Karlsruhe Arbeiten "unter Druck": OB Mentrup auf Baustellen-Besuch

Karlsruhe ist bei der Untertunnelung der Innenstadt einen weiteren, wichtigen Schritt vorangekommen: Der Stadtbahntunnel unter der Kaiserstraße wurde erfolgreich mit dem Südabzweig in der Ettlinger Straße verbunden. Kein einfaches Unterfangen: Im 250 Meter langen Tunnelstück wird nicht nur sprichwörtlich "unter Druck" gearbeitet.

Im Vergleich zum 2,1 Kilometer langen Stadtbahntunnel und dem 1,6 Kilometer langen Autotunnel unter der Kriegsstraße erscheint das Verbindungsstück, der Karl-Friedrich-Tunnel, zwischen Marktplatz und Ettlinger Tor mit seinen 250 Metern überschaubar kurz - doch die Bauarbeiten haben es in sich.

Der Stadtbahntunnel wurde maschinell mit einer Tunnelvortriebsmaschine gebaut, für den Autotunnel kommt die offene Bauweise zum Einsatz - am Südabzweig werden 250 Meter klassisch bergmännisch gebaut. Bis zu 20 Personen arbeiten pro Schicht im unterirdischen Stollen.

Bauarbeiten "total beeindruckend"

Damit kein Grundwasser eindringt, herrscht im Tunnelabschnitt Überdruck. Bis zu 1,05 Bar mehr als in der alltäglichen Atmosphäre liegen hier auf den Mineuren, das entspricht einer Tauchtiefe von zirka zehn Metern. Der Überdruck ist übrigens auch die Ursache für die "Blubber-Blasen", welche an Regentagen an der Oberfläche entlang des Tunnels zu beobachten sind.

Wie groß die Kraftanstrengung der Bauarbeiter unter Tage ist, davon überzeugten sich am Dienstag Oberbürgermeister Frank Mentrup und Tunnelpatin Sabine Volz persönlich. Nach Gesundheits-Checks und Sicherheitseinweisungen ging es unter anderem zusammen mit Kasig-Chef Uwe Konrath und Projektleiter Thomas Wechner in den Überdruckbereich.

Rund sechs Minuten sitzen die "Tunnelgäste" in der Personenschleuse am Ettlinger Tor - so lange dauerte die Anpassung an den zusätzlichen Druck im Tunnelbereich. Unter Tage wird die Baustelle begutachtet und 30 Minuten später erscheinen alle Teilnehmer an der zweiten Schleuse unter dem Marktplatz. Nach erneuten sechs Minuten in der Schleuse, sind sie wohlbehalten in der "normalen Atmosphäre" zurück. "Total beeindruckend" beschreibt Volz ihren Ausflug in die Bergmannswelt - wie Gerlinde Hämmerle für den Stadtbahntunnel, ist die Karlsruher Kanutin für den Bau des Karl-Friedrich-Tunnels die irdische Vertreterin der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute.

Ein Stollen unter Karlsruhe

Auch für Oberbürgermeister Mentrup, welcher im Vorfeld "ganz gespannt" war, "wie es da unten vor sich geht", kommt nach dem Ausflug "sehr beeindruckt" zurück und bewundert besonders die Organisation der Bauarbeiten unter schwersten Bedingungen. "Wir sind als Bauherr unglaublich froh, dass dieser Schritt erreicht wurde", so Mentrup zum erfolgreichen Tunneldurchstich. Es war kein ganz einfacher Weg: Trotz Baustopp und Zoff mit der Baufirma im Mai 2016, erreichte der Tunnel-Vortrieb planmäßig im Februar 2017 den Marktplatz.

Der Tunneldurchstich verbindet den Stadtbahntunnel unter der Kaiserstraße mit dem Südabzweig. Getrennt werden die Tunnelstücke nun nur noch durch die Wände der Personenschleusen, welche für die Arbeiten im Überdruck notwendig sind.

Bis Jahresende soll sich der Stollen endgültig in einen Tunnelrohbau verwandelt haben: Am 15. Mai beginnen die Arbeiten zur Betonierung der Tunneldecke und -wände. Sind diese beendet, ist auch dieses Tunnelstück "wasserdicht" - der Überdruck nicht mehr vonnöten. Mit dem Abbau der Personenschleusen werden beide Tunnelstücke, zwei Jahre nach Baubeginn des Karl-Friedrich-Tunnels, endgültig verbunden sein.

 

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