108  

Karlsruhe David Ruf: "Mit Frau Mergens Stil kann man keine Wahlen gewinnen"

Die Karlsruher Junge Union (JU) hat sich früh positioniert: Ingo Wellenreuther soll für die CDU in den Oberbürgermeisterwahlkampf ziehen. Im ka-news-Interview erklärt der Karlsruher JU-Vorsitzende David Ruf, warum seine Tätigkeit im Büro von Wellenreuther bei der Entscheidung keine Rolle gespielt hat und was die Junge Union tun würde, wenn die CDU doch Margret Mergen als Kandidatin nominieren würde.

Herr Ruf, wie stellt sich der CDU-interne Machtkampf um die Kandidatur als Oberbürgermeister in Karlsruhe aus Sicht der Jungen Union dar?
Wir sind für einen fairen Wahlkampf und haben selbst auch immer fair gespielt. Das gilt auch für das Schreiben an Frau Mergen wegen des Interviews, das sie auf ihrer Homepage veröffentlicht hatte. Wir wollten das Schreiben bewusst nicht öffentlich machen und haben daher zunächst nur Frau Mergen persönlich geschrieben. Anschließend ging es zur Information über einen internen Verteiler an die Vorstandsmitglieder der Jungen Union und an die Funktionsträger innerhalb der CDU. Aus Frau Mergens Unterstützerkreis wurde der Brief dann an die Medien weitergeleitet. Der Vorwurf, wir würden hier intrigieren oder uns an einer Schlammschlacht beteiligen, ist deshalb definitiv falsch.

Die Junge Union hat früh erklärt, dass sie Ingo Wellenreuther als CDU-Kandidaten bei der Oberbürgermeisterwahl unterstützen wird. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Das war keine große Frage. Wir haben ja damit gerechnet, dass Ingo Wellenreuther als Oberbürgermeister kandidieren will. Natürlich haben wir auch schon vor seiner offiziellen Ankündigung innerhalb der Jungen Union darüber gesprochen, dass wir eine Kandidatur von Herrn Wellenreuther begrüßen würden. Die JU steht geschlossen hinter Ingo Wellenreuther.

Sie sind Vorsitzender der Jungen Union. Außerdem sind Sie für Ingo Wellenreuther in seinem Wahlkreisbüro tätig und arbeiten ehrenamtlich für den Karlsruher SC, dessen Präsident ebenfalls Ingo Wellenreuther ist…
Meine ehrenamtliche Tätigkeit beim KSC, wo ich die Website mitbetreue, übe ich seit mehr als zehn Jahren aus, also schon lange bevor Ingo Wellenreuther Präsident wurde. In seinem Wahlkreisbüro arbeite ich seit über fünf Jahren – als Mitarbeiter, nicht als Leibeigener. Natürlich reden wir auch über meine Arbeit als JU-Vorsitzender, aber die JU hatte schon immer ihren eigenen Kopf und wir machen das, was wir für richtig halten. Ich selbst bin 27 Jahre alt, habe ein abgeschlossenes Universitätsstudium hinter mir und kann selbstständig denken und handeln.

Können Sie denn nachvollziehen, dass es manchen Leuten dennoch komisch vorkommt?
Wer auf Teufel komm raus einen Vorwurf kreieren möchte, der findet auch etwas. Mich beschäftigt das aber nicht. Wenn man Position bezieht, muss man immer mit einer Gegenposition rechnen.

Ihre Position und die der Jungen Union ist, dass Ingo Wellenreuther bei der Oberbürgermeisterwahl als Kandidat für die CDU ins Rennen gehen soll. Warum nicht Margret Mergen?
Ingo Wellenreuther hat schon vier Volkswahlen gewonnen. Die Oberbürgermeisterwahl ist die mit Abstand wichtigste Wahl für Karlsruhe. Darum sollte der CDU-Kandidat jemand sein, der auch gewinnen kann. Man lässt sich den Blinddarm ja auch nicht von einem Metzger rausnehmen. Abgesehen davon gefällt mir Wellenreuthers politischer Stil besser und ich glaube, dass man mit dem Stil, den Frau Mergen pflegt, in Großstädten heutzutage keine Wahlen mehr gewinnen kann. Frau Mergen empfinde ich als zu sehr von oben herab, zu sehr auf die Wirtschaft fixiert. Ein Oberbürgermeisterkandidat der CDU muss aber alle Bürger ansprechen.

Ingo Wellenreuther hat sich bisher gegen eine öffentliche Kandidatenvorstellung vor dem 15. März ausgesprochen, Margret Mergen ist dafür. Welche Position hat die Junge Union?
Es hat ja beim Parteitag im Oktober einen Antrag dazu gegeben, der von über 90 Prozent abgelehnt wurde. Die Parteimitglieder haben sich also bewusst gegen ein vorausgehendes Forum entschieden, ich übrigens auch. Wer Demokrat ist, sollte das respektieren und jetzt auch danach handeln.

Die Junge Union Karlsruhe hat rund 300 Mitglieder, etwa die Hälfte davon ist auch Mitglied in der CDU. Es gibt das Gerücht, dass aus den Reihen der Jungen Union in den letzten beiden Monaten gezielt um Mitglieder geworben wurde. Was ist da dran?
Natürlich sind Leute von der Jungen Union in die CDU eingetreten, weil sie bei dieser wichtigen Frage mitbestimmen wollen, und es ist doch auch völlig legitim, dafür zu werben. Schließlich ist das nun einer der Momente, bei dem man als Parteimitglied ganz direkt bei einer sehr wichtigen Entscheidung mitreden kann.

Wie schätzen Sie denn die Stimmung in der CDU ein?
Ich denke, Herr Wellenreuther wird gewinnen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Leute die Auseinandersetzung satt haben und den 15. März herbeisehnen.

Was ist, wenn am 15. März nicht Ingo Wellenreuther sondern Margret Mergen gewinnt und für die CDU als Oberbürgermeisterin kandidiert?
Die Junge Union wird natürlich jeden CDU-Kandidaten unterstützen, so wie dies in der Vergangenheit immer der Fall war. Die Begeisterung dabei könnte aber je nach Kandidat durchaus unterschiedlich sein.

Die Fragen stellte: Felix Neubüser

David Ruf, 27, ist seit Anfang 2011 Kreisvorsitzender der Jungen Union Karlsruhe Stadt. Die Junge Union ist eine selbstständige Jugendorganisation der CDU/CSU und hat in Karlsruhe rund 300 Mitglieder zwischen 14 und 35 Jahren.

Mehr zum Thema
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (108)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!