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Karlsruhe/Pforzheim/Bretten Fanclub "Adler Bretten": Für den FC Bayern um die Welt

Egal ob Mailand oder Madrid - Hauptsache der FC Bayern spielt mit. Für die Mitglieder des Fanclub "Adler 86 Bretten" ist keine Reise zu weit, um bei ihrem FCB zu sein - das Banner des Fanclubs beweist es rund um den Globus. Alexander Groß, Mitgründer der Adler Bretten, und Ronny Walter sind schon rund um den Erdball gereist, um die Spieler dem Fußball hinterher eilen zu sehen. Im Gespräch mit ka-news berichten die Gegenentwürfe zum Modefan von perfektem Zeitmanagement, Flügen mit der Mannschaft und von einem Testspiel der Bayern in Kalkutta - vor atemberaubenden 140.000 Menschen.

"Liebe erlischt, aber der FC Bayern ist Überzeugung", sagt Alexander Groß mit fester Stimme. "100 Prozent Überzeugung zum Verein!". Groß will sehen, was in der Mannschaft vorgeht, er will sie analysieren. Er will wissen, warum das Starensemble aus der Hauptstadt Bayerns ein Spiel in 4.000 Kilometer Entfernung verliert. Er will das Team verstehen. Und dafür reist er um die ganze Welt - noch viel weiter als 4.000 Kilometer.

FC Bayern München steht an erster Stelle

Zusammen mit Ronny Walter ist Groß im Fanclub "Adler 86 Bretten" zu Hause. Gemeinsam mit anderen Fußballverrückten versuchen sie möglichst alle Spiele des FCB zu sehen - egal ob in Indonesien, Indien oder in China. "Alles was wir machen, steht auf einem festen Fundament", sind sich beide einig. Schulden, Kredite oder Fehltage bei der Arbeit kommen für den Brettener Groß und den Pforzheimer Walter nicht in Frage. "Wir machen uns nicht angreifbar, wir geben überall 100 Prozent, und dann haben wir auch freie Hand für den FCB," bekräftigt Groß. 30 Tage Urlaub müssen reichen - Familienurlaub, Trainingslager der Bayern und auch WM oder EM. Das alles gilt es für die beiden Fans neben der Arbeit unter einen Hut zu bringen.

"Wir sind ganz normal in das soziale Leben integriert", bekräftigt Groß auf die Nachfrage, wie es möglich ist solche Reisen für den FC Bayern mit der Arbeit und der Familie unter einen Hut zu bekommen. Perfekte Organisation, perfektes Management und 100 Prozent Einsatz bei der Arbeit sind die Säulen, die den beiden leitenden Angestellten die Reisen zum großen FC Bayern ermöglichen. "Wir führen ein ganz normales Leben, aber eine ganz wichtige Position nimmt eben der FC Bayern ein", lächelt Groß. "Aber wenn es mal nicht geht, dann geht es eben nicht."

Gesucht, gefunden: Gleichgesinnte mit hundertprozentiger Leidenschaft für den Verein

Der Club aus Bayern begeistert die beiden schon seit Kindertagen. "Spieler wie Karl-Heinz Rummenige haben mich fasziniert, wie sie das Spiel nach vorne getrieben haben. Der FC Bayern ist einfach Faszination pur seither", erinnert sich Groß. Mit einem FCB-Aufnäher auf der Jacke war es zu Schulzeiten im Hoheitsgebiet des Karlsruher SC schwierig für den heute 43-Jährigen. Mit einem Gleichgesinnten aus der Schule entwickelte er die Idee, einen Fanclub zu gründen. "Es war damals nicht leicht die Spiele der Bayern live zu sehen. Die Entfernungen zu bewältigen war schwer, an regelmäßiges Fliegen war Mitte der 80er Jahre ja noch nicht zu denken", sagt er.

Also hieß es Gleichgesinnte in der Region zu finden - "Gleichgesinnte mit hundertprozentiger Leidenschaft für den Verein" - und Mitfahrgelegenheiten zu den Spielen zu organisieren. Und so hat sich der Fanclub Adler Bretten seither seinen Namen gemacht. Das schwarz-rot-goldene Banner und das weiße Banner mit dem Europapokal und der Aufschrift "Adler Bretten" sind seit 1986 in den Stadien dieser Welt zu sehen. Weit über 1.000 Spiele des FC Bayern München hat Groß seither gesehen, zwischen 70 und 80 Länder hat er für seine große Liebe bereist.

Weltweit nur 25 Hardcore-Fans

Ronny Walter schafft es immerhin auf zirka 60 Länder. Der 34-jährige Pforzheimer war 1987 das erste Mal bei einem Spiel der Bayern - gegen Werder Bremen. Anfang der 90er Jahre war Walter oft alleine mit seiner Liebe zu Bayern, trotz einer Durststrecke des Vereins stand er jederzeit voll hinter den Roten. Seit der Spielzeit 1997/98 ist Walter bei den Adler Bretten und besuchte zudem auch fast jedes Spiel der Nationalmannschaft. Mit dem ersten eigen verdienten Geld ging es dann für Groß und Walter auf Reisen. "Wieso nicht? Wo ein Wille ist - wenn das Feuer brennt - dann ist da auch ein Weg", weiß der 43-Jährige. "Als Zivildienstleistender habe ich mir vorgenommen, alle Europa-Pokal Auswärtsspiele zu sehen - das habe ich dann auch gemacht", erinnert sich Walter.

Schnell wurden aus den Einzelkämpfern für den FC Bayern eine Gruppe, der Fanclub wuchs. "Zwischen 25 und 30 Leute zählen zum harten Kern der Adler Bretten", sagt Walter. Weltweit gibt es laut Groß nur etwa 25 Fans, die den Verein so unterstützen wie er und sein Kollege. "Die Geschichte mit dem FC Bayern leben, darum geht es", so Groß. Und dafür schrecken die Adler Bretten vor keiner Reise zurück. Indien, USA, Indonesien, China, Italien - dazu alle Welt- und Europameisterschaften seit 1988. Ronny Walter schreckt nicht einmal vor vor Pendelflügen zwischen Deutschland und Indonesien und wenige Tage später von Deutschland nach Indien zurück. "Ich bekam keinen Urlaub. Also flog ich nach einem Spiel in Jakarta über Nacht nach Hause, arbeitete einige Tage, um danach nach Kalkutta zu fliegen für ein Testspiel."

100 Prozent für die Bayern: "Der Verein gibt viel zurück."

"Die Zeitverzögerung spielt uns ab und zu auch in die Karten, um Arbeit, Privatleben und den FC Bayern unter einen Hut zu bekommen", ergänzt Groß. An das Spiel in Kalkutta - Oliver Kahns letztes Spiel überhaupt - erinnern sich die Bayern-Fans gerne zurück. "Das war unglaublich. 140.000 Menschen waren im Stadion", schwärmen sie. Aber auch ein Spiel in Saudi-Arabien mit einer unbeschreiblichen Stimmung zählen zu ihren Lieblingserinnerungen - genau wie auch das gewonnene WM-Halbfinale gegen Südkorea 2002 in Seoul. "Das kann man nicht toppen. Das ganze Land ist hohl gedreht, obwohl sie verloren haben", erinnert sich Groß zurück. Das alles, alles was mit dem Fußball und vor allem dem FC Bayern zu tun hat, fasziniert beide.

"Was die Bayern weltweit auslösen, wie sie in der ganzen Welt begrüßt und gefeiert werden: Davon wollen wir einen Eindruck bekommen und die Geschichte mitleben", so Groß. Dabei geht es ihnen nicht nur um Fußball. Auch für ein Aufstiegsspiel der Handballmannschaft des FCB in einer Amateurliga oder für das ein oder andere Basketballspiel haben sie die Reisestrapazen auf sich genommen. Denn der ganze Verein steht im Mittelpunkt der Adler Bretten. "Der Verein gibt im Gegenzug uns und allen Bayern Fans vieles zurück." Das gehe aber nur, weil seit 1986 nichts vorgefallen sei im Fanclub. "Bei uns ist alles seriös", so die Adler.

Banner ziert weiterhin Stadien: "Feuer wird nicht erlöschen!"

Groß und Walter wissen von Einladungen in's Mannschaftshotel, von Flügen mit der Mannschaft oder Eintrittskarten für die Spiele fernab der Heimat zu berichten."Der Verein gibt sehr viel zurück und sorgt für Gleichmäßigkeit bei allen Fans. Wo sonst gibt es eine Stehplatz-Jahreskarte für 120 Euro?", sagt der Mitgründer des Fanclubs. Er und Walter sind sich zudem sicher, dass die Bayern auch etwas für den KSC tun würden, wenn in Karlsruhe die Alarmglocken läuten sollten. "Sie haben schon öfter bewiesen, dass sie sich auch um andere kümmern", bekräftigt Walter.

Und so wird auch weiterhin das Banner der Adler Bretten die Stadien der Welt schmücken - egal wo der FC Bayern oder die Nationalmannschaft spielen wird. Die nächste Reise führt die Adler Bretten nun erstmal an den Gardasee, zum Trainingslager des FC Bayern. Anschließend begleiten sie die Mannschaft um Trainer Jupp Heynkes nach China. "Das Feuer für den FC Bayern wird nicht erlöschen. Und wenn doch, werden wir es wieder schüren", ist sich Groß sicher. Auch die titelfreien zwei Jahre der Bayern ändern an der Überzeugung nichts, selbst wenn die Ansprüche des FCB auch die der Adler Bretten sind. "Liebe erlischt, aber der FC Bayern ist Überzeugung."

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Kommentare (25)
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  •   Rundbau-Gespenst
    (9621 Beiträge)

    19.07.2012 08:54
    ich sag es ja schon immer:
    hier in der Gegend gibt es zu viele Leute, die in ihrer Kommode ganz unten drin noch einen Satz FCB-Bettwäsche - nur so für alle Fälle - versteckt haben!

    traurig
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  •   KaBU
    (931 Beiträge)

    19.07.2012 07:42
    Da gibt es nur ein Wort
    Super Fans (2)
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  •   mixe
    (1122 Beiträge)

    19.07.2012 07:02
    ich bin kein freund des fcb,aber
    solchen fans zolle ich respekt. jeder kann wie er will und diese leute wollen fcb ergo sollen sie.
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  • 0
    unbekannt
    (69 Beiträge)

    19.07.2012 06:29
    Auch von mir Respekt...
    .. für diesen fast schon unglaublichen Aufwand. Das besagte Banner ist mir- gerade als Brettener- schon oft im TV aufgefallen. Gerade während der EM hing es z.B. bei dem Spiel gegen Dänemark gut sichtbar hinter dem gegnerischen Tor. Weiter so!;)
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  •   Torflut
    (2149 Beiträge)

    19.07.2012 05:41
    Respekt
    solche Fans wünscht sich jeder Verein. Auch wenn es den Geldbeutel schon belastet.
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