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Karlsruhe Lüpertz-Kunst in Haltestellen: "Nein" ist durchaus eine Antwort!

Die Schöpfungsgeschichte spaltet die Fächerstadt: Starkünstler Markus Lüpertz sorgt mit dem Vorschlag, einen "Genesis"-Zyklus an die Wände der neuen Haltestellen zu bringen, für Diskussionen. Die einen frohlocken, die anderen sind wenig begeistert. Dabei sollte die Frage lauten: Ist es uns das auch wert? Ein Kommentar von Ramona Holdenried.

Die Fächerstadt hängt am Traditionsunternehmen Majolika. Neben langen Diskussionen im Gemeinderat setzten sich die Karlsruher immer wieder für die Keramikmanufaktur ein, sei es mit dem Kampf um Majolika-Kunst im Mühlburger Postgebäude oder dem Appell für Majolika-Fliesen an den Zugängen zu den unterirdischen Haltestellen.

Jetzt sollen es also Majolika-Reliefs von Starkünstler Markus Lüpertz an den Wänden der neuen unterirdischen Haltestellen sein. Allerdings nicht, wie zunächst angenommen, über die gesamten Stationswände, sondern an Flächen, die für Werbung vorgesehen waren. Anders wäre die Idee mit dem bestehenden Architekturkonzept für die Haltestellen wohl kaum vereinbar. Und dieses Konzept steht immerhin seit mehr als zehn Jahren. Wozu sonst der ganze Aufwand mit Ausschreibung, Wettbewerb und Co.?

Es geht nicht um die Kunst, sondern ums liebe Geld

Ob man nun Lüpertz' Idee und seine Kunst schön findet oder nicht, das ist freilich Geschmackssache. Da es offiziell noch keine konkreten Entwürfe gibt, lässt sich nur schwer abschätzen, ob die "Genesis-Fliesen" ein schöner Farbtupfer oder ein Schandfleck sein werden.

Aber eine Frage muss erlaubt sein: Soll die Stadt sich die temporäre Installation wirklich leisten? Sicher, private Sponsoren sollen für die Finanzierung aufkommen. Fest steht aber auch: Werden in den Werbevitrinen Majolika-Reliefs statt Plakaten ausgestellt, müssen die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) die potentiellen Werbeeinnahmen abschreiben

Welche Summen in den sechs Jahren, die aktuell für die Lüpertz-Kunst im Gespräch sind, zusammenkommen, darüber hält man sich bei den VBK bedeckt. Vermutlich wird es nicht das Zünglein an der Waage sein, welches das Verkehrsunternehmen ins finanzielle Unglück stürzen könnte. Dennoch bleibt ein bitter Beigeschmack: Um die Verluste zu verringern, haben die VBK in den vergangenen Monaten die Linie 8 quasi beerdigt, einen Sommerfahrplan für die Linie 5 eingeführt und den Nightliner-Fahrplan ausgedünnt. Alles kein Weltuntergang, aber dennoch ein Einschnitt für die Fahrgäste. 

Hinzu kommt, dass die Verkehrsbetriebe in den kommenden Jahren Millionenbeträge in die Hand nehmen müssen, um die Bahnflotte tunneltauglich zu machen. Sparen und investieren, aber gleichzeitig auf Einnahmen verzichten - das passt nicht zusammen! Oder werden die potentiellen Sponsoren für das Lüpertz-Projekt den Verlust der VBK ausgleichen? Es bleibt nur zu hoffen, dass die VBK-Aufsichtsratsmitglieder bei ihrer Entscheidung nicht vergessen: "Nein" ist eine akzeptable Antwort. 

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  •   Pendler_2
    (29 Beiträge)

    Ich bin kein Kunstexperte
    und Geschmäcker sind verschieden.....aber Lüpertz's Kunst kann ich jetzt nicht unbedingt als öffentlich austellungswürdig, für plebs wie mich, empfehlen; KA hat doch schon genug "komische" Figuren - wenn ich da an mein Lieblingspferd vor dem Staatstheater denke..... Im Übrigen - Majolika...war die nicht tot ? Nebenbei, ausser dem schönen Bambi hat mich da jetzt auch nicht unbedingt irgendetwas angesprochen. Passen würden die Zwei schon zusammen, vielleicht ergeben Zwei Minus auch in der Kunst ein Plus....Wenn wir uns das Stadion sparen, können wir vielleicht doch ein 2. Brückchen mit Nordtangende kacheln, bevor kariertgestreifte Fledermäuse ein Strich durch die Rechnung machen, und erstmal und zweimal oder dreimal abgestimmt werden muss. Eigentlich würde ich das schon noch gerne erleben, aber in Zeiten von BER und S21 ist nichts möglich. Wir könnten schon längst fertig sein, wenn nicht immer unqualifizierte kurzfristige schnellprofilierungsgeile Möchtegernpolitiker einen Fuss stellen.
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  •   aridus
    (202 Beiträge)

    Über das konkrete Projekt
    kann ich so wenig schreiben wie die Vorkommentatoren. Deswegen nur als Randbemerkung: Die Kombilösung ist ein wirkliches Jahrhundertprojekt - ob sinnvoll oder nicht, sei mal dahin gestellt, man wird damit leben müssen. Und bei solchen Diskussionen stelle ich mir manchmal vor, was der Menschheit entgangen wäre, hätten etwa die Erbauer der Kathedrale von Chartres (oder, um in der Gegend zu bleiben, des Speyrer Doms) jeden Cent zweimal umdrehen müssen.
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  •   ALFPFIN
    (5607 Beiträge)

    @aridus
    Um in der Gegend zu bleiben, am Speyrer Dom hat man von 1027-1106 gebaut. Na, dann dürfen wir ja noch lange über den Baufortschritt der Kombi kommentieren. 1450 brannte das Gemäuer aus, Schaden 300.000 Gulden, der damalige Pabst gewährte einen Ablass zur Finanzierung des Wiederaufbaues, dass heißt das damalige Volk wurde gnadenlos ausgepresst. So gesehen kann man eine Parallele zum Bau der Kombi ziehen. Wir müssen auch eine Menge Steuern ablassen, damit das Bähnle, wann auch immer unter der Kaisertrasse durchfährt. grinsen
    Ich hoffe ja nicht, dass wir da unten in die Situation kommen, beten zu müssen, aber da hilft uns vielleicht, zumindest vorübergehend, die Schöpfungsgeschichte eines Herrn Lüpertz auf den "weltberühmten" Majolika-Kacheln dargestellt. grinsen
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  •   Leergutmafia
    (166 Beiträge)

    Äpfel und Birnen!
    Tut mir leid.
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  •   Ozeiger
    (1328 Beiträge)

    Wieso?
    Die Kathedrale in Chartres hat doch was. Naja gut, e Kirch halt, stinklangweilig wie alle Kirchen. grinsen
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  •   peddersenn
    (962 Beiträge)

    Ich hab jetzt nichts gegen "Kunst am Bau"
    ...die gehört aber dann zum Bau - und nicht als Ersatz für Werbefläche.

    Auf Werbeflächen wird geworben - das sind Einnahmen, die KA wahrscheinlich eher braucht als nicht braucht. Für irgendwelche temoräre oder dauerhafte Kunst - auf Flächen, die nicht der Werbung dienen- gilt es, kostengünstige und m.Mn. nach auch zeitgerechte Lösungen zu finden. Das angesprochene Lüppertz/Majoloika- Projekt rechne ich da in keine dieser Kategorien.

    Da wird sich in Zusammenarbeit mit ZKM, Kunsthochschule und was wir hier noch alles haben, eine engagierte Lösung finden. Und zur Not malen Schüler Saurier und Fische an die Wand. Hat auch was.

    Die Frage drängt sich eben auch auf: Warum Lüppertz, warum Majolika? Weil Lübbertz gerade Zeit hat und die Majolika Geld braucht? Tut mir leid - DIE Konstellation finde ich in anderer Konstellation und Besetzung tausendmal in Karlsruhe. Ich hätte auch Zeit. Und Bessere als ich auch. Und Bessere als Lüppertz sicher auch.

    WETTBEWERB! JUNGE KÜNSTLER!
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  •   silberahorn
    (9292 Beiträge)

    oder zumindest
    er in Zusammenarbeit mit jungen Künstlern. Man hätte die Vorskizzen und Umsetzungsideen in Gruppe machen können und eine Jury oder gar das Los entscheiden lassen können, was an die jeweilige Wand kommt.
    Einen Zugnamen zu haben ist nicht verkehrt, aber wenn er mit seiner Berühmtheit noch Gemeinschaftswillen umsetzen könnte, dann hätte das auch was.
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  •   andip
    (8133 Beiträge)

    Naja
    Warum muss die Werbung unbedingt an dieser bestimmten Stelle sein?
    Die kann man sicher auch woanders anbringen. Nur weil das so in einem Konzept steht, muss das nicht so bleiben, Konzepte kann man jederzeit ändern.
    Und was passt eigentlich den Leuten an den geplanten Reliefs nicht, obwohl überhaupt noch nicht bekannt ist, wie die aussehen sollen?
    Das die vom Lüpertz gemacht werden?
    Das die biblische Motive haben werden?
    Das die von der Majolika hergestellt werden sollen?
    Oder das da irgendwas hängen soll?
    Oder weil man prinzipiell gegen alles ist?
    Allerdings verstehe ich auch nicht, warum die nur temporär da hängen sollen und man sie nicht einfach da lässt. Was soll danach damit passieren? Auf den Müll oder in irgendein Museum?
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  •   ALFPFIN
    (5607 Beiträge)

    Zitat von Herr Lüpertz
    Zitat von Markus Lüpertz Und Karlsruhe lockte mich, den Dreißigjährigen
    Und die Stadt und die Möglichkeiten knipsten das Licht an
    Wärmten mich mit südlichem Charme
    Und idyllischen Plätzen


    Wie wäre es, wenn Lüpertz der Stadt sein Kunstwerk "Die Schöpfung" einfach spenden würde, der Stadt in der sich so wohl gefühlt hat, mit dem südlichen Charme, jetzt auch noch mit dem Charme eines USträble, das hinten im Osten nach unten fährt und vorne am idyllischen Platz, genannt Mühlburger Tor wieder ans Licht kommt. grinsen Geld genug wird er ja wohl genug verdient haben. Allerdings wenn er sein Kunstwerk ohnehin nur 6 Jahre uns zeigen will, vermarktet er es sicher weiter. Wozu müssen wir dann bezahlen?
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  •   peddersenn
    (962 Beiträge)

    Ehrlich gesagt....
    ...wenn mich damals Karlsruhe als Dreissigjährigen angelockt und mir Möglichkeiten geboten hatte, sollte doch die Einsicht dasein, daß es besser wäre, auch HEUTE würde Dreissigjährige angelockt und würden Möglichkeiten geboten kriegen.

    Alter ist jetzt kein Hinderungsgrund für irgendwas - aber Fairness und Selbstverständlichkeit solltem einen doch auch bedeuten, daß es ok bzw. WICHTIG ist, auch andere mal dranzulassen. MWs. ist Herr Lüpertz Jahrgang 42o.ä. - also 75. Da kann - oder sollte es - man doch auch gut sein lassen.

    Die welt ist schon genug geplagt mit alten Männern, die zum Unwohl des Ganzen viel zulange an ihrem Stuhl und der Macht kleben bleiben.

    Wer sich für die Zeit ab 70 Spielen mit den Enkeln, Rosen züchten, was anderes anfangen o.ä. vorgenommen hat, hat meine vollste Zustimmung. DAS ist Erfolg. Nicht denselben schnulli bis ins Grab weiterzumachen. Weil andere auch da sind. Die wollen auch verdienen, teilhaben.So wie H. Lübertz als 30jähriger.
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