Zwischen Äpfeln und Birnen: Ausbildung zum Obstbaugärtner
[0]
Karlsruhe (sas) - Der Apfel wächst auf dem Baum - das ist bekannt. Doch dass er von dort nicht gleich ins Supermarktregal fällt, schon weniger. Viel Arbeit steckt dahinter, damit aus der Apfelblüte im Frühjahr eine schöne Frucht wird. Darum kümmern sich die Obstbaugärtner im Obsthof auf dem Augustenberg am Karlsruher Turmberg. Während sie im Sommer meist bei blauem Himmel ernten, müssen sie im Winter auch bei Minustemperaturen raus. Ein Knochenjob mit so manchen Vorzügen.
Für die angehenden Obstbaugärtner vom Obsthof des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums (LTZ) Augustenberg beginnt der Arbeitstag um 7.30 Uhr. Zuerst setzen sich die Auszubildenden mit den anderen Mitarbeiter und dem Obsthofchef Hermann Meschenmoser zusammen und besprechen, was an diesem Tag anfällt.
Ende September steht die Obsternte auf dem Programm. Die ist in diesem Jahr zwei Wochen früher dran als sonst. "Das war die früheste Ernte in den letzten hundert Jahren", vermutet Meschenmoser, der momentan fünf Lehrlinge ausbildet.
Im Sommer Ernte, im Winter Baumpflege
Selina Wurth und Florian Schmidt sind im zweiten Lehrjahr. Den Tag über haben sie Äpfel und Zwetschgen geerntet. Diese werden in großen Holzkisten gesammelt, aufgeladen und in das Kühllager gefahren. Dort packen die beiden sie für den Verkauf im Hofladen kiloweise in Plastiksäckchen ab. Von der Qualität der Ware müssen sie sich regelmäßig überzeugen. Schließlich testet der Betrieb die Sorten für den Handel unter anderem auf Geschmack und Haltbarkeit.
In den Sommermonaten stehen die Azubis täglich rund zwei Stunden im Laden und verkaufen die hofeigenen Früchte, Fruchtsäfte und den selbst gebrannten Obstschnaps an die Kunden aus der Umgebung. Während der Wintermonate sind es vier Stunden, denn dann gibt es nichts mehr zu ernten.
Der Winter ist hingegen die Zeit für die Baumpflege. Bis fünf Grad unter null schneiden die Gärtner die Obstbäume nach und bereiten sie für die Blüte im Frühjahr vor. Baumsorten, die sich als ungeeignet für den Anbau erwiesen haben, roden die Mitarbeiter und machen den Platz frei für neue Sorten. Mit klammen Fingern Äste zurechzuschneiden, ist nicht immer ein Kinderspiel, weiß Selina Wurth, die auf dem elterlichen Obst- und Spargelhof in Oberkirch zwischen Obstbäumen aufgewachsen ist. "Aber daran gewöhnt man sich schnell."
Körperliche Ausdauer und Felixibilität
Überhaupt muss bereits der angehende Obstbaugärtner-Azubi körperlich belastbar sein. "Man muss gerne draußen sein - Sommer, wie Winter", bemerkt Selina Wurth. "Es ist auch nicht damit getan, wenn man sagt 'Ich mag Bäume'", fügt Florian Schmidt hinzu. Man müsse einen Bezug haben. Wie seine Kollegin ist er in einem Landwirtschaftsbetrieb groß geworden und will nach seiner Ausbildung den Obstbau auf dem elterlichen Hof etablieren.
Ausbilder Meschenmoser rät jedem, der sich für den Beruf des Gärtners interessiert, ein Praktikum in der Landwirtschaft zu machen. "Dort kann jeder testen, ob er körperlich dafür geeignet ist." Auch geistig müssten die Bewerber einiges leisten. Flexibilität sei gefordert, erklärt Wurth. "Oft müssen wir wegen der Witterung komplett umplanen." Richtig Nerven sind gefragt, wenn Wetterkapriolen Teile der Ernte zerstören - so geschehen auf dem Wurthschen Hof, wo Hagel den Großteil der Apfel- und Birnenernte vernichtete.
Eine Woche monatlich in der Schule
Die Arbeit auf dem Hof ist für die Azubis einmal im Monat von einer Woche Unterricht in der Berufsschule unterbrochen. Im ersten Lehrjahr ist die Ausbildung für jeden Gärtner gleich - egal ob er auf dem Obsthof, in der Baumschule oder auf dem Friedhof zum Einsatz kommt. Erst im zweiten Jahr wird der Unterricht fachspezifischer. Insgesamt drei Jahre dauert die Ausbildung. Neben Mathe, Deutsch und Religion ist Fachkunde in praktischer und theoretischer Form Hauptfach. Dort lernen die Azubis unter anderem Pflanzenkunde, Botanik, Bodenkunde und spezielle Kenntnisse zu einzelnen Obstsorten.
Nach zwei Jahren Arbeitserfahrung kann der Obstbaugärtner den Meister in einer einjährigen Weiterbildung machen. Dort erhält er in erster Linie betriebswirtschaftliche Kenntnisse, die er benötigt, um einen Betrieb zu führen. Generell gebe es sehr gute Arbeitsmöglichkeiten in den bundesweiten Obstanbaugebieten in der Gegend um Hamburg, in Ostdeutschland und im Bodenseeraum, bemerkt Hermann Meschenmoser. Dort suchten die Höfe händeringend nach qualitifiziertem Nachwuchs. "Zu wenige Leute interessieren sich für den Beruf", bedauert er.
Weitere ungewöhnliche Ausbildungsberufe:




twittern
facebook melden
StudiVZ melden
Google melden
Webnews melden
del.icio.us empfehlen
Mister Wong empfehlen
Linkarena melden
Windows live melden
Yahoo melden
Yigg melden
Kledy melden





































Social Bookmarks
Tweet