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Waldbronn Fußball ist Integration: FC Busenbach kickt mit Flüchtlingen

Vor gut einem Monat trafen sie zum ersten Mal aufeinander. Die Fußballer der Alten Herren des FC Busenbach und die syrischen Flüchtlinge, die in Waldbronn untergebracht sind. Seitdem kicken sie jeden Samstag in der Gemeinde südlich von Karlsruhe miteinander - längst hat sich die gemeinsame Begeisterung für die schönste Nebensache der Welt etabliert. ka-news hat sich das Projekt angeschaut - und selbst die Kickschuhe geschnürt.

"Angefangen hat alles mit dem Spiel gegen die syrischen Flüchtlinge. Sie wollten gegen uns antreten, in einem umkämpften Match haben wir schließlich 15 zu 12 gewonnen", erzählt Oliver Barlinn und lacht. Er ist Organisator und Spieler der Alten Herren des FC Busenbach und seit Beginn des Projekts dabei. Das war vor gut einem Monat. Seitdem kicken die Busenbacher Alten Herren jeden Samstag mit den syrischen Flüchtlingen. Sie alle sind in Waldbronn untergebracht.

Die Syrer sind fußballbegeistert

An diesem Samstag sind knapp 20 Spieler in die Halle gekommen: "Mittlerweile sind die Teams bunt gemischt", erklärt Cheftrainer Martin Reiser. Deutsche, Syrer und andere Nationalitäten kämpfen leidenschaftlich um den Ball. Die Stimmung ist gut, die Lust auf Fußball groß. Verständigungsprobleme gibt es kaum. Die Syrer können gut Englisch - ein Mitspieler auf Seiten der Alten Herren spricht arabisch, fungiert gelegentlich als Übersetzer.

Die Idee, die fußballbegeisterten Syrer mit den Alten Herren des FC Busenbach zusammenbringen, stammt aus den Reihen des Arbeitskreises Asyl. Vor gut einem Jahr hat er sich in der Gemeinde im südlichen Landkreis der Fächerstadt formiert. Im Laufe der Zeit wurde der Kreis immer größer. Bis zu 100 Helfer mit unterschiedlichem Hintergrund unterstützen die Flüchtlinge inzwischen, begleiten sie bei Behördengängen oder geben kostenfreien Deutschunterricht.

Auch Michael Masino gehört zum Arbeitskreis. Wie alle anderen, arbeitet er ehrenamtlich, stellt den Asylbewerbern Fahrräder zur Verfügung und knüpft Kontakte zu den Sportvereinen, so auch zu den Alten Herren des FCB: "Für die Flüchtlinge ist es eine schwere Situation, wenn sie neu hier sind", sagt Masino.

"Die Nervosität steigt"

Einige Flüchtlinge sind traumatisiert und erschöpft, haben einen steinigen Weg hinter sich. Masino erzählt: "Einer der Männer kam nach seiner Flucht aus Syrien in Griechenland an. Er kam zu Fuß bis nach Deutschland." Ein anderer harrte fünf Tage auf einem kaum seetauglichen Schleuser-Schiff aus. Diese Geschichten sind es, die Masino und die anderen zum Helfen bewegen: "Wie wäre es für uns, wenn wir in ein völlig fremdes Land kommen würden?", fragt er.

Für Mohieddin ist diese Hilfsbereitschaft ein starkes Signal. Er ist einer der Flüchtlinge, die an diesem Samstag auf dem Platz stehen. Nach dem letzten Spiel erzählt er Teile seiner Geschichte. Vor sieben Monaten kam er nach Deutschland, ließ seine Familie im kriegsgeplagten Syrien zurück. In seiner Heimat ist er Kickbox- und Fitnesstrainer - in Deutschland darf er nicht arbeiten.

Das sei das Schlimmste, sagt Mohieddin auf Englisch, denn dadurch könne er seit Monaten nichts für die Daheimgebliebenen tun. Per Internet und Telefon hält er Kontakt zu seiner Familie. Wie die anderen, wartet er auf die Bearbeitung seines Asylantrags: "Die Wartephase ist natürlich nicht einfach, die Nervosität steigt", erzählt er. Selten ist es leicht für ihn, sich auf sein Dasein in Deutschland zu konzentrieren: "Oft bin ich Gedanken bei meiner Familie in Syrien, die vom Krieg umgeben ist", erzählt Mohieddin, "Der Fußball tut da richtig gut", sagt er. Damit, so scheint es, beschreibt er das Gefühl aller seiner Mitspieler - ganz egal, welches Heimatland ihren Ausweis ziert.

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