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KIT-Professor über Mehrkosten: "Großprojekte werden zu knapp kalkuliert" [28]

Karlsruhe (mda) - Erneut Wirbel um Stuttgart 21: Die Kosten für den umstrittenen Tiefbahnhof sollen weiter in die Höhe schießen. Doch auch Berliner Flughafen, Hamburger Elbphilharmonie und die Karlsruher Kombilösung fallen aus dem Kostenrahmen. Fritz Gehbauer ist Professor am Institut für Technologie und Management im Baubetrieb am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Der Experte für Bauprojekte erklärt im ka-news-Interview, warum Großprojekte eigentlich immer teurer werden als ursprünglich geplant. Und was städtische Bauherren in Zukunft besser machen sollten.
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Karlsruher Kombilösung
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Baustelle Europaplatz: Auch die Karlsruher Kombilösung kostet mehr als ursprünglich geplant.
Foto: (DaLa)

Herr Professor Gehbauer, Sie sind Experte für Bauprojekte. Stuttgart 21, Berliner Flughafen, Hamburger Elbharmonie oder Karlsruher Kombilösung: Großprojekte werden eigentlich immer teurer als ursprünglich geplant. Woran liegt das?

Was allen genannten Projekten gemeinsam ist: Es sind öffentliche Projekte, die ein von einem Gremium, zum Beispiel einem Gemeinderat oder Aufsichtsrat, genehmigtes Budget haben. Dieses ist -  politisch korrekt - knapp gehalten, oftmals aber zu optimistisch. Ohne diesen "Optimismus" wäre die Genehmigung nicht möglich.

Aber warum wird denn so knapp kalkuliert?

Öffentliche Projekte werden unter der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) ausgeschrieben und vergeben. Diese sieht vor, dass dem "günstigsten" Bieter der Vertrag gegeben werden soll. Das muss nicht unbedingt der billigste sein, weitere Kriterien der Bewertung sind erlaubt. Nur fürchten sich die Bauherren davor, durch eine solche Entscheidung besondere Verantwortung und Erklärungsbedarf zu übernehmen. Also wird dem billigsten der Zuschlag erteilt, er liegt ja im Budget. Wenn dieses aber "optimistisch" ist, hat der Bieter unter Marktpreis angeboten. Damit ist der kostentreibende und zeitverlängernde Streit vorbereitet. Der Bauunternehmer wird versuchen, seine fehlenden Deckungsbeiträge durch Nachträge auszugleichen. Streitkosten entstehen, die am Ende höher sind, als wenn man einen Unternehmer mit auskömmlichen Preisen genommen hätte.

Was sollten die Bauherren besser machen?

Richtig wäre, ein Unternehmen zu suchen, das bereit ist, die Ungewissheiten des Projektes gemeinsam zu bewältigen. Hierfür müssen Vergabekriterien herangezogen werden, die weit über die Angebotspreise hinausgehen.

Welche Vorgehensweise empfehlen Sie bei der Durchführung von Großprojekten?

Andere Modelle existieren ja erfolgreich: Alliancing, Integrated Form of Contract (Lean Construction), etc. Neben Vertrauen und gemeinsamer Bewältigung der Zukunft ist in diesen alternativen Projektmodellen noch eine weitere Sache wichtig: Transparenz. Die Partner machen sich gegenseitig auf Störungen, die in der Zukunft gesehen werden, aufmerksam. Auch gibt es dort keine Schuldzuweisungen. Man verwendet die Energie für die Lösungsfindung.

Die Fragen stellte Moritz Damm

Mehrkosten, Verzögerungen und Baufortschritt: Mehr Infos rund um die Karlsruher Kombilösung gibt es in unserem Dossier. Hier klicken!

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Kommentare [28]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • (3009 Beiträge) | 08.02.2013 13:12
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    Wenigstens hat Hamburg mehr Einwohner
    Denen tut es nicht so sehr weh, wenn mal ein paar 100 Millionen Euro mehr in den Sand gesetzt werden. In Karlsruhe spürt man das mehr. Da ist es auch ein schwacher Trost, dass man in Stuttgart für ein noch unsinnigeres Projekt noch mehr Geld in den Sand setzen will - vor allem, wenn Mehrkosten auf das Land und den Bund zukommen.
    Für die Berliner ist das aus dem Ruder laufende BER-Projekt sicherlich ärgerlich, die Stadt ist ohnehin nicht so reich. Aber dennoch bemerkenswert, dass der Stuttgarter Bahnhof dennoch noch teurer ist, als der Hauptstadtflughafen.
  • (93 Beiträge) | 06.02.2013 22:46
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    Schlecht, bis falsche Ausschreibung
    M. E. werden die Ausschreibungen bewußt falsch erstellt, um die Kostenschätzung so gering wie möglich zu halten, damit das Projekt subventioniert wird.
    Daher kommen die exorbitanten Nachtragskosten. Wel schlichtweg die Ausschreibung fehlerhaft ist.
  • (172 Beiträge) | 06.02.2013 20:49
    Bewerten: (0)
    alter Hut
    das hat die Bevölkerung schon vor dieser Aussage gewusst. Es war noch nie ein Problem, Geld auszugeben, das einem nicht gehört. Da spielt auch die Summe keine Rolle. Notfalls kann man ja welches drucken!
  • (2109 Beiträge) | 06.02.2013 19:19
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    fehlenden Deckungsbeiträge durch Nachträge auszugleichen
    Ungerechtfertigte Nachträge kann der Bauherr auch ablehnen. IdR liegt das Problem jedoch schon bei der mangelhaften bis miserablen Ausschreibung, so dass jede Leistung Auslegungssache ist oder Leistungen die essentiell sind aus Zeitgründen, fehlender Fachkompetenz aber auch aus "politischen" Gründen einfach weggelassen wurden.

    Hier muss von den öffentlichen Auftraggebern ein anderer Stil angestrebt werden. Seriosität, Fachwissen und genug Zeit bei der Erstellung des LV und anderer Ausschreibungsunterlagen.
  • (52 Beiträge) | 06.02.2013 18:34
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    Gehbauer
    Von meinem Professor habe ich zu meiner damaligen Studentenzeit schon wenig gehalten und tue es auch nach diesem Artikel nicht. Es ist für mich nur verwunderlich, dass er mittlerweile zu diesem Sprachrohr greift. Ansonsten hört wohl niemand auf seine Ideen - in einem Land indem Menschen belogen werden wollen.

    Ich kann besimmt 20 Punkte aufzählen und nachweisen in denen die Bevölkerung Karlsruhes sich von den wissentlichen Seiten hat belügen lassen.
  • (28755 Beiträge) | 06.02.2013 17:57
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    Die meisten Kosten
    entstehen durch Kompetenzgerangel und weil die Leute nicht miteinander reden und jeder sein eigenes Süpple kocht.
  • (10716 Beiträge) | 06.02.2013 13:23
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    Dazu fällt dem König der Lüfte nur noch die Froschrede von Flip ein.
  • (2791 Beiträge) | 06.02.2013 16:21
    Bewerten: (0)
    dieser Flipsi
  • (381 Beiträge) | 06.02.2013 12:49
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    Elbphilharmonie
    Auch wenn die Elbphilharmonie nicht gerade um die Ecke liegt, sollte es sich auch bei der KA-News-Redaktion herumgesprochen haben, dass es nicht Elbharmonie nicht der Name des Hamburger Bauprojektes ist.
  • (380 Beiträge) | 07.02.2013 14:46
    Bewerten: (0)
    Danke für den Hiwweis
    Soll natürlich Elbphilharmonie heißen. Wurde korrigiert.
  • (2332 Beiträge) | 06.02.2013 13:14
    Bewerten: (0)
    Phil Harmonie?
    Ich kenn' nur Phil Collins! ((-;
  • (4162 Beiträge) | 06.02.2013 13:01
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    Vielleicht sind die Redakteure traurig,
    dass es die Harmonie in Karlsruhe auch nicht mehr gibt.
  • (634 Beiträge) | 06.02.2013 10:03
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    was die Kosten für solche Projekte in die Höhe treibt ...
    sind eigentlich vier Dinge:
    a) unkalkulierbare Probleme (etwa ein Kabel-BW-Kabel im Weg, das sich da heimlich angeschlichen hat zwinkern )
    b) Pfusch in der Planung (wie etwa bei BER mti dem Brandschutz oder auch bei S21 mit dem Brandschutz)
    c) Pfusch am Bau (nicht an die Vorgaben gehalten bei der Umsetzung)
    d) Änderungswünsche nach der Genehmigung/Ausschreibung (was beim BER ja der Hauptpunkt für die Mehrkosten war, weil da an einer Schraube gedreht wurde, dann aber das Gesamtbild nicht mehr gepasst hat, und dann so lange an Schrauben gedreht wurde, bis nichts mehr so war, wie ursprünglich geplant. Klar, daß das schiefgehen muss

    Bei a) seh ich durchaus, daß sowas nur statistisch planbar ist, die effektiven Kosten aber schwanken können, aber eben nur leicht.
    Bei b) hat bitteschön der Planer zu haften, er hat gescheit zu planen.
    Bei c) hat bitteschön der Bauherr zu haften, er hats verbockt.
    Und d) muss einfach kategorisch unterbunden werden.
  • (5339 Beiträge) | 06.02.2013 13:50
    Bewerten: (0)
    Im Gegensatz
    zum BER ist aber bei S21 praktisch noch nichts gebaut worden.
    Fehler in der Planung können daher noch problemlos behoben werden,es muss nicht wie beim Brandschutz alles nochmal gebaut werden.
    Und Pfusch am Bau kann es erst geben,wenn gebaut wurde.
  • (120 Beiträge) | 06.02.2013 12:31
    Bewerten: (0)
    gescheit planen
    kann man nur, wenn man auch alle Daten zur Verfügung hat.
    Gerade beim Tunnelbau ist das nicht immer der Fall.
  • (634 Beiträge) | 06.02.2013 10:06
    Bewerten: (0)
    im Fall von S21
    ist das also b), und damit die DB.
    Deren Plan, deren Mist, deren Problem!

    Dass das Land sich hier an den Ausstiegskosten beteiligen muss würde ich abhängig davon sehen, ob in der Planung eine arglistische Täuschung enthalten ist (etwa die Kapazität des Bahnhofs nicht der versprochenen entspricht). In dem Fall würde ich sogar sagen, die Bahn soll ganz auf den kosten sitzen bleiben, ohne Anteil vom Land.
    Deren Fehlplanungen, deren Fehlentscheidungen, deren Problem! Schließlich hat das Land nicht den versprochenen neuen Bahnhof bekommen. Und nix kriegen, nix zahlen!
  • (1010 Beiträge) | 06.02.2013 11:57
    Bewerten: (0)
    Aha...
    ... und wer kommt für die Mehrkosten durch die jahrelangen Verzögerungen auf, die wir vor allem den Gegnern zu verdanken haben? Für die wochenlangen Blockaden, für die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen, Polizeipräsenz, Zäune, Wachdienste; für die gestiegenen Materialkosten, für Lagerung bereits bestellter TBMs? Was hat die Volksabstimmung gekostet? Was die Schlichtung?

    Und wer zahlt für die durch die Schlichtung verursachten Sonderwünsche, wie den neuen Filderbahnhof, zweigleisige Anbindungen, Umpflanzung Hunderter Bäume?

    Naja, solange man das Geld für Gegner's Träumereien verbrennt, ist es ja keine Verschwendung. Auch wenn's dann am Ende natürlich wieder die Schuld der DieBahn war, daß es teurer wurde.
  • (1158 Beiträge) | 06.02.2013 17:39
    Bewerten: (0)
    Zitat von Sput
    die durch die Schlichtung verursachten Sonderwünsche, wie den neuen Filderbahnhof, zweigleisige Anbindungen
    könnte man auch als Beseitigung des Unterschieds zwischen definiertem Bausoll und publiziertem Funktionalsoll bezeichnen, im Klartext: Die Planung kann die Versprechungen, die man (der Öffentlichkeit) einmal versprochen hat (Stichwort: doppelte Leistungsfähigkeit) nicht einhalten, weshalb irgendwer der Ansicht ist, es müsste nachgebessert werden.

    Das war übrigens auch bei BER einer der Kostentreiber (Stichwort: "wir können das billiger" [und bessern teuer nach])
  • (5669 Beiträge) | 06.02.2013 14:45
    Bewerten: (0)
    aha
    dass der Brandschutz richtig sein muss und der Bahnhof barrierefrei, das sind alles Dinge, für die die Gegner verantwortlich sind? 'Dass der geplante Tiefbahnhof nicht leistungsfähig genug, auch? Und so wieter, und so fort. Nein,die Bahn alleine ist für das Chaos und die Verzögerungen verantwortlich - so unter anderem auch für die falsche Menge an Wasser im Grundwassermanagement,wo ja eine neue Genehmigung her musste.
  • (651 Beiträge) | 06.02.2013 15:30
    Bewerten: (0)
    Nicht allein
    die Welt ist nicht so einfach, dass die Bahn (die kapitalisten, die Grünen, die Rentner oder sonst wer) alleine Schuld ist.

    Nur ist es nun mal so, dass in Deutschland aus guten Gründen die Anforderungen an Brandschutz, Barriefreiheit und viele weitere Dinge (z.B. Wärmedämmung) immer weiter steigen. Dies führt dann zu höheren (Einmal-)Kosten als bei einer Nichtberücksichtigung, ein ganz normaler Vorgang. Da Großprojeket i.A. von der ersten Planung bis zum Beginn und dann noch mal bis zur Fertigstellung durchaus mal 20 Jahre dauern können, kann sich an diesen Anforderungen eben auch viel ändern. Dadurch ist es ganz natürlich, dass anfangs veranschlagte Preise und die Endkosten sich alleine dadurch gewaltig Unterscheiden können.
    Dann kommt noch ein Faktor namens Inflation dazu. Bei 20 Jahren sind da 50% nicht unrealistisch!

    Das ändert aber nichts daran, dass natürlich auch sehr viele Fehler bei Annahmen, Planung etc. auf Seiten der Bahn gemacht wurden.

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