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Karlsruhe Bangen um Kriegsstraßen-Tunnel: Gibt es eine Alternative zur Kombilösung?

Vergangene Woche kam für die Karlsruher Bauherren die Schock-Nachricht: Der Bundesrechnungshof erklärte, dass er den geplanten Autotunnel unter der Kriegsstraße nicht nur infrage stellt, sondern ihn für nicht nötig hält. In Karlsruhe sorgt dies bei den Verantwortlichen für Sorgen. Aber gibt es überhaupt eine Alternative zum zweiten Teil der Kombilösung?

Für die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) kam die Meldung des Bundesrechnungshofs überraschend: Dieser hält den Umbau der Kriegsstraße im Zuge der Kombilösung für nicht notwendig. Damit steht der zweite Teil des Bauprojektes Kombilösung auf der Kippe.

Das war eigentlich bis 2020 für Karlsruhe geplant

Kriegsstraße

Eigentlich steht der Plan für die Karlsruher Bauherren schon lange fest: Der Kriegsstraßentunnel ist neben dem Stadtbahntunnel unter der Kaiserstraße Teil der Kombilösung. Unter der Kriegsstraße soll ein 1,6 Kilometer langer Autotunnel entstehen. An der Oberfläche wiederum wird eine begrünte Straßenbahntrasse geschaffen. Dadurch kommt der Durchgangsverkehr zügig voran, während die Kriegsstraße oben entlastet wird, so der Plan der Kasig.

Insgesamt belaufen sich die Kosten für den Stadtbahntunnel und die Kriegsstraße auf 905 Millionen Euro bis 2020. Die Kosten für den Kriegsstraßentunnel beziffern die Bauherren mit zirka 225 Millionen Euro. Im Oktober letztes Jahr wollte die Kasig eigentlich mit den Arbeiten beginnen - doch das "Nein" des Rechnungshofs legt das Projekt nun aber vorerst auf Eis.

Antwort des Bundesrechnungshofs: Zurück zu den Anfängen

Mit seiner Haltung wirft der Rechnungshof die Grundsatzfrage auf, ob es denn überhaupt einen Kriegsstraßentunnel braucht, um die Verkehrssituation in der Karlsruher Innenstadt zu entspannen. Dabei bringt der Bundesrechnungshof "kostengünstigere Lösungen" ins Gespräch, wie die Kasig vergangene Woche mitteilte. Um welche es sich konkret handelt, möchte die Kasig nicht verraten.

Der einzige Hinweis: In ihrer Pressemitteilung spricht die Bauherrin von "Lösungen, die in den Jahren 2008 bis 2013 entsprechend diskutiert" und in der Debatte schlussendlich verworfen wurden. Im Zuge des Verkehrskonzepts für "City 2015" standen damals neben dem Kriegsstraßentunnel auch andere Varianten zur Debatte. Das Hauptziel: Die Kaiserstraße sollte entlastet werden.

Eine grundsätzlich denkbare Alternative: Die Gleise auf der Kaiserstraße bleiben, manche Bahnen fahren ober- und andere unterirdisch. Diese Lösung wurde allerdings aus verkehrstechnischen Gründen verworfen. Eine weitere Schwierigkeit: Diese Lösung fand bei der Diskussion wenig Anklang in der Bevölkerung. Nach einem Gemeinderatsbeschluss vom 14. Mai 1996 wurden von der erst danach ins Leben gerufenen Initiative "Stoppt den Stadtbahntunnel" innerhalb von nur vier Wochen etwa 30.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen diesen Beschluss gesammelt.

Eine weitere Variante, die wieder ins Gespräch kommen könnte: Manche Bahnen sollen nicht direkt über die Kaiserstraße, sondern über die Baumeister-, Hermann-Billing- sowie die Mathystraße fahren. Auch diese Variante wäre preisgünstiger, da der bauliche Aufwand vergleichsweise gering ist. Das Problem: So mancher Ausstieg wäre nicht nicht nah genug an der Innenstadt. Das Verkehrskonzept von "City 2015" sieht allerdings vor, dass "alle, die in die Innenstadt möchten, möglichst nahe, schnell und und bequem zum Ziel gelangen können", heißt es im Protokoll von 2002. Daher wurde auch diese Variante wieder verworfen.

Wie wahrscheinlich ist ein "Südabzweig light"?

 

Tunnelabschnitt Ettlinger Straße

Eine Idee, wie man in Sachen Kombilösung Geld sparen könnte, brachten mehrere Karlsruher Stadträte im vergangenen Jahr ins Gespräch. Ihre Idee: Anstatt die Gleise am Marktplatz komplett zu entfernen, soll auf einer Strecke von rund 450 Metern der Südabzweig provisorisch von der Haltestelle Augartenstraße bis zur Kreuzung Ettlinger Straße/Baumeisterstraße/Hermann-Billing-Straße eingerichtet werden - ein "Südabzweig light", wie die Stadträte ihre Idee nannten.

Die Stadtverwaltung war von den Vorschlägen der Stadträte weniger überzeugt. Die im Februar angeführten Gründe haben aus Sicht der Stadtverwaltung nach wie vor Gültigkeit. Durch den Vorschlag der Karlsruher Stadträte ergeben sich keine Veränderungen und damit auch keine Einsparungen, so die Begründung vonseiten der Stadtverwaltung.

Ist der Kriegsstraßentunnel damit jetzt endgültig passé?

Ob der Bund tatsächlich den zweiten Teil der Karlsruher Kombilösung nicht fördern wird, ist bislang noch nicht geklärt. Nach dem Statement des Bundesrechnungshofs kündigte die Kasig an, zeitnah eine Stellungnahme abgeben zu wollen. Diese kann dann durch das Landes- und das Bundesverkehrsministerium erweitert und kommentiert werden.

Sollte es zu keiner Einigung zwischen Verkehrsministerium und Bundesrechnungshof kommen, wäre es möglich, dass der Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestags eine endgültige Entscheidung über das Karlsruher Verkehrsprojekt treffen muss. Bis dahin heißt es für die Karlsruher: Warten auf grünes Licht aus Berlin.

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  •   Sophie-Ka
    (1 Beiträge)

    Strabatunnel Kriegsstraße
    Wenn schon Tunnel, dann einfach noch nen zweiten in der Kriegstraße vom Karlstor vor zum Ettlinger Tor, oder noch weiter zum Mendelsohnplatz.
    Dann fällt die oberirdische Straba vom Mühlburger Tor über Europaplatz zum Karlsrtor weg und es gibt noch mehr Platz. Die Situation im Kreuzungsbereich Mühlburger Tor wird entspannt (Katastrophe für Autoverkehr und Straßenbahnen). Dazu noch eine Verschmälerung des Straßenverkehrs entlang der Kriegsstraße.
    Die jetzige Kreuz- und Quer-Lösung ist doch absurd!
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  •   sodele
    (153 Beiträge)

    So wie es aussieht
    funktioniert die U - Strab nur mit Entlastungsstrecke.

    Das bedeutet, dass entweder in der Kriegstraße Schienen gelegt werden oder dass die Schienen in der Kaiserstraße bleiben.

    Aus meiner Sicht sprechen nicht nur finazielle Gründe dafür die Schienen in der Kaiserstraße zu belassen und das Gesamtprojekt Kriegstraße zu verabschieden ( Stichwort Abluftkamin).
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  •   Freigeist1
    (434 Beiträge)

    Und das alles für die schöne, kleine Idee vom ungestörten "Flanieren" - ein
    Wahnsinn, aber mit Methode, würde ich schätzen. Wer denen auf den Leim gegangen ist -also Wähler von CDU SPD FDP-, kann sich nur in den Popo beißen... Ich war bei so einer "Geschichtenerzählstunde" von Hr. Fenrich dabei - wenn ich mich recht erinnere waren seine Ausführungen wirklich krass, wenn man sie nun mit der Realität vergleicht. Kritische Fragen wurden "abgebügelt". Gibt es davon eigentlich Aufzeichnungen, z.B. im Stadtarchiv oder auch privat?
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  •   patrickkk
    (1087 Beiträge)

    Vorschlag
    Wie wäre es wir laden die Prüfer nach Karlsruhe ein, binden sie für 3 Nächste an eine Laterne in der Mitte der Kriegstraße, und lassen sie den Kostennutzen danach nochmal neu berechnen.

    Wer den Nutzen dieses Tunnels nicht sieht... dem ist nicht mehr zu helfen. Wenn die momentane Methode des "Berechnens" (raten...) da zum falschen Ergebnis kommt, liegt es an der Methode, oder an den Prüfern, nicht am Projekt.
    Gibt es eigentlich einen politischen Hintergrund, warum das jetzt auf den Tisch gezehrt wird?
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  •   dipfele
    (4079 Beiträge)

    voll daneben...
    .. dese Argumentation, weil rein emotional. Dieser Tunnel verbessert die Verkehrsverhältnisse nicht. Es fahren dadurch nicht weniger Kfz durch die Kriegstrasse. Es sieht nur optisch besser aus, wenn die Kfz versenkt sind. Also einen Volkswirtschaftlichen Nutzen hat der Auto- tunnel nicht. Zuschüsse gibt es aber nur für Verbesserungen im Verkehr mit volkswirtschaftlichem Nutzen. Ausserdem hat das der Fenrich 2002 auch schon gewusst, dass es nichts geben wird, über "Karla" liess er verbreiten, man sei BEMÜHT Zuschüsse aus dem Bundes- Strassenbau oder Strassenbahntopf zu erhalten. Was mit den Landeszuschuss gemacht wird, war dem Land egal, es hatte ja einen gedeckelten Zuschuss von insgesamt 100,8 Mio bewilligt, für die Kombi.
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  •   Petrolhead
    (955 Beiträge)

    sehe ich nicht ganz so
    es geht ja nicht nur um den PKW Verkehr, sondern auch oder sogar insbesondere um eine parallele Entlastungsstrecke für die Strabas. Denn um den Kapazitätsverlust durch den dappigen Tunnel auszugleichen, bedarf es einer zusätzlichen City nahen Trasse. Und diese "mit der Kirche ums Dorf", also über die Baumeisterstraße, und Konzerthaus zu führen wäre ja komplett daneben.

    Selbst für sich betrachtet (also ohne Tunnel) wäre diese Streckenführung eine Bereicherung für die Innenstadt und dazu bezahlbar gewesen. Weshalb man deren Umsetzung als ersten Schritt in die "Kombilösung" auch von vielen Seiten als den besseren gesehen hat.

    Ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir mit diesem ganzen Projekt bis zum "geht nicht mehr" verarscht wurden
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  •   Greif
    (1409 Beiträge)

    Zitat von Petrolhead Selbst für sich betrachtet (also ohne Tunnel) wäre diese Streckenführung eine Bereicherung für die Innenstadt und dazu bezahlbar gewesen.


    Bezahlbar vielleicht - aber nach sämtlichen offiziellen Verlautbarungen wegen eines äußerst bescheidenen Kosten-Nutzen-Verhältnisses nicht förderfähig.
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  •   Petrolhead
    (955 Beiträge)

    Was nützt die schönste Förderfähigkeit
    wenn diese im Kontext der sonstigen Rahmenbedingungen (also Tunnel Kaiserstraße zuzüglich späterer Betriebskosten) im Ergebnis deutlich teurer kommt, als eine stand alone Lösung ? Sprich Umbau Kriegsstraße aus Eigenmitteln und gut ist.
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  •   silberahorn
    (9296 Beiträge)

    Die Denkweise
    war aber in vielen anderen Sachgebieten auch immer so, dass man sich Bundesgelder sichern muss. Es gab einmal - nicht von mir, aber ich war anwesend und hörte es - auch die Kritik, dass man Gebiete verkommen lässt, damit man später Bundesgelder aus dem Bundesprogramm "Soziale Stadt" beantragen kann.
    Wenn der Bundesrechnungshof sich jetzt einmal Karlsruhe vorgeknüpft hat, dann darf dieser das. Das ist sogar dessen Aufgabe!
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  •   silberahorn
    (9296 Beiträge)

    Schwitzen in anderen Welten
    ist die Überschrift heute eines Artikels in den BNN zur Excalibur-Sauna, die neu im Europabad eingerichtet wurde. Selbst das Foltermuseum brachte dafür Ideen.
    Dein ironisch gemeinter Vorschag passt dazu. Was man als zukünftiges "Bad Karlsruhe" im Saunabereich investierte ist allerdings kein Scherz.

    Zur Frage, ob es einen politischen Hintergrund gibt, warum das jetzt auf den Tisch gezerrt wurde, kann ich als bedauerlicher Einzelfall auch nur spekulative Gedanken haben.
    Als ich auf Hilfen der Stadt Karlsruhe angewiesen war, lebte ich auch sehr lange ohne Planungssicherheiten. Im Moment warte ich noch auf eine Antwort aus dem Rathaus. Bei meiner Frage ging es um Geld, das man an den Bund zu schicken hatte. Eigentlich eine leichte Übung, weil man nur Überweisungsdatum und Summe aus den Unterlagen holen muss. Man könnte mir auch sagen, wo ich das einsehen darf. Das dauert aber trotzdem nun auch schon Wochen, die ich abwarten darf.
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