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Karlsruhe Umgestaltung des Bahnhofplatzes: Ein Teppich vor dem Hauptbahnhof

Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) planen, die Haltestelle Hauptbahnhof barrierefrei auszubauen. Für die gestalterische Umsetzung lobten die VBK einen europaweiten Wettbewerb für Architekten und Stadtplaner aus. Jetzt wurden die Preisträger bekannt gegeben.

„Bitte überlassen Sie den Sitzplatz mobilitätseingeschränkten Fahrgästen.“ Regelmäßigen Nutzern des Öffentlichen Personennahverkehrs in Karlsruhe dürfte diese Durchsage, die in schöner Regelmäßigkeit in den Bahnen der VBK zu hören ist, bekannt vorkommen. Im Zuge des Behindertengleichstellungsgesetzes von 2002 planen die VBK nun, den Bahnhofsvorplatz mit den Haltestellen für Bahnen und Busse barrierefrei umzugestalten.

Alle Bahnsteige sollen auf gleicher Höhe liegen, trotzdem sollen die Fahrgäste eben in alle Bahnen einsteigen können. Hier eine technische Lösung zu finden sei sehr anspruchsvoll gewesen, erklärte Dr. Walter Casazza, Geschäftsführer der VBK. „Die Niederflurbahnen, die wir im Stadtbereich einsetzen, haben eine Einstiegshöhe von 34 Zentimetern, die Stadtbahnen, die das Umland anfahren, aber 55 Zentimeter“, verdeutlicht Casazza das Problem.

Deshalb erarbeitete man ein Konzept mit unterschiedlichen Höhenunterschieden zwischen Gleis und Bahnsteig, je nachdem, ob dort Stadt- oder Straßenbahnen halten sollen. Die Bahnsteige liegen alle auf einem Niveau und ermöglichen ebenes Umsteigen. Teil der Umgestaltung ist auch die Verlegung der Bushaltestellen in die Victor-Gollancz-Straße.

"Mehr Sitzgelegenheiten wären wünschenswert"

Um zu klären, wie die Karlsruher Bürger den Bahnhofplatz und seine Umgestaltung sehen, hat sich ka-news direkt an Ort und Stelle umgehört. Markus Brandel aus Bulach sieht keinen Anlass, den Platz zu verändern. „Hier hält man sich ohnehin nicht lange auf, das ist mehr so ein Durchgangsplatz“, findet er. Die Duisburgerin Claudia Ebert glaubt hingegen, dass dem Platz eine frischere Gestaltung gut tun würde. „Es ist ziemlich grau hier“, stellt sie fest.

Reinhard Laub aus Bretten freut vor allem, dass der Durchgangsverkehr im Zuge der Umgestaltung dauerhaft vom Bahnhofsvorplatz verschwindet. „Die Autos können ruhig außenrumfahren, das betont die Funktion des Platzes als Haltestelle für die Bahnen“,erklärt er und steigt in die Stadtbahn. Steven Hansen wünscht sich vor allem mehr überdachte Flächen und mehr Sitzgelegenheiten. „Oft kommt man hier an und alle Sitzplätze an der Haltestelle sind bereits besetzt“, ärgert sich der Würmersheimer.

Zumindest teilweise fanden diese Anregungen tatsächlich in einigen Entwürfen Beachtung. Der Wettbewerb bestand zum einen aus einem Realisierungsteil. Hier waren Konzepte für die Neugestaltung der barrierefreien Bahnsteige im Westen des Bahnhofplatzes gefragt. Zum anderen gab es auch einen Ideenteil, in dem die Architekten Gestaltungsideen für den Gesamtplatz entwickeln sollten. Deren Umsetzung ist insbesondere aus finanziellen Gründen aber offen.

"Wichtig ist vor allem die Funktionalität"

Insgesamt gingen 23 Entwürfe bei den VBK ein. Eine Jury, bestehend aus Architekten, Stadtplanern sowie Vertretern der Politik, der Stadt Karlsruhe und der VBK, beurteilte am vergangenen Freitag die eingereichten Vorschläge und legten die Preisträger fest. „Grundsätzlich gab es zwei Arten von Vorschlägen“, erklärte Jurymitglied Bernhard Schorpp, Architekt aus Karlsruhe. „Die Entwürfe verfügen entweder über ein großes Dach, das den gesamten Haltestellenbereich überdacht, oder über Einzeldächer über den einzelnen Bahnsteigen.“

Das Problem bei einem großen Dach sei seine enorme Höhe, da die Bahnen samt Oberleitungen komplett darunter passen müssen. Dadurch sei ein ausreichender Wetterschutz, besonders im Randbereich des Daches, nicht gewährleistet, urteilte die Jury. Aus diesem Grund verfolgen alle drei Preisträger das Konzept der Einzelüberdachung. „Wichtig ist vor allem die Funktionalität“, betonte auch VBK-Chef Casazza.

Der mit 16.000 Euro dotierte erste Preis ging an das Büro terra.nova Landschaftsarchitektur aus München. Der betont schlichte Entwurf setzt auf durchgehende Dächer für die einzelnen Bahnsteige, eine einheitliche Farbe der Pflastersteine um eine Art „Teppich“ vor dem Hauptbahnhof auszurollen und ein Lichtband, das den Platz einrahmt. Im Unterschied dazu entschied sich der Berliner Architekt Ulrich von Ey für farblich abgesetzte Gleistrassen und jeweils 20 Meter lange Überdachungen der Haltestellen. Für sein Konzept erhielt er den zweiten Preis.

Noch ist nicht entschieden, welches Konzept umgesetzt wird

Der dritte Preis ging an Adler & Olesch Landschaftsarchitekten und Ingenieure aus Mainz, in Zusammenarbeit mit AV1 Architekten aus Kaiserslautern. Auch hier wird das Teppichmotiv aufgegriffen. Die Überdachungen an den Haltestellen erinnern in Maß und Größe an Wartehäuschen. Die Jury vergab weiterhin vier mit je 6.000 Euro dotierte Ankäufe, darunter auch zwei Konzepte mit großflächiger Überdachung.

Welcher der drei Preisträger sein Konzept verwirklicht sehen wird, ist allerdings noch nicht entschieden. Mit den drei Architekturbüros werden nochmals Gespräche geführt, in denen das Konzept, das umgesetzt wird, beschlossen wird. Bis der Bahnhofsvorplatz dann barrierefrei umgestaltet ist, dauert es noch etwas. Der Antrag auf Bewilligung soll noch in diesem Jahr dem Land vorgelegt werden. 2010 könnte das Projekt, in das die VBK 2,5 bis drei Millionen Euro investieren will, dann konkrete Züge annehmen.

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