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Karlsruhe KSC-Stadion: Karlsruher Gemeinderat stimmt für Neubau

Eine neue Fußballarena für den Karlsruher SC ist in Sichtweite. Die Karlsruher Stadträte machten am Dienstagabend, 21. Oktober, in ihrer Sitzung den Weg für eine neues Stadion im Wildpark frei. Dieses soll 88,8 Millionen Euro kosten und Platz für etwa 35.000 Zuschauer bieten. Das Land will das Bauprojekt mit elf Millionen Euro bezuschussen. Der städtische Haushalt wird daher mit 77,8 Millionen Euro belastet. Jetzt müssen Stadt und Verein noch über die Rahmenbedingungen verhandeln und sich einigen.

Die Stadträte stimmten am Dienstagabend bei 14 Gegenstimmen (Grüne, Linke, AfD und Einzelstadtrat Stefan Schmitt) für den Neubau des Karlsruher Wildparkstadions. Die Variante einer Generalsanierung des bestehenden Stadions wurde abgelehnt. In den nächsten Monaten werden Stadt und Verein über die Rahmenbedingungen und Pachtverträge verhandeln. Sind sich beide Seiten bald einig, wäre im Sommer 2017 der Baubeginn im Wildpark möglich.

Die Stadtverwaltung hatte bereits im Vorfeld einen Neubau empfohlen - denn diese Variante sei auf Dauer die bessere und wirtschaftlichere Lösung. Die Gesamtkosten für einen Stadion-Neubau im Wildpark mit etwa 35.000 Zuschauerplätzen belaufen sich demnach auf 88,8 Millionen Euro. Darin enthalten sind 18,8 Millionen Euro für Infrastruktur. Für den Stadionkörper wurde ein Kostendeckel von 60 Millionen Euro festgelegt. (Hier geht's zur ausführlichen Beschlussvorlage auf der Webseite der Stadt Karlsruhe).

Wie die SPD-Gemeinderatsfraktion bereits am Montag mitteilte, unterstütze die baden-württembergische Landesregierung den Bau eines neuen Wildpark-Stadions weiterhin mit elf Millionen Euro. Das habe Finanzminister Nils Schmid (SPD) erklärt. Der städtische Haushalt wird daher mit 77,8 Millionen Euro belastet.

Lange Debatte im Gemeinderat

"Es sprechen handfeste wirtschaftliche Argumente für einen Neubau", warb Oberbürgermeister Frank Mentrup vor der zweistündigen und hitzigen Debatte. Nur so könne der Verein dauerhaft wirtschaflich bessere Einnahmen erzielen und sportlich erfolgreicher sein. Letztlich würde dadurch auch die Stadt als Vermieter profitieren, so der OB.

CDU-Stadtrat Detlef Hofmann sagte: "Wir wollen Profifußball in Karlsruhe. Die CDU stand und steht nur für einen Neubau zur Verfügung. Alles andere wäre Geldvernichtung. Eine Generalsanierung ist Flickschusterei und keine Alternative - weder aus sportlicher noch aus wirtschaftlicher Sicht." Es sei jetzt wichtig, dass die Vertragsverhandlungen zwischen Stadt und Verein bis zum Ende des Jahres abgeschlossen würden, so Hofmann.

SPD-Stadtrat Parsa Marvi: "Noch liegen sich nicht alle in den Armen, aber wir können heute den Startpunkt setzen, um eine langjährige Debatte zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen." Marvi lobte OB Mentrup, dass es ihm in seiner bisher kurzen Amtszeit gelungen sei, "entscheidende Knotenpunkte" in dieser Debatte zu lösen und dankte ihm für ein "Meisterstück kommunalpolitischer Arbeit". Auch aus Sicht der SPD sei eine Generalsanierung keine Alternative, die Gegner hätten dafür keine "rationalen Argumente" mehr.

Johannes Honné von den Grünen erklärte: "Karlsruhe ist nicht bekannt dafür, dass Großprojekte so abgerechnet werden wie ursprünglich kalkuliert." Er warnte vor einer "Karlsruher Lösung" - einer aus Kostengründen abgespeckten Variante. Eine solche Entwicklung müsse unbedingt vermieden werden, eine kostengünstige Lösung sei daher von Beginn an notwendig. Die Grünen plädierten weiter für einen Umbau und eine Sanierung des bestehenden Stadions. Die Partei zeigte sich in einer Anfrage zudem weiter skeptisch, da der KSC auch in den letzten Jahren "seine Pacht nicht vollständig bezahlen" konnte. Die vorgesehene Pacht bei einem Neubau würde eine sehr große Steigerung bedeuten, so die Grünen. Bisher habe die Stadt Kosten übernommen, die beim Betrieb des Stadions anfallen. "Nach dem noch abzuschließenden neuen Vertrag soll der KSC diese Kosten zu einem großen Teil selbst tragen. Das ist sicher sinnvoll. Aber dadurch erhöht sich die Belastung des Vereins weiter. Es ist fraglich, inwieweit der KSC das schultern kann", erklärten die Grünen in ihrer Anfrage. Daher warnte Honné: "Wer der Vorlage zustimmt, gefährdet den KSC."

KAL-Stadtrat Eberhard Fischer von der Kult-Fraktion: "Wir müssen weiterplanen, einen endgültigen Vertrag mit dem KSC aushandeln und dieser muss eine angemessene Pacht zahlen. Ich hätte mir vom KSC gewünscht, dass er dieses Jahr die volle Pacht bezahlt hätte. Das wäre ein schönes Signal gewesen." Auch die Fans müssten in die weiteren Planungen stark eingebunden werden, so Fischer. "Meine Fraktion fordert eine echte Fantribüne - steil und laut." Aus Sicht des Steuerzahlers müssten zudem vom Verein weitere Zugeständnisse abverlangt werden. Das Projekt könne nach wie vor scheitern, wenn sich Stadt und Verein nicht einigten, bemerkte Fischer.

FDP-Stadtrat Thomas H. Hock: "Heute ist ein guter Tag für den KSC." Die FDP-Fraktion stelle sich aber die Frage, ob die Verhandlungen zwischen Stadt und Verein gut verlaufen werden. Er appellierte daher an die Stadträte, die Stadtverwaltung und den Verein, diese Chance "nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen". "Wir wollen ein neues Stadion, an diesem Standort", so Hock.

AfD-Stadtrat Marc Bernhard erklärte: "Wir sind grundsätzlich für ein neues Stadion, aber das Finanzierungsmodell ist aus unserer Sicht nicht tragbar. Die Baukosten sind viel zu optimistisch kalkuliert. Dieses Konzept überfordert den KSC. Der Verein wird nicht in der Lage sein, die veranschlagte Miete zu bezahlen."

Linke-Stadtrat Niko Fostiropoulos kritisierte: "Wir wünschen dem KSC ein neues Stadion, aber der Verein muss viel mehr dazu beitragen." Eine "100-Prozent-Steuerzahler-Arena" sei nicht tragbar, der KSC müsse sich mit 80 Prozent an den Kosten beteiligen. Die Kosten seien zudem "beschönigt und heruntergerechnet". Der KSC könne doch "keinen müden Cent" beitragen. Die Linken-Stadträte forderten in einem Änderungsantrag einen "Pachtvertrag, in dem sich der KSC zu monatlichen Pachtzahlungen in einer Höhe verpflichtet, mit der nach 20 Jahren die Kosten des Baukörpers und des Parkhauses für die Hospitalitybereiche in vollem Umfang durch den KSC aufgebracht sind." Außerdem forderte die Linke, "das vom KSC beanspruchte zweite Parkhaus wird nur gebaut, wenn sich der KSC zu dessen hundertprozentiger Finanzierung verpflichtet". Zudem solle der Verein jährlich mindestens 1,3 Millionen Euro für die Bauunterhaltung zahlen. Nur unter diesen Bedingungen könne sich die Stadt dazu bereiterklären, die Kosten für die Infrastrukturmaßnahmen zu tragen. Der Antrag der Linken wurde abgelehnt.

Friedemann Kalmbach von Gemeinsam für Karlsruhe (GfK) sagte: "Das Werk ist noch nicht vollendet. Wir freuen uns aber über den heutigen Stand und hoffen auf eine gute Vollendung des Projekts."

Jürgen Wenzel von den Freien Wählern erklärte: "Der KSC ist ein Markenzeichen für diese Stadt, wir tragen einen Nebau mit - aber nicht um jeden Preis." Die Freien Wähler forderten in einem Ergänzungsantrag unter anderem, "die weiträumige verkehrliche Anbindung des Wildparkstadions langfristig in Auge zu fassen, da der Umbau oder Neubau des Wildparkstadions an seiner bisherigen Stelle nicht die mangelnde Infrastruktur am Adenauerring beseitigt." Die Anbindung des Wildparkstadions an den Autobahnanschluss Nord sei zu überprüfen. "Dies ist bisher noch nicht geschehen!", bemängeln die FW.

Baubeginn im Sommer 2017?

Die Karlsruher Stadträte hatten bereits im Oktober 2013 mit großer Mehrheit für den Standort Wildpark gestimmt. Ein Bürgerentscheid über einen KSC-Neubau wurde damals in einer Kampfabstimmung abgelehnt. Wenn sich Stadt und KSC in den noch offenen Punkten bei den Vertragsverhandlungen bald  einig sind, wäre im Sommer 2017 der Baubeginn im Wildpark möglich. Die Bauzeit wird aktuell mit 24 bis 30 Monaten kalkuliert.

Das sind die Mehrheitsverhältnisse im neuen Gemeinderat:

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Was haben die Parteien eigentlich vor der Kommunalwahl am 25. Mai zum KSC-Stadion gesagt und versprochen? Lesen Sie hier nochmal alle Statements aus dem Wahlkampf!

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Eine 3D-Animation fidnen Sie hier im "Wildpark TV"!
 

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Kommentare (149)
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  •   Tansche
    (65 Beiträge)

    22.10.2014 14:48
    Mich würde mal interessieren
    wo der KSC dann ab 2017 für 2 Jahre spielen soll?
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  •   Bennobaumstark
    (171 Beiträge)

    23.10.2014 13:02
    Nirgends - denn mit wem kommt man aus ?
    Hoffenheim, Freiburg, Kaiserslautern, Waldhof, Stuttgart - mit allen und jedem liegt man im Clinch oder kann diese aus irgendwelchen niederen Gründen nicht zusammenkommen.
    Bleibt noch das Ostseestadion in Rostock, aber da findet sich bestimmt auch noch ein Streitpunkt
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  •   stefko
    (1765 Beiträge)

    22.10.2014 15:13
    Umbau bei laufendem Betrieb
    siehe Frankfurt, Stuttgart, Pauli ...
    Wenn man das ordentlich plant ist das schon hinzubekommen (z.b. letztes Saisonspiel und erstes der nächsten auswärts).
    Natürlich fehlen dann in manchen Bauphasen etliche Plätze, aber machbar ist das schon - zumindest so, dass man vlt. für einige Spiele ausweichen muss, aber nicht für zwei Jahre.
    Das wurde auch schon einmal thematisiert, wenn ich mich nicht irre in einem der Gutachten zum Standort WP (bin mir aber nicht sicher).
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  •   Ka-ler
    (86 Beiträge)

    22.10.2014 14:35
    Pro IW, Kauze und neues Stadion
    die Kommentare hier von diversen Leuten sind schon erschreckend. Hier werden Vergleiche herangezogen, dass es einem die (Fußball)Schuhe auszieht. Eins ist ja mal klar, der KSC ist ein nicht zu vernachlässigender Wirtschaftsfaktor in der Region. Er schafft Arbeitsplätze und trägt mit den vielen Besuchern auch maßgeblich zu einigen Einnahmen für die Stadt bei. So dumm kann man doch nicht sein, dass man so etwas nicht sieht! auch die Debatte um IW ist ja nicht normal. Er hat es immerhin geschafft, endlich mal Ruhe in den Verein zu bringen und macht einen sehr guten Job. Wenn man einmal bedenkt, was die ganzen vielen Jahre beim KSC los war! Unser Trainer hat auch eine ganz gute Truppe zusammengestellt, sowie ich finde. Im Endeffekt kann er nur damit arbeiten, was er zur Verfügung gestellt bekommt. Er arbeitet zumindest mit Herzblut hier im Verein, was oftmals nicht der Fall war (außer bei Ede und Winfried). Ich finde dieser Verein und diese Region hat ein neues Stadion verdient!!
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  • 0
    unbekannt
    (322 Beiträge)

    23.10.2014 08:50
    Belege?
    Können Sie mit Zahlen belegen, welchen Nutzen die Spiele des KSC der Stadt tatsächlich bringen? Ich sehe da nur Kosten und Belästigungen für die normalen Bürger.
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  • 0
    unbekannt
    (3 Beiträge)

    23.10.2014 17:34
    In der gleichen Zeit
    wie unser Stadion bestand hat wurde in unserer Landeshauptstadt ein neues Stadion gebaut was mitlerweile schon zweimal sehr treuer saniert wurde . Da werden xx Mios mal schnell verbaut. Wenn ich mal bedenkje dass der Umbau unseres so toll besuchten Theaters 30 -40 Mio. € kosten wird verstehe ich diese Debatte eigentlich nicht. Oder sind die 2000 Besucher im Jahr die "Normalen"? Der KSC hat in 2 Heimspielen mehr Zuschauer als unsere ganze geförderte Kulturlandschaft zusammen. Wenn ich mal vom "Fest" absehe.
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  •   Ka-ler
    (86 Beiträge)

    24.10.2014 10:38
    da
    kann ich nur zustimmen grinsen
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  •   Ka-ler
    (86 Beiträge)

    23.10.2014 11:42
    Wirtschaftsfaktor Bundesliga
    1. und 2. Bundesliga schaffen zusammen 120.000 Arbeitsplätze in Deutschland und erwirtschaften einen Umsatz von 5,1 Mrd Euro. Nur lediglich 0,8 Mrd Euro entfallen dabei auf induzierte Effekte (Konsumausgaben und Angestellte). Die öffentliche Hand erhält davon 1,7 Mrd Euro. Dem entgegen sind die Ausgaben bei 200 Mio pro Jahr für Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung (Bsp.: Polizeieinsätze) zu rechen. Das sind NETTOEINNAHMEN für den Staat von 1,5 Mrd Euro!!! Ich hoffe die Zahlen langen dir. Die Zahlen sind übrigens von 2010. Könnte sein, dass sie nun auch höher sind.
    Durch den Profifußball in Karlsruhe profitieren in Karlsruhe Hoteliers, die Gastronomie und auch Taxiunternehmen. Die Stadt selber verdient an der Pacht und an den nicht unerheblichen Steuereinnahmen durch Ticket, Trinken, Essen, etc.! Zudem ist der Profifußball in Karlsruhe ein tolles Aushängeschild für die Stadt. Der soziale Aspekt die Jugendlichen ist übrigens auch sehr wichtig!
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  •   olafb
    (179 Beiträge)

    23.10.2014 09:31
    Einteilung
    Es würde mich schon interessieren wie sie die Gruppe der "Normalbürger" definieren und wen sie dazuzählen.
    Die KSC Anhänger sind dann wohl die "nicht Normalbürger".
    In welche Bürgerklasse teilen sie die Gemeinderatsmitglieder welche den Neubau befürworten denn ein?
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  •   andi-b7
    (2306 Beiträge)

    23.10.2014 12:26
    nee Normalbürger sind nur LINKEGRÜNE !
    der Rest ist aus der Norm.
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