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Karlsruhe Zukunft Europahalle:"Wird nie wieder so sein, wie wir sie kennen und lieben"

"Die Europahalle wie wir sie kennen und lieben, wird es nicht mehr geben." Das stellte am Dienstag Karlsruher Wirtschaftsbürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz klar. Auch mit einer Komplettsanierung für 27 Millionen Euro wird die Halle an der Günther-Klotz-Anlage nicht mehr ihre frühere Kapazität von maximal 9.000 Besuchern erhalten. Die Stadträte favorisieren eine Teilsanierung für 9,15 Millionen Euro - eine endgültige Entscheidung ist am Dienstag aber noch nicht gefallen.

Das Interesse an der Zukunft der Europahalle war groß - die Zuschaunertribüne im Karlsruher Rathaus gefüllt. Diskutiert wurde im Stadtparlament über das ausgearbeitete Veranstaltungskonzept. Beleuchtet wurde in diesem alle städtischen Verwaltungsstätten inklusive Veranstaltungen, die Möglichkeiten einer zukunftsfähige Europahalle sowie eine erste Analyse des Bedarfs für künftige Schul- und Vereinssport, Konzerte und Sportgroßveranstaltungen in Karlsruhe.

Sanierung für 27 Millionen Euro wird abgelehnt

Die Erkenntnisse aus der Analyse waren ernüchternd: Selbst bei einer Sanierung für 27 Millionen Euro wäre die Halle für nicht in vollem Umfang für die professionellen Sportvereine nutzbar: "Die Einschränkungen in den Bereichen Vermarktung, Catering, VIP und Pressezentrum wären zu gravierend. Die Infrastruktur bei gemeinsamer Belegung mit allen bisher möglichen Sportarten muss optimiert werden. Weiterhin ist aus Sicht der Sportverbände und -vereine zudem mindestens ein 3-Feld-Halle mit Tribüne zusätzlich nötig", so die Rückmeldung vonseiten BG Karlsruhe, Leichtathletik-Gemeinschaft Region Karlsruhe und Kunstturnregion Karlsruhe.

Die Stadt selbst hält eine Sanierung der Halle für 27 Millionen Euro für "nicht angemessen". Befürwortet wird eine Sanierung zu Trainingszwecken: "Unbestritten brauchen wir die Europahalle für Vereins- und Schulsport", so Luczak-Schwarz am Dienstag.

Vereinssport oder doch Großveranstaltungen?

Trotz einer ablehnenden Haltung gegenüber einer Komplettsanierung: Ob die Europahalle künftig nicht doch zu einer Sportveranstaltungshalle umgebaut wird, ist noch nicht gänzlich vom Tisch. Mit Ausnahme der Grünen stimmte der Gemeinderat für die Ausarbeitung konkreter Maßnahmen für Großsportveranstaltungen durch den Sportauschuss zu. Dies soll auf Grundlage der Sportentwicklungsplanung geschehen - die Maßnahmen sollen noch vor der Sommerpause beschlossen werden.

Zustimmung gab es von den Stadträten für die künftige Nutzung der Europahalle für Schul- und Vereinssport. Aktuell wird die Halle von sechs städtischen, drei privaten Schulen sowie 18 Sport- und drei Leichtathletikvereinen genutzt. Um die Halle zu diesen Zwecken zu erhalten, müsste die Stadt 9,15 Millionen Euro in die Hand nehmen. Neben erforderlichen Brandschutzmaßnahmen wären in dieser Summe auch Modernisierungen sowie Sanierungen am Hallendach inbegriffen.

Der Zeitraum von Planung bis Fertigstellung würde knapp vier Jahre betragen - drei Jahre Planung und 11 Monate Bauzeit. Offen bleibt, ob die Sanierung ohne Sperrung der Halle durchgeführt werden könnte. Die Stadtverwaltung wird hierzu ein Konzept zur Nutzung der Europahalle inklusive Leichtathletiktraining unter Berücksichtigung der Kostenoptimierung erstellen - bei diesem Punkt waren sich alle Stadträte in der Beschlussvorlage einig.

Mittelweg: Veranstaltungen bis zu 1.500 Besuchern

Maßnahmen über eine darüber hinausgehende Nutzung der Halle für Veranstaltungen mit bis zu 1.500 Besuchern inklusive Kostenschätzung, Betriebskosten und Finanzierungskonzept lehnten Grüne und CDU ab. Erstere wollten eine Prüfung der Halle für Veranstaltungen mit bis zu 2.500 Personen. Dennoch erhielt dieser Punkt in der Beschlussvorlage die Mehrheit im Gemeinderat - die Stadtverwaltung wird diese Option nun prüfen.

Ein einheitliches Ja gab es vonseiten der Stadträte für eine eingeschränkte Marktanalyse durch die Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH (KMK): Sie soll ermitteln, welcher Bedarf an Großveranstaltungen "kommerzieller Kultur" und Konzerte in Hinblick auf Anzahl und Besucherkapazität im Oberzentrum Karlsruhe bestehen. Sprich: Würde eine entsprechende Großveranstaltungshalle auch gebucht werden - oder decken Städte im Umland diesen Bedarf bereits ab?

Entscheidung vertagt - alle Optionen werden geprüft

Wie die Entscheidung auch ausfallen wird - ob nun weiterhin als reine Trainingshalle mit maximal 200 Personen oder als Veranstaltungshalle mit bis zu 1.500 oder maximal 6.500 Personen - bis die "neue" Europahalle wieder einsatzbereit ist, muss eine Zwischenlösung gefunden werden. Hierfür soll die KMK erforderliche Mittel aufzeigen, die zur Durchführung von Großsportevents wie von Veranstaltungen im Bereich Kultur/Konzerte erforderlich wären. Ein Fokus liegt hierbei auf der Messe Karlsruhe, in welche bereits das vergangene Indoor-Meeting verlegt worden ist.

Mit der Zustimmung zur Beschlussvorlage bleibt die Zukunft der Europahalle weiterhin offen: Nun sollen alle Optionen geprüft und mit einem Preisschild versehen werden. Wann eine Entscheidung fallen wird, bleibt offen: "Wenn die Diskussion um den Sport- und Entwicklungsplan abgeschlossen ist", heißt es von Luczak-Schwarz. Mit einer endgültigen Entscheidung in Sachen Europahalle ist vermutlich nicht vor dem Sommer 2016 zu rechnen.

Hier gibt's die ausführlichen Beschlussvorlagen zur Gemeinderatssitzung (Link führt auf externe Seite)

 

Das sind die Mehrheitsverhältnisse im aktuellen Gemeinderat:

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ka-news Hintergrund:

9.000 Sitz- und Stehplätze standen bis Juni 2014 für Großveranstaltungen in der Europahalle an der Günther-Klotz-Anlage zur Verfügung. Bei Reihenbestuhlung im Innenraum waren es inklusive Tribünenplätzen immer noch rund 5.100 - genug Platz für Konzerte und Sportveranstaltungen. Ein Brandschutzgutachten stellte erhebliche Defizite in den Bereichen Lüftung und Entrauchung fest - die Halle ist aktuell nur noch für 200 Personen zugelassen.

Die Genehmigung der Europahalle als Großsporthalle wurde 1983 auf Basis der Versammlungsstättenverordnung von 1974 erteilt. 2004 wurde eine Nutzungsänderung als Mehrzweckhalle mit bis zu 9.000 Besuchern genehmigt. 2012 wurden bei einer Brandverhütungsschau erhebliche Mängel im baulichen Brandschutz festgestellt. Die Mängel waren so grundsätzlich, dass ein Gutachter eingeschaltet wurde, dessen erste Ergebnisse das Bauordnungsamt veranlassten, 2014 eine Nutzungsuntersagung auszusprechen.

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