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Karlsruhe Europaplatz-Baustelle: Untergrund zu weich, jetzt sollen es Drahtseile richten!

Der Karlsruher Untergrund sorgt erneut für Probleme bei der Kombilösung: In der unterirdischen Haltestelle Europaplatz mussten die Bagger in der vergangenen Woche ihre Arbeit vorerst einstellen. Das Problem: Der Haltestellen-Boden, die sogenannte Sohle, ist nicht belastungsfähig genug - nun sollen 20 Meter lange Drahtseile den kniffligen Fall lösen.

Dass es hier am Europaplatz möglicherweise Dichtigkeitsprobleme geben könnte, war schon seit Baubeginn bekannt. "Die Sohle ist aber nicht brüchig", betont Sprecher der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), Achim Winkel, im Gespräch mit ka-news. Durch die Auffüllung mit Zement konnte das Problem allerdings nicht behoben werden, da dieser nicht für die ausreichende Festigkeit sorgte.

Mehrere Anker sollen es jetzt richten

Das Ziel der Bauherrin ist es, die Sohle am Europaplatz zu entlasten. Und sie hat auch schon einen Plan, wie sie dies erreichen will. Wie die Kasig auf Nachfrage von ka-news erklärt, will sie auf sogenannte Anker zurückgreifen. Das Ankerverfahren ist eine Sicherungsmethode, die in Baugruben immer wieder zum Tragen kommt.

Bei den Ankern handelt es sich um etwa 20 Meter lange Drahtseile. Die Kasig plant nun, diese in einer Tiefe von 15 bis 16 Metern schräg in den Untergrund zu bohren. Im Anschluss wird in die Bohrlöcher Beton gegossen. Dieser fungiert an dieser Stelle dann als Stützflüssigkeit, die das Bohrloch nach dem Aushärten abdichtet und Anker und Untergrund miteinander verbindet. Man spreche hier vom sogenannten Verpressen, erklärt Winkel weiter.

Anker und Beton bleiben im Anschluss im Untergrund zurück. Indem die Kasig mehrere dieser Bohrpfähle in den Untergrund am Europaplatz setzt, wird an dieser Stelle die Bohrpfahlwand entlastet - und damit auch die Sohle, die den Bauherren Probleme bereitet.

Bei der Kasig hat man nach eigener Aussage schon Erfahrung im Umgang mit dem Ankerverfahren. "Diese Methode haben wir bereits an anderen Baustellen schon oft durchgeführt", so Winkel. Es handele sich um ein Routinevorgehen. Nachdem der Rohbau fertiggestellt sei, würden die Anker im Erdreich verbleiben, aber keine Funktionen mehr erfüllen. Das Ankern sei somit nur eine temporäre Maßnahme, erklärt Winkel.

Postgalerie muss erst Einverständnis geben

Noch können die Bauarbeiter in der unterirdischen Haltestelle aber nicht mit dem Sicherungsverfahren beginnen. Da schräg im Erdreich gebohrt werden muss, benötigt die Kasig eine Gestattung vom Grundstückseigentümer - der Postgalerie. Aktuell befinde man sich im Gespräch mit den Verantwortlichen, schildert Winkel. Während dieser Zeit würden die Arbeiten am Europaplatz dennoch nicht stillstehen. "Die Arbeiten gehen mit Spritzbetonarbeiten weiter", so Winkel.

Ob und wann die Kasig von der Postgalerie die Gestattung erhält, bleibt abzuwarten. Sobald die Gestattung vorliegt, werden die Ankerarbeiten rund acht bis zehn Wochen in Anspruch nehmen. Auswirkungen auf die anderen Baustellen habe dies aber nicht, versichert Winkel. "Die Bauarbeiten zum Stadtbahntunnel werden dadurch nicht verzögert."

Hintergrund bei ka-news:

Der Karlsruher Stadtbahntunnel könnte später fertig werden als geplant. Offiziell hält die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) zwar am Fertigstellungstermin 2019 fest. Hinter den Kulissen geht man inzwischen aber von einer Inbetriebnahme ab 2020/2021 aus.

Der jüngste Baggerstopp an der unterirdischen Haltestelle Europaplatz ist dafür laut Kasig nicht der Grund. Zwar könnten sich dadurch dort die Bauarbeiten um "ein paar Wochen verzögern". Auf den gesamten Tunnelbau habe dies jedoch keinen entscheidenden Einfluss, so die Kasig.

Die Bauherrin räumte allerdings auch ein, dass man durch Verzögerungen seit Beginn des Baus im Jahr 2010 insgesamt dem Zeitplan hinterherhinke. Etwas langsamer voran als geplant ging es unter anderem wegen unerwarteter Fundamente im Bauuntergrund, der Pleite einer großen Baufirma und Bauarbeiten, die teils länger dauerten als vorgesehen.

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  •   citycitizen
    (31 Beiträge)

    oh noch was vergessen
    selbstverständlich suchen wir für das Stadion einen Generalübernehmer (Konsortium ARGE oder so) der uns das alles für einen Pauschalpreis bauen wird - es soll ja solche unternehmer geben die sowas machen - grinsen))
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  •   citycitizen
    (31 Beiträge)

    usw - -
    ansonsten scheint aber im städle alles in Ordnung zu sein - man baut nun ein neues Stadion - gell - selbstverständlich im laufenden Spielbetrieb und mit einem fest fixiert Baubeginn und Fertigstellungstermin und selbstverständlich hat der Gemeinderat auch einen Kostendeckel festgelegt(mit der Option wenns teurer wird am Bau etwas wegzulassen) - Hihi - echt cool -
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  •   citycitizen
    (31 Beiträge)

    korrektur
    selbstverständlich meinte ich 1,4 Milliarden Euro - man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen - was man damit alleine beim städtischen Eigenanteil hätte machen können. Völlig unberücksichtigt sind dabei offensichtlich die mit dem Bauwerk verbundenen Folgekosten wie zusätzliches Personal und Wartungs- und laufende Instandsetzung die das Betreibsergebniss dauerhaft im Haushalt belasten.
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  •   citycitizen
    (31 Beiträge)

    zu Tunnel an sich
    Grundsätzlich blieb Ludwig und der Stadt gar nichts anderes übrig als den Tunnel zu bauen. Innerstädtische Verbesserungsmassnahmen am Strabaverkehr wurden und werden grundsätzlich noch nie bezuschusst!! Oder warum glaubt ihr, dass in der Kaiserstrasse noch immer Pflasterbeäge aus den 70-er mit Gummiasphalt verfugt rumliegen? weil kein Geld dafür da ist. Alle innovativen Ideen wie der Ringverkehr und zusätzliche Entlastungstrassen sind nicht zuschussfähig und daher auch nicht finanzierbar. Bedauerlicherweise wurde dieser wesentliche Fakt immer totgeschwiegen und die Ideenträger für alternative Lösungen als Idioten und Querulanten dargestellt.
    Im Übrigen werden sich nach meiner Erfahrung die Baukosten nicht nur verdoppeln sonder verdreifachen - Endbetrag mal grob geschätzt ca. 1,4 Mio Euro - beim der Haupttribühne Wildparkstadion war das auch so - 25 Mio Mark wieder besseren Wissens im Gemeinderat durchgedrückt und mit 59 Mio !!! Mark final abgerechnet -
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  •   citycitizen
    (31 Beiträge)

    Vorarbeiten und Gesamtkosten
    Die Vorarbeiten für die U-Strab waren ziemlich dünn. Ich erinnere mich, dass auf der Kaiserstrasse Probebohrungen vorgenommen wurden, leider aber nur alle 100m , dass ist eindeutig zuwenig und unprofessionell. Man wollte zu diesem Zeitpunkt den erforderlichen notwendigen Umfang der Probebohrungen und Erkundungsarbeiten offensichtlich aus Geldmangel nicht beauftragen. Naja die Strassenbahner halt wieder, man hätte sie gar nicht erst einen Tunnel bauen lassen sollen, ihre Stärken liegen im Betrieb und nicht im Bauen !!! Zur kostenentwicklung bleibt festzuhalten, dass das projekt sich erst in der Rohbauphase befindet, mal sehen was uns in der Ausbauphase noch blüht, oder glaubt irgenjemand das die marmorplatten in den Haltestellen im Baumarkt beschafft werden als sondrangebot?
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  •   silberahorn
    (9293 Beiträge)

    Seile
    waren schon immer gut, wenn es bergab geht,
    und für Seilschaften jeder Art.

    Voller Hoffnung werden allerdings von verschiedenster Seite die nächsten Wahlen herbeigesehnt.

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  •   Malerdoerfler
    (3621 Beiträge)

    Die nächsten Wahlen?
    Es wird sich doch durch Wahlen nix ändern........Siehe Landtagswahl Ba-wü 2016.
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  •   HarryPotter
    (441 Beiträge)

    Europaplatz-Baustelle
    Wenn das so weitergeht,wird Karlsruhe bald den Berliner Flughafen in Sachen Fertigstellung den Rang ablaufen. grinsen
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  •   dipfele
    (4079 Beiträge)

    wiederr....
    ... Zusatzkosten !!!
    Warum wird die Baugrube nicht einfach geflutet? dafür wurden ja die blauen Rohre mitten durch die Kaiserstrasse verlegt !!!
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  •   silberahorn
    (9293 Beiträge)

    Beton
    nehm ich immer. Ehrlich, das pappt gut. grinsen
    Geschichtet
    äpps -
    alos so, so wie die Aluradlenker beim Bahnradrennen. Schicht für Schicht ...
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