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08.01.2016 11:11
 
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Zunehmende Gewalt: Wie sicher sind die Karlsruher Asylunterkünfte? [0]

In der LEA in Karlsruhe stammen die Asylbewerber aus vielen verschiedenen Ländern. Dabei können Feindschaften einzelner Volks- und Religionsgruppen zum Problem werden.
Bild:Daniel Karmann/Archiv

Karlsruhe (Ramona Holdenried) - Prügeleien, Spuckattacken, Messerangriffe: Nicht immer geht es in Flüchtlingsunterkünften friedlich zu. Nach Massenschlägereien in der Landeserstaufnahmestelle (LEA) für Flüchtlinge in Ellwangen (Ostalbkreis) zeigen sich Polizeigewerkschafter besorgt über die zunehmende Gewalt in Flüchtlingsheimen - und warnen erneut vor einer Überforderung der Beamten. Wie angespannt ist die Lage in Karlsruhe?
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Rüdiger Seidenspinner macht sich Sorgen. Der Grund: wiederholte Massenschlägereien in Flüchtlingsunterkünften. Erst am Sonntag hatten sich in der Landeserstaufnahmestelle in Ellwangen (Ostalbkreis) rund 50 Flüchtlinge teils mit Feuerlöschern und Eisenstangen geprügelt. In letzter Zeit richte sich die Gewalt auch immer wieder gegen Polizisten, warnt Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) am Dienstag. In Ellwangen waren auch Steine auf Streifenwagen geflogen.

Südwesten fehlen 2.500 Polizisten

Der Gewerkschafter warnt nun, dass Polizisten überlastet werden könnten. Aktuell fehlen im Südwesten 2.500 Beamte. Er hoffe, dass man die Gewalt innerhalb der Lage in den Griff bekommen könnte; Hoffnung auf eine Entspannung der personellen Situation hat er allerdings nicht. Es ist bereits das zweite Mal innerhalb kürzester Zeit, dass die GdP vor einer Überforderung der Beamten im Zuge des anhaltenden Flüchtlingsstroms nach Europa warnt.

 

Anfang Novemeber vergangenen Jahres schlugen die Gewerkschafter bereits Alarm: Die Bundespolizei ist in der Flüchtlingskrise stark überbelastet. Ende August hatte der Karlsruher Polizeipräsident in einem Pressegespräch angemahnt: "Die höchste Einsatzbelastung von Beamten in Baden-Württemberg hat das Polizeipräsidium Karlsruhe. Viele Kollegen sind am Rande der Belastbarkeit."

Polizisten müssen immer wieder in Asylunterkünften schlichten

Gleichzeitig sind die Beamten gefordert: Nicht nur in Ellwangen, sondern auch in Karlsruher Flüchtlingsunterkünften kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Einsätzen der Karlsruher Polizei. Bereits Anfang des Jahres kam es auf dem Gelände der Flüchtlingskaserne in der Rintheimerquerallee binnen weniger Tage zu zwei weiteren Vorfällen, die durch Streitigkeiten unter Asylbewerbern ausgelöst wurden. Ende Januar wurde die Karlsruher Polizei zu einem Einsatz gerufen, nachdem es unter 100 Asylbewebern zu Tumulten gekommen war. Nur ein paar Tage später musste die Polizei erneut in die selbe Asylunterkunft, da eine Gruppe mit Bettpfosten aufeinander losgegangen war.

Es sollte nicht der letzte Zwischenfall im Februar bleiben: Bei zwei Schlägereien in der LEA mussten die Beamten ein weiteres Mal ausrücken. Anfang November dann ein weiterer Streit unter Asylsuchenden: Eine Auseinandersetzung zwischen fünf Nordafrikanern und drei Syrern sorgte für ein größeres Polizeiaufgebot in der Landeserstaufnahmeeinrichtung in der Durlacher Allee. Sind die Befürchtungen der GdP auch in Karlsruhe berechtigt?
 So oft wurde die Karlsruher Polizei in den vergangenen Monaten zu Einsätze in eine der Karlsruher Asylunterkünfte gerufen:

  Juli August September Oktober Novemeber Dezember
Streitigkeit 11 11 9 9 9 11
Schlägerei/
Körperverl.
9 13 16 13 13 8
Diebstahl 7 7 12 14 11 8
Bedrohung 1 1 - 2 1 -
Randalierende
Person
7 18 10 16 6 11
Betrunkene - - 4 3 3 -
gesamt 37 58 53 63 43 40
 

 

Eine Einschätzung der Sicherheitslage sei in der Fächerstadt, in der die Flüchtlinge vergleichsweise kurz untergebracht sind, eher schwierig. "Wir haben in Karlsruhe eine hohe Fluktuation" meint der Polizeisprecher im Gespräch mit ka-news. Zudem werde nicht jeder Vorfall auch der Polizei gemeldet. Massenschlägereien, wie sie am Sonntagabend in der LEA in Ellwangen zu beobachten waren, seien in Karlsruhe aber selten, stellt der Polizeisprecher klar. Häufiger käme es zu einzelnen Körperverletzungen oder Diebstählen. Mit Blick auf die Einsatzzahlen ergebe sich kein Muster, welches darauf hindeute, dass die Lage in den Karlsruher Unterkünften unsicher sei.

Den Grund für die Streitigkeiten sieht der Karlsruher Polizeisprecher in der Unterbringung. "Wenn man viele verschiedene Ethnien auf einem engen Raum zusammenbringt, sind Probleme vorprogammiert", erklärt er. Besonders Zeiten, in denen man die Flüchtlingskunterkunft witterungsbedingt nicht verlassen kann, bergen nach Einschätzung des Polizeisprechers hohes Konfliktpotential. In den meisten Vorfällen in der Vergangenheit konnte die Situation nach dem Eintreffen der Beamten entspannt werden: "Der Respekt vor dem Beamten ist groß, daher kehrt nach Erscheinen der Beamten meist schnell Ruhe ein."

Der Umgang mit der aktuellen Flüchtlingssituation ist ein stark polarisierendes Thema. Als lokales Medium sehen wir es als unsere Aufgabe an, objektiv über die Auswirkungen für Gesellschaft und Politik in Karlsruhe zu berichten. Meinungsfreiheit ist für uns ein hohes Gut, kontroverse Debatten ein Ausdruck lebendiger Meinungsvielfalt und ein wichtiger Bestandteil der Demokratie. Leider mussten wir in jüngster Vergangenheit feststellen, dass Emotionen eine sachliche Argumentation zunehmend unmöglich machten. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, den Kommentarbereich unter diesem Artikel geschlossen zu halten.

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