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Karlsruhe Karlsruher SPD-Chef Parsa Marvi: "Der KSC ist keine politische Partei"

Im Mai wurde Parsa Marvi als Nachfolger von Johannes Jung zum neuen Vorsitzenden der Karlsruher SPD gewählt. Der 30-Jährige ist damit der jüngste Parteichef der hiesigen Parteigeschichte. Beim Besuch in der ka-news-Redaktion erklärt er, wie die SPD die nun schon 42-Jahre währende CDU-Regentschaft im Rathaus beenden möchte - und warum er seine Mittagspause derzeit meist mit seinem E-Mail-Account verbringt.

Für einen Parteivorsitzenden spricht Parsa Marvi sehr leise. Seine Stimme ist zwar klar akzentuiert, es fehlt allerdings der künstliche Nachdruck, mit dem Politiker gerne die Sätze unterstreichen, die ihnen besonders wichtig sind. Vielleicht klingen deshalb Aussagen wie "Eine Partei muss die Gesellschaft repräsentieren können" oder "Die SPD muss sich neuen Herausforderungen stellen" bei ihm weniger aufgesetzt, als sie es aus dem Mund von manchem anderen Politiker tun würden.

"Man muss nicht bis 50 warten, um Kreisvorsitzender zu werden"

Dabei ist Marvi mit seinen 30 Jahren längst ein alter Hase im Politikgeschäft. Schon mit 18 Jahren war er als Ersatzkandidat der SPD für den Landtag in Baden-Württemberg, mit 21 stellvertretender Landesvorsitzender der Jungsozialisten (Jusos) im Land. "Ich bin jemand, der gerne Tempo macht", sagt er über sich selbst. "Ich glaube auch nicht, dass man bis 50 warten muss, um Kreisvorsitzender zu werden." Dabei stehe aber nicht der Karrieregedanke im Vordergrund. "Ich mache das, weil ich es gern tue."

Parsa Marvi wurde in Teheran im Iran geboren und kam 1987 nach Deutschland. Mit 17 Jahren machte er in Göttingen Abitur - als jüngster Abiturient der Stadt. Zum Studium wechselte er nach Karlsruhe, wo er sich für Informatik und Betriebswirtschaft einschrieb. "Hier habe ich meinen Lebensmittelpunkt gefunden", sagt Marvi, der sich selbst gerne als "gut integrierter Badener" bezeichnet. Nach dem Studium arbeitete er beim Finanzdienstleister MLP als Assistent des Vorstands, bevor er als IT-Produktmanager zum Kommunikationsanbieter 1und1 wechselte. Mit dem Ehrenamt Parteivorsitzender kollidiere das nicht, eher im Gegenteil. Als Politiker sei man Volksvertreter, da müsse man schließlich wissen, wie das Leben außerhalb der Politik funktioniere, so Marvi. "Ich nutze derzeit oft die Mittagspause, um schnell die eine oder andere E-Mail zu schreiben." Für komplexere Themen sei dann das Wochenende und der Abend reserviert.

"Wir werden um jede einzelne Stimme kämpfen müssen."

Marvi hat den Parteivorsitz in einer schwierigen Situation übernommen. In nicht einmal mehr sechs Monaten wählt Karlsruhe einen neuen Oberbürgermeister. Nach 42 Jahren mit CDU-Stadtoberhäuptern soll dieser nun endlich wieder ein SPD-Parteibuch haben. "Der CDU fehlen die Ideen und die Visionen. Der Wechsel im Rathaus ist unser vorrangiges Ziel", betont Marvi. Zu schaffen sei das - einfach werde es allerdings nicht. "Wir werden um jede einzelne Stimme kämpfen müssen."

Dabei wolle man vor allem auf Bürgernähe und weniger auf Plakate und Flugblätter setzen. "Dieser Wahlkampf wird keine Materialschlacht", erklärt Marvi. Vielmehr wolle man direkt zu den Bürgern gehen, etwa im Rahmen einer Sommertour. "Wir profitieren hier auch davon, dass die SPD noch in allen Stadtteilen mit Ortsvereinen präsent ist." Sorgen, dass der CDU-Gegenkandidat Ingo Wellenreuther allein schon durch sein Engagement als Präsident des Karlsruher SC einen Vorteil haben könnte, macht sich Marvi nicht. "Der KSC ist keine politische Partei."

Der OB muss Moderator sein - nicht Polarisierer

Überhaupt brauche man als Oberbürgermeister jemanden, der sich eher als überparteilicher Moderator und weniger als Polarisierer begreife. "Wer Frank Mentrup einmal erlebt hat, der weiß, er ist der richtige Mann!", ist sich Marvi sicher. Dazu komme, dass sich nach etwas über einem Jahr grün-roter Regierung im Land die Stimmung verändert habe. "Erste Erfolge werden jetzt sichtbar." Das spüre man auch in Karlsruhe.

Dennoch gebe es noch viel zu tun. "Gerade im Verbandsbereich müssen wir noch Überzeugungsarbeit leisten", sagt Marvi. Auch in der Partei selbst warte noch Arbeit. "Wir brauchen neue Strukturen, müssen zum Beispiel sehen, wie wir die Netzgemeinschaft einbinden", sagt Marvi auf die Piratenpartei angesprochen. Viele Strukturen, die noch vor 30 oder 40 Jahren funktioniert hätten, seien heute einfach nicht mehr zeitgemäß. "Bei wichtigen Entscheidungen möchte ich meinem Gesprächspartner aber doch lieber von Angesicht zu Angesicht in die Augen schauen", so Marvi. Wieder klingt er dabei gar nicht nach einem Politiker. Aber vielleicht ist genau das seine Stärke.

Siehe auch:

Parsa Marvi neuer SPD-Chef in Karlsruhe

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