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Ja zum Meinungsaustausch, nein zu Rassismus! Vom 10. bis 23. März werden wir mit den ka-news Online-Wochen gegen Rassismus ausführlich über das Thema berichten. Als Medienpartner begleiten wir die Karlsruher Wochen gegen Rassismus mit Berichten, Interviews und Hintergründen.
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10.03.2016 07:00
 
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Rassismus in Karlsruhe: "Vorurteile und Macht spielen eine große Rolle" [133]

Bild:(privat)

Karlsruhe (Melanie Nees) - Karlsruhe startet an diesem Donnerstag offiziell mit seinen Wochen gegen Rassismus. Es soll ein Zeichen für Vielfalt und gegen Diskriminierung sein. Aber was macht Menschen eigentlich zu Rassisten? Und was kann man gegen Hass und Hetze tun? Im Interview mit ka-news spricht die Expertin Aliz Müller über die Angst vor Flüchtlingen, Diskriminierung im Alltag und die Rolle des Internets.
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Frau Müller, Sie sind Organisatorin der Karlsruher Wochen gegen Rassismus und Leiterin der Antidiskriminierungsstelle beim Menschenrechtszentrum in Karlsruhe. Was versteht man unter Rassismus?

Für mich ist bei der Definition von Rassismus wichtig, dass Unterschiede zwischen Menschen durch Fremdzuschreibungen markiert und die Personen mit vermeintlichen Gemeinsamkeiten dann in eine Schublade gesteckt werden. Das führt dazu, einerseits die Mitglieder dieser Gruppen abzuwerten und gleichzeitig die eigene privilegierte Position zu stärken. Vorurteile und die Frage nach Macht und Dominanz spielen hier eine besonders wichtige Rolle. 

Gibt es Berufs- oder Altersgruppen, die besonders zu rassistischem Verhalten oder Denken neigen?

Rassistisches Verhalten ist unabhängig von Alter, Beruf, Geschlecht und Bildungsniveau. Würden wir behaupten, dass es davon abhängig sei, würden wir zwei Fehler begehen: Einerseits würden wir die Tatsache ausblenden, dass Rassismus in allen Gruppen vorkommt. Anderseits würden wir selbst rassistisch handeln, wenn wir eine der Kategorien pauschal als besonders rassistisch markieren würden.

Was sind die derzeit größten durch Rassismus verursachten Probleme?

In Karlsruhe, wie auch in ganz Deutschland, sehe ich das Problem, dass Menschen durch Rassismus beispielsweise der Zugang zu Bildung, einer Wohnung oder Arbeit verwehrt wird. Zusätzlich werden Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Religion oder nationalen Zugehörigkeit alltäglich beschimpft, gar bedroht oder durch Fragen wie "Wo kommst du eigentlich her?" zum Fremden gemacht. Diese Art von Rassismus ist unterschwellig und bleibt in den meisten Fällen unsichtbar. 

Was sind typische Ursachen für rassistisches Verhalten oder Denken?

Das ist immer von dem jeweiligen Kontext abhängig. Ursachen können veränderte gesellschaftliche und soziale Verhältnisse sein. Aber Rassismus ist nicht nur bei Privatpersonen zu betrachten, sondern zeigt sich auch in der Sicherung und Legitimation von institutioneller Macht.

Denken Sie, die aktuelle Flüchtlingssituation hat einige Deutsche erst zu Rassisten gemacht, die davor eine neutrale oder sogar positive Haltung gegenüber Migranten hatten?

Ich denke nicht, dass etwas jemanden zum Rassisten machen kann. Aber veränderte Verhältnisse können Menschen verunsichern und die Suche nach Ursachen und Antworten ist nicht leicht. Weil die Zusammenhänge nur schwer zu verstehen sind, neigen viele dazu, einfache Antworten auf komplexe Fragen zu akzeptieren. Bezogen auf die aktuelle Flüchtlingssituation denke ich, dass viele - nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa - Flüchtlinge als Bedrohung der eigenen Position ansehen und diese sichern zu wollen. Das führt zur Abwehr.

Die offen geführte Debatte über die aktuelle Situation und die durch das Internet veränderte Medienlandschaft bieten Nährboden für rassistische Äußerungen, bis hin zu Provokation und Gewalttaten. Solches Denken war schon vorher da, nur ist es jetzt sichtbarer. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass sich gerade aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation viele Menschen, die sich bisher nicht mit dem Thema beschäftigt haben, nun aktiv damit auseinandersetzen und tatkräftig für Geflüchtete auf verschiedenen Ebenen engagieren.

Über Aliz Müller:

Die Soziologin Aliz Müller ist seit 2009 Mitglied des Migrationsbeirats der Stadt Karlsruhe, wo sie sich insbesondere aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzt. Sie bietet rassismuskritische Workshops für Jugendliche und Erwachsene an. Seit drei Jahren betreut sie die Aktion "Schau-hin-in Karlsruhe", ein Forum für Diskriminierungserfahrungen. Freiberuflich ist sie für das Kulturbüro des Kulturamtes der Stadt Karlsruhe im Themenfeld Antirassismus tätig und war von Anfang an stark in das Engagement der Stadt in der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus eingebunden sowie in die Karlsruher Wochen gegen Rassismus, bei denen sie in diesem Jahr gemeinsam mit Christoph Rapp die Projektleitung innehat.

Gibt es bewährte Methoden, wie man Rassismus reduzieren kann?

Eine Zauberformel gibt es nicht. Ich denke, dass es ein erster und wichtiger Schritt ist, Rassismus sichtbar zu machen. Dies darf nicht ohne den Einbezug der Betroffenen erfolgen. Man muss ihnen die Gelegenheit einräumen, über ihre Erfahrungen zu berichten. Informationsveranstaltungen, politische Debatten und Begegnungen können zu einer reflektierten Auseinandersetzung mit Rassismus beitragen. Die Karlsruher Wochen gegen Rassismus bieten nun seit vier Jahren eine vielfältige Plattform dafür.

Außerdem ist es wichtig, über die eigene geografische, gesellschaftliche und geschichtliche Rolle nachzudenken. Welche Position habe ich als weiße, europäische Frau mit Hochschulabschluss im Jahr 2016 bei der Debatte? Doch nicht nur jeder einzelne, auch die Medien sowie Institutionen mit Bildungsauftrag tragen eine besondere Verantwortung bei der Reflexion und Reproduktion von Rassismus. Deshalb denke ich, dass eine kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema auf allen Ebenen wichtig ist, heute wie auch in der Zukunft.

Die Fragen stelle Melanie Nees.

Online Wochen gegen Rassismus

Ja zum Meinungsaustausch, nein zu Rassismus! Bei ka-news wird Meinungsfreiheit groß geschrieben und kontroverse Debatten sind für uns ein Ausdruck lebendiger Meinungsvielfalt und ein wichtiger Bestandteil der Demokratie. Doch Meinungsfreiheit endet dort, wo die Menschenwürde missachtet wird. Fremdenfeindlichkeit hat bei uns keinen Platz!

#gegenRassismus

Als reichweitenstärkstes Nachrichtenportal für Karlsruhe und die Region wollen wir ein Zeichen setzen: Im Rahmen der Karlsruher Wochen gegen Rassismus starten auf ka-news die Online-Wochen gegen Rassismus.
Unter www.ka-news.de/gegen-rassismus werden wir vom 10. bis 23. März ausführlich über das Thema berichten.

Mit unserer Berichterstattung werden wir die Karlsruher Wochen gegen Rassismus begleiten. Darüber hinaus werden unsere Leser auf ka-news eigene Interviews und Hintergrundberichte rund um das Thema Rassismus finden. Unter dem Hashtag  #gegenRassismus  werden wir die Aktion in unseren sozialen Netzwerken auf Facebook und Twitter begleiten.

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