"Wir können alles" - Außer Geschäfte machen mit Afrika...
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Ein Kommentar von Stefan Jehle - Wenn eine Delegation aus Baden-Württemberg, wie vergangene Woche der Fall, in eine Region wie das ostafrikanische Burundi reist, hat das mehr als nur symbolischen Charakter. Der Kontinent Afrika umfasst ein Fünftel der gesamten Landfläche der Erde und wird von etwa 924 Mio. Menschen bewohnt. Doch bis auf Ausnahmen wie Südafrika spielt Afrika in der Kategorie Weltwirtschaft kaum eine Rolle.
Afrika, das ist für manche der vergessene Kontinent. Obwohl dort, so sagen Historiker und Ethnologen, die Wiege der Menschheit steht: Die ältesten bisher bekannten menschlichen Lebensspuren fanden sich in Afrika. Es gilt als sicher, dass sich von hier aus zunächst Homo erectus und später – der aus den in Afrika verbliebenen Populationen von Homo erectus entstandene – moderne Mensch (Homo sapiens) nach Asien und Europa ausgebreitet haben.
Doch gleichzeitig, bei wechselvoller Geschichte, bei Armut vielerorts, zweifelhaften Regimen, liegt in Afrika heute ein enormes Potenzial. Das gelte es zu nutzen, sagt beispielsweise der frühere CDU-Landtagspräsident Erich Schneider (Backnang) – auch und gerade im Blick auf Burundi, zu dem Schneider einst die Kontakte mit ins Leben rief. Ein großer "Fan" von Afrika ist erwiesenermaßen auch der amtierende Bundespräsident Horst Köhler, die Kontakte sind gewachsen schon in seiner Zeit als Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF). Afrika ist aber auch bei Prominenten ein Thema, wenn auch manchesmal eher wegen der notwendigen Publicity als vermeintlicher "Gutmensch", der den Notleidenden hilft.
Das was Europa zuweilen missachtet, wird anderswo wertgeschätzt. Die Chinesen, beispielsweise, sind höchst clever und gleichzeitig gerissen. Sie investieren in einer Vielzahl von afrikanischen Ländern, in einer Vielzahl von Projekten, manch einer sieht hier auch eine neue Art von Okkupation – nach den in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu Ende gegangenen Zeiten des Kolonialstatuts. Und nach dem scheinbaren Ende der wechselvollen Zeit der Abhängigkeit, die nach kurzer Blüte von Demokratie in den 60er und anhaltendem Wachstum der Wirtschaft in den 70er und 80er Jahren vielerorts in neue Formen von Armut und Unterdrückung überging.
Warum soll sich Deutschland, warum speziell auch Baden-Württemberg in Afrika engagieren? Die in den 70er Jahren aufgekommene "Entwicklungshilfe", die heute sinnvollerweise (Kritiker sagen: beschönigend) "Entwicklungs-Zusammenarbeit" heißt, ging einst davon aus, dass jede in einem afrikanischen investierte D-Mark in gleicher Höhe wieder zurückfließt. Das Prinzip kennt man vom Marshall-Plan, den die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg nach Westdeutschland brachten – und mit dessen Hilfe die Deutschen schnell wieder zu Wohlstand und Anerkennung in der Welt gelangten.
Eine 29-köpfige Delegation aus Baden-Württemberg, Agrarminister Peter Hauk an der Spitze, Spezialisten der Entwicklungs-Zusammenarbeit, mit Gisela Splett und Katrin Schütz auch zwei Landtagsabgeordnete aus Karlsruhe, haben in der vergangenen Woche in einem komprimierten Besuchsprogramm die Sorgen und Nöte des Acht-Millionen-Staats Burundi im ostafrikanischen Hochland kennen gelernt. Es waren eher Zufälle, die Burundi und Baden-Württemberg nach 1985 partnerschaftlich zueinander brachten. Und es mag nicht jedem einleuchten, warum Baden-Württemberg sich "gerade für Burundi verantwortlich fühlen soll".
Aber warum eigentlich auch nicht? Es gibt zahlreiche kommunale Partnerschaften – Karlsruhe pflegt Kontakte nach Nancy in Lothringen und konnte die deutsch-französische Freundschaft mit aufbauen, Karlsruhe hat nach Wende und Zusammenbruch der Sowjetunion "eine Partnerschaft" mit Krasnodar im Kaukasus, dem südlichen Russland etabliert – warum soll dann nicht Baden-Württemberg Kontakte pflegen nach Ostafrika, das bis 1914 für einige wenige Jahre deutsche Kolonie war, und wo heute noch in der Landessprache Kirundi die Begriffe Kartoffel, Schule und Heller – als Synonym für Geld – geläufig sind?
Apropos Geld: es muss sich nicht alles in "Heller und Pfennig" auszahlen. Baden-Württemberg als eine der reichsten Regionen Europas täte gut daran, einem der nachweislich ärmsten Land der Welt bei seiner wirtschaftlichen Entwicklung zu helfen. Schon heute beispielsweise macht eine Firma aus Untertürkheim ("mit dem guten Stern") gute Geschäfte auch in Ostafrika. Afrika ist auch nach wie vor ein wichtiger Rohstoffmarkt. Gisela Splett, Grüne Abgeordnete aus Karlsruhe, die nachweislich dazu beitrug, dass die Kontakte zwischen Burundi und Baden-Württemberg – die lange Zeit brach lagen – wieder in Gang kamen, schrieb in einem Dossier nach ihrer Rückkehr:
"Auf diplomatischer Ebene waren die Beziehungen zuletzt auf dem Nullpunkt angelangt. Deutschland hat seine Botschaft in Bujumbura 2006 wieder eröffnet. Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ / Eschborn) realisiert seit 2007 eines der weltweit größten Wasserprogramme in Burundi ("Pro-Sec-Eau"). Die Weltbank, der Internationale Währungsfonds, die EU – internationale Partnerländer sind mit Fachkräften und Investitionen im Land aktiv."
Um das Wort "Partnerschaft" habe die Landesregierung in den vergangenen Jahren eine großen Bogen gemacht, obwohl der Begriff in früheren Jahren auch in CDU-Kreisen für die Verbindung zu Burundi gebräuchlich gewesen sei. Jetzt, so Splett, müsse das Land durch Intensivierung des partnerschaftlichen Engagements einen Beitrag zu Frieden und Armutsbekämpfung leisten. Auch damit hat sie Recht: Demokratie gedeiht nicht auf dem Boden einiger humanitärer Hilfsmaßnahmen. Eine verlässliche Partnerschaft der Taten und des neuen Engagements des Landes ist der beste Beitrag zur Konsolidierung und Stabilisierung des burundischen Friedensprozesses.
Gerade Ministerpräsident Günter H. Oettinger, der in Afrika doch offenbar am liebsten nach Südafrika reist – dort "wo der Rubel" rollt, etwa wegen der dort in Kürze stattfindenden Fußballweltmeisterschaft – sollte sich das zu Herzen nehmen. Damit es, im Sinne des Landesmarketing, nicht in Kürze heißt: "Wir können alles": außer Geschäfte machen mit Afrika...
Doch gleichzeitig, bei wechselvoller Geschichte, bei Armut vielerorts, zweifelhaften Regimen, liegt in Afrika heute ein enormes Potenzial. Das gelte es zu nutzen, sagt beispielsweise der frühere CDU-Landtagspräsident Erich Schneider (Backnang) – auch und gerade im Blick auf Burundi, zu dem Schneider einst die Kontakte mit ins Leben rief. Ein großer "Fan" von Afrika ist erwiesenermaßen auch der amtierende Bundespräsident Horst Köhler, die Kontakte sind gewachsen schon in seiner Zeit als Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF). Afrika ist aber auch bei Prominenten ein Thema, wenn auch manchesmal eher wegen der notwendigen Publicity als vermeintlicher "Gutmensch", der den Notleidenden hilft.
Das was Europa zuweilen missachtet, wird anderswo wertgeschätzt. Die Chinesen, beispielsweise, sind höchst clever und gleichzeitig gerissen. Sie investieren in einer Vielzahl von afrikanischen Ländern, in einer Vielzahl von Projekten, manch einer sieht hier auch eine neue Art von Okkupation – nach den in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu Ende gegangenen Zeiten des Kolonialstatuts. Und nach dem scheinbaren Ende der wechselvollen Zeit der Abhängigkeit, die nach kurzer Blüte von Demokratie in den 60er und anhaltendem Wachstum der Wirtschaft in den 70er und 80er Jahren vielerorts in neue Formen von Armut und Unterdrückung überging.
Warum soll sich Deutschland, warum speziell auch Baden-Württemberg in Afrika engagieren? Die in den 70er Jahren aufgekommene "Entwicklungshilfe", die heute sinnvollerweise (Kritiker sagen: beschönigend) "Entwicklungs-Zusammenarbeit" heißt, ging einst davon aus, dass jede in einem afrikanischen investierte D-Mark in gleicher Höhe wieder zurückfließt. Das Prinzip kennt man vom Marshall-Plan, den die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg nach Westdeutschland brachten – und mit dessen Hilfe die Deutschen schnell wieder zu Wohlstand und Anerkennung in der Welt gelangten.
Eine 29-köpfige Delegation aus Baden-Württemberg, Agrarminister Peter Hauk an der Spitze, Spezialisten der Entwicklungs-Zusammenarbeit, mit Gisela Splett und Katrin Schütz auch zwei Landtagsabgeordnete aus Karlsruhe, haben in der vergangenen Woche in einem komprimierten Besuchsprogramm die Sorgen und Nöte des Acht-Millionen-Staats Burundi im ostafrikanischen Hochland kennen gelernt. Es waren eher Zufälle, die Burundi und Baden-Württemberg nach 1985 partnerschaftlich zueinander brachten. Und es mag nicht jedem einleuchten, warum Baden-Württemberg sich "gerade für Burundi verantwortlich fühlen soll".
Aber warum eigentlich auch nicht? Es gibt zahlreiche kommunale Partnerschaften – Karlsruhe pflegt Kontakte nach Nancy in Lothringen und konnte die deutsch-französische Freundschaft mit aufbauen, Karlsruhe hat nach Wende und Zusammenbruch der Sowjetunion "eine Partnerschaft" mit Krasnodar im Kaukasus, dem südlichen Russland etabliert – warum soll dann nicht Baden-Württemberg Kontakte pflegen nach Ostafrika, das bis 1914 für einige wenige Jahre deutsche Kolonie war, und wo heute noch in der Landessprache Kirundi die Begriffe Kartoffel, Schule und Heller – als Synonym für Geld – geläufig sind?
Apropos Geld: es muss sich nicht alles in "Heller und Pfennig" auszahlen. Baden-Württemberg als eine der reichsten Regionen Europas täte gut daran, einem der nachweislich ärmsten Land der Welt bei seiner wirtschaftlichen Entwicklung zu helfen. Schon heute beispielsweise macht eine Firma aus Untertürkheim ("mit dem guten Stern") gute Geschäfte auch in Ostafrika. Afrika ist auch nach wie vor ein wichtiger Rohstoffmarkt. Gisela Splett, Grüne Abgeordnete aus Karlsruhe, die nachweislich dazu beitrug, dass die Kontakte zwischen Burundi und Baden-Württemberg – die lange Zeit brach lagen – wieder in Gang kamen, schrieb in einem Dossier nach ihrer Rückkehr:
"Auf diplomatischer Ebene waren die Beziehungen zuletzt auf dem Nullpunkt angelangt. Deutschland hat seine Botschaft in Bujumbura 2006 wieder eröffnet. Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ / Eschborn) realisiert seit 2007 eines der weltweit größten Wasserprogramme in Burundi ("Pro-Sec-Eau"). Die Weltbank, der Internationale Währungsfonds, die EU – internationale Partnerländer sind mit Fachkräften und Investitionen im Land aktiv."
Um das Wort "Partnerschaft" habe die Landesregierung in den vergangenen Jahren eine großen Bogen gemacht, obwohl der Begriff in früheren Jahren auch in CDU-Kreisen für die Verbindung zu Burundi gebräuchlich gewesen sei. Jetzt, so Splett, müsse das Land durch Intensivierung des partnerschaftlichen Engagements einen Beitrag zu Frieden und Armutsbekämpfung leisten. Auch damit hat sie Recht: Demokratie gedeiht nicht auf dem Boden einiger humanitärer Hilfsmaßnahmen. Eine verlässliche Partnerschaft der Taten und des neuen Engagements des Landes ist der beste Beitrag zur Konsolidierung und Stabilisierung des burundischen Friedensprozesses.
Gerade Ministerpräsident Günter H. Oettinger, der in Afrika doch offenbar am liebsten nach Südafrika reist – dort "wo der Rubel" rollt, etwa wegen der dort in Kürze stattfindenden Fußballweltmeisterschaft – sollte sich das zu Herzen nehmen. Damit es, im Sinne des Landesmarketing, nicht in Kürze heißt: "Wir können alles": außer Geschäfte machen mit Afrika...
Mehr zu: Delegationsreise Landtag Burundi
Kommentare [5]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
- (347 Beiträge) | 09.03.2009 06:28Burundi ReiseEs stellt sich die Frage, düst man dorthin um den armen Menschen zu helfen oder will man nur sehen wie es ihnen ergeht, oder geht es dabei um andere Interessen? Alles in allem ist ja mit diesem Besuch noch niemand geholfen, außer rund vierigtausend Euro verdüst um Eindrücke zu sammel,und von wem stammt das Geld in der Fraktionskasse? Steuezahler? Eine sehr teuere Angelegeneheit. Bei einer Spende von 10€ müssten rund 4000 spenden um diesen Flug zu bezahlen.nächstens bitte ein hundertköpfige Kommission, dann gibt es vielleicht Mengenrabatt. gute Reise
- (1899 Beiträge) | 09.03.2009 10:23Jaja" Schon heute beispielsweise macht eine Firma aus Untertürkheim ("mit dem guten Stern") gute Geschäfte auch in Ostafrika."
Kann ich mir vorstellen, daß sich die Diktatoren dort gleich mehrere Benze (neben anderen Luxuskarossen) in die Garage stellen ... - (2 Beiträge) | 09.03.2009 11:14"Wir können alles"Es ist schon verwunderlich, dass Sie ausgerechnet die Chinesen als clever, vielleicht noch als "Gutmenschen" bezeichnen wollen, denn die machen wirklich nichts ohne Eigennutz und die sind vorrangig nur an der Ausbeutung der Bodenschätze interessiert und schon deshalb ist der Ansatz (Vergleich) nicht glücklich gewählt.
- (2 Beiträge) | 10.03.2009 17:40Der Artikel trieft nur von nur Unkenntnis über AfrikaWie wenn Entwicklungshilfe nur irgendwo den Armen nachhaltig geholfen hätte. Welche Projekte hat Baden-Württenberg bisher unterstützt und was ist aus Ihnen geworden? Das wüßten die Leser doch gerne. Entwicklunghilfe sollte meines Erachtens doch zu "Heller und Pfennig" bei den Bedürftigen ankommen. Im übrigen sind die Machteliten- die natürlich einen, meist mehrere Benz fahren- der Länder und die Entwicklungshilfe-
industrie virtuos im Gestalten von Fakten mit dem Ziel, dass die Hilfe weiter fliesst. Ich empfehle einen Blick auf den Bonner Aufruf (www.bonner-aufruf.eu) zur Reform der Entwicklungshilfe. - (1 Beiträge) | 11.04.2009 08:34Burundi Partnerschaft -aber wie?Sind die 29 Delegierten wirklich an Informationen bzgl Burundi und Initiierung von sinnvollen Projekten interessiert? Z.B. gestern erhielt ich ne Mail, dass ein Metallbetrieb in Burundi gesucht wird, der Standardfahrräder zu Lastenfahrrädern umbauen kann. Weiss jemand aus der Delegation was? Kriegen die solche Infos auch?
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Worldbike has recently received an order for 280 cargo bikes in Malawi. We are currently based in Kenya and considering making the bicycles in Malawi instead of Kenya to save on shipping costs. We are looking for a Malawi based NGO that has a large enough workshop space and workers that can handle a project such as this. We would also be interested and gracious to someone could help us identify an NGO or private sector business that can help us do this project.
Attached are photos are the bicycles I am speaking of.
Thanks,
Danny Scarangella
Site Manager
Worldbike
Skype ID: dannyscarangella
Kenya Mobile: 0712181387
Website: Worldbike.org




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