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27.09.2013 02:52
 
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Diskussion über Moschee in Karlsruhe: Nicht ob, sondern wo und wie [423]

Von Moschee-Architektur unterschiedliche Vorstellungen: Baubürgermeister Michael Obert und Derya Sahan von der Ditib-Gemeinde.
Bild:(mda)

Karlsruhe (mda) - "Eine Moschee in Karlsruhe - Wünsche, Pläne, Bilder": Am Mittwochabend stand der Moscheebau im Zentrum einer Podiumsdiskussion im Architekturschaufenster. Vertreter der muslimischen Gemeinden sprachen über ihre Wünsche, Baubürgermeister Michael Obert erläuterte den Standpunkt der Stadt und Bürger konnten ihre Vorbehalte äußern. Das Podium war sich letztlich einig: Eine repräsentative Moschee kann in Karlsruhe gebaut werden. Aber beim Standort und vor allem der Architektur gehen die Vorstellungen noch ziemlich auseinander.
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Der Kölner Architekt Ahmet Altunbas zeichnete in seinem Input-Vortag "Eine Religion sucht ihren Platz in der Gesellschaft, in der Stadt" die Entwicklung der Moscheebauten in Deutschland nach. Bereits in den 70er Jahren hätte die erste Generation türkischer Gastarbeiter erste Moscheegemeinden gegründet, so Altunbas.

Sie wollten sich "in der Fremde heimische fühlen", ihre "eigenen Werte und Lebensentwürfe in der Fremde wahren", erläuterte der Architekt. Daraufhin seien die ersten Moscheen entstanden - in Hinterhöfen, Kellern und Fabriketagen, eingeklemmt zwischen Nachtclubs, Bordellen und Kneipen in trostlosen Ecken der Stadt.

Später wurden die ersten Moscheen sichtbar, prägten zunehmend das städtische Bild. "Sobald etwas Fremdes sichtbar wird, entstehen hitzige Debatte und Ängste. Denn repräsentative Bauten verändern die Sprache, die Stimme der Stadt", so Altunbas.

Obert: Gebäude muss in die Umgebung passen

Baubürgermeister Michael Obert, der auf dem Podium die Interessen der Stadtverwaltung vertrat, griff das Bild von Architekt Altunbas auf. "Die Stadt hat ihre eigene Sprache, ihre eigene Melodie. Wenn eine fremde Sprache der althergebrachten Sprache nicht mehr entspricht, dann bereitet das einigen Ängste."

Die Stadt verwehre einer muslimischen Gemeinde sicher nicht ihr Recht auf ihrem Grundstück ein Gebäude zu errichten. Man sei auch gerne bei der Suche nach geeigneten Grundstücken behilflich und könne vielleicht sogar eigene Grundstücke anbieten. "In Gewerbegebieten sind eigentlich keine religiösen Gebäude vorgesehen. Das sind Sondergenehmigungen", so Obert. Manche Gemeinden, beispielsweise einige evangelische Freikirchen, fühlten sich aber wohl und wollten dort nicht mehr weg. Aber an sich wolle die Stadt gar nicht, dass sich "religiöse Gemeinden in Gewerbegebieten befinden".

Ditib: Moschee soll aussehen wie eine Moschee

Der Baubürgermeister wies daraufhin, dass bei der Debatte gesellschaftliche Fragen nicht mit städtebaulichen und baurechtlichen Fragen vermischt werden dürften. Die Frage sei "wo ist der richtige Ort" und wird das "Gebäude diesem Ort gerecht". Es sei vor allem eine baurechtliche Frage. Wenn die Frage geklärt sei, wo sich die Gemeinden erweitern möchten, müsse die Frage geklärt werden, was dort überhaupt möglich sei.

Derya Sahan von der Ditib-Gemeinde Karlsruhe, die gerne auf ihrem Grundstück in der Oststadt eine neue Moschee bauen möchte - die Pläne bei der Stadt aber auf Kritik stoßen - , verspricht: "Wenn die Standortfrage geklärt ist, wird sich die Moschee an die Umgebung anpassen." Sie machte aber auch deutlich: "Eine repräsentative Moschee soll auch von außen aussehen wie eine Moschee."

Obert betonte: "Wir haben den Anspruch, dass sich Gebäude architektonisch und städtebaulich an die Umgebung anpassen." Dabei sei es egal, ob es sich um eine Behörde, ein Privat-Haus oder ein sakrales Gebäude handele. "Die Architektur hat sich nach dem städtebaulichen Bild zu richten", sagte Obert. Es sei nicht im Sinne der Stadt, dass fünf  Moscheen in klassischer Architektur - Kuppel und vier Minarette - im ganzen Stadtgebiet verteilt stünden - "genauso wenig wie wir fünf Petersdome oder Bernharduskirchen wollen".

Muslimischer Architekt: Vom klassischen Bild der Moschee lösen

Architekt Ahmet Altunbas, der auch die moderne Al Muhajirin Moschee in Bonn plante, nimmt auch die muslimischen Gemeinden in die Pflicht. Sie müssten sich vom klassischen Bild der Moschee lösen, findet er. "Wir dürfen uns nicht in der Komfortzone einrichten und einfach die klassische Moschee-Architektur kopieren." Man müsse sich mit neuen Ideen und verschiedenen Modellen auseinandersetzen. Dennoch richtete er an Behörden: "Gesellschaftliche Probleme sollten nicht hinter Planungsproblemen versteckt werden."

Ditib-Mitglied Sahan bemerkte zudem, dass ihre Gemeinde seit 30 Jahren in Karlsruhe anässig sei. Zu den vermeintlichen Ängsten der Bürger aufgrund einer immer wieder zitierten voranschreitenden Islamisierung sagte sie: "Muslime expandieren nicht, sie werden sichtbar." Ihr Wunsch nach einer repräsentativen Moschee sei Teil des Prozesses des "Heimischwerdens". Zudem bringe die Debatte um einen Moscheebau auch einen Dialogprozess in Gang. Es finde mittlerweile ein reger Austausch mit den Karlsruher Bürgern statt - der auch von viel Kritik begleitet sei. "Wir sprechen miteinander."

Kompromisse nötig - "beide Seiten müssen flexibel sein"

"Ist die geplante Moschee dann auch für andere muslimische Glaubensgemeinschaften in Karlsruhe?", fragte ein Zuhörer. "Wir haben nicht den Anspruch eine Moschee für alle 12.000 Muslime in Karlsruhe zu bauen", so die Ditib-Sprecherin. Die geplante Moschee sei in erster Linie für die Mitglieder der Ditib-Gemeinde gedacht, die den Bau auch finanzierten.

Rüstü Aslandur vom Dachverband islamischer Vereine in Karlsruhe nahm bei der Diskussion eine Mittlerrolle ein und plädierte für einen Kompromiss: "Beide Seiten müssen flexibel sein. Behörden, Gesellschaft und Gemeinde müssen in der Lage sein, Kompromisse zu bilden." Es sei ein normaler Vorgang, dass Menschen in einem Land ihr eigene Kultur, Essen oder Architektur einbringen wollen, und es sei auch normal, dass bei der Bevölkerung Vorbehalte und Ängste entstünden. "Wir müssen es aber akzeptieren, wenn eine muslimische Gemeinde eine repräsentative Moschee bauen möchte - auch wenn uns das nicht unbedingt gefällt."

Moscheebau: Nicht ob, sondern wo und wie

Den Beitrag einer entrüsteten Zuhörerin, dass in Deutschland so lange keine Moscheen gebaut werden sollten, bis auch in allen islamischen Ländern Kirchen errichtet werden dürften, wies Obert energisch zurück: "Wir reden hier von einem Menschen- und Grundrecht. Nur weil vielleicht andere Länder Rechte missachten, orientieren wir uns nicht daran. Wenn in anderen Ländern Folter erlaubt ist, sagen wir ja auch nicht, wir müssen die Folter wieder einführen."

Als Fazit der Diskussion könnte man zusammenfassen: Es stellt sich weniger die Frage, ob eine Moschee gebaut wird, sondern eher wo, und wie sie am Ende aussieht.

Die Podiumsdiskussion fand am Mittwochabend im Rahmen der Moscheenausstellung "Allahs Häuser zwischen Heimat und Heimweh" statt. Rund 100 Zuhörer waren gekommen. Die Moscheenausstellung "Allahs Häuser zwischen Heimat und Heimweh" im Architekturschaufenster (Waldstraße 8) in Karlsruhe findet noch bis Donnerstag, 3. Oktober, statt. Die Ausstellung hat täglich von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr geöffnet. Führungen werden jeweils sonntags von 12 bis 14 Uhr und mittwochs von 17 bis 20 Uhr angeboten.

Weitere Infos zur Ausstellung und Moschee-Debatte finden Sie unter: www.moscheenausstellung.de

Moscheebau, Kopftuch, Koran, Glaube, Irrtümer und Vorurteile: In unserem Dossier "Islam in Karlsruhe" haben wir zahlreiche Artikel über den Islam und Muslime in Karlsruhe für Sie zusammengefasst. Einfach hier klicken!

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