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Durlach "Kein All-Inclusive-Hotel": So leben schutzbedürftige Flüchtlinge in Durlach

Mehrere tausend Asylsuchende leben derzeit in Flüchtlingsunterkünften in und rund um Karlsruhe. Unter ihnen: Schwangere, Kranke, Menschen mit Behinderung. Für diese Schutzsuchenden gibt es in Durlach eine besondere Unterkunft: das Anna-Leimbach-Haus. ka-news hat den Schutzraum für die besonders Schwachen besucht.

Seit nunmehr drei Monaten beherbergt die Flüchtlingsunterkunft im Durlacher Anna-Leimbach-Haus Asylsuchende mit ganz besonderen Bedürfnissen: Schwangere, Wöchnerinnen, Krebskranke, Rollstuhlfahrer, Blinde - all jene, die in einer ganz normalen Flüchtlingsunterkunft verloren oder sogar gefährdet wären, bietet der Schutzraum Unterkunft. Damit ist das Anna-Leimbach-Haus landesweit einzigartig.

Ein Schutzraum für ein Jahr

Platz ist insgesamt für 300 Personen vorhanden, darunter auch 160 Betten für Wöchnerinnen. "Zurzeit leben bei uns etwa 270 Menschen, darunter 25 Schwangere und 25 Wöchnerinnen mit ihren engsten Familien. Aber eigentlich ändert sich das täglich", berichtet Katrin Huber, die Leiterin der Flüchtlingsunterkunft, die vom Karlsruher Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) betrieben wird.

"Die Zielgruppe der besonders Schutzbedürftigen war schon immer ein großes Problem in der Flüchtlingsunterbringung", erklärt sie, "Rollstuhlfahrer, Blinde oder Schwangere haben einfach ganz andere Bedürfnisse und können nicht mit hunderten anderen Menschen in einer Turnhalle untergebracht werden." . Seit drei Monaten sind eben diese Menschen nun schon in Durlach untergebracht – vorerst nur für ein Jahr, dann wird das Anna-Leimbach-Haus abgerissen. Der Mietvertrag ist für ein Jahr begrenzt, die AWO will danach ein neues Pflegeheim errichten.

Strenge Regeln für die Unterbringung im Anna-Leimbach-Haus

Dabei sei die Flüchtlingsunterkunft für die besonderen Anforderungen ideal, meint Huber. Die Schwangeren und Wöchnerinnen sind mit ihrem Anhang in dem Gebäude untergebracht, in dem ich früher der Trakt für das betreute Seniorenwohnen befand. Hier gibt es eine Hebammensprechstunde, hier haben die Familien kleine Appartements mit eigenen Sanitäranlagen – ein Punkt, der gerade für die Wochenbett-Hygiene extrem wichtig ist.

Im Bereich, der früher die Pflegeeinrichtung des Seniorenheims war, leben heute Menschen mit Behinderungen und besonderem Pflegebedarf. "Denken Sie einfach an einen Menschen, der an Krebs erkrankt ist und gerade eine Chemotherapie macht. Da braucht es hygienische Grundvoraussetzungen, die in herkömmlichen Unterkünften einfach nicht gegeben sind – wir können das hier bieten und so erheblich zur Genesung dieser Menschen beitragen", schildert Huber.

Anna-Leimbach-Haus

(Katrin Huber (rechts) leitet mit ihrem Team die DRK-Flüchtlingsunterkunft im Durlacher Anna-Leimbach-Haus.)

Dennoch betont sie: "Wir sind kein Krankenhaus." Es gebe zwar einen mobilen Pflegedienst der AWO, der vorbeikäme, um beispielsweise Wunden zu versorgen, aber Menschen mit ansteckenden Krankheiten würden im Anna-Leimbach-Haus nicht untergebracht. "Im Gegenteil, wenn eines der Kinder einmal Masern oder Windpocken hat, muss es zum Schutz der Schwangeren und der anderen Kinder sofort in eine Quarantäneeinrichtung gebracht werden."

Flüchtlingsarbeit – ohne Ehrenamt nicht machbar

Überhaupt seien die vielen Kinder etwas, mit dem man am Anfang gar nicht so gerechnet habe. "Wir sind da viel zu sehr von unseren deutschen Familienstrukturen ausgegangen. Aber in den seltensten Fällen kommen die Schwangeren ohne Kinder zu uns", berichtet die Leiterin der Einrichtung.

Und so hat sich die Kinderbetreuung in den vergangenen drei Monaten auch zu einem Kernthema im Anna-Leimbach-Haus entwickelt. In den großen Gruppenräumen des Hauses, wie der alten Kapelle, findet nun die Kinderbetreuung statt: Malen, spielen, lernen und auch mal toben - eine Aufgabe, so sagt Katrin Huber, die die Einrichtung nicht ohne ehrenamtliche Hilfe leisten könnte. "Wir sind den Karlsruhern sehr dankbar, sie bringen sich hier toll ein. Sei es in der Kinderbetreuung oder in der Kleiderkammer."

Überhaupt komme man mit den Durlachern prima klar. Von den Nachbarn gibt es keine Klagen und auch der Rest von Durlach sei eigentlich immer recht verwundert, dass man "von der Einrichtung so wenig merkt". "Da ist unser Vorteil eben, dass wir einen sehr großzügigen Gebäudekomplex haben und auch einen schönen Innenhof, den die Flüchtlinge hier nutzen können", so Huber. Die meisten Menschen kommen zurzeit aus Syrien, viele aus dem Iran und Afghanistan, aber auch Flüchtlinge aus den Balkanländern werden vom Regierungspräsidium nach Durlach geschickt.

"Manche von ihnen bleiben nur zwei Wochen, andere für Monate", erklärt Katrin Huber. Genau das erschwere aber auch die Arbeit: "Natürlich müssen wir hier nach festen Regeln leben, den Menschen klar machen, dass dies kein 'All-Inclusive-Hotel' ist, dass sie beispielsweise für ihren Müll selbst verantwortlich sind und gewisse Pflichten zu erfüllen haben. Das ist sehr schwer, wenn die Bewohner so häufig wechseln."

Aber generell sei das Zusammenleben im Anna-Leimbach-Haus eher friedlich und ruhig – kein Vergleich zu anderen Unterkünften, weiß Katrin Huber, die selbst als Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit begonnen hat. Hier in Durlach sei eben – auch der besonderen Ausgangssituation geschuldet – vieles anders und auch besser.

"Die Menschen haben uns mit Kleiderspenden überrannt"

"Wir haben hier einfach bessere Voraussetzungen, um auf die Menschen in diesen besonderen Lebenssituationen einzugehen und das ist wirklich toll." Das fängt schon beim Essen an: Hier gibt es keine einmalige Essensausgabe in Tüten, im Anna-Leimbach-Haus wird im Speisesaal gegessen und jeder bekommt so viel, wie er möchte. "Gerade für Schwangere und Wöchnerinnen ist es wichtig, dass sie gesund und ausreichend essen und auch während nach einer Erkrankung ist das die Grundvoraussetzung zur Genesung", führt Katrin Huber aus.

Auch die Kleiderkammer des Hauses ist auf die speziellen Bedürfnisse eingerichtet: Strampler, Bodys, Windeln, Schnuller, Trinkfläschchen, kleine Kuscheltiere und Tragetaschen – eben alles, was man für die Erstausstattung eines Neugeborenen braucht. "Wir sind sehr dankbar über die positiven Reaktionen aus Durlach", freut sich Katrin Huber. "Die Menschen haben uns förmlich mit Kleiderspenden überrannt, so dass es manchmal schwierig war, den Andrang zu bewältigen. Denn auch die Kleiderkammer und die Kleiderausgabe wird von Ehrenamtlichen organisiert."

Paten für Flüchtlinge gesucht

Derzeit suche man nach Ehrenamtlichen, die es sich vorstellen können, eine Patenschaft für einen Flüchtling oder eine Familie zu übernehmen. Eine 1:1-Betreuung, die alles beinhalten kann, von Krankenbesuchen über Spaziergänge, bis hin zur Kinderbetreuung oder Unterstützung bei Arztterminen und Ämtergängen. "Wir könnten da ganz individuelle Patenschaften zusammenstellen, abgestimmt auf die Vorstellungen der ehrenamtlichen Helfer", so die Leiterin der Flüchtlingsunterkunft. Aber auch für Kinderbetreuer oder Dolmetscher für Arabisch, Farsi oder osteuropäische Sprachen habe man immer Verwendung, schmunzelt sie.

Durlacher, die sich engagieren möchten, wenden sich per E-Mail an fluechtlingshilfe@drk-karlsruhe.de   

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Kommentare (103)
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  •   Kiwi
    (163 Beiträge)

    18.02.2016 17:23
    Wieso sollten wir
    Nichts werde ich tun keine Kleider -, Sach- oder Geldspende wird man von mir erwarten können. Auch eine Patenschaft liegt nicht im Bereich des möglichen, selbst ein Selfie wie es Änschie gerne macht würde mich ank….
    Was mit meinen Steuergeldern gemacht wird ist doch ausreichend.
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  •   Murmeltier
    (176 Beiträge)

    18.02.2016 16:38
    Wieso
    ist der Kommentarbereich schon wieder geschlossen bei unseren Moscheefreund
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  •   Negerkeks
    (12 Beiträge)

    18.02.2016 16:57
    Weil Alkohol und Muslime nicht zusammenpasst.
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  •   Negerkeks
    (12 Beiträge)

    18.02.2016 16:58
    Hier kann so was nicht aufkommen...
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere AGB und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
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  •   karlsruherin
    (176 Beiträge)

    18.02.2016 14:01
    Herrlich!
    ...diese Kommentare!

    grinsen grinsen
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  •   Timmy78
    (129 Beiträge)

    18.02.2016 13:28
    Also
    Ich finde, daß man kranken und schwachen Menschen schon und umfangreich helfen muss, daß ergibt sich allein schon aus dem chrichtlichen Gebot der Nächstenliebe.

    Und gerade deswegen finde ich es einen untragbaren Zustand, daß man es diesen Menschen - darunter ja offensichtlich auch Krebskranke - zumutet, über tausende Kilometer hinweg zu uns zu kommen, um Hilfe zu erhalten.

    Ich bin eher dafür, alles daran zu setzen, den Leuten vor Ort zu helfen und dazu Krankenhäuser usw. zu errichten. Bestimmt sind einige der "Dorlacher-Ehrenämtler" sofort bereit, ihr Helfersyndrom an der türkisch-syrischen Grenze zu befriedigen. Der ein oder andere Ehemann wäre um diesen "Urlaub" der Liebsten bestimmt froh...

    Im Anna-Leimbach-Haus könnte man dann mittellose und vereinsamte Rentner betreuen, die über Jahrzehnte Beiträge gezahlt haben und nun ihren Lebensabend auf (bzw. zum Teil auch unter) Hartz IV - Niveau fristen. Ob es da auch zu einem Ansturm der Hilfsbereitschaft kommt ?
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  •   Zweistein
    (177 Beiträge)

    18.02.2016 13:59
    Bomben
    Solange Putin und Obama keine Skrupel haben, dort unten Krankenhäuser zu bombardieren, wird es wohl weder etwas mit dem Krankenhausbau vor Ort noch mit dem dortigen Urlaub der Durlacher Ehrenämtler!
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  •   Timmy78
    (129 Beiträge)

    18.02.2016 15:21
    Natürlich
    nicht mitten im "bunten Treiben" - sorry, ein anderes Wort fällt mir für die Zustände dort unten nicht ein. Ich meinte eher in den Nachbarstaaten - natürlich in Grenznähe.

    Ich denke mal nicht, daß Putin ein KH bombardiert, welches sich auf türkischem Staatsgebiet befindet. Das schafft höchstens unsere Luftwaffe, wenn der Tacho mal wieder blendet *grins*
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  •   Grezzo
    (890 Beiträge)

    18.02.2016 16:10
    ...
    zwinkern grinsen
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  •   karlsruher2010
    (26 Beiträge)

    18.02.2016 12:42
    Nicht täuschen lassen
    Noch vor ein paar Jahren waren pflegebedürtige alte Leute in diesem Haus untergebracht. Da war es doch auch gut genug. Für die Unterbringung ging meist die ganze Rente drauf, für welche die Rentner hart arbeiten mussten. Hat diese nicht ausgereicht, hat die Stadt Karlsruhe das Einkommen der Kinder wegen Unterhaltsverpflichtungen gepfändet. Die allergrößten Pro-Asylschreier sind die, welche sich am wenigsten an dem sozialen System in Deutschland beteiligen. Frei nach dem Motto "Ich hab ne große Klappe und die anderen zahlen es."
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