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Karlsruhe Majolika-Fliesen für Haltestellen? Lüpertz-Kunst könnte teuer werden

Wenn alles nach Plan läuft, fahren passend zum Fahrplanwechsel 2021 Bahnen durch den Karlsruher Untergrund. Starkünstler Markus Lüpertz will nun mit einer eigenen Gestaltungsidee den Karlsruher Fahrgästen die Wartezeit versüßen. Das könnte Karlsruhe allerdings Geld kosten.

Wie die künftigen unterirdischen Haltestellen aussehen werden, steht schon seit einiger Zeit fest. Im Sommer 2004 führte die Stadt eigens für die neuen Haltestellen einen Architektenwettbewerb durch. Nahezu 100 Planungsteams, bestehend aus Architekten, Lichtplanern und Künstlern, bekundeten ihr Interesse. Zehn Arbeitsgemeinschaften wurden ausgewählt und aufgerufen, Gestaltungsentwürfe für die Haltepunkte, die Abgänge und das oberirdische Umfeld zu entwickeln.

Weißer Beton und Licht für die Haltestellen

Das Rennen machte am Ende der Entwurf des Architektenbüros "Allmann Sattler Wappner" aus München. Der Siegerentwurf kommt vor allem hell und schmucklos daher. Wände, Böden und die Decke sind unifarben gehalten: Die Architekten schlagen für die Gestaltung weißen, metallverstärkten Beton mit einer Anti-Graffiti-Beschichtung vor. An der Decke soll eine Lichtebene mit LED-Scheinwerfern angebracht werden, die farbige Schatten auf den Bahnsteig wirft. 

Durch dieses Konzept soll den Fahrgästen die Orientierung erleichtert und ein Gefühl der Sicherheit vermittelt werden."Der Grundtenor ist hell und freundlich. Die Hauptakteure sind die Bahn, die Fahrgäste und die Schilder", so die Erklärung des Architekten. Die Oberleitung solle außerdem mit dem Leuchtsystem verbunden werden und so eine "leichte, vibrierende Elektrizität" erzeugen. 

Zweiter Anlauf für Majolika-Fliesen in der U-Strab

Ein Entwurf, der die Verwendung von Majolika-Fliesen vorsah, stand zwar zur Debatte, wurde von der Jury damals aber als uneinheitlich und altmodisch verrissen. Während sie den Siegerentwurf als "klares, durchdachtes und durchstrukturiertes Konzept" lobte, sorgte der Vorschlag, die Fliesen ähnlich einer Ausstellung zu arrangieren, für Kontroversen. Das Konzept erinnere an Ausführungen aus den 70er und 80er Jahren, architektonisch sei die Gestaltung "heterogen und wenig konzeptionell", so das Urteil der Jury. 

Jetzt steht der mögliche Einsatz von Majolika-Fliesen erneut zur Debatte. Wie aus Medienberichten hervorgeht, will der deutsche Künstler Markus Lüpertz die sieben unterirdischen Kombi-Haltestellen mit Majolika-Kunstwerken ausstatten. Neu ist die Idee nicht: Der ehemalige Leiter der Majolika, Anton Goll, trat schon 2015 mit dem Vorschlag an die Stadt heran. Starkünstler Lüpertz soll geplant haben, die Schöpfungsgeschichte an die Wände zu bringen. Für sechs Jahre, so der Plan, sollen die Reliefs an den Stellen für die geplanten Werbevitrinen der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) zu sehen sein. 

Markus Lüpertz
Markus Lüpertz. | Bild: Bernd Wüstneck/Archiv

Vorschlag bedeutet Verlust für die VBK 

Diese Idee hat allerdings einen Haken: In dieser Zeit könnten die Werbeflächen nicht vermietet werden. Der VBK würden dadurch Werbeeinnahmen fehlen. Wie hoch die Ausfälle für das Verkehrsunternehmen wären, will VBK-Chef Alexander Pischon im Gespräch mit ka-news nicht verraten. Aktuell bespreche man das Thema mit den Werbeträgern. Am 23. Juni könnte der Vorschlag zum ersten Mal in der Aufsichtsratssitzung landen. Dort müsse dann letztendlich auch entschieden werden, ob man sich die Lüpertz-Kunst  - trotz geringerer Einnahmen - leisten möchte oder nicht. 

Derweil entzweit das Thema die Karlsruher Stadtpolitik. Während die Karlsruher CDU-Fraktion den Vorschlag zumindest unter bestimmten Konditionen begrüßt, sprechen sich die Karlsruher Grünen und die Kult-Fraktion für das bisherige Konzept ohne Majolika-Fliesen aus. Grundsätzlich sei man aber offen für andere künstlerische Inszenierungen, beispielsweise mit dem ZKM.

Die Entscheidung, ob die Karlsruher Fahrgäste Lüpertz-Kunst in den neuen Haltestellen betrachten können oder nicht, ist bislang noch nicht gefallen. Oberbürgermeister Frank Mentrup soll laut Medienberichten eine Chance für die Idee sehen, allerdings nur, wenn diese privat durch Sponsoren finanziert werden könnte und mit dem festgelegten Lichtkonzept harmoniere. Lüpertz selbst hat sich auf Anfrage von ka-news bislang noch nicht zu Wort gemeldet. 

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  •   udoh
    (1681 Beiträge)

    Vermietet was geht als Werbeflächen
    Damit das finanzielle Desaster wenigstens ein klein wenig abgemildert wird. Ja, vielleicht ein Tropfen auf den heißen Stein, aber VIEL BESSER als noch MEHR GELD für Selbstverwirklichung rauszuschmeißen!
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  •   guglhupf
    (306 Beiträge)

    Wem dient es?
    Herr L. ist sich für nichts zu schade das Geld bringt. Gerade habe ich einen Prospekt vom Verlag Fröhlich und Kaufmann bekommen. Dort werden verschieden Originalgrafiken von Herrn L. für 400€ angeboten. Diese sind handsigniert und mit e.a. bezeichnet. E.A. bedeutet Abzüge für den Künstler und das sollten nur wenige sein. In dem Angebot wie auch auf der Webseite ist keine Auflagenhöhe zu ersehen und auf Anfrage gibt der Verlag keine Auskunft. Eine hohe e.a. Auflage ist laut Wikipedia unseriös.
    UND: Herr Goll hätte in seiner Zeit als Geschäftsführer der Majolika sanieren können indem er Herrn L. als Künstler ins Programm genommen hätte, wenn er so von seinem Talent überzeugt ist. Aber die Auswahl der Künstler war damals schon old school. Herr Goll war ein reiner Verwaltungsmensch der von Kreativität leider keinen Schimmer hatte. Und da braucht er jetzt nicht für Herrn L. hausieren gehen und Spenden sammeln, die indirekt durch Absetzbarkeit vom Bürger bezahlt werden.
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  •   ingrid333
    (104 Beiträge)

    U-Strab
    Wie grausig sieht das denn im Untergrund aus. Leichenhalle pur. Tut mir leid, ich würde am Abend nicht in den Untergrund gehen. Traurig aber wahr. Den Rest denke ich mir.
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  •   Ozeiger
    (1328 Beiträge)

    Das wird nicht
    nur teuer sondern vor allem langweilig. Und wie dieser seit zig Jahren am Markt vorbeiproduzierende Majolikaladen künstlich weiterbeatmet wird ist eigentlich eine Frechheit.

    Und Lüpertz, Lüpertz, Lüpertz...natürlich kann der was, trotzdem wird er extrem überschätzt. Er lebt ja eigentlich davon, dass er sich selbst in einen gottgleichen Status erhebt. Wenn der früher unangemeldet ins Pomodoro kam und es voll war wurden andere Gäste hinauskomplimentiert. Er ist jetzt 76, natürlich gehen Künstler nicht in Rente, aber warum gibt man für so ein 'Zukunftsprojekt' nicht jungen Künstlern eine Chance?
    Also wenns schon Kunst sein muss.
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  •   Ozeiger
    (1328 Beiträge)

    Noch einen drauf
    Jahrelang hat man einen Riesenwirbel um die ach so kreative Kunstszene im Filetstück gemacht (was durch Undankbarkeit belohnt wurde), da war man ja richtig stolz drauf.

    Und jetzt soll es ausgerechnet einer machen der Millionen aufm Konto hat, ein gigantisches Anwesen geschenkt bekommen hat, Porsche und Bentley fährt? Nicht dass ich neidisch wäre, kann er alles haben, ist mir vollkommen wurscht.
    Aber es ist Zeit für eine Wachablösung, lasst die Jungen ran. Die müssen auch von was leben.

    Kunst lebt wie alles von der Weiterentwicklung, irgendeinen konservativen Kram (und dann auch noch biblisch) braucht echt kein Mensch.

    Da könnt ihr gleich einen röhrenden Hirsch an die Wand malen. Wenns gefällt, ok.
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  •   heaven
    (768 Beiträge)

    Warum
    muss es eigentlich unbedingt Lüpertz sein?
    Wir haben so viele gute Künstler hier in Karlsruhe!
    Fangen wir doch nur mal bei unseren Kleinsten, den Kindern an.
    Kunst, die garantiert auch noch in 20-30 Jahren akzeptiert wird... zwinkern
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  •   heaven
    (768 Beiträge)

    Künstler?
    Auf der einen Seite werden Künstler in Karlsruhe auf die Straße gesetzt (Stichwort "hinterm Hauptbahnhof") auf der anderen Seite werden sie in den Himmel gehoben!
    ...und wie immer geht's nur ums Geld, das soll noch jemand verstehen.
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  •   ingrid333
    (104 Beiträge)

    Künstler
    und Colani ist aus Karlsruhe vertrieben worden !!!! Traurig
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  •   Kultiplex
    (113 Beiträge)

    Wie
    wäre es, alle Haltestellen durch Spraykunst verschönern zu lassen? Wäre einmalig und würde nichts kosten!
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  •   auchmalsenfdazu
    (3032 Beiträge)

    diese
    "Kunst" wird früher oder später eh dazukommen. zwinkern

    Ich weiß was du meinst, aber die nicht so begabten Sprayer werden da leider schnell über die schöne Kunst ihr Gekritzel drübersprayen.
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