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Karlsruhe Kombilösung: Kasig macht Arge für Verzögerungen verantwortlich

Bis zu zwölf Monaten betragen derzeit die Verzögerungen beim Bau der Karlsruher Kombilösung. Seit der letzten Kostenschätzung im Oktober 2010 kamen Mehrkosten in Höhe von 3,2 Millionen Euro hinzu. Das teilte die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) am Freitag in einem Pressegespräch mit. Dass die Bauarbeiten an drei der fünf Kombilösung-Baustellen weit hinter den Planungen liegen, veranlasst die Kasig nun dazu, selbst in den Baubetrieb einzugreifen.

Die Kasig will nun Taten folgen lassen und vehement einfordern, dass die Arbeitsgemeinschaft (Arge) Stadtbahntunnel, die für die Rohbauarbeiten für den Tunnel verantwortlich ist, ihren Vertrag erfüllt. Schon in der Vergangenheit habe die Kasig die Arge mehrfach ermahnt und an ihre vertraglich festgelegte Verantwortung erinnert, die Bauarbeiten pünktlich umzusetzen.

Casazza: "Wir machen Tempo"

Gleichzeitig beabsichtigt man, den Fortschritt der Arbeiten zu beschleunigen. Konkret möchte die Kasig selbst Unternehmen prüfen, die in ihrem Auftrag für Arbeiten in den Baufeldern in Frage kämen. Bisher war dies Aufgabe der Arge.

Mit dieser Initiative hofft Kasig-Chef Casazza, neue Baugruben verhindern zu können, bevor die alten zugeschüttet sind. "Wir werden unser Versprechen, die Beeinträchtigungen durch den Bau der Kombilösung erträglich zu gestalten, einlösen", betonte Casazza. "Eine korrekte Bauausführung und das Einhalten des Zeitplans insbesondere das effektive Nutzen der täglichen Bauzeiten gehören zu den Eckpunkten dieses Versprechens."

Das Verhältnis zwischen Kasig und Arge scheint jedenfalls angespannt. Casazza wies jedoch darauf hin, dass es weiterhin eine Gesprächskultur zwischen beiden Vertragspartnern gebe. Die Pläne der Kasig, in Sachen Baufortschritt selbst tätig zu werden, seien im Einvernehmen mit der Arge entstanden. Auch wolle man Konventionalstrafen für die Arge verhindern, die derzeit zwar noch nicht zuträfen, allerdings kurz bevorstünden. Zu den Plänen der Kasig hat sich die Arge bisher nicht geäußert.

Fünf Prozent der kalkulierten Kosten bisher verbaut

Nach derzeitigem Stand rechnet die Kasig mit zirka 3,2 Millionen Euro Mehrkosten. Nach der letzten Kostenschätzung im Oktober letzten Jahres, als die Verantwortlichen von Gesamtkosten in Höhe von 637,7 Millionen Euro ausgegangen sind, ergeben sich nun insgesamt 640,9 Millionen Euro. Weitere 8,6 Millionen Euro hat die Arge vorgelegt. Diese Kosten müsse die Kasig jedoch erst auf ihre Plausibilität prüfen. Ursprünglich war das Mammut-Projekt mit rund 500 Millionen Euro veranschlagt gewesen. Im Laufe der letzten Jahre entstanden somit Mehrkosten von mehr als 130 Millionen Euro.

Zwei erfolglose Pumpversuche am Europaplatz - dritter Versuch wird vorbereitet

Die von der Kasig genannten Gründe sind vielfältig. Zum einen seien immer wieder unerwartete Bauwerksteile und andere Hindernisse im Baugrund aufgetaucht. Auch das Verfahren, mit dessen Hilfe die Fassade des Karstadt-Gebäudes gesichert werden sollte, musste die Arge ändern. Zum anderen sei es sehr anspruchsvoll gewesen, die zahlreichen Leitungen zu verlegen, ebenso wie diverse Nachbesserungen vorzunehmen, was den Planungs- und Bauablauf deutlich gestört hätte.

Die Verzögerungen an den Haltestellen betragen mittlerweile bis zu zwölf Monaten. Dieser Zeitraum gilt für die geplante unterirdische Haltestelle Lammstraße. Am Kronenplatz verzögerten sich die Arbeiten um acht Monate, während die Baustelle am Europaplatz mittlerweile zehn Monate in Verzug ist. Letzteres liege vor allem an den erfolglosen Pumpversuchen im Juli und August. Dabei hatte die Arge getestet, wie dicht die Baugrube ist. "Die Dichtigkeit der Grube war noch immer nicht entsprechend der Vorgaben", erläuterte Projektleiter Uwe Konrath. Nach wie vor sickerte zu viel Grundwasser ein.

Baustelle am Europaplatz wechselt im neuen Jahr die Seite

Derzeit entwickle die Arge Verfahrensweisen für einen dritten Pumpversuch, der in zwei bis drei Wochen stattfinden soll. Dass die Arge soviele Pumpversuche benötige, um die Dichtigkeit der Baugrube sicher zu stellen, sieht Konrath als "Indiz dafür, dass die Qualität der Arbeit nicht so ist, wie wir und das vorstellen." Von "Pfusch am Bau" weigerte er sich zu sprechen, da der Spezialtiefbau sehr komplex sei und nicht alle Eventualitäten vorhersehbar seien.

Die Kasig gehe davon aus, dass die Arge das Problem in den Griff bekommt. "Ganz schwarz sieht es nicht aus", äußerte sich Walter Casazza optimistisch. Aufgrund der erfolglosen Pumpversuche wechselt die Baustelle im Herbst noch nicht auf die Nordseite des Europaplatzes. Dies soll erst zu Jahresbeginn geschehen, selbst wenn ein früherer Wechsel möglich wäre. Während der Weihnachtszeit wolle die Kasig aber kein neues Baufeld einrichten, erklärte Konrath.

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