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Karlsruhe Kombilösung: Am Durlacher Tor werden 30.000 Kubikmeter rausgeholt

Am Durlacher Tor wird derzeit, wie an vielen anderen Ecken Karlsruhes, in großem Stile gewerkelt. Denn bis 2020 soll die Kaiserstraße eine reine Fußgängerzone sein. Im Zuge der Bauarbeiten zur Kombilösung hat die Initiative "Ja zur Kombilösung" zusammen mit der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) am Mittwoch einen Baustellenrundgang für interessierte Karlsruher organisiert. ka-news war für Sie vor Ort.

Bei wechselhaftem Wetter zwischen Regenschauer und schönstem Sonnenschein verfolgten zahlreiche interessierte Karlsruher die Baustellenbesichtigung am Durlacher Tor. Unter fachkundiger Anleitung von Marko Schimmelpfennig, dem technischen Projektleiter vor Ort von der Arge Tunnelgesellschaft, und Carsten Eichberg vom Bauunternehmen Schüßler Plan, bekamen die Baustellen-Fans einen Einblick in die Bauarbeiten.

Spezialtaucher im Einsatz

Flächenmäßig ist das Baufeld am KIT und der Durlacher Allee das größte der zahlreichen Baustellen zur Kombilösung. Momentan wird hier der Bau der zwei Zugänge zum künftigen Stadtbahntunnel vorangetrieben. Der nördliche Zugang sei bereits Deckelbetoniert, die Sohlen fertiggestellt und das Auspumpen sei erfolgreich verlaufen, so Schimmelpfennig. Die Innenschale werde nun folgen, die dann auch den Wasserdruck aufnehmen soll. Bei den Arbeiten in den Baugruben, die mit Wasser gefüllt waren, kamen Spezialtaucher in die Fächerstadt, die mittels eines Rüssels Unterwasserbeton verarbeiteten.

Auf dem Hauptbaufeld befinden sich die Arbeiten noch in der HDI-Phase (HDI = Hochdruckinjektionsverfahren), den Abdichtungsarbeiten nach unten hin, sagte Schimmelpfennig weiter. Hier wird Zement mit einem Druck von 500 Bar in zwölf Meter tiefe gepumpt, um die Baugrube abzudichten. Wenn hier alle Arbeiten abgeschlossen seien, werde an dieser Stelle die Straße verlegt. Bis Ende des Jahres, so der Plan, soll es soweit sein. Bis zu drei Jahren bleibe dann die Baustellensituation obererdig und für den Verkehr unverändert.

30.000 Kubikmeter Erde

Sobald der Tunnelbohrbetrieb aufgenommen wird, bleiben noch zwei weitere Öffnungen. Diese sollen dem Materialabtransport des Aushubs dienen. Wie genau die 30.000 Kubikmeter, die alleine im Gebiet des Durlacher Tores anfallen, abtransportiert werden sollen, steht indes noch nicht fest. Geplant ist, dass sämtlicher Aushub oberiridisch und per Lkw weggefahren wird, so Eichberg. Bei zirka 30 Kubikmeter Fassungsvermögen pro Lkw führe das zu einer extremen Belastung des Verkehrs. "Verkehrstechnisch haben wir hier einiges vor der Brust", erklärte Eichberg.

Eine andere Möglichkeit stelle der Abtransport über Schienen direkt aus dem Tunnel in Richtung Durlach dar. Hier gebe es durch den Anschluss an das DB-Netz zahlreiche Möglichkeiten, die jedoch nicht ohne weitgehende Planung umgesetzt werden könnten, betonte Eichberg. Durch die Bohrarbeiten wird reinster Kies gewonnen, der in ganz Deutschland und eventuell auch in Holland weiterverkauft werden kann. Als Materialgewinnung für die Arge Stadtbahntunnel komme das Material jedoch nicht in Frage, bekräftige Schimmelpfennig.

Denkmalgeschützter Landgraben gesichert

Eine weitere Besonderheit an den Bauarbeiten am Durlacher Tor war die unmittelbaren Nähe des Landgrabens zum Baufeld. Das denkmalgeschützte Gebilde verläuft nur wenige Meter von der Baumaßnahme entfernt vorbei und musste entsprechend gesichert werden. Zur Freude des Tiefbauamtes, so Schimmelpfennig, habe alles ohne Probleme funktioniert. Im Bereich des Marktplatzes werden die Bauarbeiten ein zweites Mal direkt auf den Landgraben treffen.

Wie der Vorsitzende des Vereins "Ja zur Kombilösung" auf Nachfrage eines Karlsruhers angab, hätten die bereits bestehenden Verzögerungen der Gesamtmaßnahme nicht aufgeholt werden können. Anstatt 2019 werde das Gesamtprojekt wohl erst 2020 abgeschlossen sein - nach heutigem Stand.

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