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Karlsruhe/Rheinstetten Verboten: Rheinstetten untersagt Moto-Cross-Lebenslauf für krebskranke Kinder

Der Karlsruher Verein Willensweg wollte in diesem Jahr eine Benefizveranstaltung auf einem Gelände neben der Messe Karlsruhe in Rheinstetten veranstalten. Dort sollte neben Konzerten auch ein Moto-Cross-Rennen stattfinden. Alles für den guten Zweck. Doch die Stadt Rheinstetten erteilte den Plänen eine Absage. Naturschutzgründe, heißt es.

Rüdiger Hirsch, Vorsitzender des Vereins Willensweg in Karlsruhe, hatte große Pläne für dieses Jahr. Er wollte einen sogenannten Motocross-24-Stunden-Lebenslauf veranstalten. Dafür sollte auf einem Gelände neben der Messe Karlsruhe in Rheinstetten für zwei Tage eine Moto-Cross-Strecke entstehen.

15 Teams sollten hier mit ihren Maschinen gegeneinander antreten - immer ein Fahrer pro Team auf der Strecke. Regionale Firmen wollten für jede gefahrene Runde Geld spenden, um krebskranken Kindern zu helfen. Das Rennen sollte in ein Rahmenprogramm eingebettet werden, welches parallel zum Motocross-Lauf auf einer Bühne stattfindet. Doch das Rennen bekam keine Genehmigung. Rüdiger Hirsch ist sauer: "Die Veranstaltung wird boykottiert."

Sponsoren stehen bereit

Dabei waren laut Hirsch die organisatorischen Fragen bereits geklärt, Sponsoren gefunden. Für die Finanzierung von Programm, Infrastruktur und Organisation hätten bereits mehrere regionale Firmen ihre Unterstützung zugesagt. Unternehmer hätten sich dazu bereit erklärt die Moto-Cross-Strecke aufzubauen: Sand aufschütten, Hügel modellieren. Auch für Toiletten, Abfallentsorgung und Sicherheitspersonal seien ebenfalls Firmen gefunden worden. Die beteiligten Firmen wollten laut Hirsch die notwendigen Leistungen unentgeltlich erbringen. Weitere Kosten sollten durch Eintrittsgelder abgefedert werden. 

Die Karlsruher Messe und Kongress GmbH (KMK) verweist auf ka-news-Anfrage an die Stadt Rheinstetten. Diese sei zuständig. "Egal wie wir zu dieser Veranstaltung stehen. Wenn die Stadt Rheinstetten die Veranstaltung untersagt, dann ist das so. Daran können wir nichts ändern, daran haben wir uns zu halten", so ein Sprecher der KMK gegenüber ka-news.

Stadt Rheinstetten: "Können das Rennen nicht genehmigen"

Im Januar teilt die Stadt Rheinstetten in einem Brief, der ka-news vorliegt, dem Verein mit: "Wir können dem Projekt in der vorgelegten Form nicht zustimmen. Die als Rennstrecke geplante Wiesenfläche liegt innerhalb des Bebauungsplanes 'Gewerbegebiet Neue Messe' und ist dort als Öffentliche Grünfläche festgesetzt. Diese ist auch Teil des ökologischen Ausgleichskonzeptes. Die Wiese ist dem Grunde nach zu erhalten und extensiv zu pflegen. Durch die gelegentlichen Nutzungen durch die Karlsruher Messe ist bereits die Grenze dessen, was in Einzelfällen ausnahmsweise zugelassen werden kann, erreicht."

Wenn Moto-Cross-Räder direkt auf der Wiese fahren, würde dadurch die Vegetation unmittelbar beschädigt. Aufschüttungen zur Geländemodellierung stellten zudem einen erheblichen Eingriff dar. Zudem seien durch die einzusetzenden schweren Baumaschinen "Verdichtungen zu erwarten, welche die Bodenfunktion nachhaltig beeinträchtigen würden." Nachträgliche Tiefenlockerungen würden die Wiese total zerstören.

"Durch den geplanten Fahrbetrieb von gleichzeitig bis zu 15 Geländemaschinen ist von einer Lärmbelastung auszugehen, die nach unserer Einschätzung weder dem benachbart liegenden Golfplatz noch der Wohnbevölkerung in Forchheim, Oberreut und der Heidestückersiedlung zugemutet werden kann. Auch durch die dabei zu erwartenden Geruchsbelästigungen leidet diese Veranstaltung an der Sozialverträglichkeit, die aus dem guten Zweck, der Unterstützung krebskranker Kinder, zu erwarten wäre", erteilt die Stadt dem Verein eine Absage.

Vorsitzender Hirsch ist empört

"Das ist ein Witz", so Hirsch. "Wenn Messen stattfinden, dann fahren dort tausende Autos rauf und runter und parken auf dem Gelände." Außerdem hätten Gutachten gezeigt, dass Lärm und Abgase des  Moto-Cross-Lebenslaufs keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt gehabt hätten, so Hirsch. "Dass eine Fledermaus von einem Golfball getroffen wird, ist wahrscheinlicher, als dass sie von den Abgasen der Motorräder ohnmächtig wird", findet er. Auch dass eine Stadt wie Rheinstetten, in der sich ein Moto-Ball-Gelände befindet, auf dem regelmäßig Motor-Sport-Veranstaltungen stattfinden, ein einmaliges Benefizrennen nicht erlaubt, kann Hirsch nicht nachvollziehen. "Warum darf in Rheinsetten regelmäßig Motor-Sport betrieben werden und in nur wenigen Kilometern Entfernung wird eine einmalige Veranstaltung dieser Art untersagt?", fragt der Vorsitzende.

Die Genehmigung der Sportplätze der Motoballvereine sei in regulären Genehmigungsverfahren erfolgt, erklärt der Bürgermeister der Stadt Rheinstetten Clemens Hauk auf ka-news-Anfrage. "Es wurden gegenüber der Natur und der angrenzenden Bebauung entsprechende Schutzmaßnahmen baulicher und organisatorischer Art festgelegt und die später nachfolgende Wohnbebauung hatte dann die bestehenden Plätze zu berücksichtigen. Nächtliche Veranstaltungen sind hier ausgeschlossen. Trotzdem gibt es durchaus immer wieder Beschwerden. Dies ist jedoch mit der geplanten Motocross-Vveranstaltung nicht zu vergleichen", so Hauk weiter.

Die Argumentation "Ihr habt im Südwesten der Stadt jede Menge Motorradlärm, dann müssen die Leute im Nordosten das auch aushalten" ist nach Ansicht Hauks nicht akzeptabel. "Wir haben zudem im Zusammenhang mit einer größeren Gewerbeansiedlung in Rheinstetten festgestellt, dass bei Maßnahmen an unserer nördlichen Stadtgrenze durchaus auch die berechtigten Interessen der in der Nachbarschaft lebenden Bewohner des Karlsruher Südwestens zu beachten sind. Was die ökologischen Aspekte angeht, so wissen wir, dass die Naturschutzbehörde im Landratsamt ebenfalls erhebliche Bedenken vorgetragen hat", teilt Hauk mit. Eine Ausnahme könne die Stadt nicht machen.

Stadt macht keine Ausnahme

"Die Zahlen, mit denen die Organisatoren hier argumentieren, sind nicht nachvollziehbar und haben bei der Entscheidung keine Rolle zu spielen. Wir haben mitgeteilt, dass wir eine Benefizaktion hinter der Messe für diesen guten Zweck durchaus befürworten können. Dem, was hier geplant ist, können wir jedoch beim besten Willen nicht zustimmen", so Bürgermeister Hauk.

 "Man will sich engagieren, und bekommt solche Steine in den Weg gelegt", empört sich Hirsch. "Wir wären ja Kompromisse eingegangen", erklärt er. Der Verein hätte bis September gewartet, um Vögel während den Brutzeiten nicht zu stören. "In der Nacht wird ja gar nicht gefahren", so Hirsch weiter. Aufgrund der nächtlichen Ruhe sollten die 24 Stunden auf zwei Tage (jeweils von 8 bis 20 Uhr) verteilt werden. Auch hätten ihm Experten bestägit, dass keine Gefahr für Wasserschutzgebiete bestehen. Die Gründe der Stadt für die Absage seien "fadenscheinig". Durch die Veranstaltung wären laut Hirsch 500.000 Euro an Spendengeldern zusammengekommen, die an das Städtische Klinikum Karlsruhe gegangene wären.

Verein rechnete mit 500.000 Euro Spendengeld

Der Trägerverein "Willensweg e.V." wurde 2011 mit Sitz in Karlsruhe gegründet. Das Ziel des Vereins ist  "die Unterstützung hilfsbedürftiger Personen und die Integration kranker und behinderter Menschen". unter anderem durch "Angebote zur Teilhabe behinderter und kranker Menschen an sportlichen und kulturellen Veranstaltungen und zur Förderung der Begegnung und des Austauschs mit nicht benachteiligten Menschen". Um diese  Ziele zu erreichen will Rüdiger Hirsch mit seinen Helfern im Verein Charity-Aktionen unterschiedlicher Art ins Leben rufen.

Der Verein hat bereits ein weiteres Event geplant: Am 15. Juni findet auf dem Gelände der SG Siemens ein Benefiz-Fußballspiel zwischen der SG Siemens Karlsruhe (AH) und den VfB Stuttgart-Allstars statt. Hier mehr Informationen zum Verein Willensweg im Internet

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