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17.11.2011 11:01
 
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Ellen Esen: "Karlsruhe hat eine ausgeprägte rechte Szene" [166]

Karlsruhe - Die Karlsruher Politikwissenschaftlerin Ellen Esen beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Rechtsextremismus. Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist Aufklärung an Schulen, außerdem arbeitet sie mit Aussteigern aus der rechtsradikalen Szene. Im ka-news-Interview spricht sie über die rechte Szene in Karlsruhe und erklärt, warum gerade Jugendliche gefährdet sind.

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Ellen Esen
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Die Karlsruher Politikwissenschaftlerin Ellen Esen beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit dem Thema Rechtsextremismus.
Foto: privat
Frau Esen, Sie beschäftigen sich schon seit über 20 Jahren mit dem Thema Rechtsextremismus. Wurde die Gefahr in den vergangenen Jahren unterschätzt?

Ganz eindeutig: Ja. Ich beobachte, dass Rechtsextremismus immer - und nur dann - zum öffentlich diskutierten Thema wird, wenn es spektakuläre Gewalttaten gibt. Es ist ein Irrglaube, dass solche Gewalttaten urplötzlich aus dem heiteren Himmel fallen.

In den vergangenen Tagen war in Anlehnung an die linksextreme RAF immer wieder von einer "Braunen Armee Fraktion" die Rede - was halten Sie von diesem Vergleich?

Es gibt Terror von rechts. Dieser Terror ist zielgerichtet und wendet sich gegen alle, die nicht in das rechtsextreme Weltbild passen. Der Kernbegriff Rechtsextremer ist die "Volksgemeinschaft". Das ist ein willkürlich definierter Begriff, der Menschen ein- oder ausschließt. "Volksschädlinge" nannte man das unter Adolf Hitler. Damit sind gemeint: Menschen mit Migrationshintergrund, Schwule und Lesben, Juden, Muslime, politisch Andersdenkende, Obdachlose, sozial Schwache. Letztendlich läuft es nach dem Motto: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!". Ausgegrenzt werden auch all jene, die als "asozial" gelten und mit ihrer Arbeitskraft keinen Beitrag leisten können zur "Volksgemeinschaft". Die Zielobjekte rechtsextremer Gewalt sind somit sehr viel breiter angelegt als die einer RAF. 

Man wird nicht mit einer extremen Einstellung geboren - was bringt einen Menschen dazu, sich rechtsextremistischen Ideen zuzuwenden?

Das Einstiegsalter liegt bei 12, 13, 14 Jahren. Mitten in der Pubertät also. Diese Kinder sind auf der Suche nach Sinn, stellen sich Fragen und haben auch ein Gefühl dafür, was so alles in ihrem Umfeld geschieht und schief läuft. In dieser Phase suchen Jugendliche nach Halt und Geborgenheit. Finden sie diesen nicht bei ihren Eltern, ihrer Schule und ihrem Freundeskreis, dann ist die Verlockung groß, dass sie sich Gruppen anschließen, die Zusammenhalt und Kameradschaft anbieten.

Gibt es in Karlsruhe oder der Region eine rechtsextreme Szene? Wie muss man sich diese Szene vorstellen - und wie gefährlich ist sie?

In Karlsruhe gibt es eine ausgeprägte rechtsextreme Szene, die jenseits der NPD in losen Netzwerken organisiert ist. Die Führungsfiguren der Gruppierung sehen aus wie Punks und skandieren vermeintlich linke Parolen. Für ihre Website haben sie einen Namen gewählt, der auf ein demokratisches Bündnis schließen lässt. Solche Mimikry-Aktionen verschleiern die menschenfeindliche Ideologie der Rechtsextremisten.

Die Karlsruher Gruppe setzt auf Freizeit-Events zur Gewinnung von weiteren Anhängern. Dazu gehört auch die Ausrichtung von Fußballturnieren. Jährlich wird ein Svastika-Cup ausgelobt, will heißen, ein Hakenkreuz-Pokal geht an den Gewinner.

Was kann auf lokaler und regionaler Ebene gegen Rechtsextremismus unternommen werden?

Es wird immer eine Kombination aus staatlicher Repression, Engagement der Zivilgesellschaft, Pressearbeit und politischer Bildung sein müssen.

Einer der Schwerpunkte Ihrer Arbeit ist die Aufklärung über das Erscheinen, Symbole und das Auftreten von rechtsextremen Gruppen, unter anderem an Schulen. Warum ist das wichtig? Was hat sich in den vergangenen Jahren geändert?

Zeichen und Symbole der rechtsextremen Szene wandeln sich permanent. Für das pädagogische Personal ist es wichtig, auf einem aktuellen Stand zu sein. Mit Jugendlichen kann nur auf Augenhöhe überzeugend und ernsthaft diskutiert werden, wenn Kenntnisse über aktuelle Entwicklungen vorliegen.

Derzeit wird wieder ein Verbot der NPD diskutiert - wie stehen Sie zu dem Vorstoß?

Grundsätzlich befürworte ich ein Verbot der NPD. Haupteinnahmequelle der NPD sind staatliche Zuwendungen. Insofern würde ich die Partei als ein staatlich subventioniertes Ärgernis bezeichnen, das es auszuschalten gilt. Ein Parteiverbot bedeutet aber nicht, dass rechtsextreme Einstellungen damit dann auch verwinden.

Fragen: Felix Neubüser

Mehr zum Thema:

Polizeiarbeit in Karlsruhe: Mit Aufklärung gegen braunes Gedankengut

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Kommentar: Rechter Terror ist nicht nur ein Behördenproblem

Mehr zu: Rechtsextremismus Extremismus "Ellen Esen"



Kommentare [166]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • unbekannt
    (120 Beiträge) | 17.11.2011 11:16
    ....
    Naja, die meisten die hier posten *ppppppiep.......
  • unbekannt
    (1272 Beiträge) | 17.11.2011 12:54
    Terror
    Geht vom Staat aus und von den Medien. Wer in der Geschichte zurück blickt weiß, die Geschichte wird immer vom Stärkeren geschrieben.

    Die Gedanken sind Frei.
  • unbekannt
    (1272 Beiträge) | 17.11.2011 12:57
    Achso ....
    Wer anderen die Meinung verbietet stellt sich auf die gleiche Stufe wie die die sie verbieten wollen.
  • (180 Beiträge) | 17.11.2011 14:00
    Wo kommen
    all diese Gutmenschen blos her??Komisch , die Opfer interessieren ja auch erst seitdem man Rechtsextreme als Täter vermutet. In den letzten 5 Jahren hat sich keine Socke für die Opfer interessiert.Wie heuchlerisch !
  • (3177 Beiträge) | 18.11.2011 11:57
  • (9650 Beiträge) | 18.11.2011 13:51
    "Depp"
    sprach der Honk grinsen
    Sorry, mußte grad an 'nen User aus dem alten Forum denken.
  • (2533 Beiträge) | 17.11.2011 11:24
    Sie,
    die sich mit diesem Thema beschäftigt sagt genau das Gegenteil von dem was uns von der Polizei versichert wird.

    Seltsam aber so steht es geschrieben.
  • (1352 Beiträge) | 17.11.2011 11:27
    Gar nicht seltsam
    Den Grund dafür nennst Du ja selbst in den ersten sieben Worten Deines Kommentars ...
  • unbekannt
    (1027 Beiträge) | 17.11.2011 11:27
    so soll es geschehen
  • (8639 Beiträge) | 17.11.2011 11:31
    Amen...
  • (638 Beiträge) | 17.11.2011 12:36
    Was wollen denn die mit Terror ?
    der Terror der Rechten richtet sich leider nur gegen die Schwachen und Ausgegrenzten unserer Gesellschaft, nicht gegen die, die die heutige wirtschaftliche Situation zu verantworten rsp. herbei geschafft haben.
    Nur durch konstruktive Mitarbeit in den vielfältigen Institutionen , was viel Geduld und Zeit kostet, können sichere und auskömmliche Renten,
    Arbeitsplätze, bezahlbare Mieten und bezahlbarer Gesundheitsschutz etc. erreicht werden. Die Ausländer, Arbeitslosen oder Lesben sind doch nicht für die jetzige Finanzmiseren und anderen Ungerechtigkeiten verantwortlich ! Was bringt es da wenn wieder ein "Kümmeltürke" umgelegt wird ???? Selbst mit dem Schreien auslaänderfeinlicher und nationalistischer Parolen ändert sich nichts.
  • (8639 Beiträge) | 17.11.2011 13:03
    Hä?
    Zitat von dipfele
    ...richtet sich leider nur gegen die Schwachen und Ausgegrenzten unserer Gesellschaft...


    Wie darf ich das "leider nur" verstehen?
  • (1276 Beiträge) | 17.11.2011 13:46
    Weist
    Du, wieviel Ortnungshüter NPD- oder REP-Mitglied sind?
    Oder wieviel Prozent Republikaner und NPDler Ordnunghüter und Staatsschützer sind?
    Zumindest sind mehr als 15% der NPDler V+Männer des Verfassungsschtzes.
  • unbekannt
    (1027 Beiträge) | 17.11.2011 11:25
    AHA !
    also aufpassen:
    Rechtsradikale verkeiden sich als Punks, Linke, betreiben getarnt demokratische Internetseiten..

    Also Vorsícht - jeder kann ein N.azi sein, dreh dich im Dunkeln lieber zweimal um und vertraue keinem !

    Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich alle möglichen Politiker, Parteien, Wissenschaftler usw. mit Gewalt profilieren wollen.
    Das Ergebnis wird sein, dass die Bürger zugetextet werden und das "Interesse" verlieren. Eigentlich ganz schlau von den Braunen - lassen sich vom Staatsschutz finanzieren, erhalten kostenlose Propaganda und der vielgelobte mündige Bürger verliert ob der Masse statt Klasse an "Berichterstattung" schnell wieder das Interesse am Geschehen.
    Man vergleiche nur die zwei Berichte über die "gute" Polizei von gestern mit dem obigen Artikel.
  • (92 Beiträge) | 17.11.2011 11:42
    Das sich bei den Rechten
    mittlerweile das Auftreten als "Autonome Nationalisten" und der damit verbundenen Kopie von Aktionsformen und Erscheinungsbild der Autonomen immer weiter durchsetzt, ist keine neue Erkenntnis, wenn man sich mit der Thematik auch nur oberflächlich beschäftigt.
    Die Berichte von gestern zu der "guten" Polizei waren wohl weniger sauber recherchierte Bericht zu dem Thema als ein Werbeinterview. Im großen und ganzen so hilfreich wie die ständig um Wortwitz bemühten Polizeitickermeldungen, die bei ka-news mittlerweile leider eine journalitische Berichterstattung ersetzen.
    Und das die Bürger das Interesse verlieren, nun, bei bestimmten Themen hab ich nicht das Gefühl, dass das Interesse trotz medialer Dauerflutung nachlässt
  • (109 Beiträge) | 17.11.2011 14:44
    und passend zum Thema ein aktueller Artikel bei Spon
    Atlas des Rechtsextremismus: So braun ist Deutschland

    Zitat SPON: "Unter ihnen haben die sogenannten "Autonomen Nationalisten" den stärksten Zulauf - Gruppen von jungen Männern, die sich kleiden wie Linksautonome, sogar deren Symbole kopieren. Auf ihren Transparenten stehen Sprüche wie "Fuck the law, fight the system", sie propagieren Gewalt gegen politische Gegner und Polizei. [...]

    Besonders aktiv sind die "Autonomen Nationalisten" in Westdeutschland und im Großraum Berlin. In den anderen ostdeutschen Ländern haben sie eine kleinere Bedeutung - dafür ist hier weiterhin der Rechtsextremismus in vielen Gegenden in der Mitte der Gesellschaft verankert. Auf Sportfesten werben die rechtsradikale NPD oder deren Nachwuchsorganisation um Jugendliche, Kampfsportveranstaltungen dienen als Rekrutierungsbörse. Im sachsen-anhaltischen Laucha trainierte lange ein NPD-Funktionär die Fußballjugend." Zitat Ende
  • (7433 Beiträge) | 17.11.2011 16:31
    Laut
    dieser Dame müsste aber am linken Rand von BW ein ausgesprochen tiefbrauner Kackfleck sein.
  • (8639 Beiträge) | 17.11.2011 11:30
    Interessant
    Dieser Terror ist zielgerichtet und wendet sich gegen alle, die nicht in das rechtsextreme Weltbild passen.
    Aha, also gegen 99% der Bevölkerung in Deutschland...
    Linke wie Rechte alles Kriminelle! Der braune Mob ist nicht schlechter oder besser als die linken autonomen Chaoten (zB. Anschläge in Berlin auf die DB...).
  • (109 Beiträge) | 17.11.2011 12:04
    Rechstextremes Weltbild
    Wieso 99%? In dem direkt darauf folgenden Satz erläutert Frau Esen doch sehr detailliert, wer damit gemeint ist.
  • (8639 Beiträge) | 17.11.2011 12:11
    Ja und?
    Menschen mit Migrationshintergrund, Schwule und Lesben, Juden, Muslime, politisch Andersdenkende, Obdachlose, sozial Schwache.

    Also 99% der Bevölkerung? Oder?

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