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25.05.2012 15:58
 
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ka-Klickstarter: Karlsruhe "voll" dabei? Jugendschutz schießt am Ziel vorbei [9]

Karlsruhe (von Maike Vocke) - Gruppen von Jugendlichen, die Alkohol mit sich führen. Polizeiautos patrouillieren auf den Straßenbahnschienen. Mädchen, die das Gehen auf High Heels erst noch üben müssen. Türsteher, die penibel genau Ausweise prüfen. So sieht ein typischer Samstagabend in der Karlsruher Innenstadt aus. Die eine Seite verschärft ihre Kontrollen, die andere konsumiert - scheinbar aus Protest dagegen - mehr und vor allem regelmäßiger Alkohol. Doch war das schon immer so?
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Alkohol
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(Symbolbild)
Foto: dpa
Maike Vocke

Die Jugendlichen selbst sind geteilter Meinung. Da wäre zum Beispiel Jens, 24, der sagt: "Früher war es leichter unter 18 in Clubs zu kommen. Heute benutzt man falsche Ausweise, das bemerkt kaum einer. Außerdem trifft man in Discos nie auf richtig krass junge Leute." Die 19-jährige Sabrina ist da anderer Meinung. Sie findet, dass die Kontrollen in Karlsruhe verschärft und auch die Jugendschutzbestimmungen besser durchgesetzt werden könnten, denn "bei öffentlichen Veranstaltungen bekommen selbst Minderjährige was zum Trinken." Leo (19) und Jonathan (17) sind der Meinung, dass die Jugendschutzbestimmungen früher im Gegensatz zu heute besser umgesetzt wurden. "Es gibt starke Kontrollen in Clubs und Discos, das finden wir gut", meint Leo. Auf öffentlichen Plätzen sehe das schon ganz anders aus, in Bars fehlten sie ganz. Jonathan fügt hinzu: "Die Bedienungen sind teilweise sogar gleich alt wie wir."

Kommunaler Ordnungsdienst trägt keine Waffen - erlaubt wäre das aber

Genau an dieser Stelle setzt die Arbeit des Ordnungsamts Karlsruhe an. Es ist "für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zuständig", erklärt Björn Weiße, der Leiter des Ordnungsamts. Die Abteilung für Jugendschutz hat unter anderem den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) in Karlsruhe eingeführt. Dieser springt immer dann ein, wenn die Polizei wegen Mangels an Beamten andere Prioritäten setzen muss - und sich nicht um Ordnungswidrigkeiten von vermeintlich geringerer Bedeutung kümmern kann. Mitarbeiter des KOD haben zwar eine Ausbildung hinter sich, jedoch nicht die gleiche wie Polizeibeamte. Dennoch haben sie dieselben Befugnisse: Sie dürfen zum Beispiel Leute verhaften. Auch Waffen tragen wäre erlaubt - in Karlsruhe wird das aber nicht umgesetzt.

Über die Effektivität dieser Maßnahmen lässt sich streiten. "Sicher ist jedoch, dass nur durch Kontrolldruck etwas erreicht werden kann", erklärt Björn Weiße. Wer aufgrund seines Fehlverhaltens nie Konsequenzen erfahre, werde nichts daran ändern. Das gilt für Jugendliche sowie für die Betreiber von Geschäften, in denen Alkohol und Tabakwaren verkauft werden. Aus diesem Grund ergreift das Ordnungsamt auch präventive Mittel - beispielsweise durch Testkäufe. Diese werden von Minderjährigen unangekündigt in Supermärkten, Tankstellen und Kiosks durchgeführt. Werden Spirituosen widerrechtlich verkauft, drohen dem Verkäufer rund 200 Euro und dem Leiter des Geschäfts bis zu 2.500 Euro Bußgeld. Erst kürzlich wurde so ein Test in Karlsruhe durchgeführt: In drei von sieben Läden wurden Spirituosen und Tabakwaren an Jugendliche abgegeben.

Testkäufe und Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen

"Als weitere Maßnahme ist ein Gesetz im Gespräch, nach dem an bestimmten öffentlichen Plätzen nicht getrunken werden darf", verrät Ordnungsamt-Leiter Weiße. "Aktuell ist zum Beispiel das Alkoholtrinken in Zügen verboten, das Mitführen von Spirituosen jedoch erlaubt." Das "Vorglühen" im Zug auf dem Weg zur Disco ist für Jugendliche ein normaler Start in den Abend geworden. Eine Angewohnheit, die wegen des Trinkverbots zwar abnahm, aber nicht beseitigt werden konnte. Um es vollständig zu unterbinden, soll auch das Mitführen von Alkohol in der Bahn verboten werden.

Es sind nur einige der Methoden, die das Ordnungsamt den jungen Trinkfreudigen entgegensetzt: Testkäufe, das Gespräch mit Jugendlichen, wenn sie ihre Grenzen überschreiten, Kontrollen, das Beschlagnahmen von Alkohol und Zigaretten, Informieren der Eltern über das Verhalten ihrer Kinder und die Einlieferung in eine Ausnüchterungszelle. Trotzdem schaffen es Jugendliche immer heftiger über die Stränge zu schlagen. 2009 gab es in Karlsruhe 109 Fälle in denen Minderjährige wegen Alkoholmissbrauchs ins Krankenhaus kamen. Diese Zahl klingt für sich alleine schon erschreckend hoch.

Alkohol und Prävention - ein Teufelskreis?

Dazu kommt, dass die Einlieferungen nicht nach besonderen Veranstaltungen oder Festen stattfanden, sondern an normalen Wochenenden und sogar an Werktagen. Eine andere schockierende Tatsache ist, dass Jugendliche offensichtlich immer mehr Alkohol vertragen. Björn Weiße erzählt von einem 16-Jährigen mit 2,67 Promille, der noch relativ fest auf den Beinen stehen konnte. "Unsereiner würde bei 1,5 Promille schon nicht mehr wissen, wo oben und unten ist." So jemand müsse regelmäßig trinken um das auszuhalten.

Es ist ein Teufelskreis: Die Jugend trinkt Alkohol, die Stadt ergreift Maßnahmen dagegen, damit die Jugendschutzbestimmungen eingehalten werden. Als Folge darauf finden die Jugendlichen immer mehr, immer neue, immer gefährlichere Wege, um diese - mit fragwürdigem Erfolg - zu umgehen und werden dabei nicht selten straffällig. So gesehen sind die Auswirkungen der Jugendschutzgesetze die gleichen wie bei vielen anderen Gesetzen auch: Sie werden versucht zu umgehen. Etwa beim Fälschen von Ausweisen und Unterschriften oder beim Benutzen des Ausweises einer anderen Person. Doch ist das nicht widersprüchlich? Sollten Jugendschutzgesetze ihrem Namen nicht alle Ehre machen und die Jugend schützen? Dazu anregen, keine Straftaten zu begehen?

Wo ein Wille ist, ist ein Weg - zum Gesetzesbruch

Björn Weiße sagt dazu: "Gesetze dienen als Barriere. Mir ist klar, dass immer versucht wird solche Regeln zu umgehen. Wo ein Wille ist, ist schließlich auch ein Weg." Trotz alledem würden viele davon abgehalten und abgeschreckt. "Was ist denn auch die Alternative? Sollte erlaubt werden, dass selbst 14-jährige in Discos dürfen, damit gewährleistet ist, dass sie die Unterschrift auf dem U-18-Formular nicht fälschen? Das ist wohl kaum der richtige Weg."

Maike Vocke, 18, ist ka-Klickstarterin. ka-klickstarter ist eine gemeinsame Aktion von ka-news und dem jubez, einer Einrichtung des Stadtjugendausschusses e.V. Karlsruhe, bei dem Jugendliche sich unter fachkundiger Anleitung als Journalisten versuchen können und selbst Artikel schreiben dürfen

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Kommentare [9]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • unbekannt
    (11392 Beiträge) | 25.05.2012 17:10
    Bewerten: (0)
    Rechtlich
    >> Um es vollständig zu unterbinden, soll auch das Mitführen von Alkohol in der Bahn verboten werden.

    Wie soll das gehen? Wenn jemand kein Auto hat und sich eine Flasche Schnaps kaufen will, um die abends vor'm Fernseher zu trinken, soll das verboten werden?

    Totaler Unfug...

    >> 2009 gab es in Karlsruhe 109 Fälle in denen Minderjährige wegen Alkoholmissbrauchs ins Krankenhaus kamen. Diese Zahl klingt für sich alleine schon erschreckend hoch.

    Bei 300.000 Einwohnern und einem Einzugskreis von 500.000 Menschen (wenn Ettlinger oder Wörther Jugendliche in Karlsruhe feiern gehen) ist das schon nicht mehr so eine wahnsinnige Zahl.

    Wenn man davon ausgeht, daß pro Jahrgang etwa 3500 Menschen in KA leben und man mal fünf Jahrgänge nimmt (13-18 Jährige), dann sind das 17.500 Menschen in dem "Saufalter". Demnach schäfft es knapp jeder 200. Jugendliche, sich so zulaufen zu lassen. Nicht unbedingt der Untergang des Abendlandes... Gibt glaube ich schlimmere Probleme...
  • (1410 Beiträge) | 25.05.2012 18:55
    Bewerten: (0)
    seis drum ...
    Es mag sein, dass der Alkoholkonsum der unter Jugendlichen vermeintlich ansteigt auch ein gesellschaftliches Problem ist. Neulich gab es einen Artikel in Sachen Veröffentlichung der Läden die verbotenerweise diese Drogen (und Drogen sind es auch wenn sie gesellschaftlich akzeptiert sind) an Jugendliche abgeben. Fakt ist jedoch, dass es einige Läden gibt die einen finanziellen Gewinn aus der Umgehung eines gesetzlich vorgeschrieben Verbot erzielen. Ob die Einhaltung der Vorschriften das Problem an sich bekämpfen wäre auch wiederum eine mutige Aussage.
  • (1410 Beiträge) | 25.05.2012 18:55
    Bewerten: (0)
    seis drum II
    Mein Vorschlag wäre gerade im Bereich Nikotin und Alkohol anstatt mit Bußgeldern daher zu kommen (die wohl nicht im Verhältnis zum erzielten Gewinn bei Umgehung des Verbots stehen) ein Lizenzsystem einzuführen - wie auch schon in anderen Ländern praktiziert. Wenn ein Supermarkt sich beispielsweise nicht in der Lage sieht die bestehenden Regelungen einzuhalten wird ihm die Lizenz zum Verkauf von Alkohol und Tabakwaren entzogen – fertig aus.
  • unbekannt
    (8066 Beiträge) | 25.05.2012 20:17
    Bewerten: (0)
    Tja Maike Vocke...
    ...das war doch mal ein guter und ausführlicher Klickstart! Obleich mir persönlich etwas viel OA drin ist

    Björn Weiße sagt dazu: "Gesetze dienen als Barriere. Weg."
  • (1074 Beiträge) | 25.05.2012 21:06
    Bewerten: (0)
    Die Zeiten ändern sich!
    Früher waren alle Diskotheken offen, ohne Eintritt und Kontrolle. Nur gegen 22:00 Uhr kam die obligarische Durchsage, bei denen Minderjährige gebeten wurden, die Diskothek zu verlassen-Viele Erwachsene gingen deshalb erst um 22:00 in die Disko! In der Regel hatte man auch nicht soviel Geld um viel "Alkohol" zu konsumieren! Kontrollen wurden manchmal vom Jugendamt durchgeführt! Und wer zuviel Alkohol hatte, wurde ohnehin von den Mädchen abgewiesen!
    Der Umgang mit Alkohol gehört zur Persönlichkeitsbildung, da sollte man schon etwas tolerant sein!
  • unbekannt
    (4000 Beiträge) | 25.05.2012 21:18
    Bewerten: (0)
    Früher
    war überhaupt alles besser! zwinkern

    Heute is ja nix mehr los!
    Z.B. auf ka-news: Mäßige Artikel, kaum Kommentare, grad zum Einschlafen!
  • (1389 Beiträge) | 26.05.2012 00:00
    Bewerten: (0)
    vllt. solllte man die schließzeiten überdenken
    und nicht bis fünf uhr nachts offen lassen, sondern einfach mal um 2 schließen.
  • (26891 Beiträge) | 26.05.2012 03:11
    Bewerten: (0)
    Ich kauf mir
    einen Lambo und donner damit mit 270 Sachen die Kaiserallee runter und werd in der Rheinstrásse angehalten. Der Schwachkopf der mir Schwachkopf den Lambo verkauft hat zahlt 1000 Euro Strafe, der Inhaber des Schwachkopfautohauses kann zusperren.

    Nur so ein Denkansatz.

    Fällt mir spontan Korsika ein (weiss gar nicht warum). Die Leistungsstärke der dortigen Motorräder ist umgekehrt proportional zum Einkommen der Eingeborenen. Und in Korsika ist es verboten auf einem Motorrad mit einer Geschwindigkeit unterhalb 160 km/h zu fahren. Allerdings nur innerhalb geschlossener Ortschaften. Da setzt sich im Notfall der Stärkere durch und das ist nicht immer der Schnellste.

    Ich liebe es mich vor allem in Italien dem Fahrstil anzupassen. Die Franzosen sind inzwschen Weicheier, aber die Italiener - meine Fresse. ohne Rücksicht auf Verluste. May the best win!
  • (1908 Beiträge) | 26.05.2012 10:42
    Bewerten: (0)
    Ich bin verwirrt...
    Ich sehe immer noch vereinzelt Gruppen von abgefüllten Jugendlichen, die mit dem Bollerwagen durch den Schwarzwald ziehen. Sind die noch seit Vatertag unterwegs und haben den Heimweg nicht gefunden? Oder ist für "Generation Doof" inzwischen jeder Tag Vatertag?
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