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Karlsruhe "Arena Karlsruhe" für den KSC - Sieht so die Zukunft aus?

In einer Pressekonferenz stellte die Firma Newport heute die Pläne für einen Stadionbau am Gleisdreieck vor. Die Pläne beinhalten umfassende Infrastrukturmaßnahmen von neuen Parkhäusern über erweiterte Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs bis zum Ausbau der Wolfartsweierer Bücke.

Holger Siegmund-Schultze von der Firma Newport stellte das zum städtischen Vorhaben alternative Projekt am Gleisdreieck vor. Das Training sei dann entweder weiterhin im Wildpark oder an der Unteren Hub geplant. Das hätte man mit dem KSC bereits abgesprochen. "Es ist klar, dass wir nicht alles am Gleisdreieck unterbringen können", machte Siegmund-Schultze deutlich. Die Kleingärten an der Mastweide müssten für dieses Vorhaben umziehen, der Gleisbahnhof solle jedoch nicht verlegt werden (siehe auch: "Müssen Kleingärtner nun doch für KSC-Stadion weichen").

Die Verkehrsanbindung sehen die Investoren jetzt bereits als positiv an, da das Stadion unmittelbar an der A5 gelegen wäre, sowie ein Anschluss an die B10 bestünde. Des Weiteren wäre eine Haltestelle des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) in 250 Meter und ein Haltepunkt der Deutschen Bahn im Regionalbahnhof Durlach in etwa einem Kilometer Entfernung vorhanden. Besonderer Vorteil laut Siegmund-Schultze: durch die unterschiedlichen Richtungen der Anreise von Stadt und Bahnhof ließen sich Heim- und Gästefans ohne Weiteres trennen.

Pläne mit Regionalverband abgeklärt

Voraussetzung der Planungen wäre die Verlegung der Kleingärten Mastweide - eventuell an die Untere Hub (siehe auch: "Stadionbau: Undurchsichtiges Spiel mit Kleingärtnern"). Dazu habe Newport bereits Gespräche mit dem Verein der Kleingärtner geführt, in denen die Kleingärtner signalisiert hätten, dass der konkrete Vorschlag "durchaus akzeptabel" wäre. Auch mit der Bürgerinitiative in Durlach habe man bereits gesprochen - mit dem Ergebnis, dass die Durlacher der Idee nicht ablehnend gegenüber stünden, immerhin würden so keine neuen Gewerbegebiete an der Stelle angesiedelt werden. Mit dem Vorstand der ESG Frankonia habe Newport ebenfalls Kontakt aufgenommen, da der Verein sein Heim verlegen müsste. Angedacht wäre hier eine Verlegung an die Stuttgarter Straße. "Hier besteht eine Interessengleichheit zwischen den Planern und dem Verein", betonte Siegmund-Schultze.

Im Weiteren berichtete Siegmund-Schultze von Gesprächen mit Gerd Hager vom Regionalverband, wonach ein Bau am Gleisdreieck sowohl gemäß der Raumnutzungskarte als auch gemäß des bestehenden Flächennutzungsplans zulässig wäre. "An der Unteren Hub wäre eine Planung aufgrund des Regionalplans kritisch gewesen", erinnert Sigmund-Schultze. Ein Bebauungsplan ist allerdings erforderlich, mit einem Baurecht rechnet der Investor nach etwa 15 bis 18 Monaten.

Zur Gestaltung der neuen Arena kündigte Siegmund-Schultze an, dass insgesamt 42.000 Sitzplätze plus 5.000 Stehplätze geschaffen werden sollen - womit also mit einem Fassungsvermögen von 47.000 Personen auch die Länderspieltauglichkeit gewährleistet wird. Außerdem soll das Stadion mit 48 Logen à 15 Plätzen sowie 1.700 Business-Seats und 2.420 Hospitality-Plätze ausgestattet sein. "Diese Pläne entsprechen durchaus dem Trend", ergänzt Siegmund-Schultze, "unserer Meinung nach sieht der Vorschlag der Stadt zu wenig Hospitality-Plätze vor, um die Wirtschaftlichkeit voll auszunutzen." Direkt am Stadion sind 800 VIP-Stellplätze sowie 5.500 Stellplätze für den Individualverkehr vorgesehen. Die VIP-Parkplätze sollen sich auf dem Gelände unterhalb des Stadions befinden, so dass ein Zugang direkt ins Stadion möglich wäre.

Verkehrskonzept zielt auf Dezentralisierung

Die geometrische Einpassung des Stadions funktioniere, dabei sei die vorgeschriebene Nord-Süd-Ausrichtung wichtig, die hier um 20 Grad im Uhrzeigersinn gedreht wird. Die Vorschrift sei unter anderem für das Aufstellen von Kameras von Bedeutung. "Ein zusätzlicher Kniff in der Planung ist das Plateau, das der Entzerrung der Fanströme dient." Dieses soll von der Durlacher Allee aus auf ein Niveau von sieben Metern hochgezogen werden, so dass die Heimfans dort und die mit der Bahn ankommenden Gästefans unten am Stadion ankommen. Dadurch würden die Fans von vorneherein unterschiedliche Ränge besetzen.

Das Verkehrskonzept sieht außerdem einen Ausbau der Haltestelle Weinweg sowie eine eventuelle Streckenänderung der Straßenbahn mit einer neuen Haltestelle "Schlachthof" vor. Auch am Stadion könnte eine neue Haltestelle "Arena" entstehen. Siegmund Schultze stellte zudem das mögliche Verkehrsleitsystem vor, dass bereits auf den Autobahnen, beziehungsweise an den Bundesstraßen darauf hinweist, welches Parkhaus für den Stadionbesuch angefahren werden sollte. "Wir möchten dezentralisieren, um die Schwierigkeiten besonders bei der Heimfahrt der Fans einzudämmen", so Siegmund-Schultze.

Dazu sind dezentrale Parkhäuser geplant, beispielsweise auf der Fläche Weinweg, am Messplatz oder an Stelle der Kleingartenanlage Durlacher Allee. Auch dieser Kleingartenverein hätte sich bereits positiv zu einem Umzug geäußert. Für ein Parkhaus im Industriegebiet Wolfartsweierer Brücke, müsste letztere allerdings vierspurig ausgebaut werden. Auf dem Plateau kann sich Siegmund-Schultze eine sogenannte "Mantelnutzung" vorstellen, also den Betrieb von Kiosks oder Fanshops. Als positiven Aspekt stellte er zudem die Außenwirkung für die Stadt heraus, da das Stadion direkt an der A5 "präsent" wäre: "Auf der A5 würden täglich 130.000 Autos an der neuen Arena vorbeifahren."

"Eine Investition dieser Größenordnung gehört nicht in den öffentlichen Haushalt"

Das Finanzierungskonzept wurde ebenfalls von Siegmund-Schultze erläutert. Er betonte, dass es sich hierbei um ein privatwirtschaftliches Konzept handele, in dem die Objektgesellschaft "Arena Karlsruhe" die zentrale Rolle spielen würde. Als Investor und Projektentwickler stellt Newport ein Eigenkapital von 50 Prozent des Gesamtkapitals. Die Kosten für das "komplette Programm", also Stadionbaukörper, Plateau und Stellplätze am Stadtion, würden sich laut Siegmund-Schultze auf 115 Millionen Euro belaufen. Die 50 Millionen Euro Beihilfe, die die Stadt zugesagt hat, würden als Infrastrukturzuschuss behandelt und nur für die notwendigen Maßnahmen wie den Bau der dezentralen Parkhäuser oder die Erweiterung der Wolfartsweierer Brücke eingesetzt werden. Der KSC würde einen Pachtvertrag für das Stadion erhalten, über dessen Höhe allerdings noch keine Details bekannt gegeben werden konnten: "Da sind noch zu viele Stellgrößen zu berücksichtigen", erklärte Siegmund-Schultze. Newport würde sich einen externen Betreiber wünschen, um wirtschaftliche Sicherheit zu schaffen.

Siegmund-Schultze gab schließlich zu bedenken, dass für den Stadionbau die Gesamtentwicklung der Stadt in Betracht gezogen werden müsse, denn die Infrastruktur, die geschaffen würde, sei nicht nur für das Stadion, sondern für die ganze Stadt ein Gewinn. Als Argument für die vorgelegte Planung Newports brachte Siegmund-Schultze die finanziellen Vorteile für die Stadt an: "Eine Investition dieser Größenordnung gehört einfach nicht in den öffentlichen Haushalt." Er äußerte zudem Zweifel an der Umsetzbarkeit des städtischen Vorschlags, der seiner Meinung nach eine dauerhafte Belastung für die Stadt bedeuten würde. Im Falle der Finanzierung durch Newport hätte die Stadt sich jedoch nur einmalig mit 50 Millionen Euro einzubringen. 

Mit einer Fertigstellung könnte bereits in vier Jahren gerechnet werden: "Zur Saison 2013/2014 könnte der KSC in der neuen Arena spielen", so Siegmund-Schultze. Zu einem Verkauf des Mastweide-Geländes hätte es noch keine Gespräche mit der Stadt gegeben, man warte hierzu die nächste Entscheidung im Gemeinderat ab. Für die Verhandlungen mit den Kleingärtnern rechnet Newport nicht damit, dass diese "ohne Probleme" verlaufen werden. Allerdings setze man darauf, dass die Kleingärtner die "perspektivische Sicherheit" erkennen werden, die Voraussetzungen an der Unteren Hub könnten jedenfalls geschaffen werden.

Training an der Unteren Hub mit Sportpark-Planungen kompatibel

Auf Nachfrage der Journalisten bestätigte KSC-Präsident Hubert H. Raase, dass der derzeitige Tabellenplatz des Vereins keine Auswirkungen auf die Planung eines neuen Stadions habe. Im Falle eines Abstiegs bräuchte der Verein mehr denn je ein gutes Stadion. Siegmund-Schultze, der in Karlsruhe aufgewachsen ist, bemerkte dazu, dass die aktuelle Situation für den Stadionbau unerheblich sei, da der KSC ohnehin "noch nie permanenter Erstligist" war. Die Frage sei zudem, wo der Verein bei Fertigstellung des Stadions, also in vier Jahre, steht.

Raase betonte, der KSC werde keine Entscheidung fällen, bis auch die Stadt einen konkreten Vorschlag vorgelegt hat. "Wir haben bislang keine klaren Aussagen der Stadt", so der Präsident, "wir werden dann schauen welcher Vorschlag der bessere ist und nicht, welcher der billigere." Auf Nachfrage von Ingo Wellenreuther (CDU) bestätigte Siegmund-Schultze, dass ein Training an der Unteren Hub nicht mit den Plänen der Vereine eines Sportpark kollidieren würde.

Abschließend kündigte Siegmund-Schultze an, für Gespräche an die Fraktionen herantreten zu wollen, da für das Projekt eine Partnerschaft mit der Stadt unerlässlich sei, wie auch IHK-Geschäftsführer Hans-Peter Mengele betonte: "Das ist nur Hand in Hand leistbar." Newport wolle auf der Sachargumentationsebene überzeugen, auch wenn einige Fraktionen ihren Plänen bisher ablehnend gegenüber stehen würden. Siegmund-Schultze: "Wir können bei so einem Projekt nicht mit dem Kopf durch die Wand."

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