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Karlsruhe Unfälle in Karlsruhe: Zahl der verunglückten Kinder deutlich angestiegen

Das Jahr 2015 im Rückblick: Bei einem Pressetermin am Freitag stellte die Karlsruher Polizei die Verkehrsstatistik für das Jahr 2015 vor. Das Fazit: steigende Unfallzahlen, mehr Verkehrstote - dafür weniger Schwerverletzte. Dennoch ist die Polizei besorgt, denn eine Risikogruppe wurde im Karlsruher Stadtgebiet im vergangenen Jahr besonders oft verletzt: Kinder.

Als Roland Lay, Vizepräsident des Polizeipräsidiums Karlsruhe die Verkehrsstatistik für das Jahr 2015 Revue passieren lässt, spricht er bei der Unfallentwicklung von "Licht und Schatten". Auf der einen Seite sieht er die erneut angestiegenen Unfallzahlen: 36.945 Unfälle verzeichneten die Polizisten 2015 - und damit 1.091 mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Verkehrstoten ist nicht gesunken: 45 Menschen ließen im Zuständigkeitsbereich der Karlsruher Polizei ihr Leben - einer mehr als 2014. "Jeder von ihnen ist einer zu viel", meint Lay.

Auf der anderen Seite gab es 2015 - entgegen dem landesweiten Trend - 4.255 Verkehrsunfälle, bei denen Menschen zu Schaden kamen. Zudem waren im vergangen Jahr deutlich weniger schwer verletzte Personen zu beklagen (981) und die Zahl der Leichtverletzten verringerte sich von 4.666 auf 4.569 Personen. Und dennoch: Eine Entwicklung im Karlsruher Straßenverkehr macht dem Polizei-Vizepräsidenten Sorgen.

"Deutliche Zunahme" bei Unfällen mit Kindern

Mit Blick auf die Statistik fällt in Karlsruhe eine Besonderheit ins Auge: Im vergangenen Jahr wurden auffallend viele Kinder im Straßenverkehr verletzt. Neben Senioren und jungen Erwachsenen tauchen Kinder als eine der Risikogruppen in der Verkehrsstatistik des Polizeipräsidiums Karlsruhe auf. Insgesamt verunglückten in dessen Zuständigkeitsbereich im Jahre 2015 352 Kinder im Straßenverkehr. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor betrug die Zahl der verunglückten Kinder noch 313. "Das ist eine deutliche Zunahme",

Die Zahlen aus der Fächerstadt machen dem Beamten aber besondere Sorgen: "Karlsruhe ist in diesem Bereich exorbitant weit vorne", so Joachim Zwirner, Leiter des Referats Verkehr. Von den insgesamt 352 Unfällen, bei denen Kinder beteiligt waren, ereigneten sich allein 113 in Karlsruhe. "Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr", meint Vizepräsident Lay. Gegenüber dem Vorjahr mit 74 verletzten Kindern entspreche dies einer Steigerung von über 52 Prozent.

Stadt Karlsruhe Kinder (0-13 Jahre) Durchschnitt 2011 bis 2013 Januar bis Dezember 2014 Januar bis Dezember 2015 Abweichung
Getötete Kinder 0 0 0 0%
Schwerverletzte Kinder 11 7 10 43%
Leichtverletzte Kinder 76 67 103 54%

Bereits im Juli des vergangenen Jahres warnte die Karlsruher Polizei vor einem dramatischen Anstieg von Unfällen mit Kindern. In den ersten Monaten des Jahres 2015 verunglückten bereits 60 Kinder - im Vorjahr waren es im selben Zeitraum 26 Kinder.

Versagen Eltern bei der richtigen Verkehrserziehung?

Besonders bitter für die Karlsruher Polizei: Trotz Präventionsmaßnahmen wie der Aktion "Sicherer Schulweg" war beinahe die Hälfte der verunglückten Kinder im Karlsruher Stadtgebiet mit dem Fahrrad unterwegs (45,1 Prozent). 30 weitere Kinder verunglückten als Fußgänger - und damit doppelt so viele wie noch im Jahr zuvor (26,5 Prozent). Dass besonders häufig radfahrende Kinder im Karlsruher Straßenverkehr in Unfälle verwickelt waren, schätzt Lay als "besonders traurig" ein.

Die Frage nach dem Grund für den drastischen Anstieg stellt die Polizei aber noch vor Rätsel. Es zeichne sich hier keine dominierende Unfallursache ab. "Aber an Zufälligkeiten wollen wir auch nicht glauben", bekräftigt Zwirner. Auf der Suche nach der Antwort müsse die Polizei nun nach dem Ausschlussverfahren den Grund für den Anstieg suchen. "Wir wissen, an den Baustellen und an der Jahreszeit lag es nicht, hier gab es keine Auffälligkeiten", erklärt Zwirner im Gespräch mit ka-news.

Ein Muster lasse sich aber aus vielen Unfallberichten herauslesen: "Oft waren sich die Kinder der Gefahren überhaupt nicht bewusst", so Zwirner. Beispielsweise habe sich ein Kind in einem Fall in einem verkehrsberuhigten Bereich auf die Straße gelegt - und wurde dann von einem abbiegenden Pkw erfasst. Mangelt es den Kindern immer öfter an richtiger Verkehrserziehung?

So weit möchte Zwirner im Gespräch mit ka-news nicht gehen. Dennoch appelliert er vor allem an die Eltern: Diese müssten ihre Kinder auf die Gefahren hinweisen, ohne ihnen Angst vor dem Straßenverkehr zu machen. "Ob Tempo 30 oder Spielstraße: Eine Straße ist kein Spielplatz", mahnt Zwirner.

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Immer öfter sind Kinder in Karlsruhe in Unfälle verwickelt. Die Polizei appelliert an die Eltern. Sind Kinder noch ausreichend auf den Straßenverkehr vorbereitet? Und wie bringt man Kinder am besten ein Gefühl für den Straßenverkehr bei? Stimmen Sie ab und diskutieren Sie unter diesem Artikel!

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