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Karlsruhe Wirtschaftlich unrentabel: S-Bahn-Linie S2 wird nicht bis Waghäusel fahren

Die Stadtbahnlinie S2, die bisher bis nach Stutensee fährt, wird nicht erweitert. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das der Karlsruher Kreistag in Auftrag gegeben hatte. Dieses sollte überprüfen, ob eine Erweiterung der Linie bis nach Waghäusel wirtschaftlich rentabel ist. Landrat Christoph Schnaudigel und die Bürgermeister der beteiligten Kommunen zeigten sich sichtlich enttäuscht von dem Ergebnis. Dennoch wolle man nicht klein beigeben, sondern das Nahverkehrsnetz anderweitig ausbauen.

Eine Stadtbahnlinie, die von Karlsruhe aus über Stutensee, Karlsdorf-Neuthard, Bruchsal, Forst und Hambrücken bis nach Waghäusel fährt - das wäre aus Sicht dieser Gemeinden im nördlichen Landkreis eine sinnvolle Maßnahme gewesen, um den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in dieser Region zu stärken.

260 Millionen Euro für 31 Kilometer

Leider wird nichts aus den Plänen des "Großen Arbeitskreises", bestehend aus Vertretern der beteiligten Kommunen, des Landkreises, des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG). Das Projekt erfülle laut Gutachten nicht die notwendigen Voraussetzungen, um von Land und Bund gefördert zu werden. Der Arbeitskreis hatte den Neubau einer Stadtbahntrasse auf einer Länge von zirka 31 Kilometer für insgesamt rund 260 Millionen Euro vorgesehen.

Zwar habe die Bewertung des Projekts ergeben, dass rund 4.200 Personen pro Tag mit der zusätzlichen Verlängerung für den ÖPNV gewonnen werden können: 4.200 Fahrgäste, die vom Auto auf die Bahn umsteigen könnten - was aus volkswirtschaftlicher Sicht relevant, aber für eine Förderung zu gering sei. Landrat Christoph Schnaudigel sieht bei dem Gutachten dennoch auch positive Seiten: "Auch wenn das Ergebnis negativ ist, haben wir weiterhin ein großes Potential an Fahrgästen, die wir für den ÖPNV gewinnen können."

So sei das Gutachten nicht umsonst gewesen und weise vielmehr die nächsten Schritte: "Wir müssen nun schauen, wie wir die Ergebnisse verwenden, um den ÖPNV im nördlichen Landkreis unabhängig vom Thema Schiene zu verbessern", betonte der Landrat am Dienstag. Mögliche Entwicklungen beträfen dabei insbesondere den Bussen. "Wenn wir keine neue Bahn bekommen, müssen wir uns auf die Entwicklung des Busverkehrs konzentieren", resümierte Walter Heiler, Bürgermeister von Waghäusel.

Alternative zur S2: Busverkehr intelligent vernetzen

Gleicher Meinung ist auch die Bruchsaler Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick. Zwar könne man das Thema Stadtbahn nun beerdigen. Das gelte jedoch keineswegs auch für das Thema Ausbau und Erweiterung des ÖPNV. So müsse der Busverkehr im Landkreis grundsätzlich gestärkt und intelligent weiter vernetzt werden. Obwohl Stutensee mit der Buslinie 123 bereits eine gute Verbindung nach Bruchsal habe, sei eine S-Bahn-Anbindung ebenfalls deutlich interessant gewesen, gab Klaus Demal, Oberbürgermeister von Stutensee, zu. Auch er wünscht sich, dass die Gemeinden zudem besser an die Bahnstrecke zwischen Karlsruhe und Mannheim angebunden werden.

Obwohl die Stadtoberhäupter geschlossen äußerst enttäuscht über das Nein zur Erweiterung waren, glauben sie dennoch daran, dass es "unterm Strich eine Verbesserung im Nahverkehr geben wird" - auch ohne die S2. Erste Vorschläge dazu will der Arbeitskreis bereits im kommenden Herbst vorlegen. Wie diese explizit aussehen - also ob neue Busse angeschafft, Linien höher vertaktet, neue Linien eingeführt oder Streckenführungen optimiert werden - sei zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar. Auch diese Maßnahmen müssten Experten erst auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüfen.

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