Pünktlich zum Beginn des Sommersemesters bekommt die Karlsruher Universität ein neues Aushängeschild. Die Uni hat ab heute eine Bibliothek, die 24 Stunden am Tag geöffnet hat und das an sieben Tagen in der Woche. Der neue Service steht nicht nur Studenten zur Verfügung, jeder kann ab sofort rund um Uhr den Tempel des Wissens nutzen.
Möglich machen das neue Computersysteme und Funk-Chips, so genannte RFID-Chips, die in jedem Buch stecken und es für das System eindeutig identifizierbar machen. Man muss das Buch beim Verlassen der Bibliothek lediglich an einem Terminal "auschecken". Wer den Schmöker zurückbringen möchte, benutzt dafür im Eingangsbereich ein Rückgabestation, ähnlich einer automatischen Annahmestelle für Pfandflaschen. Beim Verlassen des Gebäudes sollte man tunlichst daran denken, die Bücher auch "auszuchecken".
Land und Bund teilen sich die Kosten von 13 Millionen Euro
Beim Durchschreiten der Sicherheitsschranke erkennt das System andernfalls das entsprechende, nicht registrierte Buch. Es ertönt das aus Kaufhäusern bekannte Piepsen und die Drehtüren am Eingang werden für zwei Minuten gesperrt. Niemand kann mehr rein und raus. Am ersten Tag hallt das nervöse Piepsen ständig durch die lichten Flure des neuen Gebäudes: Stop And Go an der Drehtüre. Das neue System braucht für die Studenten eine gewissen Eingewöhnungszeit. Auch ist das Abgeben der Bücher am ersten Tag nicht ohne Hindernisse zu bewältigen. Zeitweise ist das Netzwerk, mit dem die Bibliothek verbunden ist, überlastet. Dann nimmt die Abgabestation partout kein Buch mehr an.
 | | Der Bau der Bibliothek hat 13 Millionen Euro gekostet. Bund und Land teilten sich die Kosten (Foto: ka-news) |
|
13 Millionen Euro hat die Bibliothek gekostet. Das Land und der Bund haben sich gemeinsam die Kosten geteilt. An nunmehr 1.000 Arbeitsplätzen können Studenten jetzt arbeiten, vorher waren es lediglich 250. An jedem Platz gibt es Strom und einen Netzwerkanschluss für den Laptop. Neben dem direkten Zugriff auf etwa 300.000 Bücher in den Regalen, steht den Studenten noch der Zugang zu zahlreichen wissenschaftlichen nationalen und internationalen Datenbanken offen. Theoretisch gibt es auch ein Funknetzwerk, wenn es denn schon funktionieren würde. Der 24-Stunden-Service ist in Deutschland in dieser Art einzigartig. Zwar gibt es bereits an der Uni Konstanz eine Rund-Um-Die-Uhr-Bibliothek, aber die hat am Wochenende zu und bietet nachts keine Ausleihmöglichkeit.
Auch die Cafeteria wartet mit 24-Stunden-Service auf
Notwendig wurde die neue Einrichtung aufgrund ständig steigender Studentenzahlen, erklärt Uni-Rektor Professor Horst Hippler: "Die alte Bibliothek wurde für 6.000 Studenten konzipiert, heute studieren 18.000 Studenten an der Uni Karlsruhe." Prognosen gehen landesweit in den kommenden zehn Jahren von einer weiteren Steigerung der Studentenzahlen um 30 Prozent aus. Nun decken die vorhandenen Kapazitäten wieder den Bedarf. Das alte Gebäude hilft dabei mit, ausrangiert ist es nämlich noch lange nicht. Im Gegenteil: In den kommenden Jahren soll es komplett saniert werden und so wieder auf den heutigen Stand der Technik gebracht werden.
"Man muss sich das mal vorstellen, zwei Drittel der Öffnungszeit läuft die Bibliothek ohne Personal", schwärmt deren Direktor Christoph-Hubert Schütte. Vollservice gibt es lediglich in der Kernzeit von 9 bis 19 Uhr. Einzige Ausnahme bildet das Personal der Universitätswache, die in die Bibliothek verlegt wurde. So ist auch mitten in der Nacht die Sicherheit gewährt. Rote Alarmknöpfe an den Bücherregalen erhöhen das Sicherheitsgefühl. Ob nun wirklich die Studenten auch mitten in der Nacht das Angebot eifrig nutzen werden, steht in den Sternen. Schütte erwartet die stärkste Nutzung besonders in den Morgen- und Abendstunden. Vor den Prüfungen dürfte die Nutzung auch schon zunehmen, ergänzt Hippler schmunzelnd. Dann dürfte auch die Cafeteria stark frequentiert sein, die natürlich automatengestützt auch rund um die Uhr zum Verweilen einlädt.
"Gibt’s hier denn auch Bücher?"
 | | Die Bibliothek offeriert nun 1.000 Arbeitsplätze (Foto: ka-news) |
|
Zwei Biologie-Studentinnen zeigen sich noch ein wenig skeptisch gegenüber dem neuen Gebäude. "Man hätte hier ruhig noch für einen Eimer Farbe investieren können. Es wirkt alles ziemlich kühl und grau auf mich", erklärt eine der beiden. Ohnehin werde sie nicht rund um die Uhr die Bibliothek nutzen, meint ihre Kommilitonin. "Ich werde bestimmt öfters das 24-Stunden-Angebot nutzen", erklärt dagegen ein Maschinenbau-Student, der sich bereits an einem der Computerplätze eingefunden hat, um zu arbeiten. Er lobt die Aufteilung des Gebäudes: "Es ist alles recht großzügig gestaltet, mit hohen, hellen Räumen. Außerdem ist es klimatisiert." Vielleicht sollte noch ein wenig an der Wegweisung gearbeitet werden. "Gibt’s hier denn auch Bücher?" lautet die lapidare Frage eines Physik-Studenten, als er durch das Foyer schreitet.
Social Bookmarks