Karlsruhe Kriminelle Flüchtlinge in Karlsruhe: "Eine andere Kultur ist keine Ausrede!"

Sie haben kriminelle Asylbewerber im Blick: Seit rund drei Monaten gibt es in Karlsruhe die erste Ermittlungsgruppe, die sich auf zugewanderte Mehrfachtäter konzentriert. Am Montag zog die Polizei ein erstes positives Fazit - warnte aber auch vor Pauschalisierungen.

Rund drei Monate ist die Spezialtruppe von Jörg Grether alt. Im März dieses Jahres wurde die Ermittlungsgruppe "Mehrfachtäter Zuwanderung" (MTZ) in Karlsruhe ins Leben gerufen. Es ist die erste Ermittlungsgruppe des Landes, die sich speziell um straffällig gewordene Asylbewerber im Bereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe kümmert.

"Die überwiegende Mehrzahl ist nicht kriminalitätsauffällig"

Grund für die Einrichtung der Ermittlungsgruppe waren Erkenntnisse, die aus den Auswertungen der Kriminalitätslage gezogen werden konnten, erklären die Verantwortlichen. Demnach ist eine bestimmte Anzahl von Zuwanderern mehrfach straffällig geworden - und zwar vor allem bei Eigentumsdelikten und Antanzdiebstählen, aber auch bei Gewalttaten oder Raubstraftaten. Es ist eine kleine Tätergruppe, doch diese fallen statistisch ins Gewicht: Zwischen 2,5 und 3,5 Prozent der Asylbewerber schlagen deutlich über die Stränge, so Polizeipräsident Günther Freisleben.

Pressegespräch Ermittlungsgruppe Mehrfachtäter Zuwanderung

(Karl-Heinz Ruff, Leiter der Kriminalpolizeidirektion, Polizeipräsident Günther Freisleben und Jörg Grether, Leiter der Ermittlungsgruppe, ziehen nach drei Monaten eine erste Bilanz (v.l.) )

Die MTZ nimmt sich Personen an, die ein hohes Maß an krimineller Energie an den Tag legen. "Wer 20 Tage in Deutschland ist und zehn Straftaten begangen hat, hat kriminelle Energie", stellt Freisleben klar. Eine andere Kultur sei keine Ausrede, denn auch dort sei der Diebstahl eine Straftat. Eines betont Karl-Heinz Ruff, der Leiter der Kriminalpolizeidirektion, bei der Pressekonferenz am Montag aber: "Die überwiegende Mehrzahl der Zuwanderer ist nicht kriminalitätsauffällig."

Weniger bearbeitete Straftäter, dafür intensivere Bearbeitung

Derzeit befinden sich 27 Personen im Fokus der Ermittlungsgruppe - sie sollen zehn Straftaten innerhalb kurzer Zeit begangen haben. Ein großes Problem für die Ermittler: Der Wohnort sei nicht immer auch identisch mit dem Aufenthaltsort, erklärt Ruff. Zudem würden sich die Täter oft aus dem eher ländlichen Raum als in die Karlsruher Innenstadt begeben.

Um gezielte Maßnahmen einleiten zu können, liegt der Schwerpunkt der Ermittlungsgruppe auf Mehrfachtätern, die innerhalb von sechs Monaten mindestens zehn Mal straffällig geworden sind. Würde die Ermittlungsgruppe sich auch auf Täter mit fünf statt zehn Straftaten konzentrieren, müssten die vier Beamten 139 Fälle bearbeiten - was für das kleine Team von Grether deutlich zu viel wäre. Die Gruppe sei nicht auf die Masse bedacht, sondern darauf, einen ausgearbeiteten Haftantrag zu stellen, der dann auch bewilligt wird, heißt es vonseiten der Polizei.

Kriminelle Flüchtlinge kommen schneller in Haft

Mit den bisherigen Erfolgen sind die Karlsruher Ermittler am Montag zufrieden: Seit Anfang März sind 18 Haftanträge gestellt worden, in elf Fällen kam es zu einem Haftbefehl. Neun Personen befinden sich noch in Haft; zwei weitere jugendliche, Straftäter wurden gegen Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt.

"Die Quote von über 50 Prozent der erlassenen Haftbefehle spricht für die Qualität der Arbeit", so Freisleben. Der Polizeipräsident erhofft sich eine abschreckende Wirkung für potentielle Straftäter und eine Verbesserung des Sicherheitsgefühls bei der Bevölkerung. Durch das koordinierte Vorgehen käme es nun zu einer schnelleren Verurteilung der Intensiv-Täter. 

Die Karlsruher Ermittlungsgruppe ist in Baden-Württemberg bisher einmalig. Die Polizeipräsidenten von Mannheim und Stuttgart haben nach Aussage der Karlsruher Polizei schon Interesse bekundet, ebenfalls eine solche Stelle einzurichten.

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