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Karlsruhe Tunnel-Abgase: Wie bleibt die Luft in Karlsruhe sauber?

In diesem Jahr wird die Kriegsstraße zur Großbaustelle: Die Bauarbeiten zum zweiten Teil der Karlsruher Kombilösung werden im April beginnen. 2021 sollen unterirdischer Autotunnel und oberirdische Bahntrasse fertig gestellt sein. Offen ist noch, wie künftig mit den Abgasen aus dem Tunnel umgegangen wird.

2014 sorgte er für eine große Diskussion in Karlsruhe: Der potentielle Abluftkamin am Karlstor, welcher die Schadstoffe aus dem Autotunnel filtern sollte. Erste Entwürfe sahen ein Bauwerk von 20 Metern Höhe und einem Durchmesser von fünf Metern vor - Bürger und Stadträte waren entsetzt. Schlussendlich einigte sich eine Jury aus Architekten und Vertretern der Stadt auf ein weitaus moderateres Modell: Drei schlanke, dreieckige Türme aus einer mit satiniertem Glas verkleideten Stahlkonstruktion.

Gebaut werden soll der Kamin aber erst mal nicht - nach Fertigstellung des Autotunnels sollen ein Jahr lang die Grenzwerte gemessen werden. Gibt es keine Überschreitung, ist der Abluft-Bau vom Tisch. Die behördliche Genehmigung für diese Vorgehensweise gab es bereits im März 2014.

Photokatalytisches Pflaster soll es richten

Weiterhin setzen Stadt und die Bauherrin, Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), auf Titandioxid. Dieses wird in den Beton eingelassen und funktioniert als Katalysator: Durch die Einwirkung von Tageslicht werden die Schadstoffe in einer chemischen Reaktion umgewandelt, ein sogenannter photokatalytischer Abbau von Stickoxiden. Tunneldecke und -wänden sollen mit dem speziellen Belag versehen werden.

Die Abluftkamin-Entwürfe am Karlstor
Links die erste Kamin-Montage, rechts der neue Entwurf der Karlsruher PIA-Architekten mit Andrew Holmes. | Bild: Montage Stadt Karlsruhe/PIA-Architekten

Aktuell wird ein entsprechender Belag in der Reinhold-Frank-Straße getestet: Im Umfeld der Messstation der LUBW (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg) kommt photokatalytisches Pflaster zum Einsatz. Zeigt es sich wirkungsvoll, kann es nicht nur im geplanten Tunnel, sondern auch an Hauptverkehrsstraßen zur Anwendung kommen.

Optisch unterscheiden sich die Platten nicht von "normalen Platten", einen wesentlichen Mehraufwand im Bauprozess gibt es durch die Verlegung von neuen, mit Titandioxid versehen Belägen nicht, bestätigt die Stadt. Wie hoch die Mehrkosten sein werden, ist noch nicht bekannt, sie seien aber nicht wesentlich.

Reinhold-Frank-Straße
In der Reinhold-Frank-Straße ist photokatalytisches Pflaster verlegt. | Bild: ka-news

Ebenfalls ungewiss ist die tatsächliche Wirkung des speziellen Bodenbelags: "Die weitere Betrachtung sowohl bezüglich der Testfläche, als auch im Austausch mit Experten steht noch aus", heißt es von der Stadtverwaltung auf ka-news-Nachfrage. Die Ergebnisse werden im kommenden halben Jahr erwartet.

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Kommentare (15)
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  •   suedoschtkarle
    (142 Beiträge)

    Ist doch ganz einfach...
    ...Autoverladung auf die Schiene...Keine Abgase mehr...
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  •   ka-lex
    (1512 Beiträge)

    Photokatalytischer Abbau von Stickoxiden.
    Der Wirkungsgrad liegt zwischen unter 2 und 20 %, je nach Luftströmungsgeschwindigkeit und UV-Intensität.
    Die Luftströmungsgeschwindigkeit sollte unter 1 m/s liegen und die UV-Intensität bei etwa 10 W/m².
    Nicht zu vergessen: Es können sich bei dem Prozess HONO (salpetrige Säure) und HCHO (Formaldehyd) bilden. Da muss man aufpassen!
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  •   Beiertheimer
    (848 Beiträge)

    Der Artikel wurde leider zu früh veröffentlicht.
    Der geplante Ausgabetermin war von der Kasig für den 1.April vorgesehen.
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  •   dipfele
    (4079 Beiträge)

    grunsätzlich.....
    ... wird es im Tunnel genau so viele Kfz geben, wie jetzt. Es wird der Kfz-Verkehr nicht reduziert, sondern nur kaschiert. Das ist zwar sehr teuer, aber für die Politiker sehr einfach: Liebe Wähler schaut her, wir haben den Kz-Verkehr gebändigt. Nur die Umweltprobleme bleiben mit samt den Abgasen. Natürlich muss der Entlüftungsturm gebaut werden, wo sollen denn die Abgase sonst hin. Das ist auch so im Bebauungsplan festgeschrieben. Ein Mahnmal für alle Tunnelfreunde.
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  •   Malerdoerfler
    (3621 Beiträge)

    Entweder man hätte sich damals schon Gedanken darüber gemacht
    oder man macht es wie beim Grötzinger Tunnel. Hier ist alles gut.
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  •   Smartraver
    (7542 Beiträge)

    Bis der Tunnel fertig ist
    gibt es eh nur noch Elektroautos. Also keine Bange. zwinkern
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  •   Maol
    (85 Beiträge)

    Photokatalytisches Pflaster?
    Und woher kommt das Sonnenlicht im Tunnel?
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  •   kommentar4711
    (1457 Beiträge)

    Wie lange hält es?
    Und vor allem: Wie lange hält der Effekt an wenn das Pflaster mal dreckig ist?
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  •   flo-mi
    (415 Beiträge)

    Gute Frage
    Das war dann auch die erste Frage, die ich mir beim Lesen dieses Artikels gestellt habe.
    Bisher liest sich das wie ein Schildbürgerstreich. (Falls das so kommt, wie es im Artikel steht wären die Erklärungsversuche vor dem zuständigen Bundes-/Landesrechnungshof, für ein photokatalytisches Pflaster im Tunnel mit eher spärlicher Beleuchgunt wären sicher unterhaltsam. Hoffen wir, dass da was beim Verkürzen des Artikels unter die Räder geraten ist, dass es wieder einen Sinn ergibt.)
    Andernfalls (reine Spekulation) könnte man sich ja vorstellen, dass entsprechende oberirdische Ausgleichsflächen mit so einem Belag versehen werden.
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  •   mueck
    (8975 Beiträge)

    !
    Jeder einfahrende Autofahrer bekommt an den Einfahrten eine große Dose in die Hand gedrückt, mit der er ein wenig Tageslicht einfangen und unten dann wieder freilassen kann ...
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