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Karlsruhe "Vorradler" Karlsruhe: Minister Hermann weiht Fahrradzähler am Ettlinger Tor ein

Als Winfried Hermann, seines Zeichens baden-württembergischer Verkehrsminister, am Donnerstag den ersten Fahrradzähler in Karlsruhe einweihte, hatte dieser bereits mehr als 3.000 Radler gezählt. Sie alle waren seit Mitternacht an der noch bedeckten Säule vorbei gerauscht, die jetzt auf Höhe des ECE-Centers in der "Fahrradfreundlichen Kommune" Karlsruhe steht.

Neben Freiburg und Offenburg besitzt die Fächerstadt nun einen der ersten drei Fahrradzähler in Baden-Württemberg, der auf Höhe der Erbprinzenstraße 4 steht. Die Säule ist ein "nicht ganz billiges Geschenk", wie Hermann erläuterte, und wird den badischen Städten im Rahmen der Auszeichnung "Fahrradfreundliche Städte" vom Verkehrsministerium verliehen.

Auszeichnung gilt für fünf Jahre

"Mit diesem hochwertigen Preis wollen wir das Engagement und die 'Vorradlerrolle' der drei Städte belohnen und gleichzeitig ein sichtbares Zeichen setzen, dass für uns jeder Radler zählt", so Minister Hermann. Denn Karlsruhe hat sich in puncto Fahrradförderpolitik zum "Vorradler" gemausert. "Nachdem wir 2005 nicht gerade die besten Noten von ADFC und ADAC erhalten haben, haben wir das 20-Punkte-Programm auf den Weg gebracht", berichtete Bürgermeister Michael Obert. Dies habe sich nun gelohnt.

Trotzdem wolle man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Die Landesauszeichnung "Fahrradfreundliche Kommune" ist auf fünf Jahre beschränkt und mit Auflagen für ihre Erneuerung verknüpft. "Wir haben sie als Anerkennung unserer Leistungen auch als Ansporn für die Zukunft aufgenommen", betonte darum Obert. In fünf Jahren wolle Karlsruhe die Prüfungen natürlich wieder bestehen. "Wichtig ist es, die Menschen mitzunehmen und ihnen zu zeigen, dass wir die Interessen der Radfahrer ernst nehmen", so Obert. Der Fahrradzähler sei dafür das richtige Signal.

Der Zähler funktioniert übrigens ganz einfach: Einige Meter vor der Säule wurden unter dem Asphalt quer zur Fahrbahn an zwei Stellen Drähte verlegt. Die Stellen sind bei genauem Hinsehen durch die schwarzen Markierungen auf der Straße gut zu erkennen. Durch diese beiden Zählschleifen fließt Strom, der ein Magnetfeld erzeugt. Sobald ein Fahrrad darüber fährt, stört der Eisenanteil im Rad dieses Magnetfeld. Durch die Veränderung erkennt die Säule - ebenfalls durch Drähte mit den Zählschleifen verbunden - den Radfahrer und reagiert. Autos oder Kinderwagen werden nicht erfasst.

Erst kürzlich hatte das Radlerforum in Karlsruhe Bilanz gezogen, wo die Fächerstadt bei der Umsetzung des 20-Punkte-Programms stehe. Gelobt wurde dabei unter anderem eine gefühlte Zunahme des Radverkehrs oder die neue Radwegeführung auf der Durlacher Allee von Durlach nach Karlsruhe über die alte B10.

Radweg-Anbindung der Bergdörfer problematisch

Noch keine planerische Lösung gebe es für Radwege zu den Bergdörfern, erfuhren die Mitglieder des Radlerforums. Auch das Dauerthema Anbindung der Messe Karlsruhe an Karlsruhe sowie die Verbindung vom Rheinhafen über Mühlburg in die Innenstadt warten noch mit Knackpunkten auf. Bei der Aufwertung der Innenstadt nach Beendigung der Bauarbeiten für die Kombilösung "wollen wir alles, was im öffentlichen Raum herumsteht, gestalterisch in die Hand nehmen", bekräftigte Bürgermeister Michael Obert. Daher überlege sich die Stadtverwaltung auch Lösungen für gut gestaltete funktionale Radabstellanlagen. 

Außerdem soll die Stadt bei der ohnehin geplanten Aufstockung der Radabstellanlagen auch Fahrräder mit Anhänger und andere Sonderfahrräder im Blick zu haben. Ein letzter Augenmerk lag auf der City-Route Süd. Wenn der Marktplatz ab 2013 aufgrund der Bauarbeiten für den Stadtbahntunnel für Veranstaltungen wegfällt, müsse bei der Suche nach Ausweichrouten sichergestellt sein, dass die City-Route intakt bleibe.

Rad-Kultur-Programm als Motivation für Kommunen

Mit der Auszeichnung "Fahrradfreundliche Kommune" will das Land nicht nur besondere Leistungen für die Fahrradförderung honorieren, sondern auch Anreize für andere Kommunen setzen, die positiven Beispiele nachzuahmen. Ein Ziel der Landespolitik sei es, den Anteil des Radverkehrs am Verkehrsaufkommen landesweit und in den einzelnen Kommunen zu verdoppeln, so Minister Hermann am Donnerstag. Um diese Zielsetzung zu erreichen, hat das Ministerium ein Rad-Kultur-Programm entwickelt, in dessen Rahmen verschiedene Maßnahmen und Aktionen auf Landesebene und in ausgewählten Modellkommunen umgesetzt werden.

Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) können sich ihre Anstrengungen und Erfolge in der Radverkehrsförderung somit auch in den kommenden Jahren vom Land zertifizieren lassen. Eine Prüfkommission aus Mitgliedern des Landesbündnisses ProRad, in dem sich verschiedene Vertreter von Einrichtungen und Verbänden aus Praxis und Wissenschaft zusammengeschlossen haben, prüft und bewertet die Angaben der Städte in den umfangreichen Antragsfragebögen und macht sich auch vor Ort ein Bild von der Radverkehrssituation. Ausschlaggebend für die Bescheinigung der Fahrradfreundlichkeit ist dabei insbesondere der Beweis eines zielgerichteten Gesamtkonzepts für eine nachhaltige und ambitionierte Radpolitik.

Weitere Informationen zur Auszeichnung und der AGFK-BW gibt es im Internet.

Siehe auch:

Auszeichnung: Karlsruhe ist "Fahrradfreundliche Kommune"

Karlsruher Radlerforum: Anbindung an Bergdörfer ist problematisch

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