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Karlsruhe Lüpertz-Kunst spaltet Karlsruhe: Entscheidung fällt im Juli

Künstler Markus Lüpertz sorgt mit dem Vorschlag, die unterirdischen Kombi-Haltestellen mit Majolika-Tafeln zu versehen, für kontroverse Diskussionen in Karlsruhe. Die Entscheidung über die Haltestellen-Kunst soll am 25. Juli im Gemeinderat fallen. Unter den Stadträten herrscht bei diesem Thema bislang noch Uneinigkeit.

Mehrere Parteien und Fraktionen können dem Vorschlag des Künstlers durchaus etwas abgewinnen. "Generell wäre ein Zyklus aus dem Werk von Lüpertz aus kultur-touristischer Sicht bestimmt ein Gewinn", erklärt etwa die FDP-Gemeinderatsfraktion gegenüber ka-news. Grundvoraussetzung ist für die Fraktion allerdings, dass das Projekt vollumfänglich durch Sponsoren finanziert wird. "Falls dies revidiert werden würde, müssten wir es neu diskutieren", so die FDP.

"Geschichte passt perfekt zu den Haltestellen"

Zuspruch kommt auch von der Wählergemeinschaft "Gemeinsam für Karlsruhe" (GfK). Sie sieht Markus Lüpertz als "ausgezeichneten, international anerkannten Künstler". Zudem werde das Projekt nicht durch die Stadt finanziert. "Wir sehen hier keine Einengung durch das Kunstwerk selbst, denn dieses spiegelt keine wissenschaftlichen Belege wider oder wertet diese", so die GfK. 

Jürgen Wenzel von den Freien Wählern bricht für die Idee ebenfalls eine Lanze. "Gerade für sehbeeinträchtigte Nutzer der U-Strab-Haltestellen halten wir den bisherigen Siegerentwurf für so nicht zulässig. Wir sehen daher im einzigartigen Gesamtkunstwerk, der 'Genesis – die sieben Tages des Herrn' des Malerfürsten Markus Lüpertz, eine Chance." Bisher sei der eingeschlagene Weg aber nicht zufriedenstellend gewesen. Wenzel schlägt daher vor, die Bürgerschaft mehr bei dem Projekt einzubinden. 

Auch die AfD-Stadträte begrüßen die Idee des Künstlers. "Durch ihre sieben Episoden passt diese Geschichte perfekt zu den sieben Haltestellen unserer neuen U-Bahn", teilen sie mit. Ein solches Kunstwerk werde es nur in Karlsruhe geben - zumal die Lüpertz-Kunstwerke nur begrenzte Flächen in den Haltestellen und nicht etwa ganze Wände in Anspruch nehmen würden. "Damit bleibt das ursprünglich geplante Design der Haltestellen erhalten", so die AfD.

CDU und SPD noch unentschlossen 

Doch die Haltestellen-Dekoration hat auch Gegner. "Markus Lüpertz ist ohne Zweifel einer der bedeutendsten Kunstschaffenden der Gegenwart", teilt die Karlsruher CDU mit, die im Gemeinderat mit 13 Sitzen die größte Fraktion darstellt. Über Geschmack lasse sich streiten, so die Christdemokraten, aber "Kunst zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sie nicht vorgeschrieben, nicht reglementiert und nicht jedem Gefallen muss". Man müsse allerdings auch über die möglichen finanziellen Folgen für die Stadt und ihre Gesellschaften aufgrund möglicher fehlender Werbeeinnahmen sprechen. Eine abschließende Gesamtmeinung hat sich die CDU nach eigener Aussage aber noch nicht gebildet. 

Auch in der Karlsruher SPD, der zweitgrößten Fraktion nach der CDU, herrscht offenbar noch keine Einigkeit. Ein abgeschlossenes Meinungsbild können die Sozialdemokraten auf Anfrage von ka-news noch nicht mitteilen. Man verfolge die Diskussion, der Vorschlag werde nach den Pfingstferien Thema sein. 

Grüne und Kult-Fraktion verweisen auf Alternativen

Kritik gibt es von den Grünen: Die Fraktion hatte sich bereits im Vorfeld gegen den Vorschlag positioniert. Daran halten die Stadträte nach wie vor fest. Grundsätzlich stehe man Kunstinstallationen in den Haltestellen offen gegenüber. Diese müssten allerdings temporär angelegt sein, zum generellen Gestaltungskonzept passen und sollten den Charakter von Karlsruhe als moderne Stadt unterstreichen. Das ZKM und andere Kunsteinrichtungen der Stadt böten sich hier als potenzielle Partner an. Mögliche Zusatzkosten oder wegfallende Werbeeinnahmen lehnen die Grünen ab.

Die Kult-Fraktion steht dem Vorschlag ebenfalls "mehrheitlich ablehnend gegenüber", wie es auf Nachfrage von ka-news heißt. Die Fraktion sieht durchaus Chancen für die Fächerstadt. Allerdings verweist sie auf mögliche Kosten durch den Verzicht von Werbeeinnahmen und das bereits bestehende Architekturkonzept, das seit 2005 für die Haltestellen vorliegt. "Die Imagewirkung für Karlsruhe ist umstritten", gibt die Kult-Fraktion zu bedenken. Darüber hinaus sei noch nicht geklärt, ob die Lüpertz-Werke wie zugesagt nach sechs Jahren wieder entfernt werden würden. 

"Intransparent und interessengesteuert"

Noch deutlicher fällt die Ablehnung bei den Stadträten der Karlsruher Linken aus. "Wir halten den Vorschlag einer von Herrn Lüpertz gestalteten biblischen Schöpfungsgeschichte in Majolikamanier für abwegig", stellen sie klar. Man lehne "eine einseitige Gefälligkeitshaltung gegenüber einem der vielen Kunstschaffenenden in Karlsruhe ab", heißt es weiter.

Der parteilose Stefan Schmitt hält von dem Vorschlag ebenfalls wenig: Er kritisiert an dem Vorhaben mehrere Dinge. "Erstens die Vorgehensweise - sie ist intransparent und interessengesteuert. Dabei wird das Ergebnis des Wettbewerbs für die Ausgestaltung der Haltestellen einfach übergangen. Zweitens das Thema des Projektes - ich halte ein religiöses Thema nicht für geeignet, in dieser Form präsentiert zu werden, da es viele Menschen mit einer kritischen Einstellung zur Religion oder einer anderen Religionszugehörigkeit nicht ansprechen wird", so Schmitt. 

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  •   andip
    (8128 Beiträge)

    Ich fasse mal zusammen
    Es sind hier alle dagegen weil:
    a) der Lüpertz es macht
    b) wegen der religiösen Motive
    c) weil die Majolika das herstellen soll
    Wenn jetzt ein anderer Künstler ein anderes Motiv aus einem von einer anderen Firma hergestellten Material machen würde, wäre man dann zufriedener?
    Vermutlich nicht.
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  • unbekannt
    (427 Beiträge)

    Ja klar
    vor allem wenn es nicht mit Anbiederung und Aufträgen für den VEB Majolika einhergeht.
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  •   Ozeiger
    (1328 Beiträge)

    Doch
    grinsen
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  •   Adremdico
    (35 Beiträge)

    Vollständige Antworten der KULT-Fraktion
    Leider können in dem Artikel nicht die vollständigen Antworten aller Gemeinderatsgruppierungen vorkommen , da sich dann vieles zigmal wiederholen würde. Für interessierte Lesende, die das aber genauer wissen wollen, stelle ich hier die vollständigen Antworten der KULT-Fraktion zur Verfügung:

    * Wird es eine Diskussion im Karlsruher Gemeinderat geben? Wenn ja, ist schon ein Termin bekannt?
    Über den Vorschlag wird Ende Juni bis Mitte Juli in den Aufsichtsräten der VBK und der KASIG sowie in der Kunstkommission beraten. Abschließend soll der Gemeinderat am 25. Juli entscheiden.

    * Wie steht die Karlsruher Kult-Fraktion zum Vorschlag, Lüpertz-Kunst in den Haltestellen auszustellen?
    Die KULT-Fraktion steht dem Vorhaben mehrheitlich ablehnend gegenüber. Wir können unsere Meinungsbildung aber erst abschließen, wenn alle relevanten Informationen vorliegen. [...]
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  •   Adremdico
    (35 Beiträge)

    Fortsetzung 1
    [...] Der Oberbürgermeister hat zugesagt, dass die Gemeinderatsgruppierungen vor den Beratungen noch weitere Informationen erhalten, insbesondere auch über die Höhe der finanziellen Auswirkungen für die VBK. In der fraktionsinternen Diskussion kamen bisher die folgenden Punkte zur Sprache:

    Argumente dafür:
    - Es wird einem herausragenden Karlsruher Künstler die Möglichkeit gegeben etwas Einmaliges zu schaffen.
    - Der Vorschlag wird zu einer positiven Berichterstattung über Karlsruhe führen.
    - Der Vorschlag wird Karlsruhe für bestimmte Gruppen touristisch interessanter machen.
    - Ein Großteil der einmaligen Investitionskosten muss nicht von der Stadt Karlsruhe gezahlt werden.

    Argumente dagegen:
    - Der Vorschlag ist für die Stadt keineswegs kostenlos. Die Karlsruher Verkehrsbetriebe müssten auf Werbeeinnahmen verzichten. Diese Kosten müssten entweder auf die ÖPNV-Nutzer oder die Steuerzahler umgelegt werden.
    [...]
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  •   Ozeiger
    (1328 Beiträge)

    Ein paar
    vergleichsweise kleine Wandbilder in U-Bahnhaltestellen sollen KA touristisch interessant machen? Darf ich lachen?

    Fragen sie mal rum wer mit dem Namen Lüpertz überhaupt etwas anfangen kann. Das wird selbst in Karlsruhe dünn, das versprech ich ihnen. Und ich sage es auch hier nochmal: Der Mann ist 76, steinreich und hat alles erreicht. Gebt jungen Künstlern eine Chance!
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  •   Adremdico
    (35 Beiträge)

    Deswegen steht da
    - die Einschränkung "für bestimmte Gruppen" bei der touristischen Wirkung,
    - in der Fortsetzung 2 das Gegenargument "Die Imagewirkung für Karlsruhe ist umstritten" und
    - in der Fortsetzung 3 als letztes Gegenargument ein konkurrierender Vorschlag, von dem mehr junge Künstlerinnen und Künstler profitieren würden. zwinkern
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  •   Ozeiger
    (1328 Beiträge)

    Ja,
    das ist einfach nur logisch. Und dann eben bitte auch Karlsruher nehmen und keine aus Berlin oder sonstwo. Da brauchen wir auch keine Ausschreibung. Ruft ein paar Leute an und lasst sie machen. Immer dieses Geschiss.
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  •   Adremdico
    (35 Beiträge)

    Fortsetzung 2
    - Für die Haltestellen gibt es bereits eine helle, moderne, künstlerische Gestaltung, die in eine ganz andere Richtung geht. Das vorgesehene Medium Majolika und dessen Gestaltung passen nicht zu den hellen, modernen Haltestellen.
    - Der Vorschlag widerspricht den bisherigen diesbezüglichen Beschlüssen der Stadt. Es gab schon einen Wettbwerb inkl. Juryentscheid zur Kunst am Bau im U-Strab-Tunnel.
    - Dem Vorschlag liegt keine öffentliche Ausschreibung zugrunde und er wurde ohne öffentliche Transparenz vorangetrieben.
    - Die Imagewirkung für Karlsruhe ist umstritten.
    - Es gibt Bedenken wegen des staatlichen Neutralitätsgebots in religiöser und weltanschaulicher Hinsicht. In der gewählten Thematik der biblischen (christlich-jüdischen) Schöpfungsgeschichte finden sich Nicht-Gläubige und Anhänger anderer Religionen nicht wieder.
    - Es ist ungeklärt, ob und wie die Lüpertz-Werke wie zugesagt nach 6 Jahren wieder entfernt werden und was dann mit ihnen geschieht.
    [...]
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  •   Adremdico
    (35 Beiträge)

    Fortsetzung 3
    [...] - Es gibt die konkurrierende Idee mit wechselnden Medienkunstwerken in den Haltestellen auf Videoleinwänden bzw. in den Werbevitrinen, kuratiert vom ZKM. Diese Idee hat Anhänger in der KULT-Fraktion.

    * Wird die Kult-Fraktion eine entsprechende Anfrage oder einen Antrag stellen?
    Es wird eine Verwaltungsvorlage geben. Wenn es einen Anlass dafür geben sollte, stellen wir gegebenenfalls einen Änderungs- oder Ergänzungsantrag zur Verwaltungsvorlage.

    Ich hoffe, das ist für einige Leserinnen und Leser für die Diskussion interessant.

    Freundliche Grüße,
    Erik Wohlfeil, KULT-Fraktionsvorsitzender
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