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Karlsruhe Islam in Karlsruhe: "Wer im Namen des Islams tötet, missbraucht meinen Glauben"

Neben den beiden christlichen Religionen ist der Islam hinsichtlich der Zahl seiner Gläubigen die drittstärkste Glaubensrichtung Deutschlands. Auch in Karlsruhe gibt es eine große Zahl gläubiger Muslime, die sich in rund neun größeren Gemeinschaften treffen, um zu beten und ihren Glauben zu leben. Wie viele es genau sind, ist jedoch nirgendwo erfasst.

Die genaue Zahl aller Muslime ist sowohl für Deutschland, als auch für Karlsruhe unbekannt. Der Islam ist hierzulande nicht offiziell als Religionsgemeinschaft anerkannt. Deshalb führt der Staat keine Statistik über seine Mitglieder. "Bisher hat sich keiner für die genaue Zahl interessiert", bedauert Rüstü Aslandur, Vorsitzender des Deutschsprachigen Muslimkreises Karlsruhe (DMK).

"Karlsruhe ist nicht so schlimm wie andere Städte"

Er schätzt, dass momentan zwischen 15.000 und 17.000 Muslime in der Fächerstadt zu Hause sind. Der Großteil davon verteilt sich auf den DMK, fünf türkischsprachige und zwei arabische Gemeinden - außerdem noch eine bosnische und eine albanische. Der Muslimkreis hat zirka 70 Mitglieder. Wöchentlich finden sich allerdings bis zu 200 Menschen aller Altersstufen in den Räumlichkeiten des Vereins in der Karlsruher Oststadt ein, um sich auszutauschen, zu spielen und zu beten.

Einige der regelmäßigen Besucher sind gar keine Muslime. Sie sind Freunde von Mitgliedern, die die Gemeinschaft und die Atmosphäre im Verein schätzen. Darüber freut sich Aslandur sehr, denn so würde er sich das Zusammenleben von Muslimen und Christen immer wünschen. Karlsruhe sei zwar aus Aslandurs Sicht nicht so schlimm wie andere Städte, in denen Muslime offen angegangen werden. Doch auch in der beschaulichen Fächerstadt wurde muslimischen Frauen schon das Kopftuch vom Kopf gerissen und sie wurden bespuckt.

Dialog als effektivstes Mittel, um Vorurteile abzubauen

"Es gibt hier Anti-Meinungen - aber es gibt auch andere", versichert er. Schubladendenken sei nach wie vor vorhanden und Misstrauen beherrsche viele Bereiche des Zusammenlebens. Zu gerne würden sich viele Menschen klischeeähnlicher Erklärungsmuster bedienen und dadurch nur schwer von Vorurteilen abweichen. "Die Zeiten müssen vorbei sein, in denen Menschen wegen ihres Glaubens unterdrückt werden", fordert Aslandur deshalb. Das beansprucht er für alle Religionen.

Der Dialog ist seiner Meinung nach das effektivste Mittel, Vorurteile abzubauen und sich gegenseitig besser kennenzulernen. Das gilt sowohl in kultureller, als auch in religiöser Hinsicht. Interkulturalität spielt für den Muslimkreis seit seiner Gründung vor mehr als 20 Jahren eine grundlegende Rolle. Allein aus 20 bis 25 verschiedenen kulturellen Hintergründen stammen die Mitglieder des Vereins. Ihr Schnittpunkt ist der Islam und die deutsche Sprache.

"Karlsruhe ist zwar nicht unbedingt eine Hochburg des muslimischen Glaubens. Dennoch steckt in der Stadt das Potential für einen solchen Kulturaustausch", glaubt Aslandur. Diesen wollen die Mitglieder des DMK in den zahlreichen Projekten, die sie das ganze Jahr hindurch organisieren, fördern. So putzten Jugendliche des Vereins gemeinsam mit Jugendlichen der benachbarten Luthergemeinde in den "Dreck weg"-Wochen Karlsruher Straßen. Zum Fastenbrechen lud der Muslimkreis Kommunalpolitiker zum Gespräch in ihre Räumlickeiten ein.

"Es gibt hier Anti-Meinungen - aber es gibt auch andere"

"Wir wollen der Gemeinschaft demonstieren, dass alle miteinander friedlich leben wollen", erklärt der Vereinsvorsitzende. Dadurch werde deutlich, dass Muslime eben nicht gewalttätig sind, sondern sich gegen die Ungerechtigkeit in der Welt engagierten. Auch der Islam habe klare Regeln für das Zusammenleben der Menschen unabhängig von ihrer Religion. "Wenn ein Muslim jemanden angreift, hat das nichts mit dem Islam zu tun", betont Aslandur.

Auch das Töten sei, wie in den christlichen Zehn Geboten, strikt verboten. "Wenn ein Muslim tötet, dann ist das eine Todsünde. Dann muss er sich vor Gott verantworten." Gläubige wie Rüstü Alsandur sind zutieftst bestürzt über diese Menschen. "Sie missbrauchen meinen Glauben und schaden mir als Muslim, weil sie meinen Glauben, der mir sehr wichtig ist, schlecht machen."

Rüstü Alsandur ist überzeugt, dass er und seine Mitstreiter im Muslimkreis demonstieren, dass sie bereit sind, sich zu öffnen. "Natürlich gibt es Muslime, die Dinge leben, wie sie vor 30 bis 40 Jahren waren", bekennt er. Doch sei es an der Zeit, das Unwissen auf beiden Seiten abzubauen. Eine Entwicklung, die sich nicht von heute auf morgen vollziehe, sondern Sache mehrerer Generationen sei.

In der Serie "Islam in Karlsruhe" wollen wir in den nächsten Wochen Aspekte des muslimischen Lebens in Karlsruhe beleuchten. Dabei werden wir unter anderem den islamischen Religionsunterricht an Karlsruher Schulen unter die Lupe nehmen, Gespräche mit Religionswissenschaftlern führen und ein Freitagsgebet besuchen. Bereits beim Tag der offenen Moschee am 3. Oktober haben Interessierte die Möglichkeit, sich über die Aktivitäten der muslimischen Gemeinden in Karlsruhe zu informieren.

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  • 0
    unbekannt
    (3 Beiträge)

    06.10.2011 17:52
    ahmadiyya Muslim Gemeinde
    genauso wie der Deutschsprachige Muslimkreis (DMK) sich an den interreligiösen Dialog beteiligt und dessen Förderung wünscht, so ist die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde (AMJ) auch eine Bewegung, die durch das Organisieren von Zusammentreffen in interreligiösen Veranstaltungen zwischen den einzeln Glaubensgemeinschaften auch eine große Arbeit für die Förderung von Integration leistet.
    Unter dem Vorsitz eines gewählten Khalifen tritt sie ein für die ursprünglichen Werte des Islam: Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen, absolute Gerechtigkeit, Gleichwertigkeit von Mann und Frau, Trennung von Religion und Staat, Beendigung gewalttätiger Aktionen im Namen der Religion sowie die Menschenrechte, wie sie im Qur-ân festgelegt worden sind. Die AMJ, die sich ausschließlich durch Spenden finanziert, ist stets bemüht, sich konstruktiv am gemeinsamen gesellschaftlichen Zusammenleben zu beteiligen.
    www.ahmadiyya.de
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  • 0
    unbekannt
    (3 Beiträge)

    06.10.2011 17:50
    interreligiösen Dialog ist sehr begrüßenswert
    der Aufruf des Deutschsprachigen Muslimkreises (DMK) zum interreligiösen Dialog ist sehr begrüßenswert, da dadurch Vorurteile abgebaut werden können. Der persönliche Kontakt zwischen den Muslimen und Nicht-Muslimen ist entscheidend, damit die Menschen über die friedliche Lehre des Islams erfahren und dessen Praxis in den Verhalten der Muslime vorfinden und die Schönheit des Islams erkennen. Der Artikel enthält viele Aussagen, denen ich zustimme und es ist sehr erfreulich solche Artikel, wenn auch selten, zu lesen. Die Aussage, dass das Töten im Islam genauso verboten ist wie im Christentum, wird durch den folgenden Vers bestätigt: „Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Israels verordnet, dass wenn jemand einen Menschen tötet – es sei denn für (Mord) an einem anderen oder für Gewalttat im Land –, so soll es sein, als hatte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten.“(5:33)
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  • 0
    unbekannt
    (3 Beiträge)

    06.10.2011 17:50
    Lehre des Islams über Frieden und das Zusammenleben
    der Artikel über den Islam hat mir sehr gefallen, da die Aussagen die eigentliche Lehre des Islams über Frieden und das Zusammenleben in der Gesellschaft wiedergeben. Auch begrüße ich die Aussage, dass interreligiöse Dialoge und Zusammenkünfte förderlich für den Frieden in der Gesellschaft sind. Der Islam lehrt auch den guten Umgang mit den Mitmenschen und ruft zur Religionsfreiheit auf, wie es im Heiligen Qur-ân diesbezüglich heißt: „Es soll kein Zwang sein im Glauben.“ (2:257) Glaubensunter-schiede bieten keinen Grund für Unfrieden und Intoleranz in der Gesellschaft, vielmehr sollten offene Möglichkeiten für Interessierte bestehen, sich über andere Religionen und Glaubensrichtungen zu informieren und sich ein persönliches Bild zu machen.
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  • 0
    unbekannt
    (162 Beiträge)

    03.10.2011 14:39
    Jeder, der im Namen irgend einer Religion tötet...
    Jeder, der im Namen irgend einer Religion tötet missbraucht diese Religion, völlig egal welche das ist.

    In jeder Religion ist das Töten verboten.

    Alles was es an Extremisten gibt ist falsch, ganz egal welcher Glaubensrichtung sie sich bedienen.

    Die Einführung von Regeln, die das Zusammenleben von Menschen in einer größeren Gemeinschaft erst ermöglichen, nämlich das Recht des Stärkeren außer Kraft zu setzen, ist vermutlich sogar als Grund der Einführung aller Religionen anzusehen.

    Wer auch ohne Religion erkennt, dass eine Gesellschaft eine bestimmte soziale Ordnung benötigt um nicht in Anarchie und Überlebenskämpfe zu verfallen, der benötigt keine Religion.

    Extremisten sind immer schädlich, egal ob die sich nun auf einen religiösen Glauben oder einen weltlichen (z.B. Neoliberalismus oder Kommunismus o.a.) beziehen.

    Es gibt keinen generell richtigen Weg als Lehre, es gibt immer nur Kompromisse, die in der Summe das erträglichste Zusammenleben aller ermöglichen.
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  • 0
    unbekannt
    (8066 Beiträge)

    03.10.2011 12:39
    Das
    diese Rede ein Fake ist wissen sie aber?
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  • 0
    unbekannt
    (14337 Beiträge)

    03.10.2011 14:29
    Hat aber was ;-)
    Stell Dir mal folgendes für Deutschland vor:
    Rechtlicher Rahmen
    für Einreise - Aufenthalt - Arbeitserlaubnis
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  •   haha
    (261 Beiträge)

    03.10.2011 12:12
    integration III
    Aber wenn ihr euch ständig beschwert, Mitleid sucht,
    unsere Fahnen verbrennt, unseren Glauben
    verurteilt, unsere christlichen Werte missachtet,
    unseren Lebensstil verurteilt, dann ermutige ich euch
    einen weiteren Vorteil unserer großartigen
    australischen Demokratie und Gesellschaft zu
    nutzen:
    DEM RECHT DAS LAND ZU VERLASSEN!
    Wenn ihr hier nicht glücklich seit, dann GEHT! Wir
    haben euch nicht gezwungen hierher zu kommen. Ihr
    habt gebeten hier sein zu dürfen. Also akzeptiert das
    Land, das euch akzeptiert hat.“

    Quelle: Premier John Howard – Australien
    In seiner Rede zum Jahrestag der Baliattentate, Februar, 2008

    Komisch, würde auch nach hier her gut passen...
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  •   haha
    (261 Beiträge)

    03.10.2011 12:11
    integration II
    Die meisten Australier glauben an Gott. Es sind nicht
    einige wenige Christen, es ist kein politisch rechter
    Flügel, es ist kein politisch motivierter Zwang, nein –
    es ist eine Tatsache, denn christliche Frauen und
    Männer, mit christlichen Prinzipien, haben diese
    Nation gegründet, und dies ist ganz klar
    dokumentiert.
    Und es ist sicherlich angemessen, dies an den
    Wänden unserer Schulen zum Ausdruck zu bringen.
    Wenn Gott euch beleidigt, dann schlage ich euch vor
    einen anderen Teil dieser Welt als eure neue Heimat
    zu betrachten, denn Gott ist Teil UNSERER Kultur.
    Wir werden eure Glaubensrichtungen akzeptieren,
    und werden sie nicht in Frage stellen. Alles was wir
    verlangen ist, dass ihr unseren Glauben akzeptiert,
    und in Harmonie, Friede und Freude mit uns lebt.
    Dies ist UNSERE NATION, UNSER LAND und
    UNSER LEBENSSTIL, und wir räumen euch jede
    Möglichkeit ein, all diese Errungenschaften mit uns
    zu genießen und zu teilen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   haha
    (261 Beiträge)

    03.10.2011 12:10
    integration I
    „EINWANDERER, NICHT AUSTRALIER, MÜSSEN
    SICH ANPASSEN“. Akzeptieren sie es, oder
    verlassen sie das Land. Ich habe es satt , dass diese
    Nation sich ständig Sorgen machen muss, ob sie
    einige Individuen oder deren Land beleidigt.
    Seit den terroristischen Anschlägen auf Bali spüren
    wir einen zunehmenden Patriotismus bei der
    Mehrheit der Australier.
    Diese Kultur ist in über zwei Jahrhunderten
    gewachsen, geprägt von Gefechten, Prozessen und
    Siegen von Millionen von Frauen und Männern, die
    alle nur Frieden gesucht und gewollt haben.
    Wir sprechen überwiegend ENGLISCH, nicht
    Spanisch, Libanesisch, Chinesisch, Japanisch,
    Russisch, Italienisch, Deutsch oder andere Sprachen.
    Deswegen, wenn ihr Teil unserer Gesellschaft
    werden wollt .... lernt unsere Sprache!
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  •   Radius
    (332 Beiträge)

    30.09.2011 00:33
    Ein Politischer Prozess
    Man sieht das er ja seit seinem 19 Lebensjahr Christ ist. Der Prozess kam erst als er sich politisch geäussert hat.

    Ich unterstütze auch den Aufruf die iranische Botschaft aufzufordern diesen Mann zu begnadigen.

    Es wäre aber mehr als anständig z.B. genauso die US amerikanische Botschaft aufzufordern die völkerrechtswidrigen Drohnenangriffe in Afghanistan, Pakistan, Irak usw. einzustellen.
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