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Karlsruhe Umfrage: Kondom-Aussage des Papstes - revolutionär oder belanglos?

Das Buch mit den intensiv diskutierten Äußerungen von Papst Benedikt XVI. zum Kondomverbot der Kirche wurde kürzlich in Rom präsentiert. Der Papst erklärt darin, im Einzelfall sei die Benutzung von Kondomen im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids zu erlauben. Medien und Hilfsorganisationen werteten das bereits vorab als sensationellen Kurswechsel. Der Vatikan schwächte zunächst ab und erklärte, es handle sich "nicht um eine Revolution". Wir wollen heute von Ihnen wissen: Kondom-Aussage des Papstes - revolutionär oder belanglos?

Bei der Buchvorstellung in Rom am Dienstag, 23. November, wandte sich der Autor Peter Seewald nach der Diskussion über die Lockerung des Kondom-Verbotes entschieden dagegen, das Weltbild des 83-jährigen Papstes auf diese Frage zu reduzieren.

Benedikt erklärt im Buch, im Einzelfall sei die Benutzung von Kondomen im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids zu erlauben. Medien und kirchliche Hilfsorganisationen werteten dies nach Vorabdrucken bereits als sensationellen Kurswechsel. Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Neuevangelisierung, Rino Fisichella, betonte dagegen am Dienstag, Benedikts Äußerungen in dem Gesprächsbuch "Licht der Welt" bedeuteten keine Wende in der katholischen Sexuallehre.

Wende in der katholischen Sexuallehre?

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte, die Aussagen seien zwar "keine Sensation, aber doch etwas Neues, das man bislang so von einem Papst nicht gehört hat". Benedikt sagt in dem Buch: "Es mag begründete Einzelfälle geben, etwa wenn ein Prostituierter ein Kondom verwendet, wo dies ein erster Schritt zu einer Moralisierung sein kann." Es sei in dem Gespräch um die Verwendung von Präservativen im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids gegangen, nicht um Verhütung, sagte Seewald.

Der schwule deutsche Theologe David Berger meinte, dass sich an der katholischen Sexualmoral im Großen und Ganzen nichts ändern werde. "Die nur in extremen Ausnahmen zugelassene Kondom-Nutzung ist das Zückerchen, das den Essig der kirchlichen Sexualmoral etwas versüßen soll", sagte der 42-Jährige aus Köln der Deutschen Presse-Agentur. Benedikt XVI. vertrete eine antiquierte Sexualmoral und lasse reaktionäre Kreise gewähren. "Ich habe aber die Hoffnung, dass mit dem kleinen Schritt, den Benedikt XVI. geht, vielleicht später eine Bresche geschlagen wird in den Wall kirchlicher Einengungen."

Sensationeller Fortschritt oder doch nichts Neues?

Der Landesbischof der evangelischen Kirche in Baden, Ulrich Fischer, hat die Äußerungen von Papst Benedikt zum Gebrauch von Kondomen begrüßt. Dass der Papst den Gebrauch eines Kondoms als Gesundheitsschutz für zulässig erklärt, sei ein wichtiger Schritt, so Fischer. Neben der Enthaltsamkeit und der ehelichen Treue sei der Gebrauch eines Kondoms ein wesentlicher Baustein für die Vorbeugung von Aids.

Wir wollen heute in unserer ka-news-Umfrage von Ihnen wissen: Ist das der Beginn einer Wende in der katholischen Sexuallehre oder wird sich keine Wandlung vollziehen? Sind die Aussagen des Papstes über Kondome revolutionär oder belanglos? Stimmen Sie ab!

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