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Karlsruhe Putzen gegen das Vergessen: Karlsruher polieren Stolpersteine

Manchmal sind es die kleinen Gesten, die große Zeichen setzen. Wenn Menschen auf die Knie gehen, um in den Karlsruher Straßen die "Stolpersteine" zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu polieren, dann ist das solch eine besondere Geste, die für sich selbst spricht.

Anlässlich der Karlsruher Wochen gegen Rassismus wurden am Samstag in der Südstadt unter dem Motto "Erinnerung aufpolieren" eben diese Messing-Gedenkplatten des Künstlers Gunter Demnig gereinigt und zum Strahlen gebracht.  Sie sind in die Straßenbelag eingelassen und zeigen vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern an, wo Opfer des Nationalsozialismus gelebt haben. Die "Stolpersteine" tragen die Namen, Geburts- und Todesdaten der Menschen und erinnern so an das Schicksal ganzer Familien, die deportiert oder umgebracht wurden.

Das Projekt "Erinnerung aufpolieren"gibt es in Karlsruhe schon länger. Engagierten Bürger putzen in der Regel zweimal pro Jahr Karlsruher "Stolpersteine", gedenken so der Opfer der NS-Diktatur und schaffen durch das Polieren neue Aufmerksamkeit für deren Schicksale. Privatpersonen und Mitglieder von Amnesty International, des Deutschsprachigen Muslimkreis Karlsruhe, des Vereins Gegen Vergessen - Für Demokratie, der Grünen Jugend Karlsruhe, des Menschenrechtszentrums Karlsruhe, der Jungen Union und der Jusos Karlsruhe nehmen regelmäßig an den Aktionen teil.

Zu den Karlsruher Wochen gegen Rassismus trafen sich zwölf Personen am Samstag in der Südstadt, um dort die "Stolpersteine" zu reinigen. In vier Gruppen aufgeteilt, ging es auf vorab festgelegten Routen durch die Straßen, um den Gedenksteinen neuen Glanz zu verleihen. Die Steine müssen manchmal minutenlang poliert werden, je nach Publikumsverkehr macht die Patina die Schrift fast unlesbar.

Interesse wecken, Geschichten erzählen

Passanten bleiben stehen, schauen erstaunt zu, fragen nach. "Nicht immer ist die Reaktion positiv", berichtet Martina Hahne, die bereits sei drei Jahren an den Putzaktionen teilnimmt. "Manchmal stoßen die Menschen uns sogar beiseite, wenn sie es besonders eilig haben, aber in der Regel sind sie eher neugierig, manchmal belächeln sie uns auch". Ist ein Stein poliert, liest jemand aus der Gruppe einen kurzen Lebenslauf zu den Menschen vor, die hier verewigt sind - ein kleiner Strauß Efeu, niedergelegt auf dem wieder strahlenden Stein, beendet den Moment des Gedenkens, die Gruppe zieht weiter. 

"Viele Menschen übersehen die Stolpersteine, weil sie gar nicht wissen, dass es sie gibt", so Martina Hahne weiter. Auch dafür ist die Aktion "Erinnerung aufpolieren" gut: Sie macht aufmerksam auf die Gedenksteine und damit auch auf die Lebensläufe der Opfer und deren trauriges Schicksal.

Aus dem Haus in der Werderstraße 26 kommt eine Anwohnerin heraus. Sie muss kurz stehen bleiben, denn vor ihr knien zwei Frauen auf dem Boden und polieren den Stolperstein für Moritz Baruch. Sie habe schon immer wissen wollen, wer dieser Mann sei, sagt sie. Liane Holl nutzt die Gelegenheit und liest ihr die mitgebracht Kurzbiographie vor. Die Ettlingerin engagiert sich für Menschenrechte und hat auch schon mehrfach an den Putzaktionen teilgenommen. "Schauen Sie mal im Internet nach", gibt sie der Anwohnerin mit auf den Weg. "Dort gibt es das 'Gedenkbuch für Karlsruher Juden', dort finden Sie die Biographien zu allen Stolpersteinen."

Erinnerung wach halten

"So lange die Stolpersteine sichtbar sind, halten sie die Erinnerung an die Opfer des NS-Terrors wach", ist sich Martina Hahne sicher. Sie und ihre Mitstreiterinnen sind überzeugt von der Aktion und wollen auf jeden Fall weitermachen. "Es geht um die Gesten, mit denen wir den Opfern und ihren Familien zeigen, dass wir nicht vergessen und dass wir uns für Menschlichkeit und ein verständnisvolles Miteinander einsetzen", beschreibt Liane Holl den symbolischen Sinn der Putzaktion.

Ein Kniefall vor den Opfern, deren tragische Lebensgeschichten mit den strahlenden Stolpersteinen in Erinnerung behalten werden - alle Karlsruher sind herzlich eingeladen, sich an den kommenden Aktionen zu beteiligen.  

Mehr zum Thema:

Karlsruher Stolpersteine-Putzaktion erinnert an 9. November 1938

Stolpersteine erinnern an Holocaustopfer in Karlsruhe

Karlsruher Stolpersteine: www.stolpersteine-karlsruhe.de

Das Gedenkbuch für Karlsruher Juden

Aktuelle Termine und Putzaktionen: www.erinnerung-aufpolieren.de

 

Online Wochen gegen Rassismus

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Unter www.ka-news.de/gegen-rassismuswerden wir vom 10. bis 23. März ausführlich über das Thema berichten.

Mit unserer Berichterstattung werden wir die Karlsruher Wochen gegen Rassismus begleiten. Darüber hinaus werden unsere Leser auf ka-news eigene Interviews und Hintergrundberichte rund um das Thema Rassismus finden. Unter dem Hashtag  #gegenRassismus  werden wir die Aktion in unseren sozialen Netzwerken auf Facebookund Twitter begleiten.
Mehr zum Thema
Online-Wochen gegen Rassismus:
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Hier gibt es das gesamte Programm der Karlsruher Wochen gegen Rassismus zum Download.

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Kommentare (14)
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  •   Luesterklemme
    (208 Beiträge)

    30.03.2016 19:30
    Eine schöne Geste!
    Ich persönlich hätte die Zeit nicht, diese Stolpersteine zu putzen.

    Es ist interessant zu sehen, wo überall Juden lebten und traurig zugleich, wie sie von einer Horde Faschisten aus den Häusern entführt wurden.

    Da kann man nur hoffen, daß so etwas nie mehr passiert und kein neuer Judenhaß aufflammt.
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  •   HeldHeiko
    (68 Beiträge)

    21.03.2016 17:21
    80 Jahre danach...
    Ich bin 81 Jahrgang, also bei meiner Geburt war das Thema 36 Jahre vorbei. Jetzt sind nochmal 34 Jahre (eieie) ins Land gezogen. Ob in nochmal 30 Jahren dass dann endlich etwas weniger hochgepeitscht wird?
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  •   ALFPFIN
    (5218 Beiträge)

    21.03.2016 20:12
    @HeldHeiko
    die Generation unserer Väter und Gro0väter, auch Ihre Großvatergeneration waren es, die in ihrer unsagbaren Verblendung in halb Europa mit Millionen Opfern Krieg geführt und Millionen Menschen in Vernichtungslagern umgebracht haben.

    Da sollte auch ihre Generation nicht einfach mit einem Schulterzucken darüber hinwegsehen.
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  •   Luesterklemme
    (208 Beiträge)

    30.03.2016 19:32
    Vergangenheit
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  •   DreiFragezeichen
    (1402 Beiträge)

    21.03.2016 19:36
    @HeldHeiko
    Wenn Sie 1981 geboren sind, sind Sie jetzt also 34.

    Wenn man Ihre Angehörigen/Vorfahren deportiert und umgebracht hätte, dann würden Sie hoffentlich auch mit 94 im Jahr 2076 noch daran denken.

    Man kann das Thema gar nicht genug "hochpeitschen". Gerade jetzt!

    Was ich von Ihnen halte, schreibe ich jetzt lieber nicht.
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  •   Landpomeranzen
    (53 Beiträge)

    21.03.2016 23:29
    Wahrlich ein großes und beeindruckendes Statement zur rechten Zeit...




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  •   Maxx
    (15 Beiträge)

    21.03.2016 18:39
    Hochgepeitscht ?
    Wissen Sie, so einen sinnverwandten Kommentar hat man sogar schon in den 50-er Jahren gehört. Da hat sich offenbar nicht viel geändert.
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  •   haku
    (3608 Beiträge)

    21.03.2016 18:12
    Hochgepeitscht?
    Goethe, Schiller, Bismarck und Wagner sind noch viel länger her und werden auch noch ständig hochgepeitscht...
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  •   Baummarkt
    (19 Beiträge)

    21.03.2016 17:48
    Aha
    Ja richtig nervig so ein Völkermord hier in KA ^^ *Sarkasmus*
    https://www.youtube.com/watch?v=eZhLCD4aTrY
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  •   hustler
    (40 Beiträge)

    21.03.2016 17:01
    ob das hier viel Gehör findet?
    ohne AfD-Themen geht hier nix, denn unter euren Kommentatoren befinden sich leider sehr sehr sehr viele. Und dass es zum großen Teil Rassisten sind legt die Tatsache nahe, da diese Leute sich niemals gegen Rassismus bekennen und zum Beispiel auch solche Artikel wie diesen hier nicht kommentieren. Auch das ist Rassismus.
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