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Karlsruhe Karlsruher Werbe-Experte: Diese Parteien haben die besten Wahlplakate

Karlsruhe ist derzeit ein Dschungel aus Parteienwerbung für die baden-württembergische Landtagswahl. Wie schafft man es, aus der Menge herauszustechen und dabei auch noch Wähler zu überzeugen - und was wirkt eher steif? Das erklärt Alexander von Wedel, Geschäftsführer der Karlsruher Werbeagentur "Raumkontakt", im Interview mit ka-news.

Herr von Wedel, Sie sind Geschäftsführer von "Raumkontakt". Ihre Werbeagentur beriet die Karlsruher FDP für die Landtagswahl und gestaltete deren Plakate für die Kommunalwahl 2014. Was würden Sie sagen: Was zeichnet nach Ihrer Erfahrung allgemein ein gutes Wahlplakat aus?

Gerade in der Dichte des Wahlkampfes geht es darum, klar und schnell wahrgenommen zu werden. Eine prägnante Optik und eine kurze, griffige Botschaft sind gefragt: Häufig sind dies zum Beispiel ein Kandidat und ein zentrales Versprechen, das sein Programm repräsentiert.

Die "Zuordenbarkeit" sollte durch eine deutliche Einbettung in das sonstige Erscheinungsbild der Partei und vor allem das entsprechende Logo gewährleistet sein. Natürlich ist wichtig, dass das Ganze auch das Bauchgefühl trifft: Der Slogan sollte für den Wähler möglichst relevant und packend sein, die Grafik sollte ins Auge stechen und die Aussage ansprechend untermauern.

Wie wichtig ist es, Bilder zu verwenden?

Es geht darum, eine Aussage möglichst deutlich zu machen. Da können Bilder helfen. Ist die Aussage klar genug, ist es schön zu zeigen, wer für diese steht. Wir funktionieren ganz stark visuell - was uns anspricht und berührt, sind meist zuerst die visuellen Reize. Das gilt auch für Wahlwerbung. 

Mit welcher Gestik und Mimik gewinnt man am ehesten Wähler? 

Eine pauschale Antwort ist eher schwer. Natürlich spricht ein Lächeln an - doch von Politikern erwartet man auch Entscheidungen, die eher ernst als amüsant sind. So ist ein ernster Ausdruck mit einem angedeuteten Lächeln nie ein wirklicher Fehler. Doch am Ende sollte dies je nach Themenschwerpunkt passend ausgesteuert werden.

Ähnliches gilt für die Gestik - sind die Hände gefaltet und die Armhaltung damit ruhig oder sind die Arme ausgebreitet oder entgegen gestreckt? Egal wie die Wahl fällt, sie muss zur Person und auch zur Botschaft passen. Häufig erleben wir, dass eine ruhige Haltung weniger aufgesetzt wirkt und große Gesten eher gezwungen oder gar belehrend wirken. 

Ist es besser, Personen oder Inhalte der Partei in den Mittelpunkt zu stellen?

Das ist eine Frage der Wahlkampfziele. Geht es darum, dass Kandidaten zur Wahl stehen, dann braucht man auch ein Kontingent an Plakaten für diese. Der jeweilige Themenschwerpunkt gehört dazu. Wähler erwarten hier eine klare Stellungnahme und belohnen, wenn es nachvollziehbar und glaubwürdig ist, was da steht. Und selbst, wenn es sehr themenlastige Wahlkämpfe sind, ist aus unserer Sicht auch hier die Verbindung mit einem Gesicht, das dafür einsteht, eine sichere Bank.

Wahlkampfwerbung kämpft ja nicht nur mit der hohen Dichte an parallelen Mitbewerbern, sondern auch mit der sonstigen alltäglichen Werbung. Wir nehmen es häufig so wahr, dass reine Themen-Plakate ohne abgebildeten politischen Vertreter ins Beliebige abrutschen und zu austauschbar werden. In jedem Fall muss dann die Verbindung zur Partei so prägnant sein, die Botschaft so klar, dass die Aufmerksamkeit in jedem Fall in die richtige Richtung gelenkt wird.

Wie viel Text sollte maximal auf den Plakaten stehen?

Hier gilt für uns ganz klar: Weniger ist mehr. Am besten ein Slogan, natürlich inhaltlich möglichst stark und klar. Vielleicht noch eine ebenso kurze Erklärung dazu, das sollte alles sein. Den Rest an Wahlinformation bringt heute das Internet in jeden Haushalt. Wenn man hier gut aufgestellt ist, sollte man den Wähler dorthin weiter lenken. 

Welche der in Karlsruhe ausgehängten Wahlplakate für die Landtagswahl sind aus wissenschaftlicher Sicht die besten? 

Die großen Parteien - Grüne, SPD und CDU - sind sehr professionell vertreten. Hier ist auf einen Blick klar, was von wem kommt. Zusätzlich kann als interessante neue Variante die FDP-Werbung angesprochen werden. Sie versucht etwas Neues und hält trotzdem die genannten Regeln ein. Sie vereint mehrere Bilder der Kandidaten, transparent übereinander gelegt, in einem Bild. Die bewusst unterschiedlichen Gesten innerhalb dieser Bildebenen ergeben ein Spektrum an Haltungen und Emotionen, die die Personen auf interessante Weise nahbar und die Gesten wiederum glaubwürdig machen. 

Die Fragen stelle Melanie Nees.

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