwachsene, für schwer erreichbar. "Ein erhobener Zeigefinger bringt wenig. Man sollte nicht direkt sagen: Du darfst das nicht. Stattdessen zeigen wir im Film die Konsequenzen auf", erklärt der Vereinsvorsitzende.

Bei dieser Zielgruppe, die man vor allen Dingen über das Internet, wo eine Informationsflut herrsche, erreichen will, sei es wichtig, die Botschaft prägnant und schnell - genauer gesagt in 56 Sekunden - zu vermitteln. Laut Langewitz gibt es noch etwas, das nicht fehlen darf, um die gewünschten Emotionen hervorzurufen: Musik. Der Karlsruher Künstler Justin Nova hat die Filmmusik komponiert. Die Grundidee und Konzeption des Films stammt von dem Journalisten Stefan Jehle, das Drehbuch schrieb Sven E. Maier

Wie Langewitz erzählt, ist das nicht der erste Präventionsfilm zum Thema Straßenbahnunfälle, der unters jugendliche Volk gebracht werden soll. "Gefahren am Gleis" hieß ein Film mit demselben Zweck, der vor einiger Zeit bei der Präventionsarbeit von Polizisten in Schulen gezeigt wurde. "Laut den Polizisten hat der Film positive Ressonanz bekommen", meint Langewitz.

Schon zuvor regelmäßige Streckenbeschauungen

Die Produktion des neuen Filmes ist den aktuellen Vorfällen in Karlsruhe geschuldet. Bei einem der tödlichen Unfälle sei nachgewiesen, dass Kopfhörer im Spiel waren, weiß Langewitz. "Unabhängig von den aktuellen Ereignissen wurden schon zuvor und werden auch weiterhin regelmäßig Streckenbeschauungen durchgeführt", so Walter Casazza, "um herauszufinden, wie die Situation an den verschiedenen Haltestellen verbessert werden kann."

Die Baustellen der Kombilösung hält Casazza für kein großes Problem. "Ich gebe zu, dass die Umleitungen für eine ungewohnte Situation sorgen, aber die letzten Unfälle hatten nichts mit den Baustellen zu tun", meint der VBK-Geschäftsführer. Später merkt er an, dass auch "beinahe-Unfälle", die nicht in den Medien auftauchen, von Bedeutung sind und dass diese zunehmen würden. Die Kampagne der Expertenrunde setzt nun auf Aufklärung. "Das muss ein ständiger Prozess werden. Man muss immer wieder darauf hinweisen, aufzupassen", sagt Casazza. Der Film sei "selbstverständlich nur ein Teil der neuen Kampagne". Die nächste Aktion sei schon in Planung. Welche Aktion das ist, wollte Casazza noch nicht verraten.

Der Präventionsfilm auf Youtube

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