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Karlsruhe Schutz vor Masern und Co: Mehr Impfungen für Flüchtlinge in Karlsruhe

Anfang Dezember lebten rund 5.000 Asylsuchende in Karlsruhe. Da sie auf engstem Raum zusammenleben, droht die Ausbreitung von Krankheiten. In Baden-Württemberg will das Sozialministerium gegensteuern und das Impfangebot für Flüchtlinge verbessern. Wie diese Verbesserung in Karlsruhe konkret ablaufen soll, haben die zuständigen Behörden auf Nachfrage von ka-news bekannt gegeben.

Künftig soll sich der Impfschutz für Asylsuchende in Baden-Württemberg verbessern, so der Plan des Sozialministeriums in Stuttgart. Flüchtlinge sollen künftig systematisch geimpft werden. Konkret bedeutet das, dass die Menschen in den Erstaufnahmeeinrichtungen eine Immunisierung gegen Diphterie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung erhalten.

Bei Kindern sollen zusätzlich noch die Impfungen gegen HiB (Haemophilus influenzae Typ B) und Hepatitis B hinzukommen. Des Weiteren sollen die Asylsuchenden gegen Masern, Mumps, Röteln, Windpocken und auch Influenza immunisiert werden.

Karlsruher Behörden reagieren auf Masernausbrüche

Damit reagiert das Sozialministerium auf eine Empfehlung des Robert Koch-Instituts. "Durch das enge Zusammenleben von Personen in Gemeinschaftseinrichtungen kann die Gefahr von größeren Ausbrüchen von Infektionskrankheiten bestehen, insbesondere wenn viele empfängliche Personen aufeinander treffen", warnt das Institut (Link führt auf externe Seite). Einzellfallberichte von Masernausbrüchen in Asylbewerbereinrichtungen hätten gezeigt, dass zum Beispiel bei der Bekämpfung von Masern diese Zielgruppe eine besondere Aufmerksamkeit bedürfe.

Mit einem solchen Ausbruch sahen sich auch die Verantwortlichen in den Karlsruher Unterkünften mehrfach konfrontiert. Erst im März dieses Jahres kam es zu einem Masernausbruch in der Flüchtlingsunterkunft Mackensen-Kaserne, das Gelände im Nordosten der Fächerstadt wurde daraufhin unter Quarantäne gestellt. Aus diesen Fällen habe man seine Lehren gezogen, erklärt Ulrich Wagner vom Gesundheitsamt in Karlsruhe.

Man habe in den Karlsruher Einrichtungen begonnen, Impfungen gegen Masern, Röteln und Mumps zu verabreichen. Zudem wurde in den Karlsruher Unterkünften auch eine Grippeimpfung angeboten - keine Selbstverständlichkeit in Baden-Württemberg.  "Die Empfehlung des Robert Koch-Instituts ist ein Anlass, das Angebot weiter auszuweiten", so Wagner. Wann genau das systematische Impfen startet, ließ das Sozialministerium Anfang Dezember noch offen.

"Medizinisches Angebot wird dankbar angenommen"

Konkrete Zahlen über den Impfstatus der Asylbewerber hat Wagner nicht. "Ein Großteil der Flüchtlinge weiß nicht, ob und was geimpft wurde - und ein Impfpass ist eine Rarität", erklärt er im Gespräch mit ka-news. Lücken aufzufüllen würde da nicht reichen. "Wir agieren so, als wären die Menschen nicht geimpft." Wenn der Betroffene dies nicht möchte, steht es ihm frei, die Spritze zu verweigern. "Es gibt in Deutschland keine Zwangsimpfung. Das gilt auch für Flüchtlinge", betont Wagner.

Daran ändern auch die Pläne des Sozialministeriums nichts. "Es gibt ein 'systematisches Impfangebot'", erklärt eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Karlsruhe, "das bedeutet, dass jeder Flüchtling im Rahmen der allgemeinen Gesundheitsuntersuchung auf die Möglichkeit, geimpft zu werden, hingewiesen wird." Wagner weiß aus Erfahrung, dass dieses Angebot von Asylsuchenden gerne in Anspruch genommen wird. "Die Impfskepsis ist weniger vorhanden", berichtet er, "in der Regel wird alles, was an medizinischer Vorsorge vorhanden ist, dankbar angenommen."

Gibt es auch ausreichend Impfstoff?

Die Impfung kann dann vor Ort über ein medizinisches Versorgungszentrum durchgeführt werden, gesteuert werden die Abläufe durch das Gesundheitsamt des Landratsamtes Karlsruhe. Die Kosten von 130 Euro für eine komplette Immunisierung trägt nach eigener Aussage das Regierungspräsidium Karlsruhe.

Luft für Verbesserungen sieht Wagner aber nach wie vor. "Ich würde mir eine größere Durchimpfung bei Grippe wünschen - gerade bei den Älteren oder den Schwangeren", meint er. Allerdings müsse auch man bedenken, dass Impfstoff nicht im Übermaß hergestellt werden könne. "In den letzten Jahren haben wir immer wieder erlebt, dass beispielsweise Impfstoffe für Kinderlähmung knapp wurden", schildert der Experte.

Seit einigen Tagen habe es auch Engpässe bei der Impfung gegen Diphterie, Tetanus und Keuchhusten gegeben. Bei einer großen Nachfrage am Dienstag sei der Impfstoff gegen Masern und Röteln sogar ausgegangen, so Wagner. Impfstoffe einzeln und nicht in Kombination zu verabreichen, sei zwar grundsätzlich möglich, aber in den Erstaufnahmeeinrichtungen keine Lösung.

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