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16.02.2016 16:43
 
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dm-Neubau: Karlsruher Stadträte diskutieren über Vollknoten-Alternative [1]

So soll die neue dm-Zentrale aussehen
Bild:(ps/dm)

Karlsruhe (Marie Wehrhahn) - Der geplante dm-Neubau an der Durlacher Allee beschäftigt am Dienstag erneut den Karlsruher Gemeinderat. Die Kult-Fraktion zeigt sich hinsichtlich des zu erwartenden Verkehrsaufkommens besorgt und fordert in einem Antrag an den Gemeinderat die Untersuchung einer alternativen Anbindung der dm-Zentrale, um Staus zu vermeiden. Bisher war ein Vollknoten Hauptbestandteil der Planung.
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"Die Kult-Fraktion möchte wie der gesamte Gemeinderat eine Mehrbelastung der Dornwaldsiedlung [...] vermeiden", so machen die Stadträte in ihrem Antrag deutlich. Sorgen bereitet ihnen der zu erwartende Verkehrsboom, der von beschäftigten Pendlern, Lieferanten, Kunden und Besuchern ausgehen werde.

Sorge um Lebensqualität in Dornwaldsiedlung

"Die prognostizierte Verkehrsbelastung am geplanten Vollknoten Durlacher Allee/Alte Karlsruher Straße birgt in den morgendlichen und abendlichen Spitzenstunden Rückstau-Risiken für den Individualverkehr." Dieser Rückstau und die per Lichtzeichenanlage gesteuerte Überfahrt der Straßenbahntrasse würde sich schlussendlich auf den ÖPNV, den Radverkehr sowie auf die Lebensqualität der Anwohner der benachbarten Dornwaldsiedlung auswirken.

Wie die Kult weiter ausführt, hatte die Stadtverwaltung im September 2015 darauf hingewiesen, dass durch die Wartezeiten durch Rückstau an der Signalanlage damit gerechnet werden müsse, dass ein Teil des Verkehrs von und zur dm-Zentrale weiterhin die Johann-Strauß-Straße als Alternativroute nutzen werde. Eine Entlastung für die Dornwaldsiedlung, so wie sie der Vollanschluss veranschlagt hatte, werde daher so nicht möglich sein.

Ein weiterer Kritikpunkt am Vollknoten: Die gute Anbindung der neuen dm-Zentrale an den ÖPNV könnte eine Umverteilung in der Verkehrsmittelwahl seitens der dm-Mitarbeiter zur Folge haben. "Auch deshalb, vor allem aber wegen der enormen regionalen Bedeutung dieser Trasse mit beispielsweise S5 und Tram 1 gilt es, einen negativen Einfluss auf die Qualität des ÖPNV durch den Umbau zu vermeiden.

Erst kürzlich hatte sich der Fahrgastverband öffentlich gegen den geplanten Vollknoten ausgesprochen - vor allem, da dieser den Autoverkehr über die Schienen führe und der barrierefreie Zugang zu den Bahnsteigen über die stark befahrene Durlacher Allee eingeschränkt wäre.

U-Turn oder Kreisel zur Stauvermeidung?

Ein Lösungsvorschlag der Kult: Ein "Wenden" für Autos und Lkw aus Westen kommend unter der Durlacher Allee könnte dieses Problem kreuzungsfrei und ohne Eingriff in die Straßenbahntrasse lösen. Die dafür notwendigen Ingenieurbauwerke existieren bereits. Eventuell reichen, so die Stadträte, Ummarkierungen und ein kleiner "U-Turn". Als Beispiel wird hier jener in der Kriegsstraße genannt. Andernfalls wäre ein Kreisel oder ein ähnliches direkt nördlich der Unterführung der K9659 unter der Durlacher Allee zu prüfen, so die Kult.

Die Verwaltung steht der Idee der Kult positiv entgegen. In einer Stellungnahme gibt sie an, im Zusammenhang mit den Planungen zum Park-and-Ride-Platz am Bahnhof Durlach die Möglichkeit eines ergänzenden und möglichst umwegarmen Wenders auf der K9659 zu prüfen. Konkreter führt sie aus: "Mit dem Bau der Anschlussstelle Karlsruhe-Nord und der Verlegung der B10, hat die K9659 einen Großteil ihrer Verkehrsbedeutung verloren. Deshalb wurden bereits vor einiger Zeit Überlegungen angestellt, welche neuen Handlungsoptionen sich daraus für den Bereich der ehemaligen B10 ergeben könnten."

Park-and-Ride-Platz geplant

Diese Überlegungen führten zu der Planung, auf Höhe des Bahnhofs Durlach auf der östlichen Richtungsfahrbahn P+R-Plätze anzubieten. Um das Zu- und Abfahren der P+R-Plätze aus bzw. in alle Richtungen zu ermöglichen, ist deshalb auch der Bau von U-Turns vorgesehen, erklärt die Stadt. Diese könnten prinzipiell auch zur Erschließung der dm-Zentrale beitragen.

"Da der U-Turn aus Richtung Westen kommend allerdings erst nach der Parkierungsanlage vorgesehen ist, und somit für die Erschließung von dm sehr umwegig wäre, wird im Rahmen der derzeitigen Ausführungsplanung für den P+R-Platz geprüft, ob ergänzend eine zusätzliche Wendemöglichkeit in der Nähe der Unterführung unter der Durlacher Allee geschaffen werden kann", so die Verwaltung. Hier stehen die weiteren Planungen jedoch noch aus. "Diese Wendemöglichkeit wird aufgrund der Sichtverhältnisse in der Linkskurve sowie aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen der Rampen nicht unmittelbar im Anschluss der Unterführung möglich sein. Auch stellen die großen Wendekreise von Bussen und Lkw eine Schwierigkeit dar", heißt es weiter.

Inwieweit die Wendemöglichkeit von den Verkehrsteilnehmenden tatsächlich angenommen würde, bleibe abzuwarten und nach Realisierung des ersten Bauabschnittes der dm-Zentrale zu untersuchen. Die Realisierung des P+R-Platzes auf Höhe des Bahnhofs Durlach ist für das kommende Jahr 2017 geplant.

Die Diskussion im Gemeinderat am Dienstag, 16. Februar:

Eberhard Fischer (Kult, Antragssteller): Die Verkehrsentwicklung im Rahmen des dm-Neubaus ist Thema in allen Fraktionen Thema. Wir sind der Überzeugung, dass der dm-Neubau in der Untermühlsiedlung ein großer Gewinn für die Stadt Karlsruhe ist. Dennoch wird die Dornwaldsiedlung am stärksten betroffen sein, das gilt es verstärkt zu berücksichtigen. Seit mehreren Monaten denken Gemeinderat und Stadt über einen Vollknoten nach, um den Verkehr zu regeln. Aber was passiert in der Zeit, in der wir darüber nachdenken? Dann steht dm schon. Wie halten wir dem Pendlerverkehr in der Zwischenzeit Stand? Ich habe Zweifel am Vollknoten, weil er die gut funktionierende Durlacher Allee und auch die Straßenbahn unterbrechen würde. Ein anderer Vorschlag ist, die bestehende Unterführung der B10 in Richtung Grötzingen zu nutzen. Dass die Verwaltung laut Stellungnahme auch über diesen Vorschlag und damit einen U-Turn an dieser Stelle nachdenkt, finden wir gut. Eventuell könnte man die  Alte Karlsruher Straße auch morgens zur Einbahnstraße machen? Das würde die Leute zwingen, die Wendeschleife zu benutzen. Langfristig, wenn das alles nicht reicht, sollten wir darüber nachdenken, statt dem Vollknoten, eine reine Ausfahrt aus der Untermühlsiedlung zu installieren. Das sind aktuell nur Anregungen, jetzt sind die Fachleute gefragt. Wir warten ab, was bei den anstehenden Prüfungen herauskommt.

Thorsten Ehlgötz (CDU): Auch wir begrüßen den Neubau und Standort von dm. Prinzipiell gilt: Wenn wir Firmen ansiedeln, müssen wir Infrastruktur schaffen. Wir sollten davon absehen, Fehler in diesem Rahmen zu wiederholen und erst im Nachhinein über die Verkehrsregelung nachzudenken. Es ist eine große Herausforderung, die Dornwaldsiedlung zu berücksichtigen und Schleichverkehr abzuwenden. Dennoch sollten wir die ganzheitlichen Untersuchungen auch hinsichtlich des Ostrings und des IKEA-Neubaus abwarten.

David Hermanns (SPD): Wir befinden den Kult-Antrag als kontruktiv, wollen aber Bahnkunden und Anlieger nicht gegeneinander ausspielen. Wir sollten erstmal die Untersuchungen hinsichtlich Stau und ÖPNV abwarten. Alles andere ist derzeit reine Spekulation. Wenn sich dann herausstellt, dass der von der Kult vorgeschlagene U-Turn eine gute und dankbare Lösung ist, stehen wir dem nicht im Weg.

Johannes Honné (Grüne): Aus unserer Sicht ist der Vorschlag der Kult eine gute Idee, die weiter untersucht werden sollte. Wir müssen aber auch die Strecke aus Richtung Osten bei dieser Planung berücksichtigen. Obwohl wir damals der Prüfung zugestimmt haben, haben auch wir erhebliche Bedenken am Vollknoten, der eine starke Belastung für alle mit sich bringen könnte. 

Tom Hoyem (FDP): Wir möchten auch abwarten.

Paul Schmidt (AfD): Wir begrüßen den Vorschlag. Den geplanten Vollknoten zu entlasten, macht Sinn. Dadurch könnten Staus vermieden werden. Die Stadt sollte dies weiter untersuchen.

Jürgen Wenzel (Freie Wähler): Wir sehen den Antrag als gut an.

Hans Pfalzgraf (SPD): Ein Einwurf von meiner Seite an dieser Stelle: Meiner Meinung nach, läuft die Diskussion gerade in die falsche Richtung. Wir waren alle der Meinung, dass der Vollknoten geprüft werden soll. Die damit zusammenhängenden Probleme waren von vorne herein klar. Aber jetzt scheint es so, als wollte der Großteil weg vom Vollknoten, so, als sehe man den Kult-Vorschlag als gute Alternative. Seit der Meldung des Fahrgastvereins steht der Eindruck im Raum, der ÖPNV würde aufgrund des Vollknotens leiden. Am Weinweg funktioniert dies hingegen auch - warum dann nicht auch in Durlach? Wir müssen uns bewusst werden: Wenn diese Alternative umgesetzt wird, fahren die Autos ja trotzdem noch durch die Johann-Strauß-Straße, die dadurch belastet wird. Wir müssen alle Varianten prüfen und uns jetzt nicht jetzt schon auf eine Alternative festigen.

Oberbürgermeister Frank Mentrup: Wir müssen uns bewusst werden, dass die Alternative längere Fahrtzeiten beinhalten würde und uns entscheiden was uns wichtiger ist: Kürzere Wege für Pendler oder innerstädtische Verdichtung? Hier sollten wir die Verkehrszählungen abwarten, um konkrete Schlüsse zu ziehen. Dennoch stehen wir dem Kult-Antrag positiv gegenüber und wollen diesen zur Prüfung frei geben.

Das sind die Mehrheitsverhältnisse im aktuellen Gemeinderat:

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